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Die Himmel der Farbigen

Willy Seidel: Die Himmel der Farbigen - Kapitel 12
Quellenangabe
typesketch
booktitleDie Himmel der Farbigen
authorWilly Seidel
firstpub1930
year1930
publisherGeorg Müller
addressMünchen
titleDie Himmel der Farbigen
created20050416
sendergerd.bouillon
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II.
Der Berg der Höhlenschwalben

Er heißt Tjibodas – weißes Wasser . . .

Verfolgt man den Bantammerweg aus Buitenzorg auf Java und ist man etwa zwanzig Minuten im Auto unterwegs, so tritt er ins Gesichtsfeld als einsamer Kegel. Diese Form zeigt er, weil er dem Beschauer die Schmalseite zuwendet. Bei der Plantage Tjampea jedoch, wo man das Auto verlassen muß, finden wir, daß er einen etwa kilometerlangen Hügelrücken vorstellt, dessen stumpfe Pyramidenbasis mit der Vegetation der Ebene unmerklich verschmilzt.

Wir durchqueren zu Fuß eine Gummipflanzung, einen weiten Hain lichtgrauer Stämme, die weißes Blut in spitze Trichter weinen – tausendfaches, harziges Tröpfeln aus den Herzen junger Bäume –, überqueren dann eine schütteres Bambusbrückchen zwischen kupferroten Lehmufern, schreiten eine Reihe herzhaft gaffender Kinder ab und tauchen dann in den geheimnisvollen Bereich des Tjibodas. Wie den Perlenvorhang vor einem Sanktum, so schieben wir ein von himmelblauen Kelchen durchsetztes Rankengewirr mit den Schultern beiseite.

Unser malaiischer Führer, den die Plantagenverwaltung uns mitgab, ein stiernackiger, untersetzter Vollblutsundanese, beginnt uns voranzusteigen, indem er seine beweglichen Zehen um die Hindernisse biegt. Ein solch brauner Fuß, mit schier »handgreiflicher« Intelligenz gebraucht, entfaltet seine Zehen fächerartig mit elastischen Sohlenballen; er klettert im wahren Sinn, indem er die Steine und Wurzeln erfaßt und sich daran in die Höhe zieht . . .

Dies ist Urwald, indonesischer Urwald. Der schmale mit Kalksteinklötzen bedeckte Pfad bedeutet nichts weiter als eine knappe Erschließung dieses Natursanktums von höchstens zehn Metern im Umkreis. Es herrscht weit drinnen ein quellendes und raunendes Geheimnis, wie in feierlichen unangetasteten Bezirken. Wir kommen an eine Lichtung: drei enorme Hartholzstämme, weißgebleicht, klammern sich in der Brunst der Rückkehr zum Humus, der Zersetzung, mit zackigen und korkzieherhaft gewundenen Ästen saugend an die Mutterbrust des schwammigen Bodens. Langstielige Schmarotzer überspinnen sie und wimpeln mit rotgesprenkelten oder kellerig weißen Lanzenblättern leise in der stagnierenden Luft. So liegen die verwesenden Holzleiber in einem Bett von aufschießenden Calla-Arten, die mit ihren prallen Blättern, geformt wie die dreieckigen Köpfe von Ottern, bei unserem Durchbruch widerwillig knirschen. Weiter oben am Abhang, schräg hintereinander, wie umgekippte Pilzschirme, an sechs Meter im Durchmesser, erheben sich die gelösten Wurzeln. Die ganze Basis der Wurzeln steht empor, ein erstarrtes Gewirr hellbrauner Schlangen, die seit ihren letzten zähen Krämpfen noch Tonnenlasten von Kalkbrocken und kupfernem Lehm umschlungen halten und nun in die Höhe stemmen – in eine so erstaunliche Höhe, daß der glasige Himmel über die Ränder der mächtigen Teller funkelt.

