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Die Himmel der Farbigen

Willy Seidel: Die Himmel der Farbigen - Kapitel 14
Quellenangabe
typesketch
booktitleDie Himmel der Farbigen
authorWilly Seidel
firstpub1930
year1930
publisherGeorg Müller
addressMünchen
titleDie Himmel der Farbigen
created20050416
sendergerd.bouillon
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Tofā, Samoa!

Bericht von einer »Eroberung«

Nachts um zwei. . . Ich kann nicht schlafen. – Es ist immer dasselbe Lautbild, das mich stört: zuerst das schnatternde Zanken der Fliegenden Hunde, dann das rabiate Kollern des Truthahns und zuletzt singen die Hähne sich an. – Eins entfesselt das andere, und dann gibt's wieder Pausen, von den schneidend feinen Hymnen der Moskitos gefüllt. – Hinter all dem steht wie Wasserrieseln das Geschwätz der Chinesen in der Baracke. Das höre ich nicht mehr, das wiegt mich nicht einmal mehr in Schlaf.

Ich trete auf den Balkon des Wellblechhäuschens. Ich überblicke das schwarze Gewimmel der Bananenstauden. Ein kühler Hauch kriecht heran und läßt die Blätter aneinanderklatschen; droben flirren die Sterne. Der abfallende Hügel läßt eine Lücke frei, wo der Urwald sich drunten nach dem Strand zu öffnet. Dort hängt der Schatten des Meereshorizontes, wie der Rand eines Riesentrichters. Plötzlich fangen die Kantonkulis in ihrer Schlafbaracke hellstimmig zu schreien an. In hoher Weiberfistel, lauter Bandwurmsentenzen; – sie zetern beim Glücksspiel, dem sie fröhnen, seit der Pächter nach Amerika durchgebrannt ist und mir seinen Konservenvorrat hier überlassen hat. Die Geräuschwelle schwillt an . . . Ich werde mich schwer hüten dazwischenzutreten, wenn die sonst so lautlosen Herrschaften ihre privaten Auseinandersetzungen pflegen. Es gibt ihrer so viele . . . Das Heimweh klagt aus diesen Kakadustimmen; um ihr Heimweh zu übertäuben, machen sie ihr Spielchen; als Bankhalter sitzt ein Gespenst bei ihnen, ein greller Wunsch. Mit einem Päckchen Schmuggelopium als Einsatz, nach dem sie schon seit Tagen hungern, verlohnt es sich schon einander beim Spiel mit dem Messer auf die Finger zu sehen.

Die ganze Woche über ist es mir einerlei gewesen, daß ich hier allein auf der Farm hocke, als einziger Europäer unter dreißig gelben Kontraktarbeitern. Heute, in dieser Nacht, beschleicht mich auf einmal ein unbehagliches Gefühl. Ich bin Inhaber von zwanzig Konservenbüchsen . . . Sie haben aufgehört zu zanken. Mir paßt es nicht, daß sie jetzt nachts ein so munterer Klub sind, und sich tagsüber nicht rühren. Mehr noch: Sie sitzen als einzelner Farbfleck auf der ungeheuren, mit Giftfarben getünchten Kulisse, die man um uns herumbaut: dem immer bedrohlicher heranwachsenden Krieg.

*

Gottes Wege sind unerforschlich, zuweilen auch die gewisser Bureaukraten hier in der Verwaltung. Es liegt auf der Hand, daß die Insel unmöglich verteidigt werden kann. Warum also Leute, die keinen Verwaltungsposten hier bekleiden, nicht in neutrale Länder durchbrennen dürfen, wo sie sich für Deutschlands Sache einsetzen könnten, sondern »es aufs strengste untersagt« bekommen, »das Schutzgebiet zu verlassen«, mehr noch: »in demselben umherzureisen« – das muß ein von Nervenkollaps überrumpelter Bureaukratismus vor sich selbst verantworten. Daß man eine Polizeipatrouille von dreißig Leuten bildet mit schwarz-weiß-roten Binden am Arm, mag ja »for show« ganz gut sein, ist aber recht unzweckmäßig, denn diese kurze Patrouilliertätigkeit wird höchstwahrscheinlich ihre einzige aktive Beteiligung am Kriege bleiben.

