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Die Gräfin Ulfeld. Erster Band

Leopold Schefer: Die Gräfin Ulfeld. Erster Band - Kapitel 8
Quellenangabe
authorLeopold Schefer
titleDie Gräfin Ulfeld. Erster Band
publisherVerlag von Veit und Comp
year1834
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180917
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Die Opferung der Dina.


Als Eleonore eines Abends mit ihren beiden jungen, seelensguten Töchtern Ellen Christina und Eleonoren Sophia allein war, kam Corfitz Schwester Anna und bald darauf ihre Schwester Elisabeth zu ihr. Sie warteten ungeduldig, bis die beiden Mädchen, Ellen Christina und Eleonore Sophia, sich entfernten, und Anna trat dann hastig auf die erschreckende Mutter zu und frug sie streng und fast drohend: Weißt Du? – Du weißt! Aber wie kannst Du so ruhig sein? Siehe mich an! Ja, Du bist ruhig! Du bist ein unbegreifliches Weib, oder ein bewundernswürdiges! Und ich ärgere mich über mich, daß ich Dich noch bewundre, oder zu bewundern anfange.

Ist es denn so der Mühe werth? frug Eleonore.

Des Grams, des Unglücks, des Todes ist es werth, sprach Elisabeth. Aber Du wirst uns wieder nicht glauben – laß uns nur gehen, Anna ... mag sie es vom Scharfrichter hören!

»Vom ..... « sprach Eleonore verstummend.

Komm', Elisabeth, sprach Anna. Unser lieber Vetter, Paul Flemming, der aus Persien zurückgekehrt ist, hat dort von Weisen gehört: Die Erde ist das Zuchthaus des Himmels. Himmlische, gefallene Geister müssen hier büßen durch Leben und Sterben, durch Hassen und Lieben; und diejenigen, welche am schwersten gesündigt haben, sind verdammt, etwas recht Nichtswürdiges zu lieben, und sich ihm zu ergeben mit Leib und Seele. Sie thun, sie dulden Alles; sie weinen, sie lachen, sie morden und vergiften mit dem, den sie lieben, als wären sie Eins, ja als wären sie er; sie thun es für ihn, sie nehmen's auf sich und in ihrer Verblendung glauben sie nur zu lieben ... und werden doch nur gestraft! Sie fühlen Nichts, sie hören Nichts, sie verstehen Nichts, man kann es ihnen in die Ohren schreien, in das Gesicht sagen, wie ich jetzt zu Eleonoren: Höre, Du arme Seele, Du liebst nicht, Du wirst nur schrecklich gestraft .... und Eleonore lächelt, ich möchte sagen, – himmlisch, wenn mir nicht grauste! Nur vor Angst bebt sie und zittert. Nein, mir grauset! Ich zittre, ich zergehe vor Mitleid und Scham, daß ich auch ein Weib bin ... ich halt' es nicht aus, ihr das zu sagen, was sie gewiß schon weiß – denn wenn Friedrich III. nicht lebte, wäre ihr Mann Corfitz – mein Bruder – o mein Bruder – wäre König ... und so ist Alles mir klar. Ich gehe; sag' es ihr, Du, ihre Schwester Elisabeth!

Und so ging Anna wirklich.

Sie kehrte aber noch ein Mal um, und sagte weich zu Eleonoren: Halte mich für keine Feindin von Dir; Weiber verdrießt die Verstellung eines andern Weibes, und schonungslos reißen sie selbst ihrer Schwester die Maske vom Gesicht, und Augen und Gesicht mit der Maske zugleich – denn ihre Hand, meine Hand, führt eine unwiderstehliche Gewalt, eine böse, – weiß ich nicht und bin ich mir nicht bewußt, – und ob eine gute, die Gewalt der Wahrheit, die schon auf Erden weltrichtende Hand, ich weiß es nicht; aber ich gehe jetzt, Deines Mannes Kind von der Dina zu sehen, das sie Dir, uns in derselben Nacht geboren hat, in welcher Du hier Dein kleines Mädchen geboren hast, das so still und heilig schläft und nicht weiß, ob es einsam in aller Welt ist, oder ob es tausend Engel oder Bälge zu Geschwistern hat. Der Unterschied ist nur der: Dein Kind lebt, und Dina's Kind ist gestorben – und ehe es begraben wird, geh' ich im Dunkeln hinaus vor das Norderthor, sehe das arme Würmchen mir an, und sehe, ob es hier Deinem Mädchen gleicht, Deinen Kindern, oder irgend einem Gesicht unserer Ulfeldischen Gesichter. Unsere Mutter, Brigitta Brokkenhuus, würde es gleich erkennen – denn sie erkannte schon ein Kind, das noch nicht ein Mal geboren war! Gewiß weiß auch die Mutter schon Alles, denn ihre Liebe wacht auch um ihren Sohn; aber die arme Frau liegt auch Wache an einem Feuer von Schwefel und Pech, und sagte mir letzthin: Weißt Du, Anna, was zu sein am schwersten ist auf der Welt? – Was denn? frug ich so hin. Eine unglückliche Mutter; sprach sie, eine Mutter, die auch nur Ein ungerathenes, verlornes Kind hat. Die andern gerathenen alle helfen ihr Nichts, und sind ihr Nichts. – Hab' ich Sie je beleidigt, meine geliebte Mutter, sprach ich, vergeben Sie mir es ... selber, daß ich bin! – Da drückte sie mich an die Brust. Aber nur aus Schmerz. Darum muß ich jetzt wissen, ob der Dina Kind meinem Bruder, dem ungerathenen Sohne, ähnlich sieht; ja, es ist so weit gekommen, daß ich schreckliche Freude habe .... wenn es ihm ähnlich sieht. Die Mutter ist auch schon halb närrisch.

