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Die Höhlenkinder ? Im Pfahlbau

Alois Theodor Sonnleitner: Die Höhlenkinder ? Im Pfahlbau - Kapitel 26
Quellenangabe
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typefiction
authorA. Th. Sonnleitner
titleDie Höhlenkinder ? Im Pfahlbau
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
seriesDie Höhlenkinder
volumeBand 2
isbn3423701412
illustratorFritz Jaeger, Ludwig Huldribusch
year1992
firstpub1918
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorrainer@stahlerftstadt.eu
senderwww.gaga.net
created20091220
modified20150114
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Mißlungener Bronzeguß

Als Peter eine Woche später die Asche aus dem geborstenen Ofen geräumt hatte, entdeckte er auf dem Grund des Herdraumes eine blasige Schlackenschicht, die den Boden des Sammelnapfes überzog und mit der Wandmauerung zusammengebacken war. Beim Zerschlagen stellte sich heraus, daß sie nach unten zu in eine dichte, schwarze, kieselharte Masse mit schaligem Bruch überging, die unter dem Schlagstein zersprang und stellenweise mit kleinen, runden Körnchen eines rötlichen Metalles durchsetzt war. Auf dem Boden des Gefäßes lag eine dünne, ebenso gefärbte Metallplatte; ihre glänzende Oberfläche war narbig, während die Unterseite jeden Fingerabdruck des Tongefäßes genau wiedergab. Mit zitternden Händen hob Peter das endlich gewonnene »Rotzeug« – wie er es nannte – und lief zu Eva, die vor Verwunderung sprachlos war. Die erste Enttäuschung mit dem Ergebnis seiner Mühen erlebte er aber, als der Metallkuchen bald nach der Berührung mit seinen Händen den schönen Glanz verlor und braun wurde – es war doch nur »Braunzeug«. Die zweite Enttäuschung kam, als er sich anschickte, Eva aus einem bohnengroßen Stück eine Nadel zu hämmern. Das Metall erwies sich als brüchig und unverwendbar.

Daheim steckte er das Stück noch einmal ins Feuer und hämmerte es, ehe es wieder hart wurde. Aber nun fehlte ihm ein widerstandsfähiges Gerät, mit dem er das glühend gewordene Klümpchen vom Feuer auf einen Stein hätte heben können. Er nahm zwei Stäbchen und hob damit das heiße Stück vorsichtig aus der Glut. Auf halbem Wege brannte sich eine Metallperle durch das Holz und fiel zischend in ein Gefäß mit Wasser. Peter schleuderte sie heraus. Sie war dunkelblau angelaufen. Aus Sorge, sie werde sich vor seinen Augen wieder in ein sprödes Zeug zurückverwandeln, beeilte er sich, sie mit einem Schlagstein zu schmieden.

Und siehe da – sie streckte sich unter der Wucht des Schlages und ließ sich, in ein gespaltenes Holzstäbchen geklemmt, zu einer fingerlangen Nadel formen!

Als Peter diese wieder erhitzt hatte, um sie gefügig zu machen, gelang es ihm kaum, das Öhr zu bohren; schon als er die Spitze feiner hämmern wollte, war sie härter als zuvor, so daß er durch Schleifen erreichen mußte, was ihm zu schmieden nicht gelang. Wiederholte Versuche zeigten, daß das Braunzeug durch Glühen und plötzliches Abkühlen im Wasser hämmerbar, durch Glühen und langsames Abkühlen hart wurde. Mit dieser Entdeckung begann für Peter eine neue Schaffenszeit. Ihn erfaßte eine fahrige Unruhe, die Eva rätselhaft war. Ungläubig lauschte sie den zuversichtlichen Reden, die er hielt. Nichts schien ihm mehr unmöglich: Keile, Messer, Sägen, Löffel, Pfeilspitzen, Gefäße, alles wollte er aus diesem Braunzeug machen! Evas Wunsch, ihr Gewandnadeln zu schmieden, mit denen sie Fellränder zusammenhalten wollte, erfüllte er gern. Er dachte sich eine federnde Bogennadel aus, deren Spitze sich im umgebogenen stumpfen Ende festlegen ließ.

