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Die Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund

Alois Theodor Sonnleitner: Die Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund - Kapitel 21
Quellenangabe
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typefiction
authorA. Th. Sonnleitner
titleDie Höhlenkinder ? Im Heimlichen Grund
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
seriesDie Höhlenkinder
volume6. Auflage
printrun6. Auflage
isbn3423701072
illustratorFritz Jaeger, Ludwig Huldribusch
year1992
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorrainer@stahlerftstadt.eu
senderwww.gaga.net
created20091220
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Eva räumt auf

In der Abenddämmerung des schönen Herbsttages kehrten die Kinder heim zum Feuer, müde und mit kalten Beinen, die nicht warm werden wollten. Da kam Eva, die beim Wegräumen der Asche festgestellt hatte, daß die Herdsteine heiß waren, auf den Gedanken, sich einen in das Laub ihres Lagers zu legen. Da sie ihn mit den Händen nicht fortschaffen konnte, half sie sich mit dem zu einem Doppelhaken gestutzten Astquirl eines starken Fichtenwipfels, und Peter machte es ihr nach.

Die Wärmsteine zu Füßen, kuschelte sich jedes auf seinem Lager zusammen; sie spürten bald, wie das Kältegefühl wohltuender Wärme wich.

Am nächsten Morgen unternahm Peter wieder einen Erntegang. Er war darauf gefaßt, in der Gegend der Südwand oder in einem neuen Steinschlag Bären zu begegnen, und hatte für sie einige Pfeile stark mit Harz bestrichen. Eva mußte daheim bleiben und das Feuer hüten.

Bei der angefangenen Brücke am Bocksgrabenbach angelangt, dessen Wasser bereits stark gesunken war, flocht er, um das Brücklein zu festigen, von beiden Ufern her lebende Waldrebenranken seitlich um Querhölzer und Balken. Das Gezweig der langen, auf dem Boden liegenden Wipfelenden beschwerte er mit Steinen und Rasenstücken, und von den Wurzeln der Bäume schlug er so viel weg, daß die Brücke für den Schlitten befahrbar wurde. Er füllte den Ufereinbruch mit Steinen aus, so daß alles hüben und drüben fast eben ins Gelände eingebaut war.

Mit wiegenden Schritten ging er versuchsweise auf der Brücke hin und her, bevor er seinen Weg zum Laubwald auf der Sonnleiten fortsetzte. Als er in großer Entfernung an einer der niedergegangenen Steinlawinen vorbeikam, sah er zwei alte und einen jungen Bären sowie Geier und Krähen beim Fraß. Er wagte nicht, ihnen die Beute streitig zu machen. Obwohl das Raubwild ihn auch bemerkt hatte, ließ es ihn unangefochten vorbei. Seinem Feuerkorb, auf dessen Glut er Gras und dürre Blätter gelegt hatte, entquoll dicker, gelblicher Rauch. Klopfenden Herzens setzte Peter seinen Weg am oberen Rande des Laubwaldes fort. So kam er zur Südwand.

Dicht an einer großen Höhle, die er zum erstenmal näher sah, ging er vorbei. Aus der herumliegenden Losung und einer Menge gebleichter Knochen, die als Fraßreste darunter lagen, schloß er, daß hier die Bären hausten. Einige Wildschweinknochen nahm er mit, die konnte er brauchen. Er drang in den Laubwald ein.

Hin und wieder hörte er im Laub ein Rascheln, das von irgendwelchen darunter laufenden Wesen herrühren mochte.

Anfangs getraute er sich nicht, nach den unsichtbaren Tieren zu greifen, die ja auch giftig sein konnten; als er aber ein zwitscherndes Piepsen und Pfeifen vernahm, verlor er die Angst, griff rasch mit beiden Händen hinein und warf die Blätter in die Höhe. Ein schwarzes Tierchen, das mit emporgeworfen wurde, schlug er mit der flachen Hand tot. Es glich einer Maus, hatte aber ein spitzes Rüsselchen und verbreitete einen widerlichen Geruch. Nun, der Geruch mochte sich beim Braten verlieren, Peter hängte die kleine Beute mit einer Darmschlinge an den Lendengurt. Im Weitergehen fand er im Laub massenhaft benagte Ulmenfrüchte, Eicheln, Kastanien und Bucheckern. Nach und nach fing er noch vier dieser Spitzmäuse. Ihr glänzendes Fell gefiel ihm. Aus vielen kleinen Bälgen konnte sich Eva etwas nähen.

Er betrat eine kleine Lichtung, wieder rührte sich etwas unter dem Laub. Ein Griff: abermals eine Maus! Sie war gelbbraun, stumpfschnäuzig und auffallend langgeschwänzt; es war eine Waldmaus.

Kaum hatte er sie erschlagen, als sich eine zweite bemerkbar machte. Nach und nach fing er noch fünf Waldmäuse. Sie entstammten offenbar einem unter einer Hasel aufgedeckten Nest. Beim Ausräumen fand er einen Vorrat von angenagten Waldfrüchten, darunter auch – Holzbirnen! Wirklich und wahrhaftig Holzbirnen, wie sie einst die Ahnl von ihren Streifereien eingetragen hatte und im Laub ihres Lagers eingelegt weich werden ließ und so genießbar machte.

Er versuchte eine vom Liegen nachgereifte; braune: Sie war süß und überaus saftig, ein wahrer Leckerbissen. Davon mußte er mehr haben. Die Bäume konnten ja nicht weit sein.