Jetzt ging sie, und Niemand hielt sie.

Und nach einiger Zeit des Starrens in dem dunkeln Zimmer, frug Eleonore: Der Dina ....?

Deiner Putzmacherin, die einige Mal bei Dir im Hause gewesen – antwortete ihr Elisabeth. Aber sei ruhig, Eleonore, das ist nicht das Schlimmste, was geschehen ist. Du schweigst. Was kann noch Schlimmeres geschehen – begreifst Du, als Weib und Mutter und Königstochter, nicht, und willst Du nicht fragen? Die Wahrheit gesagt: Wir haben Dich fast verachtet, wir haben uns redlich geärgert; jetzt ... ich weiß nicht! ... das Mitleid – es macht alle Menschen gut, es läßt Alles gut sein, es ist etwas Himmlisches. Ich lasse Dich gut sein, ja, ich bin Dir gut, ich fange Dich an zu lieben – ein Licht geht mir im Herzen auf: ich fange Deine Liebe an zu begreifen und wollte mich nicht wundern, wenn Du Deinen Mann selber erst jetzt zu lieben anfingst!

Indeß hörte man deutlich, Wachen sich an dem Hause aufstellen. Eleonore trat einen Schritt näher an das Fenster; das Licht des Mondes fiel so auf ihr Gesicht, und während sie es still zu seiner Klarheit empor hob, sagte ihr Elisabeth: ... Ihr habt den König vergiften wollen ...

Eleonore regte sich nicht; und so redete Elisabeth zu der sichtbaren Erscheinung des auf Erden bestraften himmlischen Geistes: Dina, Du kennst sie, ein so schönes als leichtsinniges Weib, der Corfitz auf Fühnen begegnet, als er nach Hause gekommen aus der Fremde, da sie mit ihrem Manne von hier weggezogen, und welche der Obrist Walther, der tapfre Vertheidiger von Rendsburg, als Wittwe auf seinem Schiffe wieder nach Copenhagen gebracht, Dina, die Ulfeld schon oft heimlich zu sich kommen lassen als Mann verkleidet, sie hat eines Morgens bei Deinem Manne im Bett gelegen – er deckt sie schnell zu, denn Du kommst unvermuthet mit einer kleinen Flasche zu ihm herein, setzest Dich sogar an sein Bett und sprichst: Hier haben wir das, wovon wir gestern sprachen. Corfitz aber winkt Dir mit den Augen, zu schweigen, und hält die linke Hand über Dina's Kopf oder Ohr; Du aber hast vermuthlich auf das tödtliche Gefäß gestarrt, oder Du weißt nicht, warum Du schweigen sollst, und sprichst noch mehr, worauf Dein Mann .... Du verzeihest den Ausdruck ... doch sagen muß: Ich fürchte, daß es zu stark ist, und allzu geschwinde Wirkung thun wird. Nein, antwortest Du: Er soll, wie in einem Schlummer, wegbleiben. Da drückt Dein Mann seiner Dina die flache Hand fester aufs Ohr ... denn Du sagst noch: das Schlimmste ist nur, daß er aus einer Kanne für sich selber trinkt, weil der König sich nicht gerne trunken trinkt. Darauf schweigst Du still, weil Ulfeld zu Dir Französisch spricht, und gehst hinaus.