*

Heute Nacht machen die gelben Herrschaften wieder einen ungewöhnlichen Spektakel. Bei ihren Gesprächen gibt es diesmal die Begleitmusik eines Messers, und die Lampe drüben geht plötzlich aus. In der frühesten Sonne gehe ich hinunter und besehe mir den Schaden. Sie liegen wie ein Haufen dürrer Kadaver auf den Strohmatten und atmen in allen Tonarten. Es riecht süßlich. Die Hälfte von ihnen fehlt.

*

Auf dem Wege von Magia hinunter kommt mir ein Kuli entgegen und plappert etwas Eilfertiges in Pidgin, das ungefähr so lautet: »Big fellow ship, make plenty bum-bum, make all white men finish«. – Dann rennt er wie betrunken weiter. – Und es stimmt. Als ich nach Apia komme, herrscht bereits Panik.

Auf der Lotsenstation, fünf Minuten entfernt, ist ein kleinerer Kreuzer gesichtet worden, als er seine Spürnase vorstreckt. Hinter ihm tauchen fünf andere Schiffe und zwei Transportdampfer auf. Ein alter französischer Blechkasten, die »Montcalm«, ist dabei, mit sieben Metern Zielfläche über dem Wasser. Sie hat sich in Neukaledonien dem Geschwader angeschlossen.

Es ist ein fabelhafter Aufwand für das bischen bewachsene Lava. Unsere »frightfulness« ist diesmal offenbar überschätzt worden. Eine einzige Breitseite des schmächtigen Kreuzers hätte uns alle in die Luft geblasen. – (Es stellt sich heraus, daß die Engländer infolge geschickter Gesprächsmanöver am Telegraphen der Meinung waren, die deutsche Flotte sei in der Nähe von Upolu konzentriert.)

Der kleine Kreuzer legt bei der Einfahrt an und läßt ein Ruder- und ein Dampfboot zu Wasser, mit gehißter Parlamentärflagge. Zwei Offiziere kommen an Land, die zunächst vom Konsul und anderen Landsleuten »beglückwünscht« werden. Leutnant Pfeifer und Polizeimeister Kurz nehmen den Übergabebrief entgegen und bringen ihn zum Bezirksrichter Schubert hinauf. – Gouverneur Dr. Schultz ist, um Zeit zu gewinnen und offiziell nicht Kenntnis nehmen zu müssen, auf der »Wildschweinjagd«. – Herr Schubert läßt nach einer halben Stunde heruntersagen, als »stellvertretender Gouverneur« könne er nichts übergeben: die Bevölkerung sei jedoch bis auf eine Polizeitruppe unbewaffnet.

Nach zehnminütlicher Unterhandlung im Bezirksamt fahren die englischen Offiziere an Bord zurück.

Mittlerweile sind die anderen Schiffe näher gekommen und bleiben vor dem Hafen unter Dampf. Zunächst loten Boote den Hafen aus; dann fährt der Kreuzer zuerst ein und wirft Anker. Es folgen die beiden Transportdampfer und zwei weitere Kriegsschiffe. Drei kreuzen noch draußen, um sich den Rücken zu decken. Jetzt beginnt die Ausbootung der »Neuseeländer Freiwilligentruppe«; sie schlagen sofort Baracken am Kohlenlager auf. – Der Kommandeur Colonel Logan etabliert sich im ersten Stock des Bezirksamtes. – Die Postbeamten werden gleichfalls »kurzfristig entlassen« und der Provost-Marshall Tottenham übernimmt die Post. Es fährt ein Trupp Soldaten zu Fahrrad und Pferd nach Mulinuu hinaus, um die deutsche Flagge herunterzuholen und den Posten festzunehmen. Die Flagge geht nicht so einfach herunter, da man einige kunstreiche Knoten ins Seil geschlungen hat . . .

Den ganzen Hafen entlang entsteht ein reges Leben. 120 Mann lassen sich zum Dauerkampieren in Mulinuu nieder, und überall neben den öffentlichen Gebäuden entstehen Zeltlager.