Eifrig suchend ging er den Waldrand entlang und fand fast kreisrunde, violettbraune, glänzend lederige Blätter, die nur von Holzbirnbäumen herrühren konnten. Sie waren die Halde herabgeschwemmt worden; die gesuchten Bäume mußten also weiter oben stehen. Er ging wieder bergauf und drang am oberen Rande der sonnigen Leiten in den Wald ein. Nach wenigen Schritten sah er einen der dunklen Bäume fast entblättert vor sich, und unter ihm gab es walnußgroße Birnen genug. Die meisten waren überreif, braun und – wie er sich gleich überzeugte – wohlschmeckend, viele aber schwarzbraun, vergoren, verdorben. Es hatte zu lange geregnet. Nur wenige waren grün und gelblich, hart und noch ungenießbar. Was er an Früchten vom Gezweig erreichen konnte, pflückte er ab.

Mitten im Sammeln blieb Peter wie angewurzelt stehen. Er starrte auf eine zerquetschte Birne am Boden. Die hatte jemand zertreten!

Bald wußte er, wer vor ihm geerntet hatte und plump herumgetappt war. Da lag Losung mit unverdauten Obstkernen. Peter befand sich im Bereich der Bären, als ungeladener Gast! Noch waren sie drüben beim Fleischfraß an der Steinschlaglehne. Wenn nun einer unversehens zurückkam, was dann?

Rasch fegte Peter ein Fleckchen Erde vom Laub rein und fachte ein Schutzfeuer an. Dann legte er die harzgetränkten Pfeile bereit.

Kein Bär ließ sich blicken.

Als Peter seinen Buckelkorb mit Holzbirnen gefüllt hatte, briet er eine Handvoll der braunen, süßen Früchte. Nach dem Mahl kehrte er vorsichtig und auf schnellstem Wege durch die einbrechende Dämmerung heim. Eva lachte die Freude über die Nachernte an gutem Obst aus den Augen. Jetzt sollten sie auch noch gedörrte Birnen haben!

Für die Höhlenkinder gab es kein größeres Glück als gutes Essen im warmen Heim. Die mitgebrachten Mäuse waren Eva hochwillkommen. Sie freute sich auf das frische, zarte Fleisch, das wieder einmal anders schmecken würde als das hartgeräucherte Rehfleisch.

Im hellen Lichte dreier Kienspäne wurden die Tierchen abgehäutet. Während Peter die zarten Bälge mit einem Brei aus Salz und Lehm bestrich und mit Moos ausstopfte, machte sich Eva daran, die elf kleinen Leiber auszuweiden und zu salzen. An einer frischen Weidengerte aufgereiht, wurden sie über dem Feuer gedreht. Peter, der einen der kleinen Braten versuchte, mußte sich fast erbrechen: Das Fleisch stank unerträglich. Verärgert betrachtete er das Köpfchen des Tieres. Im dünnen Schnäuzchen waren keine Nagezähne, keine Lücken hinter den Vorderzähnen, sondern dicht aneinandergereiht viele spitze Zähnchen. Aha, das war eine Spitzmaus! Sie hatte also ihren Gestank bewahrt. Er warf sie ins Feuer und beeilte sich, einige Wacholderbeeren zu kauen, um den üblen Nachgeschmack zu vertreiben. Eva erging es besser. Sie hatte für sich eine Waldmaus erwischt, und die schmeckte vortrefflich. Peter, der jetzt mit Nase und Augen Stück für Stück untersuchte, warf die ungenießbaren Spitzmäuse ins Feuer und nahm sich vor, die kleinen Stinktiere in Zukunft laufen zu lassen. Die Waldmäuse aber schmeckten ihm so, daß er sich die Finger danach leckte. Eine Handvoll Haselnüsse und Birnen vervollständigten das Mahl.

Als es vorbei war, fragte Eva, indem sie mit der Hand einen Bogen rund um sich her beschrieb: »Ja, Peter, merkst du denn nicht, was ich inzwischen gemacht hab'?«

In der Höhle war eine Ordnung wie nie zuvor. Der Boden war reingefegt, die mit Mergelplatten ausgelegte Feuerstelle mit sorgfältig aufgelegten Steinen umbaut, Evas Küchengerät und ihre Würzkräuterbüschel hingen wohlgeordnet an den Aststummeln der Trockenbodenstützen. Aus einem Sandhaufen sahen die Blattschöpfe eingelegter Schwarzwurzeln, Wegwarten und wilder Mohrrüben.

An der rechten Höhlenwand standen der gefüllte Wasserkorb und die neuen Tragkörbe.

Nah am Feuer waren die Hocker untergebracht, und vor der größten Lichtluke der Außenmauer stand Peters hoher Arbeitsstock – eine wohltuende Ordnung, wohin das Auge schaute.

»Gut hast's g'macht, Eva«, sagte Peter anerkennend.

Glücklich über sein Lob, erzählte sie ihm, was ihn auch noch freuen mußte. Sie hatte das alte Laub seines Lagers in den Schiefen Gang geräumt und seine Schlafgrube hoch mit trockenem Moos gefüllt. Die Bettdecken aus Eichhornfellen, die bei feuchtem Wetter so unangenehm rochen und deren Nähte vielfach aufgegangen waren, hatte sie durch Rehhäute ersetzt. Einen vorbereiteten Hasenbalg hatte sie gereinigt, eingefettet und mit dürrem Moos ausgestopft: ein Kopfkissen für Peter. Evas Augen leuchteten voll Stolz, während sie aufzählte, was sie alles fertiggebracht hatte.

Da faßte Peter sie bei beiden Händen und sprach ihr die höchste Anerkennung aus, die er ihr sagen konnte: »Everl, wenn das die Ahnl erlebt hätt', daß du so g'scheit und fleißig geworden bist, die hätt' sich gefreut!«

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