Eleonore stand jetzt sofort ganz regungslos im Mondglanz, und es hörte sich an, als hauchte sie aus ihrer Brust Etwas drei Mal langsam hinweg. Darauf sprach Elisabeth weiter: Walther, der zweite Liebhaber – der Dina, hat Alles schon lange geheim der Königin gesagt. Der König hat die schöne Dina selbst im Schlosse verhört, sie hat Alles beschworen, die von Ulfeld empfangene goldene Kette, die Armbänder und andere Dinge ihm vorgezeigt, zum Beweise, daß Dein Mann sie auch verheirathen wolle an seinen Reitvoigt, ehe ihre Schande ruchbar würde. Nun aber ist ihr Kind geboren und gestorben. So ist sie denn jetzt erst in sicherm Gewahrsam gebracht – und hat sich mit Gift vergeben, oder ist sie mit Gift vergeben worden. Die Doctoren haben sie gerettet; sie ist zum Tode schwach, sie hat das Abendmahl mit Bier Schon Papst Innocenz VIII. gestattete den weinarmen Nordlanden Bier zum Abendmahl. erhalten, und bleibt trotz dem bei ihrer Aussage gegen Dich! Denn Dein Mann ist doch Du. Manchmal ist sie vor Schwäche und Angst von Sinnen und redet dann wiederum Anderes und läugnet Alles aus Furcht. Denn Dein Mann hat sie schon viele Male foltern lassen. Nun sagt sie, Dein Mann habe sie damals ersucht: sage nichts von dem, was Du gehört; denn Alles ist nur Scherz. – Das mußt Du wissen, Eleonore! Komm', wir wollen ein Mal tanzen! Und wenn Du das kannst, dann ist Alles Scherz und ich bin wieder froh!

Elisabeth wollte sie ergreifen, aber Eleonore dehnte sich lang und langsam aus, oder streckte sie ihre Arme zum Himmel, und Elisabeth legte aus Scheu vor ihr die Hand auf die Brust.

Eleonore wollte sprechen; da kam ihr Gemahl schon in langem Schlafrock und seiner absonderlichen Nachtmütze mit zwei Zipfeln, deren jeder über ein Ohr weg unter dem Halse gebunden war. Er setzte sich an die mondbeglänzte Wiege und wiegte der Mutter zur Freude das Kind. Du wirst nicht wissen, was die Wache soll, liebes Weib – nun sie soll uns Beide vor Mördern schützen; sprach er. Schon lange hat man uns den falschen Langemack, und ich muß die Art loben,– recht glaublich in's Haus gespielt. Wer spricht nicht ein freies Wort bei Tische? Wer rühmt sich nicht da ein wenig, wer beklagt sich nicht da? Wenn der Eßtisch im Lande keine Freistätte, kein Asyl, keine Hoffnungsbay mehr auf Erden ist, verlohnt es sich dann noch der Mühe, zu essen, zu trinken, ja zu leben? Mir nicht. Welcher Diener plaudert aber nicht von Tische, wo das stumme Volk seine Herren doch reden sieht und hört. Jeder Herr bezahlt seinen Diener, da setzt es nichts mehr, als Scheltworte für Versehen; welcher Andre oder Fremde also einem Diener nur ein Geld zu einem tüchtigen Tranke gibt auf einen Tag, eine Woche, oder einen Monat, der ist besser bedient, als der Herr und die Frau, – dem verkaufen sie Herrn und Frau! So sind wir verkauft durch Langemack. Wem er hat sollen mein geheimes Buch bringen, dessen Vorhandensein Du kaum kennest, das verschweigt er eisern. Aber wer von ihm unsere drei Pfortenschlüssel erhalten – das hat er gestanden! Denn ich habe ihn drunten im Gewölbe mit Hülfe des Türken Isaak nackend an einen Pfahl gebunden, und ihm zu Oeffnung des Mundes ungefähr ein halbes Dutzend Backenzähne ausnehmen lassen. Ich lade Dich ein, jetzt hinunter zu kommen, damit Du selbst seine Rede hörst. Ich werfe ihm indeß einen Mantel um! Komm'!

Als Eleonore sie damit zu verschonen bat, fuhr Ulfeld fort: Für verfehlte Wünsche fühlt man Reue, Bedauern, nicht Rache. Wer aber uns hat unsere Wünsche verfehlen lassen, an dem vielleicht rächt man sich, oder straft seine Bosheit. Dein Bruder Friedrich hat keine Begierden, also keine Bosheit; aber der Adel hat Bosheit, denn er hat Begierden; und weil ein König mit und neben einem mächtigen Adel, um es recht schreiend auszudrücken – kein König ist, und ich König sein wollte, deßwegen hatte der Adel die Begierde – Deinen Bruder zu wählen, das will sagen: nicht mich. Gut, vor der Hand. Aber sie sollen mich noch wählen, wünschen oder verwünschen, denn ich zerreiße ihr Land, ich zerstöre das Copenhagen hier, jeden Stein, und es soll wieder künftig höchstens ein kleiner Kaufmannsort sein, wie es war, eh' es der Baier'sche Rindenkönig zur Residenz gemacht.

Hoho! Herr Schwiegerbruder! sprach Elisabeth dazu.

Närrin! Waldemar's Schwester! sprach Corfitz. Auch Menschen kann man entzünden, und Könige sind auch Zunder. Welches Volk hat bisher nicht sein Nachbarvolk beleidigt und zum tausendköpfigen, schlafenden Feinde? Ein Mann hat Willen und Verstand. Das bin ich. Ein Andrer hat Lust und Macht. Das ist der künftige Carl Gustav, König von Schweden; ein Mann, dessen Wort ist: Zum Kriege hat ein König stets eine rechtmäßige Veranlassung, wenn er einen schwächern Monarchen findet, der ihm nicht widerstehen kann. Denn da Gott jetzt die Verbrechen der Höheren nicht mehr unmittelbar bestraft, so ist eine solche Schwäche des Nachbarn für einen göttlichen Beruf des Stärkeren zu achten, daß er an dem, den er besieget, »die göttliche Rache« ausüben soll.

