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Die Insel Berande

Jack London: Die Insel Berande - Kapitel 4
Quellenangabe
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typefiction
authorJack London
titleDie Insel Berande
publisherBüchergilde Gutenberg
editorMax Barthel
year1934
translatorMax Barthel
correctorreuters@abc.de
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Die Jessie

Zwei Tage vergingen, und Scheldon, der immer schwächer wurde, fühlte, daß es mit ihm zu Ende ginge, und daß er nicht mehr lange seine täglichen vier Hospitalbesuche machen könnte. Es gab durchschnittlich vier Todesfälle täglich, und die Krankheit griff immer mehr um sich. Die Schwarzen befanden sich in großer Angst. Jeder schien sich, krank geworden, die größte Mühe zu geben, zu sterben. Waren sie einmal von der Krankheit gepackt, so fehlte ihnen der Mut, sich gegen sie zu wehren. Sie glaubten, daß sie sterben mußten, und taten ihr bestes, diesen Glauben zu rechtfertigen. Selbst die Gesunden waren überzeugt, daß es nur eine Frage von Tagen war, bis die Krankheit auch sie packte und hinwegraffte. Aber so fest sie es auch glaubten, fehlte ihnen doch der Mut, den weißen Mann, der dem Tod so nahe war, über den Haufen zu rennen, und dem Hause des Grauens in den Booten zu entfliehen. Sie blieben lieber und warteten auf den schleichenden Tod, der ihrer, wie sie bestimmt wußten, wartete, als daß sie den sofortigen Tod wählten, der sie ereilen mußte, wenn sie sich gegen ihren Gebieter auflehnten. Daß er nie schlief, wußten sie. Daß er nicht tot gezaubert werden konnte, wußten sie ebenso sicher – sie hatten es versucht, und selbst die Krankheit, die sie alle hinwegraffte, konnte ihn nicht töten.

Seit der Auspeitschung hatte sich die Disziplin gehoben. Die Schwarzen krümmten sich unter der eisernen Faust des Weißen. Sie zeigten ihre finsteren, bösen Blicke nur mit abgewandten Gesichtern oder hinter seinem Rücken. Sie warteten mit ihrem Murren bis zur Nacht in der Baracke, wo er sie nicht hören konnte. Und es gab keine Ausreißer und keine nächtlichen Lauscher auf der Veranda mehr.

In der Morgendämmerung des dritten Tages nach der Auspeitschung erschienen die weißen Segel der Jessie. Sie war acht Meilen entfernt, und es dauerte bis zwei Uhr nachmittags, ehe die schwache Brise ihr ermöglichte, eine Viertelmeile vor der Küste zu ankern. Ihr Anblick verlieh Scheldon neuen Mut, und die ermüdenden Stunden des Wartens verdrossen ihn nicht. Er erteilte den Vorarbeitern seine Befehle und machte seine regelmäßigen Hospitalbesuche. Jetzt war alles gut. Er hatte es überstanden. Er konnte sich niederlegen und sich gesund pflegen. Die Jessie war da. Sein Teilhaber war an Bord, gesund und frisch vom sechswöchigen Rekrutieren in Malaita. Der konnte jetzt den Betrieb leiten, und alles auf Berande wurde gut.

Scheldon lag auf dem Deckstuhl und beobachtete das zum Strande rudernde Boot der Jessie. Er wunderte sich, daß nur mit drei Riemen gepullt wurde, und wunderte sich noch mehr, daß nach der Landung das Aussteigen so lange dauerte. Dann verstand er. Die drei Schwarzen, die gepullt hatten, kamen mit einer Tragbahre auf den Schultern über den Strand. Ein Weißer, in dem er den Kapitän der Jessie erkannte, schritt voran, öffnete die Pforte und ließ sie vorbei. Scheldon wußte, daß der, der auf der Bahre lag, Hughie Drummond war, und ein Schleier legte sich über seine Augen. Er spürte ein überwältigendes Verlangen zu sterben. Die Enttäuschung war zu groß. In seinem eigenen, entsetzlich schwachen Zustand fühlte er, daß es ihm unmöglich war, seine Aufgabe, die Berande-Plantage fest in der Hand zu halten, weiter zu erfüllen. Dann aber erwachte seine Willenskraft wieder, und er wies die Schwarzen an, die Tragbahre neben ihn auf den Boden zu setzen. Hughie Drummond, den er zuletzt vor Gesundheit strotzend gesehen hatte, war ein abgezehrtes Skelett. Die geschlossenen Augen waren tief eingesunken. Die eingeschrumpften Lippen entblößten die Zähne, und die Backenknochen schienen die Haut durchstechen zu wollen. Scheldon schickte einen Hausboy nach dem Thermometer und blickte fragend den Kapitän an.

