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Die Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund

Alois Theodor Sonnleitner: Die Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund - Kapitel 8
Quellenangabe
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typefiction
authorA. Th. Sonnleitner
titleDie Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
seriesDie Höhlenkinder
volume6. Auflage
printrun6. Auflage
isbn3423701072
illustratorFritz Jaeger, Ludwig Huldribusch
year1992
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorrainer@stahlerftstadt.eu
senderwww.gaga.net
created20091220
modified20141121
projectid9eb08e4e
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Bildsteine und Nadeln

Die nächsten Tage und Wochen brachten viel Arbeit. Peter und Eva sammelten ein, was sie finden konnten. Er, der keinen Weg ohne Pfeil und Bogen machte, jagte Häher und Eichhörnchen, die jetzt, zur Zeit der Haselnußreife, leicht zur Beute fielen. Auf den Halden waren die Schwarzwurzeln bereits so weit gediehen, daß sich das Ausgraben dieses Wildgemüses lohnte; in Sand gelegt, blieb es lange genießbar. Die Brombeerstauden gaben jetzt, im Spätsommer, ausgiebige Ernte. Zu den Heidelbeeren, die nur noch auf höheren Lehnen reichlicher standen, kamen die Preiselbeeren. Während Eva beim Herumstreifen nebenbei Bergflachs für Bindfäden sammelte, schoß Peter eine Menge Waldtauben und Alpendohlen, die leichter zu beschleichen waren als Krähen. Er sammelte von Fichten und Föhren, deren Rinde er mit seinem Fäustel angeritzt hatte, das herausgetretene Harz, das er zum Schäften seiner Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge brauchte.

Beim ersten länger dauernden Regen waren beide in der Höhle tüchtig an der Arbeit. Von der Ahnl her wußten sie, daß getrocknete Pilze und Beeren luftig aufbewahrt werden mußten; sie machten sich daran, unter den Höhlendecken Trockenböden einzurichten. Peter rammte armdicke Stämmchen in den Lehmboden, schmächtige Jungfichten, die im Schatten hoher Waldbäume nicht richtig gedeihen konnten. Er legte auf Astgabeln über Kopfhöhe Querhölzer, belegte sie mit Zweigen, dürren Tannenreisern und großen Blättern und verflocht sie mit Waldrebenranken. Der Baumstrunk, der Eva zum Korbflechten gedient hatte, erwies sich dabei als brauchbarer Hocker zum Draufsteigen.

Als die Vorräte auf den Trockenböden in beiden Höhlen ausgebreitet waren, benutzte Peter den Strunk als Werktisch, in dessen Ritzen sich die Hartsteine beim Herrichten neuer und beim Ausbessern der abgenutzten Steinwerkzeuge gut festmachen ließen. Peter, dem die scharfen Kanten der Steinwerkzeuge beim Festhalten während der Arbeit Handfläche und Finger blutig rissen, sann auf Abhilfe. Er nahm länglichrunde Bachkiesel und schlug damit – natürlich mit aller Vorsicht – die vorstehenden schneidenden Ränder dort ab, wo er das Werkzeug halten wollte. Trotzdem sprang mancher langkantige Stein in Stücke, die dann nur noch als Kratzer und Schaber brauchbar waren. Nun versuchte er, die abstehenden Kanten mit dem Schlagstein abzudrücken. Das gelang schon besser; allerdings sprang durch den Druck von Hartstein auf Hartstein mehr ab, als Peter lieb war. Erst als er den Druckstein durch ein Rehkrickel ersetzte, gingen feine Splitter ab.

Eva sammelte die Hartsteinabfälle, um sie als Bohrer oder Vorstecher beim Zusammenheften von Fellen zu benützen. Da sie aus freier Hand die Steinspitze nicht in das nachgiebige Fell treiben konnte, spannte sie es über den Werkstrunk, so daß es dem beim Stechen ausgeübten Druck nicht ausweichen konnte. In die so erhaltenen Löcher ließen sich die Fäden leicht einführen und zwei Fellränder aneinander binden.

An den Zweigstummeln der Trockenbodenstützen baumelten Kräuterbündel, Waffen und Gerätschaften. Zum Aufhängen der frischen Bälge hatte Peter in einen Winkel ein verdorrtes Fichtenstämmchen gestellt, dessen Astquirle auf halbe Armlänge verkürzt und dessen Wurzeln mit Steinen beschwert waren.