Schwer ruht die Lichtfaust der Sonne auf dieser Lichtung. Wir tauchen wieder im Schatten unter und steigen, steigen. Der Schweiß tropft unter dem Tropenhelm hervor. Nach jedem zwanzigsten Schritt macht man halt, und der Tumult der Pulse im Kopf tobt sich aus. Da sehen wir etwas Dunkles aus dem Gewirr der Stämme treten. Es enthüllt sich langsam. Es schickt Vorläufer voraus; eine ganze Treppe aus Wurzeln, die wir Stufe nach Stufe nehmen. Das ist die Herrin des Berges: eine Ficus elastica von greisenhaftem Alter und von sagenhaftem Ausmaß. Das Auge schätzt die Höhe zaghaft ab: doch vermag es dort, wo das Blättergewimmel der kandelaberförmigen Krone in glutzerspaltenen Büscheln herabhängt, nicht weiterzuforschen und kehrt geblendet zurück. Der Stamm erscheint nicht kompakt; er sieht aus, als sei er aus zehn Säulen zusammengeschweißt und -gelötet; in vierfacher Mannshöhe beginnt er sich nach unten zu entfalten und schickt eine verworrene Kaskade von Wurzeln zur Tiefe. Die Wurzeln senken sich steil in den Humus, oder vom Fels behindert, schlagen sie üppige Wellen und knicken sich kraus in bizarrsten Winkeln. Scharfkantige Bretter winden sich ins Unterholz und verlieren sich im grünen Dämmer. Wo das Tasten dieser eisenharten und doch so schwellendlebendigen Verankerungen endet und wieweit der Mutterstamm seine Ableger ausspeit, ist dunkel; ein Hain von Baumfarnen und Leguminosen hat sich darüber gewölbt. Und unter diesem kaffeebraunen Koloß, diesem pflanzlichen Eiffelturm, rasten wir, pfeifenden Atems und warten, bis das Blut in den Gehören milder klingt und verebbt.

Die Sonne ist auf ihrem steilen Zwölfstundenpfad fast zur Hälfte ihres Umlaufs geklettert. Und wieder ergreift es mich, um wieviel heftiger, geiler und brutaler das Leben sich hier, in den kleinsten Formen, äußert, so, als sei die Zirkulation aller Säfte, auch im tierischen Kleinleben, unter dem magischen Zirkel des Zeniths um das Doppelte beschleunigt. Dieser sengende Lichtpfeil, wie aus einer Lupe, trifft die Wesen ins innerste Mark; – dies unablässige Sieden in der Luft: – es gemahnt an hörbares Brodeln chemischer Wandlungen, viel dichter unter der Haut der Dinge als in unseren kühlen Breiten.

Das Gespenstische solcher Vorgänge traf mich ein erstes Mal bei der Fütterung der Tempelschildkröten in Penang. Da lagen diese schleimiggrünen Panzerklötze wie ein Haufe mißfarbener Geröllkiesel. Ich warf eine Handvoll Salat darauf. Was nun erfolgte, war zauberischer Schreck: die Tiere schoben nicht ihre Köpfe aus den Hautfalten in plumper Trägheit, wie ich erwartete – nein, es verging keine Viertelminute, da war diese schier mineralische Erstarrtheit einer tollen animalischen Munterkeit gewichen. Ich erblickte Hunderte von aufgerissenen gelbgestreiften Papageienkiefern, deren ziegelrote Schlünde sich, nasse Trichter aus blassem Fleisch, zitternd, aus langen Halsstielen bebend, durcheinanderschoben; fauchend, schnappend, raufend. Von diesen Reptilschnäbeln zerfetzt tanzte der Salat kurze Zeit auf dem hornigen Tumult der Schilder, bis er in den gierigen Mäulern restlos verschwand. Und dann sank der ganze Haufe ins Anorganisch-Klotzige zurück.

