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Gutenberg > Heinrich von Kleist >

Die Hermannsschlacht

Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht - Kapitel 9
Quellenangabe
typedrama
booktitleDie Hermannsschlacht
authorHeinrich von Kleist
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000348-2
titleDie Hermannsschlacht
pages1-4
created19990312
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1821
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Sechster Auftritt

Hermann und Eginhardt treten auf. Die Vorigen.

Der zweite Cherusker.
Komm her, mein Fürst, schau diese Greuel an!

Hermann.
Was gibts?

Der erste Cherusker.
                    Was! Fragst du noch? Du weißt von nichts?

Hermann.
Nichts, meine Freund! Ich komm aus meinem Zelte.

Eginhardt.
Sagt, was erschreckt euch?

Der zweite Cherusker (halblaut).
                                              Eine ganze Meute
Von geilen Römern, die den Platz durchschweifte,
Hat bei der Dämmrung schamlos eben jetzt –

Hermann (indem er ihn vorführt).
Still, Selmar, still! Die Luft, du weißt, hat Ohren.
– Ein Römerhaufen?

Eginhardt.                         Ha! Was wird das werden?

(Sie sprechen heimlich zusammen. Pause.)

Hermann (mit Wehmut, halblaut).
Hally? Was sagst du mir! Die junge Hally?

Der zweite Cherusker.
Hally, Teutholds, des Schmieds der Waffen, Tochter!
– Da liegt sie jetzt, schau her, mein Fürst,
Von ihrem eignen Vater hingeopfert!

Eginhardt (vor der Leiche).
Ihr großen, heiligen und ewgen Götter!

Der erste Cherusker.
Was wirst du nun, o Herr, darauf beschließen?

Hermann (zum Volke).
Kommt, ihr Cherusker! Kommt, ihr Wodankinder!
Kommt, sammelt euch um mich und hört mich an!

(Das Volk umringt ihn; er tritt vor Teuthold.)

Teuthold, steh auf!

Teuthold (am Boden).   Laß mich!

Hermann.                                       Steh auf, sag ich!

Teuthold.
Hinweg! Des Todes ist, wer sich mir naht.

Hermann.
– Hebt ihn empor, und sagt ihm, wer ich sei.

Der zweite Cherusker.
Steh auf, unsel'ger Alter!

Der erste Cherusker.             Fasse dich!

Der zweite Cherusker.
Hermann, dein Rächer ists, der vor dir steht.

(Sie heben ihn empor.)

Teuthold.
Hermann, mein Rächer, sagt ihr? – Kann er Rom,
Das Drachennest, vom Erdenrund vertilgen?

Hermann.
Ich kanns und wills! Hör an, was ich dir sage.

Teuthold (sieht ihn an).
Was für ein Laut des Himmels traf mein Ohr?

Die beiden Vettern.
Du kannsts und willsts?

Teuthold.                               Gebeut! Sprich! Red, o Herr!
Was muß geschehn? Wo muß die Keule fallen?

Hermann.
Das hör jetzt, und erwidre nichts. –
Brich, Rabenvater, auf, und trage, mit den Vettern,
Die Jungfrau, die geschändete,
In einen Winkel deines Hauses hin!
Wir zählen funfzehn Stämme der Germanen;
In funfzehn Stücke, mit des Schwertes Schärfe,
Teil ihren Leib, und schick mit funfzehn Boten,
Ich will dir funfzehn Pferde dazu geben,
Den funfzehn Stämmen ihn Germaniens zu.
Der wird in Deutschland, dir zur Rache,
Bis auf die toten Elemente werben:
Der Sturmwind wird, die Waldungen durchsausend,
Empörung! rufen, und die See,
Des Landes Ribben schlagend, Freiheit! brüllen.

Das Volk.
Empörung! Rache! Freiheit!

Teuthold.                                     Auf! Greift an!
Bringt sie ins Haus, zerlegt in Stücken sie!

(Sie tragen die Leiche fort.)

Hermann.
Komm, Eginhardt! Jetzt hab ich nichts mehr
An diesem Ort zu tun! Germanien lodert:
Laß uns den Varus jetzt, den Stifter dieser Greuel,
Im Teutoburger Walde suchen!

(Alle ab.)