Nun geht es, wie zu erwarten steht, an Requisitionen. Fahrräder, Autos, Pferde; bei den letzten passieren Zwischenfälle, da die gelben, struppigen Inselgäule, in deren Adern bei dem plötzlichen Besitzerwechsel das Mustangblut erwacht, vor den neuartigen Gestalten, vor all dem Khaki und den Bajonetten kopfscheu geworden sind. – Die Truppen nehmen derweil die Funkenstation in Taigata in Besitz. Hier aber sind, während die Schiffe einliefen, Vorbereitungen getroffen, um die Station unbrauchbar zu machen. Der Leiter Hirsch sowie zwei Telegraphisten werden zunächst durch Geldanerbietungen kirre zu machen versucht, dann mit Erschießen bedroht, wenn sie die fehlenden Teile nicht herausrücken. Als Offizier weigert sich natürlich Hirsch und kommt mit Dr. Schultz zusammen nach Fiji. Das letzte, was er noch auffangen kann, ist der Sieg über die Russen.

Der Sonntag verläuft ruhig bis auf die Salutschüsse für den englischen und amerikanischen (!) Konsul. Dieses kriegerische Gepolter füllt die »Beach« mit Samoanern, die bei einer etwa zu gewärtigenden Schießerei mit der ihnen angeborenen detachierten Würde das »erste Parkett« einzunehmen hoffen. Sie kommen nicht auf ihre Rechnung; immerhin, sie wallen wieder von hinnen und nehmen unendlichen Schwatzstoff für die Dörfer mit. – Ich entsinne mich folgenden Vorfalls:

Ein melancholischer Mischling, namens Pollack, der die Angewohnheit hatte, vom Balkon des »International« (früheren »Bloody Eagle« aus Stevensons Zeit) herabzuspucken – die Füße auf dem Geländer und nichts als einen schwarzseidenen Kimono zwischen der Natur und seiner dürren Blöße, erinnerte sich auf einmal gewisser »preußischer« Behandlungsmethoden, die er erlitten. Sein Geschäftspartner, der Wirt Schubinsky, ein polnischer Friseur mit der Kraft eines Artisten, spielte zuweilen, um den Gästen etwas zu bieten, Fußball mit ihm. Pollack erduldete dies lächelnd, denn er saß wie eine Klette auf seinem Geschäftsanteil und vertrank ihn in Korbstühlen. – Nun war die Stunde seiner Rache gekommen. – Er sprengte abends aus, das Hotel sei voller Waffen. – Zu früher Nachtstunde, da der Lärm im Hotel am höchsten flutete, erscholl draußen ein leises »High up!« – 100 Gewehre richteten sich klappend in die Höhe . . . Etwa 30 Gäste, der scherzhafte Friseur an der Spitze, wurden abgeführt. Pollack in seinen Kimono geschlungen, die Zigarette elegant schwenkend, wohnte vom Balkon aus wie ein befriedigter Filmregisseur der Szene bei. – Man stülpte das ganze Hotel um und fand keine Schrotkugel; gegen die weißen Mäuse im Hirn des Mischlings, dem diese Genugtuung den Restverstand raubte, wußten die guten Colonials nichts auszurichten und zogen etwas blamiert ab . . .

*

Am nächsten Morgen gehe ich zum Provost-Marshall, um mir einen Reisepaß zu holen. Er hat den Lagerraum des Postgebäudes, eines grasgrün gestrichenen Bungalows, für seinen Stab belegt. Beim Eintritt habe ich den Eindruck allgemeinen hemmungslosen Transpirierens.

Die Leute sind nämlich für die Fahrt in den Herbst und ins nördliche Frankreich ausgestattet; mit dicken Stoffen, Gamaschen, mächtigen, wasserdichten Stiefeln und Wollschals aus Homespun, gegen die eine Boa constrictor, um den Hals gelegt, noch eine Erholung bedeutet. Order, Samoa zu »erobern«, ist erst im letzten Moment gegeben worden und die guten Jungen langen aus der neuseeländischen Kühle mit krebsroten Gesichtern hier an und zerschmelzen unter Flüchen. (Selbst ihre Gesänge klingen heiser, ihr forscher Maori-Schlachtgesang: »Komati, komati kaura kaura . . .« und jener volkstümliche Schmachtfetzen, so innig hervorgegrölt, am besten mit der Resonanz der Tischplatte über dem Scheitel –: »Come down the Wanganui, floating in my canoe . . .« sind längst verstummt.) Es ist aber auch Pech! Man kommt in der besten Absicht hier an, die »Bestie von Potsdam«, wenigstens in effigie, mit Kugeln zu durchlöchern, und gerät statt dessen auf ein Häuflein unbewaffneter Weißer, auf einen bescheidenen Straßenauflauf . . . Unter diesen sind noch dazu Neutrale, die McGrew oder Van der Gracht heißen . . . Der Rest, den man einzuschüchtern hofft, sind dreißigtausend wohlgenährte Samoaner, die es sehr schätzen, wenn man sie in Ruhe läßt. – Was fängt man nun mit den Maschinengewehren an? – Man schießt die Korallenriffe kaputt und wettet . . .