Und dann, unter der stillen Oberfläche von Gewässern, regt es sich, dies lüsterne, aufgepeitschte Leben. Keine Wellenkringel sind das wie im Norden, mit einem zuweilen aufschnellenden Fischleib; – nein, das ist eine wimmelnde, kompakte Horde, die Farben sprüht und ein Rauschen aufstört wie von Propellerrudern; das ist eine ganze krabbelnde Schicht von Fischen, die aus der Tiefe steigt und in schäumenden Wirbeln wieder versinkt . . . Die Tauben auf den Dorfstraßen werden hier wütend von den Hühnern verjagt; alles Dasein unter der Zenithlinse wehrt sich, frißt, liebelt stärker, wütender, abrupter . . . ja selbst Früchte und Blüten sind von schwarzen Krusten von Ameisen bedeckt. Halte dein Ohr an einen Strauch; es rauscht darin von strömendem Leben. Welke Blätter werden lebendig, wandeln sich in träg flatternde Falter und werden dann wieder zu Abfall. Zweige sind verhext und stelzen davon, wenn du sie berührst. All dies geschieht, und das Glutauge, das turmhoch herabblinzelt, kehrt ständig wieder und läßt das Organische nie ruhen. Selbst die Erde in diesem Land dehnt sich gespenstisch, öffnet schmatzende Lippen, die Ränder turmtiefer Spalten, und Mensch und Tier purzeln hinein. Dann schließt sich das gespenstische Maul hermetisch . . . so, wie sich im kleinsten die leuchtende Orchideenfalle über dem zerquetschten Gesumm von Insekten schließt.

Ich gerate auf diesen Gedankengang durch einen strickartigen Wurzelstrang, den ich aus der Erde reiße und dessen weiße Saugorgane, im embryonalen Stadium eines neuen Baumes, sich vor meinen Augen wie verletzt krümmen; ich versinke in unbehagliches Staunen, wenn ich mit den Armen einen Busch streife, und er, grün und kompakt, verwandelt sich in einigen Sekunden in einen traurigen Strunk. Ein Blitz fuhr durch die Nervenbahn der Mimose und sie klappte ihre Fiedern zusammen – es fehlt nur noch, daß sie hörbar seufzt. Und ich stehe auf und trete auf eine zweite Lichtung, die sich unfern öffnet. Vor mir, aus der Spitze eines grausam gezähnten Agavenblattes – (das ganze Gebilde sieht aus wie das Geburtstagsbukett für einen Piraten: ein Bündel aus Sägefischschnäbeln) – hockt ein Raubtier. Denn anders läßt sich die Schmeißfliege nicht bezeichnen, dies monströse schwarzblaue Insekt mit dem Hauch von Schwefel auf den finsteren Flügeln, das mit vibrierenden Leibringen auf seinem Auslug hockt und aus dessen Kugelaugen die Sonne alle metallischen Farben lockt. Es ist reichlich dreimal so groß wie eine deutsche Hummel und nimmt sich neben ihr aus wie ein Grizzly neben einem Waschbären. – Plötzlich schwirrt das Tier ab; das Agavenblatt schaukelt. Unter höllischem Gerassel entfernt es sich auf einen anderen Auslug, von wo es metallisch zu glotzen fortfährt. Denn in seinen Fazettenaugen spiegelt sich nicht nur das Weiße, Feindliche, das in seinen Bereich einbrach. Andere, kleinere Raubtiere: leuchtend-goldbraune Libellen, sind fleißig auf der Jagd; und überall, verwirrend, mannigfach, rühren sich die Schmetterlinge.

