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Die Höhlenkinder ? Im Pfahlbau

Alois Theodor Sonnleitner: Die Höhlenkinder ? Im Pfahlbau - Kapitel 27
Quellenangabe
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typefiction
authorA. Th. Sonnleitner
titleDie Höhlenkinder ? Im Pfahlbau
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
seriesDie Höhlenkinder
volumeBand 2
isbn3423701412
illustratorFritz Jaeger, Ludwig Huldribusch
year1992
firstpub1918
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorrainer@stahlerftstadt.eu
senderwww.gaga.net
created20091220
modified20150114
projectidb1e903ae
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Steinschleuder und Bronzebeil

Länger als ein Jahr war Peter die Arbeit am Schmelzofen und auch am Töpferofen verleidet. Wenn er auch annahm, die Gußrinne und die Form seien nicht trocken genug gewesen und deshalb in der Hitze geplatzt, er war zu abgespannt, zu enttäuscht, jetzt schon eine tönerne Gußform hartzubrennen und den Fehler gutzumachen. Zu lange war er von der schweren Arbeit gefangengehalten worden. Wegen der Schmelzversuche hatte er die Jagd aufgegeben; nun erwachte in ihm ein unbändiges Verlangen, frei zu schweifen und zu jagen. Er nahm sich kaum Zeit, einige Bronzeklümpchen zu Nadeln und Messerklingen zu verarbeiten. Waghalsig suchte er sich in den Salzwänden an die Steinböcke heranzupirschen. Ohne Erfolg. Bei Sammelgängen leistete er Eva selten Hilfe. Nur für das Brennholz sorgte er.

Aber die ungelöste Aufgabe ließ ihn nicht los. Auf seinen Jagdgängen las er alles auf, was dem Gewicht nach Erz sein konnte, beklopfte, behorchte es, und was ihm keinen guten Klang gab, verwarf er als »taub«. Er schleppte sich mit den Funden herum, bis er sie irgendwo an einer leicht merkbaren Sammelstelle ablegte. Er stapelte die Steine auf, die er irrtümlich für Erze hielt; und doch dienten auch sie der Metallgewinnung, indem sie zum Verglasen jener Stoffe beitrugen, an welche die Metalle gebunden waren: sie dienten als Schlackenbildner. Es waren zumeist Steine, die etwas Urkalk und Quarz enthielten. Eine arge Enttäuschung erlebte er mit einem gelben Kristall, den er für Gold hielt und gleich an der Fundstelle mit einem Hornsteinbrocken zu hämmern begann: Doch statt sich wie Gold unter dem Schlagstein zu strecken, begann er spröde abzubröckeln. Plötzlich sprangen unter einem Kantenschlag zwei Funken aus dem Stein, von denen einer erst verglühte, als er den Boden berührte. Was Peter für Gold gehalten hatte, war Schwefelkies.

Jubelnd suchte er Eva auf. Er legte ein Läppchen aus dem Zundervorrat unter den »Funkenstein«, mußte aber mit einem Hornstein lange vergeblich schlagen, bis ein Funke heraussprang, und der fiel daneben. Erst als er mit einem länglichen, scharfkantigen Jaspis-Splitter, von der Seite her streichend, quer zur harten Kante des Funksteines schlug, sprangen Funken ab, von denen gleich zwei sich im Zunder festsetzten und ihn zum Glimmen brachten. Sachte blies Peter die winzige Glut an, bis er daran trockenes Torfmoos und Grashalme zu heller Flamme entzünden konnte. Jetzt hatte er ein Feuerzeug, das er auf seinen Jagd- und Sammelgängen mit sich tragen konnte: Funkenstein, Schlagstein und Zunder! Allerdings, eine Untugend hatten beide Feuersteine: Sobald ihre Kanten rundlich abgeschlagen waren, gaben sie keine Funken mehr.

Unmittelbar an der Felswand ließ er ein mächtiges Feuer lodern, um nicht etwa von Bären gestört zu werden. Ein Platzregen löschte das Feuer und trieb Peter in seinen nahen Unterschlupf, eine Grube mit einem schrägen Windschirm aus Holzstäben und Fichtenreisern. Der Regen hörte bald auf. Peter räumte die Holzreste von der Feuerstelle; da entdeckte er, daß von dem erhitzten und dann naßgewordenen Felsen Stücke abgesprungen waren und tiefblaue Adern jenes Erzes freigegeben hatten, das beim Ausschmelzen Rotmetall und mit einem andern Erz gemischt Braunzeug ergeben hatte. Kräftig trieb er seinen Metallkeil in die entstandenen Felsrisse und brach die abgesprengten Trümmer erzführenden Gesteins heraus. Dabei kam allerlei Unerwartetes zum Vorschein: gelb, rot und blau gescheckte Steine (Buntkupferkies) und schwere, weißlichgrau glänzende Erze, die er noch nie gesehen hatte (Bleiglanz). Seltener fand er weiße und grünliche, bläulich schimmernde Würfel (Flußspat) und schwärzliche Säulen (Zinnstein). Ob sie Metall enthielten oder nur Schlackenbildner waren – er nahm sie mit.