*

Es war nun recht wohnlich in den Höhlen, in denen es nach gedörrten Früchten, Pilzen und Würzkräutern roch, aber auch nach rohen Fellen. Die Kinder fühlten sich geborgen und sahen sorglos in den Regen hinaus. Eva nähte sich aus Vogelbälgen und Kleintierfellen einen Lendenschurz und einen Schultermantel. Was sie an Kleidern mitgebracht hatte, war ja beim Schlüpfen durch Dornen und Gestrüpp zerfetzt. Für Peter fertigte sie einen Gürtel an, den er über dem Lendenschurz tragen sollte. An dem Gürtel befestigte sie ungeschlitzte Eichhörnchenfelle, die als Taschen für Pfeile, Steinwerkzeuge, Grabkrickel und dergleichen dienen sollten.

So saßen die beiden, jeder für sich beschäftigt, im Schutze der Höhlen. Wenn sie Hunger hatten, aßen sie von den Vorräten und taten es unbesorgt, draußen war ja noch so viel. Plaudernd gingen sie die Ereignisse ihres neuen Lebens im Heimlichen Grund durch, und Peter, der das Erlebte irgendwie festhalten wollte, ergänzte seine Tagstriche an der Höhlenwand durch Merksteine. Das waren dünne Mergelplatten, auf deren glatten Flächen sich Zeichnungen einritzen ließen. Leicht war es nicht, den Jaspissplitter so zu führen, daß deutliche Umrisse entstanden. Unter dem kratzenden Griffel erschienen ganz einfache Abbilder der Gestalten, die Peter in seiner Seele schaute.

Er zeichnete das Begräbnis der Großmutter, das Auffinden des Steinbocks im Steinschlag, die Begegnung mit den Geiern, das erste Abenteuer mit den Bären, die Erfindung von Bogen und Pfeil; ihm und Eva blieb diese Niederschrift für immer lesbar.

Peters Arbeitsgerät wurde täglich reichhaltiger. Während ihm der auch von Eva benutzte Baumstrunk als Arbeitstisch diente, bot ein anderer eine Sitzgelegenheit. Auch Eva hatte einen Sitzblock bekommen und ein neues Arbeitstischchen. Ein viel gebrauchtes Steinmesser, Peters längstes, war nun recht schartig geworden. Schon wollte er es zu Pfeilspitzen verarbeiten, da fuhr er, angeregt durch die Zickzacklinie der gebrauchten Kante, prüfend mit dem Daumen darüber. Die Zacken ritzten die Haut! Dann mochten sie auch zum Ritzen von Holz taugen ... in der Tat, es ging! Und so war ohne Peters Absicht aus dem Messer eine Art Säge geworden, mit der sich ein Stab rundherum so tief einkerben ließ, daß er an der Kerbe leicht abzubrechen war. Peter schäftete sie in einen Stab und befestigte sie mit Harz und Wachs. Zum Ankerben eines Baumes war die kleine Säge unbrauchbar. Dazu brauchte er eine größere. Um ein längeres Sägeblatt zu bekommen, zerschlug Peter einen großen Hornsteinknollen. Unter allen Splittern, die er erhielt, war nur einer spannenlang. Durch den muscheligen Bruch war ein haardünner Rand entstanden. Von diesem drückte Peter mit einem Rehkrickel so viele Kerben ab, daß eine grobe Zähnung zustande kam. Die Säge hatte einen breiten Rücken, so daß sie gut in der Hand lag.

Als wieder sonnige Tage kamen, waren bei den Erntegängen Pfeil und Bogen, Faustkeil und Steinsäge Peters ständige Begleiter. Eichhörnchen und Waldvögel fielen seiner geübten Hand zum Opfer. Ja, Peters Geschicklichkeit im Bogenschießen wurde so groß, daß er selbst Schlangen, die seinen Weg kreuzten und denen er sonst scheu ausgewichen war, mit sicherem Pfeilschuß traf.

Zwischen Eva und Peter hatte sich ganz von selbst eine weitgehende Arbeitsteilung ergeben. Er war der Erwerbende geworden, sie hielt Ordnung in den Wohnstätten und kümmerte sich um die Vorräte.