Nicht Gottes Rache, hoffe ich; sprach Elisabeth. Deine Mutter geht aus Copenhagen, für die Stadt eine Fürbitte zu thun ... Camillus!

Und wenn alle Weiber meine Mütter wären, oder meine Mutter als alle Weiber vor mir auf die Kniee fielen! sprach Ulfeld in Grimm. Camill hat sich lassen erweichen; die Erweichung eines Sohnes durch seine Mutter ist also da gewesen – in der Welt muß nun etwas Neues sein: die Versteinerung des Herzens. Und wie viel Streiche hat mir meine Mutter gespielt! Ich weiß noch das Lied, das ich auf ihrem Befehl von einem Papiere mit meiner Seele fressen mußte!

Von den andern Streichen willst Du schweigen? sprach Elisabeth bitter.

Aber was sollen die Wachen? frug Eleonore besorgt.

Mein Glück und mein Unglück kommt von den Frauen! erwiederte er. Von Dir mein Glück, und mein Unglück von der Königin. Sie ist die leibhafte Furcht! So lange ich lebe, ist ihr ihr Mann ein Gespenst, ein Geist; und, wie ich glaube, der tapfere Walther – ein Leib. Denn sehr hübsch ist er, und immer zu Hofe. Langemack hat Nachschlüssel für unsere Mörder zu unserem Schlafzimmer besorgen müssen. Langemack, ich habe es selber dem König durch meinen Bruder Flemming, den Vetter Bioern und den Canzler Thomesen sagen lassen, hat mich selber erwürgen wollen ...

Erwürgen? rief Eleonore, hastig zu ihm tretend. Er aber wies ihr lachend seinen heilen Hals und fuhr fort: kann Ich dafür, daß es die Weiber gut mit mir meinen? Verdient das Grobheit? Freilich wird man oft behelligt, und selber die eitle Dina glaubte mir oder uns einen großen Dienst zu erweisen, daß sie uns warnte; Du weißt es ja zuerst, Eleonore! Die meisten Weiber wissen gar nicht, was sie vor Freuden mit ihrem schönen Gesicht anfangen sollen, und laufen damit herum, wie ein Kind, das einen Scorpion gefangen hat, und Wunder denkt, was es hat, bis es wohl merkt, was es gehabt hat! So geht es der albernen Dina. Die Sache ist so: Walther ist Geheimer Rath, und da die Königin regiert, Geheimer Rath der Königin. Da ich ihr das Leben ein Wenig sauer gemacht, so will sie ihr einziges Stiftchen gern sicher einmal als König wissen. Indessen ist das einzige Stiftchen noch nicht einmal Thronfolger gewiß, und sie will ohne mein Vorwissen eine Minderjährigkeitsverordnung auf dem Reichstage abfassen lassen, denn der König kann sterben – merkt sie – ich kann das Stiftchen leicht zertreten – merkt sie – deßwegen sollen die sieben ältesten Reichsräthe Vormünder sein, und Ich also, wir Alle im Hause, Frau und Kinder, sollen bis dahin verderbt sein – denkt sie, wirkt sie –. Darum sollen wir den König vergiften, und sollen auch glauben: Jemand wolle uns Alle ermorden! Du siehst, sprach er lachend, das geht auf Tod und Leben. Das ganze Volk steht in zwei Theile getheilt, und an der Spitze der einen Hälfte steh' Ich.

Aber die Wache? frug Eleonore dringender.