»Schwarzwasserfieber«, sagte der Kapitän. »Er ist seit sechs Tagen bewußtlos. Und dazu haben wir Dysenterie an Bord. Was ist mit Ihnen los?«

»Ich begrabe vier Mann täglich«, erwiderte Scheldon, indem er sich von seinem Liegestuhl hinabbeugte und seinem Partner das Thermometer unter die Zunge steckte.

Kapitän Olson fluchte und schickte einen Hausboy nach Whisky. – Scheldon sah auf das Thermometer. Hundertsieben«, sagte er. »Armer Hughie.« Kapitän Olson bot ihm Whisky an.

»Das hat gerade noch gefehlt«, sagte Scheldon.

Er ließ einen Aufseher holen und befahl, ein Grab zu schaufeln und aus ein paar Kisten einen Sarg zu zimmern. Die Schwarzen bekamen keinen Sarg. Sie wurden begraben, wie sie starben, indem sie nackt, wie sie waren, auf ein Stück Wellblech vom Hospital zur Grube gefahren wurden. Nachdem er seine Befehle erteilt hatte, legte sich Scheldon mit geschlossenen Augen auf seinem Stuhl zurück.

»Es war die reine Hölle, Herr Scheldon«, begann Kapitän Olson; er brach ab, um einen Schluck Whisky zu nehmen. »Die reine Hölle, Herr Scheldon, sage ich Ihnen. Widrige Winde oder überhaupt keine. Zehn Tage sind wir getrieben. Zehntausende von Haien folgten uns zehn Tage lang, weil wir sie fütterten. Als wir an Land pullten, schnappten sie nach den Riemen. Ich wünschte, ein Nordwest wäre gekommen und hätte die ganzen Salomons in die Hölle geweht.

»Wir kriegten es vom Wasser – Wasser vom Owgabach. Füllten die Fässer damit. Konnten es ja nicht ahnen. Ich hatte früher Wasser dort eingenommen, und es war immer gut gewesen. Wir hatten sechzig Rekruten – genau sechzig – und fünfzehn Mann Besatzung. Tag und Nacht mußten wir sie über Bord schmeißen. Die Kerls wollten nicht leben, verdammt sollen sie sein! Aus reiner Bosheit starben sie. Nur drei von meiner Mannschaft stehen noch auf den Füßen. Fünf liegen. Sieben sind tot. Verfluchte Kiste! Was sollen wir weiter darüber reden!«

»Wieviel Rekruten sind noch übrig?« fragte Scheldon. »Die Hälfte ist weg. Dreißig sind noch übrig, davon liegen zwanzig, und die letzten zehn schwanken noch eben herum.«

Scheldon seufzte. »Das bedeutet wieder Erweiterung meines Hospitals. Sie müssen irgendwie an Land geschafft werden. Viaburi! He, du, Viaburi, läuten groß fella Glocke stark fella zuviel.«

Die Leute, zu so ungewöhnlicher Zeit von der Arbeit gerufen, wurden in Gruppen abgeteilt. Einige wurden in den Busch geschickt, um Holz für die Häusergerüste zu schlagen, andere mußten Gras zur Bedachung schneiden, und vierzig Mann hoben das Walboot über ihre Köpfe und trugen es zum Strand hinunter. Scheldon hatte mit den Zähnen geknirscht, den sinkenden Mut zusammengerafft und Berande wieder in seine Faust genommen.