Dann aber erklärte er vorbeugend, das übrige Metall brauche er selber. Es reichte nicht weit. Wie oft waren ihm Steinkeile zersplittert, wenn er sie ins Holz getrieben hatte, um es auseinanderzudrücken. Jetzt hämmerte er einen breiten Keil zurecht, mit dem er Baumstämme spalten wollte. Der erste Versuch, einen Fichtenstamm der Länge nach zu spalten, fiel kläglich aus: Der tief eingetriebene Keil steckte so fest im Holz, daß Peter ihn nicht mehr herausziehen konnte. Erst als er kleine Vorsetzkeile verschiedener Stärke angefertigt hatte, konnte er den einen mit Hilfe des anderen wieder lockermachen. Aus dem längsten und schmälsten aber schliff er einen Meißel. Er dachte auch an die Herstellung eines geöhrten Beiles. Aber dazu reichte es nicht; auch fehlte es noch an einem Gerät, mit dem er ein gröberes Stück mit einem Öhr hätte schmieden können. Der Holzstab, der zum Niederhalten des Metallklumpens auf dem Amboßstein diente, vermochte kaum, das Hüpfen und Ausweichen zu verhindern, wenn die Rechte mit dem Hammerstein arbeitete.

Darum wurde Peters erste Metallaxt nur ein einfacher Keil, an einem Ende breitschneidig geschliffen, am anderen spitz. Diesen Keil brannte er so in den harten Knorrenkopf eines Wurzelastes ein, daß der Wurzelast als Schaft diente, und verpichte ihn außerdem. Die Axt lag gut in der Hand, griff mit Schwung ins Holz und bot sich förmlich als Wurfgeschoß an.

Nun sollte die Keilaxt eine Sicherung bekommen: an jeder Längsseite einen Lappen, der das Schaftholz zu umklammern hatte. Zunächst schnitzte Peter aus Holz ein Vorbild der Lappenaxt. Dabei kam ihm der Gedanke: Wenn er das Vorbild zur Hälfte in einen flachen, noch weichen Lehmbrocken versenkte, diesen mit einem Randwulst versah und dann einen flachen Lehmdeckel fest darauf drückte, dann mußte sich von oben wie von unten her der Lehm genau an das Vorbild schmiegen. Hob er dann den Deckel ab und nahm das hölzerne Vorbild aus dem Lehmlager, so hatte er die zwei Hälften einer Hülle, die er nur trocken werden lassen mußte, um eine Gußform zu erhalten, die genau die Gestalt des Vorbildes hatte. Und das hineingegossene Braunzeug mußte dann diese Gestalt annehmen. Doch als er den nur oberflächlich hartgewordenen Deckel abnehmen wollte, hing dieser mit dem Lager zusammen und mußte erst mit einem Messer losgelöst werden. Mit ihm wurde das daranklebende Vorbild gehoben und Lehmklümpchen dazu, die vom Lager abgegangen waren. Der Hohlraum, der das fließende Braunzeug aufnehmen sollte, war entstellt, die Ränder der seitlichen Lappen waren abgerissen. Dieser Fehlschlag veranlaßte Peter, beim neuen Vorbild die Lappen zunächst flach abstehen zu lassen. Nach dem Guß konnte er sie ja umschmieden. Wie war es doch? Richtig: durch Erhitzen und rasches Abkühlen wird das Braunzeug biegsam, durch Erhitzen und langsames Abkühlen wird es hart.

Damit der Lehm des Deckels weder am Lager noch am Vorbild klebte, genügte es, kleinkörnigen Sand dazwischen zu streuen. Tage vergingen, bis Peter den hart gewordenen Deckel vom Lager abheben und dann beide Stücke durch Beschmauchen im Feuer härten konnte. Nun machte er sich an die Verbesserung des Schmelzofens. Damit die Heißluft aus dem Ofen nicht mehr abgesaugt, das Luftrohr nicht mehr bersten konnte, blieb nichts anderes übrig, als in eine Ausbuchtung des Windzuführungsganges ein bewegliches Hindernis einzubauen. Erst dachte er an eine lederne Windklappe, die sich beim Einblasen des Windes dem Ofen zu öffnen, beim Aussaugen aber der Heißluft den Weg verlegen sollte. Leder ... nein, Leder schrumpft, sagte er sich und schliff aus Speckstein eine kastaniengroße Kugel, die er in eine Ausbuchtung des Luftgangs einlegte. Beim Ansaugen mußte sie das runde Luftrohr des Gebläses schließen, beim Einblasen in der Richtung zum Ofen hinrollen und den Weg für die Frischluft freigeben. Da aber der weitere Luftweg schlitzförmig hoch und schmaler als die Kugel breit war, konnte sie ihn nicht verlegen, und der eingetriebene Wind mußte an ihr vorbei zur Feuerung strömen. Weil sie zum Hin- und Herrollen nicht einmal fingerlang Spielraum hatte, mußte der Luftweg sich rasch schließen und öffnen.