 
Szene: Hermanns Zelt,

Siebenter Auftritt

Hermann tritt auf, mit Schild und Spieß. Hinter ihm Septimius. – Gefolge.

Hermann.
Hast du die neuste Einrichtung getroffen?
Mir das Cheruskerheer, das vor den Toren liegt,
Nach Römerart, wie du versprachst,
In kleinere Manipeln abgeteilt?

Septimius.
Mein Fürst, wie konnt ich? Deine deutschen Feldherrn
Versicherten, du wolltest selbst,
Bei dieser Neuerung zugegen sein.
Ich harrte, vor dem Tor, bis in die Nacht auf dich;
Doch du – warum? nicht weiß ich es – bliebst aus.

Hermann.
Was! So ist alles noch im Heer, wie sonst?

Septimius.
Auf jeden Punkt; wie könnt es anders?
Es ließ sich, ohne dich, du weißt, nichts tun.

Hermann.
Das tut mir leid, Septimius, in der Tat!
Mich hielt ein dringendes Geschäft
Im Ort zurück: du würdest, glaubt ich,
Auch ohne mich hierin verfügen können.
Nun – wird es wohl beim alten bleiben müssen.
Der Tag bricht an; hast du das Heer,
Dem Plan gemäß, zum Marsch nach Arkon,
Dem Teutoburger Waldplatz angeschickt?

Septimius.
Es harrt nur deines Worts, um anzutreten.

Hermann (indem er einen Vorhang lüftet).
– Ich denk, es wird ein schöner Tag heut werden?

Septimius.
Die Nacht war heiß, ich fürchte ein Gewitter.

(Pause.)

Hermann.
Nun, sei so gut, verfüg dich nur voran!
Von meinem Weib nur will ich Abschied nehmen,
Und folg, in einem Augenblick, dir nach!

(Septimius ab.)

(Zu dem Gefolge.)
Auf, folgt ihm, und verlaßt ihn nicht!
Und jegliche Gemeinschaft ist,
Des Heers mit Teutoburg, von jetzt streng aufgehoben.

(Das Gefolge ab.)

Achter Auftritt

Hermann (nachdem er Schild und Spieß weggelegt).
Nun wär ich fertig, wie ein Reisender.
Cheruska, wie es steht und liegt,
Kommt mir, wie eingepackt in eine Kiste, vor:
Um einen Wechsel könnt ich es verkaufen.
Denn käms heraus, daß ich auch nur
Davon geträumt, Germanien zu befrein:
Roms Feldherr steckte gleich mir alle Plätze an,
Erschlüge, was die Waffen trägt,
Und führte Weib und Kind gefesselt übern Rhein.
August straft den Versuch, so wie die Tat!
(Er zieht eine Klingel; ein Trabant tritt auf.)
Ruf mir die Fürstin!

Der Trabant.                   Hier erscheint sie schon!

Neunter Auftritt

Hermann und Thusnelda.

Hermann (nimmt einen Brief aus dem Busen).
Nun, Thuschen, komm; ich hab dir was zu sagen.

Thusnelda (ängstlich).
Sag, liebster Freund, ums Himmelswillen,
Welch ein Gerücht läuft durch den Lagerplatz?
Ganz Teutoburg ist voll, es würd, in wenig Stunden,
Dem Crassus, der Kohorten Führer,
Ein fürchterliches Blutgericht ergehn!
Dem Tode, wär die ganze Schar geweiht,
Die als Besatzung hier zurückgeblieben.

Hermann.
Ja! Kind, die Sach hat ihre Richtigkeit.
Ich warte nur auf Astolf noch,
Deshalb gemeßne Order ihm zu geben.
Sobald ich Varus' Heer, beim Strahl des nächsten Tages,
Im Teutoburger Wald erreicht,
Bricht Astolf hier im Ort dem Crassus los;
Die ganze Brut, die in den Leib Germaniens
Sich eingefilzt, wie ein Insektenschwarm,
Muß durch das Schwert der Rache jetzo sterben.

Thusnelda.
Entsetzlich! – Was für Gründe, sag mir,
Hat dein Gemüt, so grimmig zu verfahren?

Hermann.
Das muß ich dir ein andermal erzählen.

Thusnelda.
Crassus, mein liebster Freund, mit allen Römern –?