Ob sie nun braun sind, von smaragdenen Tupfern übersät, oder seidig-schwarzweiß geriffelt, mit Scharlachspritzern an den wimpelnden Hinterschwingen, – ob sie ein flammendes Orangegelb oder düster funkelndes Blau durch die Lüfte tragen: stets zuckt die Hand, sie zu haschen, und stets sinkt sie zögernd wieder zurück . . . Nein – diese bunt gepuderten, glaszarten Wunder der Gattung Papilio sind »tabu«, sind unantastbar. Sie ziehn langsam; sie taumeln; sie schnellen sich in rapiden Gleitflügen oder hängen zitternd am Rand von Kelchen, getragen und umflossen von penetranten Blütengasen, die wie Wolken in diesem Walde hängen und sich am Boden im leisen Luftfächeln verbreiten, so daß mir auf einmal ein Parfüm in die Nüstern sticht, das aus unsichtbaren Quellen stammt . . . Der Weg wird steiler. Plötzlich hören wir ein Getöse: wieder hat sich der Glutpfeil ein Opfer erkoren. Es kracht peinvoll: die Luft ist verfinstert von einer Wolke gelben Staubes. Wir kämpfen uns heran: da ist einer der steilsten, stolzesten Bäume geplatzt und hat seinen Umkreis überschüttet wie ein vulkanischer Ausbruch von verwestem Holz. Die Rinde abgespalten hängt in großen konkaven Trümmern im Dickicht; die Riesenstange des Baumes selbst, in mehrere Teile zerborsten, hat eine weite Bresche gehauen; ja dort, wo das kahle Astwerk des toten Schirmes einschlug, ist eine neue Lichtung entstanden. Und als wir nach dem Grunde forschen, dem letzten Kettenring dieses Kreislaufes: – – das Vielhundertjährige ist zurückgekehrt zum Humus, weil seine Substanz unterwühlt war und verdaut von Milliarden von Ameisen. Noch während es seine stolze Form jahrzehntelang in die Höhe steilte, war es von ihnen zerfressen: bloßes Abbild seiner selbst . . . eine Totenmaske, darunter sich emsigste Zersetzung rührte. Und die Vergänglichkeit hat ihre mystische, kunstvoll verschlungene Schrift auf die Innenseite der Rinde gegraben . . . der Finger des Todes, der sich darin gefiel, besinnliche Hieroglyphen zu malen.

Endlich, endlich sind wir am Ziel der Wanderung. Ein schräges Loch ist zwischen den Büschen; farnüberwucherter Fels steigt dahinter auf. Hier ist die erste Goldgrube Herrn Seow Lik Gans, des »Toekang Goenoeng«, des Pächters dieses Berges. Das Gold hängt in Gestalt von Schwalbennestern an den Decken seiner Höhlen. Für dreißig Pfund verkauft der Chinese das Pfund im Toko Gan, seinem reichhaltigen Delikatessenladen in Buitenzorg. Er liebt es nicht, daß man die Schwalben erschreckt, deshalb ist Vorsicht am Platz.

Der Eingang dieser ersten Höhle ist breit genug, um bequemes Einsteigen zu gestatten. Der Malaie entzündet eine reichlich qualmende Pechfackel (sie ist sicher nicht nach dem Herzen Gans!) und schreitet uns voran. Es gibt dieselbe Sensation, als ob man plötzlich aus einem Treibhaus in den Weinkeller hinabstiege: feuchtmodrige Kühle schlägt uns ins Gesicht. Der Eingang ist niedrig; jäh erweitert sich die Höhle zu einem Raum, dessen Höhe schwer zu taxieren ist. Fünf Meter darf man immerhin mit gutem Gewissen annehmen. Der Boden ist niedergetretener roter Lehm. Aus dem wankenden Licht der Fackel treten Stalaktiten, doch von keiner reinlichen spitzen Form, sondern als verquollene Trauben, mit kreisrunden Löchern besät; unten im Boden stecken Brocken von so abenteuerlicher Form, daß man versucht ist, einen versinterten Klumpen fossiler Saurierknochen in ihnen zu erblicken. So grinst uns, im huschenden Flackerlicht, die verkalkte Phantastik an mit aufgerissenen Kiefern, enormen Augenhöhlen, zackigen Wirbeln und Beckenschaufeln . . . Wir schwingen die Fackel höher und tasten die Decke ab. Wie von Geschossen flitzt es (fast spüren wir die Berührung knatternden Gefieders an den Ohrmuscheln) an unseren Köpfen vorbei. Das sind die Salanganen; sie stürzen sich nach draußen, aus diesem giftig-roten Licht, dieser Rauchbeize, ins grelle, aber vertraute Sonnengrün. Unendliches Gezirpe entsteht wie ein Netz von Lauten, in höheren oder engeren Kavernen, die das Licht nicht erreicht. Und ganz im Banne dieses scheltenden Zirpens untersuchen wir den Umfang der Höhle. Sie mißt ungefähr zwanzig Meter im Geviert. In einer Seitenkammer, das Gesicht nah am Felsen, pralle ich fast zurück: vor mir, an der Wand, im verstecktesten, finstersten Teil, sitzen zwei Heuschrecken, recht große Tiere. Sie sitzen reglos; sie sind entweder blind oder so verdutzt, daß ihre Lebensgeister gelähmt sind. Ich erwähne den Umstand deshalb, weil es sich um keine gewöhnlichen Heuschrecken handelt.