Tottenham, ein bronzefarbener Hüne in Khaki von über sechs Fuß, wischt sich gerade bei meinem Eintritt sein gutgeschnittenes Gesicht mit einem seidenen Taschentuch von der Ausdehnung eines Frottiertuchs. Er hat eisengraues Haar. Vermutlich ist er Schotte. Die Augen liegen etwas tief, sind stahlgrau und schwarz bewimpert. Zuerst blinzelt er teilnahmslos herüber; jetzt aber nach kurzer Überlegung in diesen tiefliegenden schottischen Augen, erhebt er sich – es dauert beträchtlich, bis er steht – und reicht mir ohne weitere Vorstellung seine mächtige Flosse. – Er befiehlt einen Stuhl und drückt mich mit einer Geste hinein, hölzern lächelnd.

»Brauchen einen Dolmetsch?«

»Nein, danke.«

»Dachte das . . .«, meint er und läßt mir Zeit zum Raten, warum er das dachte. Da er fragend die schwarzen Brauen erhebt, erkläre ich ihm, ich will einen Paß nach Deutschland. (Ich höre was läuten von einem Requisit, »Internationales Recht« benamst.) Ich sei kein Regierungsbeamter, sondern Forschungsreisender, meiner Studien halber hier. Ich sei Privatmann, Gelehrter . . .

Er nickt langsam. »You don't quite look it though . . .« schiebt er ernüchternd ein. Ich wiege 175 Pfund und sehe ganz lebfrisch aus. –

Meine Aufzeichnungen ständen ihm zur Einsichtnahme zur Verfügung, mein Tagebuch von Sawai'i; dies hier z. B. sei die »Hochzeit der Manumā von Tufu« . . .

»Ist sie hübsch!« fragt er, wiederum mit diesem schottischen Lächeln . . .

Papiere hätte ich weiter keine zur Hand, außer meinem bisherigen Paß, erkläre ich weiter. – Ich habe keinen Bureaukraten erwartet, aber auch keinen, den die bloße Erwähnung von Papieren heiter stimmen würde. Denn er winkt in humoristisch-großzügiger Weise ab und ruft gedämpft:

»Higgins!«

Ein Jüngling erscheint und deutet Salut an.

»Stellen Sie Herrn . . . Sidle? – – Seidel . . . einen Erlaubnisschein aus, nach . . . Frisco? – San Francisco zu fahren, mit der »Manua«. Ja.«

*

Ich habe meinen Erlaubnisschein, alles in schönster Ordnung. Ein Hamburger namens Gosche bietet mir in seinem Samoahause, wo er mit seiner samoanischen Familie lebt, Logis an, und diesem Herrn verdanke ich unendliches Material über alles Erdenkliche, was die Inseln betrifft, abgesehen von Beobachtungen, die ich auf eigene Faust anstellte und deren Quintessenz in meinem Samoabuch »Der Buschhahn« verwertet ist. Die »Manua« erscheint pünktlich, kohlt jedoch nur und nimmt keine Passagiere an Bord, da sie wegen eines kranken Niggers in Quarantäne erklärt ist. Dies ist eine Finte. Die australischen Hetzblätter servieren belgische Greuel und die Stimmung der Colonials gegen uns hat einen Stich ins Tückische bekommen.