Aber er war nicht bloß Jäger, ihm fielen auch alle anstrengenden Arbeiten zu. Holzhauer war er und Steinarbeiter. Auf seinen Streifzügen stets zu Angriff und Verteidigung bereit, schärfte er sein Auge und war unablässig darauf bedacht, Dinge zu sammeln, deren Gestalt und Farbe ihm auffielen, obwohl er nicht immer sofort wußte, wozu sie taugen mochten. Zwischen ihm und den vielerlei Dingen – Steine, knorrige oder gerade Hölzer, Knochen oder Ranken – bestand eine innige Beziehung, die sich oft in Worten kundtat, mit denen er sie anredete.

Mißerfolge verstimmten ihn nicht lange. So war er von den Füchsen, denen er als Köder Fleisch hingelegt hatte, wiederholt genarrt worden. Den ganzen Tag hatte er am Köderplatz gelauert, und in der Nacht wurden die Köder weggeputzt! Und von den Füchsen war nur die Losung da.

Dennoch fuhr er unverdrossen fort, alle Fleischabfälle als Lockspeise auszulegen, immer an derselben Stelle, um das Raubwild an den Futterplatz zu gewöhnen. Ließ sich da auch noch kein Fuchs ertappen, so erlagen doch Nebelkrähen, ja sogar Kolkraben Peters Pfeilen.

Und bald konnte sich Eva aus den Kleinbälgen, die sie mit Lehm ausgestrichen und entfettet hatte, einen bis zu den Knien reichenden Rock und ein weites Schultermäntelchen heften und sich einigermaßen vor Stechmücken und Bremsen schützen. Daß die Vogelbalgkleider für den Winter nicht taugen würden, wußte sie wohl. Die Bälge waren brüchig, sie raschelten bei jeder Bewegung und verbreiteten bei feuchtem Wetter einen widerlichen Geruch. Aber Eva trug sie mit nicht geringem Stolz und mit der nötigen Vorsicht, schon um die Verwendbarkeit ihrer Arbeit zu beweisen.

Peter hielt von der Dauerhaftigkeit dieser neuen Kleider nicht viel und sprach viel von den Füchsen, denen er die Bälge abziehen wollte. Vom Köderplatz aus folgte er ihren Spuren und fand in der Nähe der Steinschlaglehne ihren Bau. Auf einem mit hohen Bäumen bestandenen Hügel entdeckte er die drei vom Buschwerk gedeckten Zugänge. Lange lauerte er vor den Röhren, bekam aber keinen der Füchse zu sehen. Alles, was er an Fraßresten vor dem Bau fand – Röhrenknochen, Schulterblätter und Schädel von Rehkitzen und Alpenhasen – hamsterte er in seinen Korb und trug es heim. So wuchs sein Allerlei, in dem er kramen konnte, wenn er etwas brauchte, und Peter fühlte sich reich.

Auch Eva wußte dieses Allerlei zu schätzen. Aus gebleichten Schädeldecken, die längst nicht mehr rochen, schlug und schliff sie handliche Trinkgefäße zurecht, auch Schalen, in denen sie Hartsteinsplitter, nach der Größe gesondert, aufbewahrte; aus dünnen Vogelknochen machte sie Vorstecher für ihre Näharbeit.

Die Höhle brachte Peter der Bären wegen in verteidigungsfähigen Zustand. Steintrümmer, größer als sein Kopf, türmte er am Rande des Höhleneingangs zu einer Schutzmauer auf, die, einem Druck von innen nachgebend, einen anstürmenden Bären erschlagen konnte.

So verging der Spätsommer. Schon waren die blauen Blüten der Alpenwaldrebe abgefallen, und an ihrer Stelle glänzten silbrig die krausen Büschel der langbehaarten, zum Abfliegen bereiten Samen.

Während die Kinder Tag für Tag von morgens bis abends unaufhörlich auf der Suche nach Nahrung waren oder andere dringende Arbeiten verrichteten, konnten sie für ihr Äußeres wenig tun. Wohl strichen sie die wirren, nur mit den Fingern gekämmten Haare ab und zu aus der Stirn, Hand- und Fußnägel stießen und rieben sie sich beim Arbeiten ab, Sorge aber machte ihnen die unvollkommene Kleidung, denn die Kälte konnte nicht mehr lange ausbleiben.