Hermann.
Mit allen, Kind; nicht einer bleibt am Leben!
Vom Kampf, mein Thuschen, übrigens,
Der hier im Ort gekämpft wird werden,
Hast du auch nicht das Mindeste zu fürchten;
Denn Astolf ist dreimal so stark, als Crassus;
Und überdies noch bleibt ein eigner Kriegerhaufen,
Zum Schutze dir, bei diesem Zelt zurück.

Thusnelda.
Crassus? Nein, sag mir an! Mit allen Römern –?
Die Guten mit den Schlechten, rücksichtslos?

Hermann.
Die Guten mit den Schlechten. – Was! Die Guten!
Das sind die Schlechtesten! Der Rache Keil
Soll sie zuerst, vor allen andern, treffen!

Thusnelda.
Zuerst! Unmenschlicher! Wie mancher ist,
Dem wirklich Dankbarkeit du schuldig bist –?

Hermann.
– Daß ich nicht wüßte! Wem?

Thusnelda.                                       Das fragst du noch!

Hermann.
Nein, in der Tat, du hörst; ich weiß von nichts.
Nenn einen Namen mir?

Thusnelda.                             Dir einen Namen!
So mancher einzelne, der, in den Plätzen,
Auf Ordnung hielt, das Eigentum beschützt –

Hermann.
Beschützt! Du bist nicht klug! Das taten sie,
Es um so besser unter sich zu teilen.

Thusnelda (mit steigender Angst).
Du Unbarmherzger! Ungeheuerster!
– So hätt auch der Centurio,
Der, bei dem Brande in Thuiskon jüngst
Die Heldentat getan, dir kein Gefühl entlockt?

Hermann.
Nein – Was für ein Centurio?

Thusnelda.                                       Nicht? Nicht?
Der junge Held, der, mit Gefahr des Lebens,
Das Kind, auf seiner Mutter Ruf,
Dem Tod der Flammen mutig jüngst entrissen? –
Er hätte kein Gefühl der Liebe dir entlockt?

Hermann (glühend).
Er sei verflucht, wenn er mir das getan!
Er hat, auf einen Augenblick,
Mein Herz veruntreut, zum Verräter
An Deutschlands großer Sache mich gemacht!
Warum setzt' er Thuiskon mir in Brand?
Ich will die höhnische Dämonenbrut nicht lieben!
So lang sie in Germanien trotzt,
Ist Haß mein Amt und meine Tugend Rache!

Thusnelda (weinend).
Mein liebster, bester Herzens-Hermann,
Ich bitte dich um des Ventidius Leben!
Das eine Haupt nimmst du von deiner Rache aus!
Laß, ich beschwöre dich, laß mich ihm heimlich melden,
Was über Varus du verhängt:
Mag er ins Land der Väter rasch sich retten!

Hermann.
Ventidius? Nun gut. – Ventidius Carbo?
Nun denn, es sei! – Weil es mein Thuschen ist,
Die für ihn bittet, mag er fliehn:
Sein Haupt soll meinem Schwert, so wahr ich lebe,
Um dieser schönen Regung heilig sein!

Thusnelda (sie küßt seine Hand).
O Hermann! Ist es wirklich wahr? O Hermann!
Du schenkst sein Leben mir?

Hermann.                                       Du hörst. Ich schenks ihm.
Sobald der Morgen angebrochen,
Steckst du zwei Wort ihm heimlich zu,
Er möchte gleich sich übern Rheinstrom retten;
Du kannst ihm Pferd aus meinen Ställen schicken,
Daß er den Tagesstrahl nicht mehr erschaut.

Thusnelda.
O Liebster mein! Wie rührst du mich! O Liebster!

Hermann.
Doch eher nicht, hörst du, das bitt ich sehr,
Als bis der Morgen angebrochen!
Eh auch mit Mienen nicht verrätst du dich!
Denn alle andern müssen unerbittlich,
Die schändlichen Tyrannenknechte, sterben:
Der Anschlag darf nicht etwa durch ihn scheitern!

Thusnelda (indem sie sich die Tränen trocknet).
Nein, nein; ich schwörs dir zu! Kurz vor der Sonn erst!
Kurz vor der Sonn erst soll er es erfahren!