Dazu kommt, daß ich mit einem emeritierten Captain Scott, der sich hier schon während der deutschen Verwaltung preußenfresserisch betätigt hat, in einen Wortwechsel gerate. Ich fühle mich – als »Privatgelehrter«, noch dazu mit Tottenhams Erlaubnisschein gepanzert, verwegen genug, um es während einer verlängerten »Sitzung« auf so etwas wie eine »Kriegsschuld- und belgische Greueldebatte« ankommen zu lassen. Diese Debatte bringt gewisse handfeste Akzentuierungen in Fluß, unter denen – entsinne ich mich dunkel – eine leere Whiskyflasche ein ausschlaggebendes Argument wurde. Ich erkenne bald genug, daß ich auf jeden Fall den kürzeren ziehen würde, denn Scott ist, bei Licht besehen, ja schließlich Brite und hat jedes erdenkliche Oberwasser – mag er auch zehnmal ein versoffener alter Rowdy sein.

Ich sehe darum ein, daß ich in Apia nicht populär werden darf und ziehe mich in die Berge nach Afiamalu zurück, zu einem alten Schweden namens Larsson. Gosche unterhält mit mir die Verbindung durch seinen kleinen Halfcaste-Sohn, der mich über die Möglichkeiten unauffälligen Durchbrennens rechtzeitig unterrichtet und alles vorbereitet. Je zweiwöchentlich kommt ein Motorboot von Pago-Pago, Tutuila, das die Post bringt und das nächste Mal muß es sein.

Scott hat meines patriotischen Exzesses halber keinen Schlaf. Das erste Billetdoux des Besatzungskommandos kommt mit einem Leoleo (fam. Polizisten) zu Pferd herauf. Ich werde »in einer Ermittlungssache als Zeuge gebeten«. Unterzeichnet: »Lt. Sims.«

Ich zeige dem Leoleo ein dick verbundenes Bein. Ich lasse zurücksagen, mein Befinden erlaube mir erst in einer Woche, hinunterzukommen. Er bekommt Portwein und Zigarren, singt schließlich und reitet vergnügt ab. In fünf Tagen geht das Motorboot. Leutnant Sims hat die Anteilnahme, sich schon nach drei Tagen wiederum nach meinem Bein zu erkundigen und schickt ein leeres Pferd mit. Auch ist der Leoleo nicht derselbe; er grinst zwar, ist aber unbestechlich. Meine Versuche, das Pferd zu besteigen, mißlingen trotz seiner Hilfe. Ich falle auf mein Bein und ächze herzzerreißend. So muß auch er abziehen.

Das dritte Mal, fühle ich, werden es zwei Tommies sein. Ich muß mich beeilen. Übermorgen geht das Motorboot.

Der alte Schwede zieht mir seine ausgefransten »Overalls« an. Rasiert habe ich mich seit drei Wochen nicht. Gosche hat meinen Koffer auf dem Motorboot verstauen lassen. In der Nacht gehe ich hinunter und mische mich unter die Besatzung, die aus vier Mann besteht. Ich bin ausgewechselt gegen einen farbigen Heizer, der fünf Pfund Sterling dafür nimmt. So stimmt die Zahl. Der Besitzer des Bootes, ein gemütlicher Yankee, macht sich einen Sport aus der Angelegenheit.

Das Boot bleibt den ganzen Vormittag im Hafen liegen. Gemütlich ist es mir nicht zumute, denn die Hafeninspektion der Besatzung kommt an Bord und sieht auch die Passagiere an. Gottlob ist es ein »Sub«, der sie führt, und der beschränkt sich darauf, die Liste mit dem Finger herunterzufahren und lediglich zu zählen. Ich sitze auf dem Geländer und rauche; ich sehe noch, wie er mir sein lachsfarbenes, schmales Gesicht mit den etwas törichten weißblauen Augen ruckweise zuschiebt und nebenhin fragt: »Belong to crew?« Und mit 110 Pulsschlägen im Ohr grunze ich wieder zurück, versonnen-gelangweilt: – »Yes, Sir . . .«

Dann steigt er mit Storchschritten ins Boot zurück. Bald darauf beginnt der Motor zu knattern – o schönste Musik meines Lebens . . .

Auf Tutuila, dem amerikanischen Teil der Samoagruppe, gehe ich an Bord der Navua von der Oceanic-Steamship Co., bekomme einen Schweizer Paß, den ich nicht anzuwenden brauche, und gelange über Honululu nach den USA., dem »Land der Freiheit«, der »Heimat der Tapferkeit« . . ., dem »Hort wahrer Menschlichkeit«, der »Schirmburg der Zivilisation . . .«.

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