Der König hat mir also lassen seinen Schutz anbieten, das heißt Trabanten, Soldaten und andre königliche Diener. Das wollte ich nur, denn nun konnte ich ihm dafür danken, und die ihm etwas schrecklichen Worte sagen: »Er möchte nur Einigen, so am nächsten um ihn wären, verbieten, uns ohne Vorwissen ermorden zu lassen; daß mir alle Dinge genugsam bekannt wären, ob ich schon auf Niemand zielen wollte.« Jeder aber, den man ermorden will, hat natürliche Freunde an Allen; darum laß ich die Nachbarn und Bürger das Haus bewachen, und will ihnen selber jetzt den Nachtrunk reichen. Denn schon ein Glas Wasser, das ein Großer einem Kleinen, oder einer Kleinen einschenkt und kredenzt, das ist eine Art Nektar für Narren, und schmeckt ihnen süß, sauer, frisch oder abgestanden, wie Du es haben willst. O Erbärmlichkeit! Man sollte sich deiner erbarmen! Aber wenn das Volk einmal Ehrgefühl und Selbstgefühl bekommen sollte, dann ist ja Alles aus. Schon Zwei sind dann Jedes Einen Herr. Ich ahne eine große Zeit! Denn wie die Großen jetzt denken und thun, das kommt schon durch die Bedienten über das Volk, und so säen sie, wie einsame, hohe Samenbäume, ihren eigenen Tod im Lande aus. Das junge Dickicht wächst furchtbar. Vor der Hand aber muß Dina in meine Gewalt, Dina muß, – ihrer Anstifterin zum Exempel, enthauptet werden; und, liebe Eleonore, Du thust mir schon den Gefallen, und siehest zu; das sind wir der Meinung von uns schuldig. Wie man im Schlosse schon Monate lang uns umspinnt, so laß uns heimlich in unsrem Hofe hier in der Grauenbrüdergasse sie umspinnen; packe nämlich Deine besten Sachen ein, wir gehen nach Schweden. Du sollst wieder nach Hofe fahren oder noch besser: das Schloß wird von Grund aus zerstört, denn sonst begraben sie Deine gute Mutter auf den Schindanger, um uns die Vergeltung zu vergelten. Kehre Dich nicht um, liebe Seele! Ich will ja sagen, um mir zu vergelten! Indeß, wärst Du keine Königstochter, so war ich ihnen ein alberner Matz oder ein Verrückter.

Doctor Sperling kam und Ulfeld ging.

Elisabeth sah ihrem Schwiegerbruder nach, trat dann den Doctor sehr besorgt und ernst an, und frug: Doctor, die Wahrheit! – Ulfeld ist verrückt. –

Sperling zuckte die Achseln. Dann sprach er: Selbst seine Frau Gemahlin hier hat mich das schon mit weinenden Augen gefragt. Ich sagte ihr aber: Es sind Millionen Menschen mehr verrückt, als man glaubt. Das heißt: Ihre Seele ist noch nicht an den rechten Standpunkt einer Seele gerückt. Und dann verrücken sie sich durch Leidenschaften noch immer mehr; wie eine verrückte Uhr immer falscher geht. Fiel doch ein Mal der Sommer in den Kalenderwinter! Damals stand aber der Kalender nicht auf dem richtigen Standpunkt eines Kalenders. Die Natur geht immer richtig. Auch die Seele. Auch der Mensch. Selbst in einem Verrückten geht Alles höchst ordentlich verrückt zu. Ich wollte in öffentlicher Disputation den Satz gewinnen, daß schon wir Drei hier im Zimmer, selbst das kleine Ulfeldchen hier in seiner Wiege, in Etwas verrückt sind, durch zu viel Stille, Liebe oder Haß; wenigstens ich scheine mir manchmal ein Stück etwa schwedischen Eisens, dem der Magnet und Magnat Ulfeld den Kopf nach seinem Norden verdreht ...

– Sperling! – verwies ihm Eleonore.

Nur recht verstanden, Gnaden, fuhr Sperling fort. Selbst unser Ulfeld ist auch nur, wie die Meisten, im Ganzen verrückt; im Einzelnen, im Kleinen, im Winzigsten, wie viel Sparsamkeit, Ordnung, Weisheit, Plan und Glück! ... Das gebe Gott! schloß er, etwas furchtsam, setzte sich, und fühlte dem kleinen Kinde nach dem Pulse.

Jetzt begab sich eine kurze, schreckliche Scene. In dieser Stille nämlich klopfte Jemand drei Mal an die Thür. Elisabeth sah nach. – Anna ging von der Thür, sagte sie Eleonoren. Hätte sie etwas Gutes – etwas Unähnliches gesehen, sie wäre herein gekommen!

Was denn? frug Sperling. Auch etwas Verrücktes?

Ach! Nichts! versetzte Eleonore, und setzte sich still auf ihr Bett.

Sie ist nur vor dem leisen Klopfen erschrocken. Alles Leise hat etwas Gespensterhaftes, Grauenhaftes. Hu! sprach Elisabeth.

Beruhige Du Dich doch! bat Eleonore, und küßte ihr Kind aus dem Schlafe und nahm es sich auf, zu göttlicher Gesellschaft. Und ihr war, als sei ein Engel auf ihrem Schoße und sein Händchen riß an ihrem Brusttuch, und er bettelte unbeschreiblich hold und lieb nach seinem täglichen Brot, ihrer Mutterbrust. Und sie erbarmte sich sein, und das Kind war still vor Glück, und die Mutter war still vor seinem Glück. Und der Mond war still, wie auch vor Glück. Und mit seinen goldenen Strahlen, wie mit langen Schneckenaugen, betastete er gleichsam der Mutter Haar und Hals und Brust, und des Kindes Härchen, und halb verborgnes Gesicht.