Nach zwei Wochen sorgfältigster Arbeit setzte Peter das Gebläse versuchsweise in Gang, und siehe da – die Erfindung bewährte sich! Nichts, was er je vorher erdacht und geschaffen hatte, schien ihm so bedeutend wie dieser Erfolg scharfen Nachdenkens. Noch hatte er nicht genug Erze beisammen, um sie ausschmelzen zu können. Er verließ einstweilen den Schmelzofen und streifte die Geröllhalden am Fuß der Felswände nach schweren, klingenden Steinen ab, die Erze sein mochten. Die ersten hartklingenden, von blauem Geäder durchzogenen Steine fand er jedoch erst oberhalb der Goldbachquelle im niedergegangenen Urgestein. Langsam rückte der Erzsammler gegen die Südwände vor, legte das Gefundene an bestimmten Stellen ab, damit er nicht alles mitzuschleppen brauchte.

Endlich ging er daran, seinen Schmelzofen mit den verwitterten alten und gefundenen neuen Erzen zu beschicken. Den Sammelnapf, dem er eine Neigung nach vorn gab, mauerte er in den Boden des Ofens ein und versah ihn mit einer tönernen Abflußrinne, an die er das Loch der Gußform anschloß. Die Ansatzstelle der Abflußrinne verschloß er gegen das Sammelgefäß zu mit einem nach außen kegelförmig zugespitzten Lehmpfropf, den er erst dann einwärts stoßen wollte, wenn sich genug Gießmetall angestaut hatte. Als er den über dem Sammelnapf eingebauten Steinrost mit Föhrenreisig und Prügelholz belegt und mit harzgetränktem Nesselwerg angezündet hatte, schüttete er von oben her abwechselnd Holzkohle und Erze ein, immer darauf bedacht, der Windrichtung auszuweichen und nicht allzuviel Rauch und Heißluft ins Gesicht zu bekommen. Dann holte er Eva, die ihm bei der Bedienung der Blasebälge helfen mußte.

Drei Tage und Nächte lang hielten sie das Gebläse fast ununterbrochen in Gang. Der Ofen barst nicht, trotz der gesteigerten Anforderungen. Nach drei mühsamen Tagen floß aus einem Seitenloch der Feuerung Schlacke und verriet, daß das Sammelbecken gefüllt war. Mit klopfendem Herzen stand Peter vor dem Schmelzofen, zögernd näherte er einen langen Stab, in den er einen Stein geklemmt hatte, dem Verschlußpfropfen. Ein mutiger Stoß – und in leuchtendem Strahl schoß das flüssige Metall durch die Rinne. Schon bei der Berührung mit dem unvollkommen getrockneten Ton der Gußrinne zischte es funkenstiebend auf und spritzte empor wie ein Springbrunnen. Gefahr! durchzuckte es den kühnen Metallgießer, ein rascher Sprung zur Seite brachte ihn aus dem Sprühregen der feuerflüssigen Tropfen. Atemlos folgte er mit den Augen dem nachfließenden Metall, das nun wie eine eilige Schlange durch die Rinne glitt und in der Höhlung der Gußform verschwand. Schon wollte Peter jubeln, da sah er es dampfen. Ein Knall folgte, der ihm für einen Augenblick die Besinnung nahm. Unwillkürlich schloß er die Augen und deckte sie mit beiden Händen. Ein brennender Schmerz am rechten Oberarm ließ ihn fliehen. Erst als er weit genug war, drehte er sich um. Die Trümmer der geplatzten Form lagen verstreut umher, und was an flüssigem Metall den feuchten Boden berührte, versprühte. Peter drückte die geballten Fäuste vor den Mund und schluchzte. Neben ihm kauerte Eva auf dem Boden. Sie wollte ihn trösten, doch er stieß sie weg. Da stand sie stumm auf und ging heimwärts.

Als Peter seine Enttäuschung ausgeweint hatte, das verspritzte abgekühlt war, begann er Körner und Körnchen, Klumpen und Klümpchen von der Erde aufzulesen und zu sammeln.

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