Um seinen Lendengürtel, der sich unter der Last der Steinwerkzeuge verzogen hatte, mehr Halt zu geben, verwendete Peter zopfartig verflochtene Rindenstreifen junger Schößlinge. Er entnahm sie Evas Flachsrutenvorrat, den sie im Bach unter Steinen beschwert eingelagert hatte. Vom Wasser aufgequollen, ließ sich die Rinde samt dem Bast leicht vom Holze lösen und flechten. Die zurückgebogenen Enden des Gurtes wurden mit vorher gewässertem, mehrfach zusammengedrehtem und getrocknetem Gedärm überbunden, so daß sie nicht mehr aufgehen konnten.

Als Gürtelschließe diente Peter eine Art Spange, die er aus einer gedrehten Darmschlinge und einer aufgefädelten Eichel angefertigt hatte. Nun sollte Eva die Bälge an den Gurt heften.

Aber das war schwieriger, als sie gedacht hatte. Am leichtesten war das Vorstechen der Löcher; mit einem spitzen Steinbohrer oder einem zugeschliffenen Knochensplitter ging es ganz gut, wenn auch langsam; viel schwerer war es aber, den Faden durch den Gurt zu ziehen. Die Spitze der Saite franste aus und spießte sich da und dort, und Eva, der die Geduld ausging, warf den Gürtel zornig von sich. Mit einem geringschätzigen Blick nahm Peter die Arbeit auf. Er versuchte es mit knöchernen Häkchen. Es ging langsam. Suchend sah er sich nach etwas um, womit er den Faden führen konnte. Ein spitzes, gespaltenes Holzstäbchen tat den Dienst schlecht, er mußte den eingeklemmten Faden immer wieder aufs neue befestigen. Peter stand auf und musterte pfeifend sein Allerlei. Vogelkrallen wären zwar brauchbar gewesen, aber selbst die vom Kolkraben waren nicht lang genug. Da fielen ihm die Fänge des Geiers ein.

Er brach dem Geier, der noch immer über der Höhle hing, eine Zehe ab, löste die Kralle aus, durchbohrte sie an ihrem breiten Ende mit einem Steinbohrer, zog einen Faden durch und begann die Näharbeit. Leider war die Nadel an ihrem Öhr-Ende zu breit; er schabte sie ab und nähte weiter. Dann merkte er, daß die starke Krümmung der Nadel die Fadenführung hemmte. Knurrend legte er sie weg und stöberte wieder in seinem Allerlei, fand das Schienbein eines Hasen und musterte es kritisch. Daran hing noch das schmale, harte Wadenbein – ja, das mußte den Faden führen. Doch eine große Geduldsprobe war es, das Wadenbein am stumpfen Ende mit dem verbesserten Steinbohrer zu durchlochen, weil dort der Knochen sehr dicht war. Das Verschmälern des Knochens am Öhr-Ende und das Zuspitzen am schräg abgebrochenen anderen Ende machten nicht so viel Mühe. Peter schliff die beiden Enden an der rauhen Bruchfläche eines feinkörnigen Granits zurecht. Nun hatte er eine fast fingerlange, sehr grobe Nadel, die sich mit einigem Druck durchs Geflecht treiben ließ.

Als Eva sah, wie vergnügt Peter die neue Nadel handhabte, nahm sie ihm die Arbeit aus der Hand und nähte den Gürtel mit großen Heftstichen fertig. Damit die brüchigen Bälge geschmeidiger wurden, rieb Peter sie auf der nackten Innenseite mit einem Klumpen Bockstalg ein, zog, spannte und walkte sie über dem Werkstock so lange, bis sie nicht mehr raschelten. Als er aber Evas Schultermäntelchen, das sie bei der Arbeit abgelegt hatte, ebenfalls so behandelte, erntete er keinen Dank. Sie, deren Nase offenbar empfindlicher war als seine, spuckte vor Ekel aus und behauptete weinend, nun sei ihr Kleid durch das stinkende Bocksfett verdorben. Eilends rieb sie mit Moos und Lehmstaub das ranzige Fett ab, und tatsächlich: der üble Geruch ließ ein wenig nach.