Das Glück ist aber zweierlei; das Glück der Glücklichen ist wie ein reiner, fester Schnee, der auf die winterliche Erde fällt und liegen bleibt; das Glück der Unglücklichen ist nur eine Erhebung, die nicht dauert, wie lockerer Schnee, der durch feuchte Luft auf erwärmte Erde fällt, und geschwind zerschmilzt. So schmilzt auch die warme Brust des Unglücklichen bald die leichte Flocke Glück hinweg, und nach der nur durch Anstrengung gelungenen Erhebung, versinkt die Seele sogar wieder tiefer als zuvor. Sperling, lieber Doctor und Lehrer, sprach Eleonore am andern Morgen zu ihm, wir müssen fort, mein Mann hat es gesagt, und so ist es beschlossen; nur im Gehorsam find' ich mein Glück immer gewiß; meine häusliche, weibliche Vernunft mißt sich nicht mit seiner männlichen, weltlichen.

Also wohlgebornes Fräulein statuiren zwei Vernünfte? zwei Lieben, zwei Eheglücke? frug Sperling.

Ich komme mir vor, wie eine verwittwete Müllerin, aber mein Mann wäre zum Mühlrad geworden und müßte sich zerrollen und zertoben – und ich könnte die Fluth nicht einschützen! Ich habe so viel Erfahrung an ihm, daß er alles das gerade thut, was man ihm abräth, und läßt, was man ihm zuräth – und ich will nicht ein Spiel mit ihm spielen, er ist mein Mann. Nur wirklich als Frau habe ich wirklich einen Mann, sonst keinen, nur ein riesengroßes Kind eines Riesen. Es wäre auch kein Wunder, wenn er diese Zeit her durch alle Marter und Anstrengung ... wie er denn einmal ist, wirklich wahnsinnig geworden wäre. Nun thut man ihm Unbill an und Herzeleid ... und mir wird leichter um's Herz! Diese Nacht träumte mir sogar: ich ward mit meinem Manne wieder getraut, aber wo? Auf hohen, schwankenden Wogen des Meeres; aber wir hielten uns an den Händen fest und schwebten so hin! Und doch war mir wohl, so wohl! Es ist mir noch jetzt ja davon recht wunderbar wohl!

Das ist gut! Sehr gut! sprach Sperling; denn Ihr Herr Bruder hat verordnet: Se. Excellenz Herr Reichshofmeister dürfen nicht aus der Stadt – also offner Arrest!

Ach! – Nun grade geht mein Mann! Gegen meinen Wunsch! Und dadurch befestigt er gern die Annahme im Volke, daß man ihn, mich, und alle unsere Knaben ermorden wollen. Die Knaben nehme ich mit, schon aus Angst. Aber mein Herr Bruder Friedrich läßt sich zu weit verleiten von seiner Frau, die wie ein kleines, unbedeutendes, schwarzes Sturm-Ei am Himmel unserer guten Hoffnung erschien, und nun sich so still und so plötzlich ausbreitet, uns überflügelt und furchtbar mit Blitzen und Donnerschlägen bedroht. Sie behandeln meinen Mann falsch. Ein Löwe, ein Tiger, ein Stier, ein Esel, ja ein Schaf wird von seinem Wärter behandelt, so wie Beide zusammen bestehen können; aber alle Menschen verlangen von allen Menschen, daß sie vollkommen vernünftig sein, und ihren angebornen und angewohnten Eigenschaften zu Liebe ihre angebornen und angewohnten Eigenschaften bezwingen und ablegen sollen. Aber wo kommt die Liebe zu den Leidenschaften Anderer her? Die müßte man erwerben; doch durch Etwas! Ich – ich verzichte noch lange auf Ruhe; denn ich weiß: Nur das erste Jahr ihrer Ehe hat ein Weib Ruhe und Stille ... bis eine kleine Unruhe kommt. Dann setzt sich eine Mutter nicht eher wieder ruhig nieder, als am Morgen darauf, wenn sie ihrer letzten Tochter Hochzeit ausgerichtet hat. Dann kommt vielleicht die Ruhe wieder, doch eine ganz andre, müde, stillere, herbstlichere – aber doch Ruhe! Darum rechne ich alle andre Unruhe in diesen lebendigen Jahren zu der allgemeinen Unruhe der Mütter und Frauen, und bin zufrieden!

Das ist gut! Sehr gut; sprach Sperling wieder; denn die fatale Dina hat heut' im Verhör Sr. Excellenz, Ihrem Gemahl gegenüber gestellt und von ihm hart bedroht, ihm schlau die ... oft gestreichelte Wange gestreichelt, und Sr. Excellenz dem Herrn Reichshofmeister plötzlich mit Wuth eine barbarische Maulschelle gegeben ...

Leonore fiel in Ohnmacht über die Schande ihres Gemahls. Sperling brachte sie nach und nach wieder zu sich. Und mit nun erst bebenden Lippen frug sie ihren Freunde: Ist das gar nicht zu verheimlichen, Sperling!