»Haben Sie das Barometer beobachtet?« fragte Kapitän Olson, der am Fuß der Treppe stehengeblieben war, um die Ausschiffung der Kranken zu beobachten.

»Nein«, antwortete Scheldon. »Steht es niedrig?«

»Es fällt.«

»Dann schlafen Sie heute Nacht lieber an Bord«, meinte Scheldon. »Kümmern Sie sich nicht um das Begräbnis. Ich werde nach dem armen Hughie sehen.«

»Ein Schwarzer biß ins Gras, als ich vor Anker ging.« Der Kapitän sagte dies ganz beiläufig, wartete aber offenbar auf einen Vorschlag.

Den andern überkam plötzlich der Zorn.

»Schmeißen Sie ihn über Bord!« schrie er. »Großer Gott, Mann, glauben Sie nicht, daß ich genug Gräber an Land habe?«

»Ich meinte ja nur«, antwortete der Kapitän, durchaus nicht gekränkt.

Scheldon tat sein kindisches Benehmen leid.

»Ach, Kapitän Olson,« rief er. »Wenn Sie Rat wissen, kommen Sie morgen an Land und helfen Sie mir. Wenn Sie nicht selber können, schicken Sie mir den Steuermann.«

»Ich komme selbst. Johnsson ist tot. Ich vergaß, es Ihnen zu erzählen – vor drei Tagen.«

Scheldon sah dem Kapitän der Jessie nach, wie er, die Arme schwingend und Gott und die Salomoninseln verfluchend, den Weg hinunterging. Seine Blicke fielen auf die Jessie, die draußen in der glasigen Dünung rollte, und schweiften weiter nach Nordosten, wo, hoch über der Floridainsel, eine hohe dunkle Wolkenwand lagerte. Dann dachte er an seinen Partner. Er rief nach Leuten, um ihn ins Haus tragen zu lassen. Aber mit Hughie Drummond ging es zu Ende. Sein Atem war kaum noch zu spüren. Durch bloße Berührung konnte Scheldon feststellen, daß die Temperatur des Sterbenden sank. Sie mußte schon im Sinken gewesen sein, als das Thermometer hundertsieben zeigte. Er hatte ausgelitten. Scheldon kniete neben ihm nieder, und die Hausboys stellten sich herum. Ihre weißen Hemden und Lendentücher bildeten einen merkwürdigen Kontrast zu ihrer schwarzen Haut, ihrem wilden Aussehen und ihren großen Ohrpflöcken und glänzenden, geschnitzten Nasenringen. Mit Anstrengung kam Scheldon wieder auf die Füße und ließ sich auf den Liegestuhl fallen. So schwül es auch vorher gewesen, jetzt wurde es noch drückender. Man konnte kaum atmen. Er rang nach Luft. Die Gesichter und die bloßen Arme der Hausboys waren mit Schweißperlen bedeckt. »Herr,« wagte einer von ihnen zu sagen, »groß fella Wind er kommen stark fella zuviel.«

Scheldon nickte, sah aber nicht auf. So nahe ihm Hughie Drummond auch gestanden hatte, sein Tod und das sich daraus ergebende Begräbnis schienen ihm eine unerträgliche Last aufzubürden, zu der, unter der er bereits zusammenbrach. Er hatte das Gefühl – nein, die Gewißheit – daß er nur die Augen schließen und alles gehen lassen sollte, wie es wollte, und daß er dann sterben, in einer Unermeßlichkeit von Ruhe versinken dürfte. Er wußte, daß es so war. Es war sehr einfach. Er brauchte nur die Augen zu schließen; denn er war jetzt so weit, daß er nur noch durch seinen Willen lebte. Sein ausgezehrter Körper schien von der aufsteigenden Angst vor der Auflösung zerrissen. Er war ein Narr, daß er sich ans Leben klammerte. Zwanzig Tode war er schon gestorben, und welchen Zweck hatte es, das Leben nochmals um zwanzig Tode zu verlängern, ehe er wirklich starb. Er hatte nicht nur keine Furcht vor dem Tode, er wünschte ihn herbei. Sein zermarterter Körper und sein Geist wünschten es, und warum sollte seine Lebensflamme nicht ganz erlöschen? Aber sein Wille, der Leben und Tod meisterte, war noch wach. Er sah die beiden Boote am Strande landen und sah die Kranken auf Tragbahren oder Huckepack in trauriger Prozession vorbeiziehen. Er sah die Anzeichen des aufsteigenden Windes am bewölkten Horizont und dachte an die Kranken im Hospital. Hier wartete seiner etwas, das geschafft werden mußte, und es lag nicht in seiner Natur, sich schlafen zu legen oder zu sterben, wenn es noch eine Aufgabe zu erfüllen galt.