Hermann.
So, wenn der Mond entweicht. Nicht eh, nicht später.

Thusnelda.
Und daß der Jüngling auch nicht etwa,
Der törichte, um dieses Briefs,
Mit einem falschen Wahn sich schmeichele,
Will ich den Brief in deinem Namen schreiben;
Ich will, mit einem höhnschen Wort ihm sagen:
Bestimmt wär er, die Post vom Untergang des Varus
Nach Rom, an seinen Kaiserhof, zu bringen!

Hermann (heiter).
Das tu. Das ist sehr klug. – Sieh da, mein schönes Thuschen!
Ich muß dich küssen. –
Doch, was ich sagen wollte – –
Hier ist die Locke wieder, schau,
Die er dir jüngst vom Scheitel abgelöst,
Sie war, als eine Probe deiner Haare,
Schon auf dem Weg nach Rom; jedoch ein Schütze bringt,
Der in den Sand den Boten streckte,
Sie wieder in die Hände mir zurück.
(Er gibt ihr den Brief, worin die Locke eingeschlagen.)

Thusnelda (indem sie den Brief entfaltet).
Die Lock? O was! Um die ich ihn verklagt?

Hermann.
Dieselbe, ja!

Thusnelda.           Sieh da! Wo kommt sie her?
Du hast sie dem Arkadier abgefordert?

Hermann.
Ich? O behüte!

Thusnelda.               Nicht? – Ward sie gefunden?

Hermann.
Gefunden, ja, in einem Brief, du siehst,
Den er nach Rom hin, gestern früh,
An Livia, seine Kaisrin, abgefertigt.

Thusnelda.
In einem Brief? An Kaiserin Livia?

Hermann.
Ja, lies die Aufschrift nur. Du hältst den Brief.
(Indem er mit dem Finger zeigt.)
»An Livia, Roms große Kaiserin.«

Thusnelda.
Nun? Und?

Hermann. Nun? Und?

Thusnelda.                   – Freund, ich versteh kein Wort!
– Wie kamst du zu dem Brief? Wer gab ihn dir?

Hermann.
Ein Zufall, Thuschen, hab ich schon gesagt!
Der Brief, mit vielen andern noch,
Ward einem Boten abgejagt,
Der nach Italien ihn bringen sollte.
Den Boten warf ein guter Pfeilschuß nieder,
Und sein Paket, worin die Locke,
Hat mir der Schütze eben überbracht.

Thusnelda.
Das ist ja seltsam, das, so wahr ich lebe! –
Was sagt Ventidius denn darin?

Hermann.                                           Er sagt
Laß sehn! Ich überflog ihn nur. Was sagt er?
(Er guckt mit hinein.)

Thusnelda (liest).
»Varus, o Herrscherin, steht, mit den Legionen,
Nun in Cheruska siegreich da;
Cheruska, faß mich wohl, der Heimat jener Locken,
Wie Gold so hell und weich wie Seide,
Die dir der heitre Markt von Rom verkauft.
Nun bin ich jenes Wortes eingedenk,
Das deinem schönen Mund, du weißt,
Als ich zuletzt dich sah, im Scherz entfiel.
Hier schick ich von dem Haar, das ich dir zugedacht,
Und das sogleich, wenn Hermann sinkt,
Die Schere für dich ernten wird,
Dir eine Probe zu, mir klug verschafft;
Beim Styx! so legts am Kapitol,
Phaon, der Krämer, dir nicht vor:
Es ist vom Haupt der ersten Frau des Reichs,
Vom Haupt der Fürstin selber der Cherusker!«
– Ei der Verfluchte!
(Sie sieht Hermann an, und wieder in den Brief hinein.)
                                  Nein, ich las wohl falsch?

Hermann.
Was?

Thusnelda.
          Was!

Hermann.           – Stehts anders in dem Briefe da?
Er sagt –:

Thusnelda.       »Hier schick ich von dem Haar«, sagt er,
»Das ich dir zugedacht, und das sogleich,
Wenn Hermann sinkt – die Schere für dich ernten wird –«
(Die Sprache geht ihr aus.)

Hermann.
Nun ja; er will –! Verstehst dus nicht?