Sie sind nicht grün oder bunt. Sie zeigen ein farbloses Lehmgrau. Vollkommen flügellos, bis auf zwei rudimentäre Lappen, machen sie den Eindruck großer, nackter Raupen an Stelzen: nur ein einziger Körperteil an ihnen ist lebendig und vibriert. Das sind Fühler, mächtig lange Tastfühler, an viermal so lang als das Tier selbst. Es sind Höhlenheuschrecken, denselben Gesetzen unterworfen wie die Grottenolme des Karst. Wir stören sie nicht; so bleiben sie hocken, die nächtlichen Geschöpfe, die Ausgeburten des Dunkels, und betreiben, still für sich, ihre grüblerische Höhlenanpassung weiter . . .

Die Nester der Schwalben entgehn uns hier. Sie sitzen so hoch und sind für das Fackellicht nicht erreichbar. So begeben wir uns wieder hinaus.

Von jenem gigantischen Ficusbaum zweigt der Weg ab, der zu den anderen Höhlen führt. Nach einer halben Stunde mühseligen Kletterns finden wir sie. Etwas aufgeschütteter Lehm, eine Art Brücke, führt zu zwei, drei Spalten im Fels – breit genug, um Kindern und Affen den Zutritt zu gestatten. Wir müssen uns draußen halten und leuchten hinein. Da erkennen wir schleimgraue, spinnwebhafte Gebilde, die in den Ritzen kleben: den Schatz des Chinesen.

Man erzählte uns, daß die Nester vorsichtig gestohlen, verschmitzt entfernt werden in ganz bestimmten Zeitabständen; daß ein Knäblein an einem Seil mit einem Blätterkörbchen das Geschäft des »Pflückens« verrichtet, und daß man die Vögel nicht durch Raubabbau erbosen dürfe, denn dann zögen sie aus und Herrn Gan bliebe nichts übrig als die Hänge des Schwalbenberges mit Klagen zu erfüllen . . . Er habe dann kein Mittel mehr als sehnsüchtige Beschwörungen in der Himmelsrichtung der großen Berge und ihrer rauhen regenzerweinten, rotangverhängten Unzugänglichkeiten . . . Nein, er muß den Schwalben nahen mit der Diebeskralle in samtenem Handschuh, mit vierzehn Punkten, hätt' ich beinah gesagt; er muß ihnen die Nester wegschmeicheln unter den flaumigen Bäuchlein . . .

Wir gehn zurück. Und dieser ganze Rückgang aus der Verzauberung des Urwalds ist von einem neuen Konzert begleitet. Irgendwo hat eine der großen Baumzikaden begonnen und die anderen sind eingefallen. Wenn man es nie gehört hat, macht man sich keinen Begriff von der Art und Kraft dieser Töne.

Es ist wie das tiefe asthmatische Atemholen der Wälder selbst. Es ist ein schnarrendes rhythmisches Röcheln; es ist wie aufwärts spindelnder Gesang von Wechselströmen in vielen versteckten Dynamos; es ist wie schluchzendes Schnappen nach Luft, gefolgt vom Hallen gedämpfter Gongs oder mächtiger Kreissägen in weiter Ferne. Noch nie gelang es mir, die Quelle, den Ausgangspunkt des höllischen Spektakels zu fixieren. Immer ist es ein anderer Baum, von dem es zu dringen scheint, und schließlich gibt man die Suche auf . . . Es ist universal und die Verlautbarung des Lebens selbst, des sickernden, wühlenden, unablässig zu Form gerinnenden oder zerfallenden Lebens.

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