Die Aufseher wurden gerufen und erhielten den Befehl, das Hospital mit den beiden Anbauten festzulaschen. Er erinnerte sich der Reserveankerkette, die, neu gestrichen, unter den Deckenbalken des Hauses aufgehängt war, und befahl, sie gleichfalls beim Hospitalbau zu verwenden. Der Sarg wurde gebracht, grotesk aus Kistenholz zusammengezimmert, und nach seiner Anweisung wurde Hughie Drummond hineingelegt. Ein halbes Dutzend Leute trugen ihn zum Strand hinunter, und er ritt auf den Schultern eines Schwarzen, die Arme um seinen Hals geklammert, ein Gebetbuch in der Hand, hinterher. Während er das Gebet las, starrten die Schwarzen furchtsam auf die schwarze Linie, über der die Wolken, sich überstürzend, daherjagten. Als er die Andacht beendet hatte, wehte der erste Hauch, schwach, zärtlich und erfrischend durch seinen ausgedörrten Körper. Während dann die Schaufeln schnell das Grab mit Sand füllten, kam der zweite Windstoß. So heftig war er, daß Scheldon, der noch auf dem Boden stand, sich, um nicht fortgeweht zu werden, an seinen Träger klammerte. Die Jessie war nicht mehr zu sehen, und ein merkwürdiges, unheilverkündendes Geräusch erhob sich, während Unmengen kleiner Wellen schäumend auf den Strand rollten. Es war wie das Aufwallen eines mächtigen Kessels. Überall her ertönte das dumpfe Geräusch fallender Kokosnüsse. Die hohen zierlichen Stämme wanden sich und klatschten wie Peitschenschläge. Die Luft schien angefüllt mit ihren fliegenden Wedeln, deren jeder mit seiner Schneide den Kopf eines Mannes hätte zerschmettern können. Dann kam der Regen; eine Sintflut, eine horizontale Masse, die, allen Gesetzen der Schwere Hohn sprechend, wie ein Strom daherschoß. Der Schwarze, auf dem Scheldon ritt, stürzte sich mitten in das Unwetter hinein, indem er sich weit vorbeugte, um nicht rücklings niedergeworfen zu werden.

»Er kann sich heute nacht ausschlafen«, fuhr es Scheldon durch den Kopf, als er an den toten Mann im Sande und an das auf den kalten Lehm rieselnde Regenwasser dachte.

So kämpften sie sich den Strand hinauf. Die andern Schwarzen packten seinen Träger und schleiften, zerrten ihn vorwärts. Manche von ihnen hätten nichts lieber getan, als den Reiter in den Sand zu werfen, auf ihn zu springen und ihn zu einem widerlichen Nichts zu zerstampfen. Aber die automatische Pistole mit ihrem schnell ratternden Tod in seinem Gürtel und der automatische, todesverachtende Geist in dem Manne selbst hielten sie zurück und trieben sie, ihn mit Aufgebot ihrer ganzen Kräfte durch den Sturm in Sicherheit zu bringen.

Durchnäßt und erschöpft, wie er war, mußte er sich über die Leichtigkeit wundern, mit der er die Kleider wechseln konnte. Obwohl er furchtbar schwach war, fühlte er sich doch tatsächlich besser. Die Krankheit hatte ausgetobt, und die Genesung begann.

»Jetzt nur kein Fieber«, sagte er laut und entschloß sich im selben Augenblick, zum Chinin überzugehen, sobald er stark genug war, es wagen zu können.