Thusnelda (sie wirft sich auf einen Sessel nieder).
                                                              O Hertha!
Nun mag ich diese Sonne nicht mehr sehn.
(Sie verbirgt ihr Haupt.)

Hermann (leise, flüsternd).
Thuschen! Thuschen! Er ist ja noch nicht fort.
(Er folgt ihr und ergreift ihre Hand.)

Thusnelda.
Geh, laß mich sein.

Hermann (beugt sich ganz über sie).
                                  Heut, wenn die Nacht sinkt, Thuschen,
Schlägt dir der Rache süße Stunde ja!

Thusnelda.
Geh, geh, ich bitte dich! Verhaßt ist alles,
Die Welt mir, du mir, ich: laß mich allein!

Hermann (er fällt vor ihr nieder).
Thuschen! Mein schönes Weib! Wie rührst du mich!

(Kriegsmusik draußen.)

Zehnter Auftritt

Eginhardt und Astolf treten auf. Die Vorigen.

Eginhardt.
Mein Fürst, die Hörner rufen dich! Brich auf!
Du darfst, willst du das Schlachtfeld noch erreichen,
Nicht, wahrlich! einen Augenblick mehr säumen.

Hermann (steht auf).
Gertrud!

Eginhardt.
                Was fehlt der Königin?

Hermann.                                             Nichts, nichts!

(Die Frauen der Thusnelda treten auf.)

Hier! Sorgt für eure Frau! Ihr seht, sie weint.
(Er nimmt Schild und Spieß.)
Astolf ist von dem Kriegsplan unterrichtet?

Eginhardt.
Er weiß von allem.

Hermann (zu Astolf).     Sechshundert Krieger bleiben dir
In Teutoburg zurück, und ein Gezelt mit Waffen,
Cheruskas ganzes Volk damit zu rüsten.
Teuthold bewaffnest, und die Seinen, du,
Um Mitternacht, wenn alles schläft, zuerst.
Sobald der Morgen dämmert, brichst du los.
Crassus und alle Führer der Kohorten,
Suchst du in ihren Zelten auf;
Den Rest des Haufens fällst du, gleichviel, wo?
Auch den Ventidius empfehl ich dir.
Wenn hier in Teutoburg der Schlag gefallen,
Folgst du, mit deinem ganzen Troß,
Mir nach dem Teutoburger Walde nach;
Dort wirst du weiteren Befehl erhalten.
Hast du verstanden?

Astolf.                             Wohl, mein erlauchter Herr.

Eginhardt (besorgt).
Mein bester Fürst! Willst du nicht lieber ihn
Nach Norden, an den Lippstrom, schicken,
Cheruska vor dem Pästus zu beschirmen,
Der dort, du weißt, mit Holm, dem Herrn der Friesen, kämpft.
Cheruska ist ganz offen dort,
Und Pästus, wenn er hört, daß Rom von dir verraten,
Beim Styx! er sendet, zweifle nicht,
Gleich einen Haufen ab, in deinem Rücken,
Von Grund aus, alle Plätze zu verwüsten.

Hermann.
Nichts, nichts, mein alter Freund! Was fällt dir ein?
Kämpf ich auch für den Sand, auf den ich trete,
Kämpf ich für meine Brust?
Cheruska schirmen! Was! Wo Hermann steht, da siegt er,
Und mithin ist Cheruska da.
Du folgst mir, Astolf, ins Gefild der Schlacht;
Wenn Varus, an der Weser, sank,
Werd ich, am Lippstrom, auch den Pästus treffen!

Astolf.
Es ist genug, o Herr! Es wird geschehn.

Hermann (wendet sich zu Thusnelda).
Leb wohl, Thusnelda, mein geliebtes Weib!
Astolf hat deine Rache übernommen.

Thusnelda (steht auf).
An dem Ventidius?
(Sie drückt einen heißen Kuß auf seine Lippen.)
                                Überlaß ihn mir!
Ich habe mich gefaßt, ich will mich rächen!

Hermann.
Dir?

Thusnelda.
        Mir! Du sollst mit mir zufrieden sein.

Hermann.
Nun denn, so ist der erste Sieg erfochten!
Auf jetzt, daß ich den Varus treffe:
Roms ganze Kriegsmacht, wahrlich, scheu ich nicht!

(Alle ab.)

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