Mein Gott! seufzte Sperling: die Ohrfeige wird weltgeschichtlich! Die Welt ist einmal so toll, daß sogar Der gleich ein Candidat ihrer Geschichte ist, der auch nur Kaiser, König oder so etwas, hat werden wollen. Wenn gelehrte Ochsen eine Weltgeschichte schrieben, so würden sie doch keine Geschichte von bloß ihren Treibern schreiben! Jetzt schreiben gelehrte pecora nicht die Geschichte des Lebens- und Menschenstromes, sondern nur Derer, die darauf einher gefahren oder gelegentlich darin ersoffen sind. Etwa tausend Mücken sind doch die ganze, ungeheure Welt nicht! Aber bis eine wenigstens ochsenmäßige Menschengeschichte oder Volksgeschichte geschrieben wird, so lange wird die Maulschelle in dem kostbaren Spiritus der Weltgeschichte als eine kostbare Reliquie aufbewahrt.

Sperling konnte seine sonst immer gelehrige Schülerin durch grotesken Scherz nicht beruhigen. Sie fühlte sich gedemüthigt. Den Säugling gab sie einer Amme. Ihre besten Schätze und Sachen packte sie ein und schickte sie fort. Als Vorbereitung zur Flucht fuhren sie alle Abend mit den männlichen Kindern nach dem Osterthore hin, zu welchem Corfitz die Schlüssel bewahrte. Dina, auf sein Ansuchen hochnothpeinlich angeklagt, vermochte keine ihrer beiden Aussagen zu beweisen, hatte jedoch auf der Folter ausgesagt, daß sie die Vergiftung des Königs durch Ulfeld und seine Frau und die Ermordung der Ulfelde, Alles vom Geheimen Rath Walther erfahren; aber Corfitz hatte hinterlistiger Weise Walthern nicht verklagt, sondern der König mußte es »der Schande wegen« selbst thun, und Walther ward aus dem Reiche verweisen; und Ulfeld und Eleonore sahen »der Ehre wegen« von einem nahen, hohen Gerüst zu, wie der armen Dina das schöne Haupt vom Leibe gehauen, und auf einen Pfahl gesteckt werden sollte. Und Eleonore hörte über die schweigende Menge herüber laut, wie Dina ihren Gemahl Corfitz verfluchte und ihn und seinen Diener Langemack vor Gottes Gericht lud. Unter dem Schaffot stand Dina's Mutter, Margaretha, und Dina's kleine, fünfjährige Tochter, welcher die Großmutter mit einer Hand den Mund zuhielt und sich mit der andern die Augen zu, und jetzt die Hände wegnahm und sich die Ohren zuhielt. Und das Kind drunten that einen gellenden Schrei, und des Kindes Mutter droben that einen gellenden Schrei, noch während ihr Kopf vom Rumpfe in der Luft hin auf den Boden flog, und der Kopf that, hinrollend, gleichsam drei dumpfe, polternde Schritte – und Eleonore hielt sich die Ohren zu, während sie mit Augen, die beteten, weinten und strahlten und zuckten, lange starr in ihres Mannes Augen sah, und er ihr still und gleich wie ein Bild.

Eleonore zog ihr Tuch heraus und zugleich mit demselben einen Streifen Papier, von Dina's Hand beschrieben, worauf dieselbe jetzt wunderlich Eleonoren, die die Worte las, laut las, noch ein Mal sagte:

»Ich wollte gern diesen Abend mit Ihro Gnaden sprechen, wenn es ihnen gelegen ist. Wenn Ihro Gnaden will, so können sie durch den Boten lassen »ja« sagen, denn die Herren haben etwas vor.

Dina.«

Und Eleonore sagte kein Wort dazu, als: Ich wollte auch gerne diesen Abend mit ihr sprechen!

Schweig'! sagte Ulfeld.

Da schwieg sie gehorsam, hing sich an den Arm ihres Mannes, sah mit gesenktem Haupt auf die Erde, wie nach den Stufen zu sehen, die sie vom Schaugerüst hinabstiegen, und gedachte bloß der Worte des Königs Christian, ihres Vaters, die er Corfitz zu ihrer Verlobung gesagt, und welche jetzt mit Gewalt von selbst in ihr aufquollen: – »Mann, Mensch, Vater
»... mein Sohn, dem ich mein Liebstes auf
»der Erde gebe, zu freiem, ganzem, ewigem Ei-
»genthum in Deine Gewalt gebe, wie der
»Mensch nichts Anderes auf Erden in eines
»andern Menschen Gewalt geben kann und gibt
»– dann denke noch: sie ist ein armes Kind
»der Erde! In ihrer Brust schlägt ein Herz,
»in ihren Augen liegt ein Quell der Thränen,
»ihre Gestalt kann den Bast von ihren Händen
»winden, die Haare ihres Hauptes ausraufen,
»ihr Haupt kann vor Gram bleich werden, ihr
»Mund kann klagen, und was entsetzlich
»ist – ihre Zunge kann verschwei-
»gen ...«