Er kroch auf die Veranda. Der Regen hatte aufgehört, aber der Wind war schon zum halben Sturm geworden und wuchs immer noch. Die See toste, und meilenlange Brecher überstürzten sich zweihundert Meter vor dem Strande und krachten auf den Sand. Die Jessie, die jetzt wieder zu sehen war, stampfte wild vor zwei Ankern, und jede zweite oder dritte See brach über ihren Bug hinweg. Zwei Flaggen flatterten steif an der Flaggleine, wie Vierecke aus biegsamem Eisenblech. Die eine war blau, die andere rot. Er kannte ihre Bedeutung aus dem Privatcode von Berande: »Was wünschen Sie? Soll ich versuchen, ein Boot zu landen?« An der Wand, zwischen Flaggenmast und Billardregeln, hing der Code, mit dessen Hilfe er das Signal entziffert hatte und jetzt antwortete. An der Gaffel des Flaggenmastes ging eine weiße Flagge über einer roten hoch, was bedeutete: »Gehen Sie in Schutz der Nealinsel.«

Daß Kapitän Olson dies Signal erwartet hatte, erkannte er an der Schnelligkeit, mit der die Schäkel aus beiden Ankerketten geschlagen wurden. Er slippte die Anker, nachdem er sie mit Bojen versehen hatte, um sie bei besserem Wetter aufzunehmen. Die Jessie wendete unter vollem Stagsegel, dann wurde das doppelt gereffte Toppsegel gehißt. Sie schoß fort wie ein Rennpferd und kam auf eine halbe Kabellänge vom Balesunariff frei. Eben bevor sie die Spitzen rundete, wurde sie von einer furchtbaren Bö getroffen, die weit heftiger als die erste war.

Diese ganze Nacht hindurch schlief Scheldon, während Bö auf Bö über Berande hinwegfegte, Bäume entwurzelte, Kopraschuppen umstürzte, und das Haus auf seinen hohen Pfosten wankte. Er merkte nichts von dem Aufruhr. Er schlief fest, ohne sich nur zu rühren, ohne zu träumen. Wie neugeboren erwachte er. Er war hungrig. Es war über eine Woche her, seit Nahrung über seine Lippen gekommen war. Er trank ein Glas mit Wasser verdünnter kondensierter Milch, und gegen zehn Uhr getraute er sich, eine Tasse Brühe zu trinken. Auch die Lage im Hospital hatte sich gebessert. Trotz des Sturmes war nur ein Mann gestorben und ein neuer Kranker eingeliefert, während ein halbes Dutzend Leute schwach nach den Baracken schlichen. Er hätte gern gewußt, ob es der Wind gewesen, der die Krankheit fortgeblasen und das verseuchte Land gereinigt hatte.

Gegen elf Uhr traf ein Bote von Seelee aus Balesuna ein. Die Jessie war halbwegs zwischen dem Dorfe und der Nealinsel gestrandet. Erst gegen Abend brachten zwei Mann von der Besatzung die Nachricht, daß Kapitän Olson und der dritte Mann ertrunken waren. Aus dem, was sie sagten, konnte Scheldon nur schließen, daß die Jessie total verloren war. Um seine Laune noch zu verbessern, wurde er von Schüttelfrost gepackt und hatte eine halbe Stunde später hohes Fieber. Und er wußte, daß er wenigstens noch einen Tag warten mußte, ehe er auch nur die kleinste Dosis Chinin nehmen konnte. Er kroch unter einen Haufen von Decken und überraschte sich kurz darauf dabei, wie er laut lachte. Er hatte die Grenze seines Unglücks erreicht. Von Erdbeben und Flutwellen abgesehen, konnte ihm nichts mehr geschehen. Die Flibberty-Gibbet lag wohl sicher in der Mbolipassage. Da nichts Schlimmeres geschehen konnte, mußte es wohl besser werden. Und so kam es, daß er, unter seinen Decken frierend, lachte, daß die Hausboys die Köpfe zusammensteckten, und sich über die Teufel in ihm wunderten.

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