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Die Islandfischer

Pierre Loti: Die Islandfischer - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorPierre Loti
titleDie Islandfischer
publisherPhilipp Reclam jun
year
firstpub
translatorE. Bagge
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080430
projectid3b5adcd0
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7.

»Sie ist ein bißchen alt, seine Liebste,« sagten die Kameraden zwei Tage später, als sie Sylvester lachend nachsahen; »schadet aber nichts, sie scheinen sich trotzdem ganz gut zu verstehen.«

Es machte ihnen Spaß, Sylvester zum erstenmal mit einer Frau am Arm spazieren gehen zu sehen, zu welcher er sich liebevoll herabneigte, als sagte er ihr eben etwas recht Liebes und Herzliches. Und die alte Frau blickte voll Zärtlichkeit zu ihm auf. Trotz ihres gekrümmten Rückens war sie noch recht rüstig; für die eben herrschende Mode war ihr Rock etwas kurz; sie trug ein altes braunes Shawltuch und die Paimpoleser Haube.

»Jawohl, ein bißchen sehr alt, die Herzallerliebste!«

Es war das ein gutmütiger Spott, denn jeder sah, daß es eine gute alte Großmutter vom Lande war.

In großer Angst und Eile war sie hergerannt, auf die schreckliche Nachricht hin, daß ihr Enkel in den Krieg müßte. Hatte der Krieg mit China doch schon manchem Matrosen von Paimpol das Leben gekostet!

Die Großmutter hatte in aller Eile ihre armseligen paar Spargroschen zusammengerafft, ihr Sonntagskleid und eine frische Haube in eine Pappschachtel gepackt und war nach Brest gereist, um ihn noch ein letztes Mal zu umarmen. Sie hatte sich geradeswegs nach der Kaserne durchgefragt, der Adjutant seiner Compagnie wollte aber keinen Urlaub zum Ausgehen bewilligen. »Suchen Sie beim Hauptmann darum nach, gute Frau,« sagte er, »da geht er eben vorüber.«

Sie folgte dem Rat augenblicklich und der Hauptmann ließ sich erweichen.

»Moan soll sich zum Ausgehen anziehen,« befahl er.

Sylvester nahm immer vier Treppenstufen auf einmal, so eilig hatte er es mit der Ausführung des Befehls. Die Großmutter staunte über sein hübsches Aussehen, als er wieder erschien. Wie gut stand ihm der Staatsanzug mit dem weit offenen Kragen, und von seiner Mütze flatterten lange Bänder, die an ihren Enden goldene Anker trugen; auch war Sylvesters schwarzer Bart jetzt spitz geschnitten. Einen Augenblick hatte sie sich eingebildet ihren Sohn Pierre wieder erscheinen zu sehen, der vor zwanzig Jahren als Mastwächter bei der Marine gedient hatte; und der Gedanke an all den Kummer und die Todesfälle, die sie in diesen zwanzig Jahren erlebt, legte sich wie ein Schatten auf diese glückliche Stunde. Doch verscheuchte sie alle traurigen Gedanken und gab sich der Freude hin, am Arm ihres schmucken Enkels spazieren gehen zu dürfen.

Sylvester führte sie zunächst zum Essen in ein Kosthaus, dessen Inhaber aus Paimpol stammte und wo es nicht teuer war. Darauf zeigte er ihr die Stadt; er führte sie beständig und ließ sie alle Herrlichkeiten der städtischen Läden bewundern. Dabei erzählte sie ihm alle lustigen Geschichten, welche sich seit seiner Einberufung zugetragen hatten, und da sich die beiden im bretonischen Dialekt unterhielten, störte kein fremdes Ohr ihr Vergnügen.

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