Nun war Peter nicht mehr darauf angewiesen, aus dem vom Frost abgesprengten Haldengestein die Erzstücke auszuklauben, er konnte überall Feuer setzen, wo ein Erzlager zutage trat. Da aber die Funkensteine als Mittel zum Feuermachen nicht zuverlässig waren, fertigte Peter einen tragbaren Feuerbohrer an. Es war nur ein trockener Hartriegelstab mit einem Wulst, auf den er einen Wirtel aus gebranntem Ton steckte. Dazu gehörte ein Speckstein, mit dem er den Bohrstab von oben her leicht drückte, so daß dessen unteres Ende sich in der Vertiefung des unterlegten Holzblockes drehen mußte, wenn er den Bohrstab mit der darumgewickelten Bogensaite rasch hin und her drillte. Zunder vom Buchenschwamm trug er immer bei sich.

Die Jagd auf Rehe zwang Peter zu einer neuen List. Das Wild war scheuer geworden und zog sich, sobald es den Jäger witterte, zurück. Es nützte nichts mehr, wenn er Gesicht und Hände mit Lehm und Rötel färbte. Er mußte etwas anderes versuchen und verfiel darauf, sich das frische Fell eines Rehbocks anzulegen. Unter der Tiermaske gelang es ihm, an die Beute heranzukommen.

Nicht selten rannte ein angeschossenes Stück davon, den Pfeil mit der Stein- oder gar mit einer kostbaren Bronzespitze im Leibe. Der aus freier Hand geschleuderte Stein und auch die Wurfkeule waren zwar wuchtige Waffen, die weiter reichten als seine Faust. Als sich aber einmal der Steinkopf aus der geschwungenen Keule löste und allein durch die Luft sauste, sah Peter sofort den Vorteil, aus dem gespaltenen Klemmstab das Wurfgeschoß in die Ferne zu schleudern. Es dauerte nicht lange, bis die Lederschlinge als Schleuder den Klemmstab ablöste. Peter lernte auch diese tödliche Waffe so geschickt zu handhaben, daß er damit aus großer Entfernung ein Reh zu Boden streckte, das, vom Stein am Kopf getroffen, zusammenbrach. Aus reiner Lust an der neuen Fertigkeit warf Peter auch nach leblosen Zielen, und das kam seiner Treffsicherheit zugute. Einmal drang der Schleuderstein durch die Rinde eines hohlen Ahorns, in dem ein Bienenvolk hauste. Peter räucherte die Bienen aus und beraubte sie ihrer honigschweren Waben.

Eva, die von früher her wußte, wie gut sich Honig zum Süßen eignet, nahm den ganzen Vorrat für die Küche; auch einen Teil des Wachses behielt sie zum »Wachseln« von Fäden. Sie hatte bei allen ihren Arbeiten das Gefühl, sich den Anteil an Peters Beute-Erträgen zu verdienen. Außer auf ihren Erntegängen, bei denen sie ab und zu erfolglos nach Gold suchte, entfernte sie sich nie weit von Haus und Hof, an dessen Umzäunung Fischnetze hingen und die Siedlung von der Außenwelt abschlossen. Diese Abgeschlossenheit gefiel ihr. Die Vorsorge für den kommenden Winter machte viel Arbeit. Das Fleisch der Beutetiere war vorzubereiten, ehe sie es in die Räucherkammer hängen konnte. Erfahrung hatte sie gelehrt, daß das Fleisch durch wochenlanges Einlagern in Salzlake, die mit Wacholderbeeren, Gundelkraut, Wildkümmel und Lauch durchsetzt war, schmackhafter und haltbarer wurde. Eva säumte auch nicht, das reine Speisefett in eigenen Töpfen zu zerlassen und durch irdene Deckel vor Staub zu schützen. Für das Abfallfett, das sie beim Schaben der Felle und beim Reinigen des Gedärms gewann und zur Kerzen- und Seifenbereitung sowie zum Einfetten des gegerbten Leders brauchte, hatte sie besondere Körbe, die unter dem Fußboden ihrer Hütte im Freien standen. Zum Zwirbeln der gereinigten Därme, die als starke Bindfäden und Bogensaiten dienten, benutzte sie ein einfaches, selbsterfundenes Gerät: einen zickzackförmigen Asthaken mit zwei Kniebiegungen. Sein kürzeres Ende war als Achse in einen tragbaren Strunkständer eingelassen, das längere ergab den Griff für eine Kurbel. An einem Asthaken an der Außenwand ihrer Hütte band Eva das eine Darmende fest, das andere an der Kurbelachse; dann trug sie den Kurbelständer so weit weg, bis der Darm gespannt war, und drehte die Kurbel so lange, bis er die gewünschte Fadendrehung hatte. Zum Schluß spannte sie die Saite zwischen Zaun und Hütte und ließ sie trocknen.

Ihr Selbstgefühl stieg mit der neuen Erfindung, nur Peters Anerkennung blieb aus.

Er war mit Tonarbeiten für neue Gießversuche beschäftigt. Mit besonderer Sorgfalt widmete er sich der Herstellung tönerner Gußhüllen für Äxte. Durch den ersten Fehlschlag gewitzt, brachte er außer dem Einfließloch am einen Ende jeder Gußform ein Auspuffloch für die Heißluft am anderen an und begnügte sich nicht damit, die Gußformen durch Beschmauchen zu härten, sondern brannte sie hart. Eva beeilte sich, neues Geschirr zu kneten, um die Gelegenheit auszunützen, wenn er den Töpferofen wieder heizte.

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