Es konnte sich nicht sonderbarer treffen, als daß Eleonore und Ulfeld jetzt dem Leichenzug des alten, redlichen Geheimschreibers Günther begegneten, der bei Aufgang der Sonne zu seiner Ruhe gebracht ward. Ulfeld sah: Die Träger schwankten mit dem Todten jetzt links und rechts, hinüber und herüber, wie der alte, verabschiedete, arme, gebeugte Mann selber an seinem Rohrstocke nach Hause zu seiner lieben Tochter Jolessa schreitend, gewankt hatte. Er blieb mit Eleonoren stehen – denn dicht hinter dem schwarz verhüllten Sarge kam, schwarz gekleidet, mit schwarzem Stirnband über die weiße, blasse Stirn, Jolessa. Der Zug vor dem Sarge stockte eine kleine Weile und stockte nach rückwärts und Jolessa sah einen Augenblick aus ihrem innern Trauerhause des schönen Köpfchens in die äußere, die farbige Welt – und sah Corfitz. Sie blickte nicht weg, nicht hin, sondern der Zug bewegte sich wieder; sie bewegte sich, und so schwebten Gestalt und Blick der trauernden Tochter in würdiger Stille fort. Kein Zorn, kein finstrer Blick, kein Lächeln. Corfitz aber konnte seine Blicke nicht von ihr losreißen. Eleonore kannte Jolessa »die Königin von Copenhagen« durch Anna und Elisabeth, aber so ganz, so gar schön hatte sie sich ihre größte Feindin nicht gedacht, so, ihren Corfitz nicht, und drückte ihn mit dem Arme, um weiter zu gehen. Aber er stand; sie zog ihn merklicher, sie sah ihm in's Gesicht – er war über und über erröthet, und ein göttlicher Geist schwebte in seinen schönen Zügen – eine Gluth des Entzückens glühte der schwarzen, himmlischen Gestalt Jolessa's nach – daß Eleonoren das Herz in Blut, wie von tausend Stichen zerdolchet, verging. Er sah nun sie an. Aber er war nun blaß und kalt geworden. Er zog nun sie fort. Aber sie vermochte nun keinen Fuß von der Stelle zu bringen. Und er frug sie lächelnd: Was ist Dir? Was hast Du? Was fehlt denn Dir?

Und sie erwiderte leise nur: Nichts!

Nun so komm' denn! Nichts! – sprach er.

Und sie gingen. Als ihr aber die Gedanken wieder kamen, vollendete sie sich zur Qual und zum Troste jene Worte ihres Vaters an ihren Gemahl: ... »und ihr schönes Gebild
»kann inwendig vergehen und zu Staube fal-
»len, und auswendig noch schön und lebendig
»scheinen ... und Du kannst ihr Mörder sein,
»mit Worten, wie siedendes Blei in die Ohren
»gegossen; und vom Anblick Deines Unrechts
»und Deines Unglücks können die Augen ihrer
»Seele blind werden – mein Sohn! Mann!
»Mensch! Nur ein Mensch sei! Das bitt' ich
»Von Dir, das bitt' ich vor Gott, von Gott.
»Du aber, mein Kind, sei treu! ...«

Sie kamen nach Hause. Sie besorgte Alles zur Flucht bis zu Nacht, wie im Traume. Wie im Traume nahm sie von allen ihren Kindern – den Mädchen, Abschied, die sie nicht mitnehmen durfte – dann legte sie sich todtenmüde in Kleidern auf ihr Lager schlafen. Und als Corfitz um Mitternacht zu ihrem Bette trat mit grellem Licht und sie rief: Eleonore! Wir müssen fort ... da schien es ihm, da überzeugte er sich: Sie sprach mit Dina. Und Dina sprach mit ihr. Und sie antwortete und erzählte auch hastig und viel und weinend ihrem Vater. Aber ihre Augen weinten nicht Thränen, ihr schönes Gesicht verzog sich nur zum Weinen, aber ihre Brust schluchzte und sie war so schön, so rührend unselig, unaussprechlich unselig, wie er noch kein Weib aus Liebe zu ihm gesehn.

Und er lächelte vor Wohlgefallen und ruhig, fröhlich in seinem Selbstgefühl. Aber Eleonore, die wahrscheinlich Wein getrunken, wie Flasche und silberner Becher bezeugten, war nicht zu erwecken. Und er trug die Schlafende leise mit sich fort und hinab in den Wagen und lehnte sie gelassen hin. Und gelassen fuhr er fort. Denn er hatte auf den Giebel seines sogenannten Hofes ein großes Storchnest setzen lassen, zum Zeichen, daß er wiederkehre, wie der Storch – mit Schlangen und Ottern – zu seinem Neste wiederkehrt. Selbst auf der holländischen Galliote, die sie Alle eine halbe Meile von Helsingör aufnahm, schlief Eleonore noch am andern Morgen – und der Vater schickte ihr ihre Söhne, die Mutter zu wecken. Und Eleonore war, wie sie oft sagte, schon wieder das »gehörig gehorsame« Weib.

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