Peter brauchte etwas, um einen Vorrat von langen Pfeilen am Gürtel zu tragen. Aus dem Röhrenknochen eines Rabenbeines schliff und bohrte er eine lange Nadel. Damit nähte er zwei handbreit gedehnte und zugeschnittene Eichhörnchenfelle, Haarseite nach innen, der Länge nach zusammen. Eva freute sich, daß er dabei einen Vorteil benützte, den er ihr abgeguckt hatte: Selbst er wäre nicht imstande gewesen, ein Fell aus freier Hand zu zerschneiden, wenn er es nicht über eine Unterlage gespannt hätte. Auch das Nähen machte er Eva nach.

Aus zwei kurzen Eichhornfellen war nun ein langer Köcher entstanden. Andere Bälge an seinem Gürtel dienten als Taschen für Rehkrickel, Fäustel, Steinmesser und Steinsäge – das alles brauchte er auf seinen Streifzügen, denn er wollte die Hände frei haben. Der Gürtel hatte kein geringes Gewicht, schmiegte sich aber fest um Peters Hüften.

Trotz der vorgeschrittenen Tageszeit ging Peter aus.

Während er draußen umherstreifte, begann Eva, für sich einen Gürtel zu flechten, nicht aus Rindenstreifen, sondern aus Bergflachsstengeln, die sie durch Wässern, Dörren und Klopfen von der Rinde befreit hatte. Als der zopfartige Gürtel geflochten war, nähte sie den Schurz aus Vogel- und Eichhornbälgen darunter und ließ es nicht dabei bewenden, sondern nähte Eichelhäherflügel und Spechtbälge daran und schmückte das neue, bis zu den Knien reichende Kleidungsstück mit weißen, blauen, grünen und grellroten Federn.

Nun lagerte sie ihren Bergflachs wieder im Sickerwasser des Baches, legte Weidenruten dazu und deckte Steine darüber. Ein scharf würziger Duft reizte ihre Neugierde. Sie suchte nach der Ursache und stieß auf hohe Stauden mit bläulich-grauen Blütenständen. Daher also kam der Duft! Da hatte sie ja ein wirksames Mittel, um den Gestank der Felle zu übertönen! Mit diesen Blüten wollte sie die Innenseite ihrer Felle so lange einreiben, bis sie nicht mehr rochen. Fröhlich erkletterte sie den Steigbaum und setzte sich in die Lichtluke ihrer Höhle.

Lange spähte sie vergeblich nach Peter aus.

Dann aber sah sie drüben unweit der Grableiten etwas Helles schimmern, es bewegte sich langsam von Busch zu Busch. Doch erst in der Dämmerung tauchte der Ersehnte am Waldrand unter der Höhle auf. Langsam kam er daher und schien verdrossen.

In der Höhle angekommen, legte er eine Blatt-Tüte voll roter Kornelkirschen vor Eva hin, lobte geschwind ihr neues Kleid und fing dann gleich von seinem mißglückten Jagdgang an.

Vorsichtig habe er sich an den Rehbock herangepirscht, der droben bei der Grableiten äste. Ehe er aber zum Speerwurf gekommen sei, habe der Bock herübergeäugt und sei plötzlich auf und davon.

»Er wird dich halt früher gesehen haben«, versetzte Eva, »das war' kein Wunder, mir bist auch von weitem aufgefallen, so hell hat sich dein Leib abgehoben vom grünen Busch und Gras.«

Peter horchte auf. »Ah, du meinst, meine Haut hätt' den Bock g'schreckt?«

Das Abendessen schmeckte weder Peter noch Eva sonderlich, obwohl sie tagsüber nichts Rechtes zu sich genommen hatten. Sie aßen nur, um den ärgsten Hunger zu stillen; ihren Mägen behagte die Kost nicht mehr, alles schmeckte fad. Die Kornelkirschen aber waren noch zu herb und mußten nachreifen. Der Gedanke, das Wild ängstige sich schon von ferne vor seiner Hautfarbe, beunruhigte Peter. Er grübelte so lange, bis ihm einfiel, wie dem Übel abzuhelfen sei. Wie, wenn er seinen Leib mit nassem Lehm bestriche? Das müßte doch seiner hellen Haut eine stumpfe, unauffällige Farbe geben!

Mit diesem Gedanken schlief er ein.

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