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Die glücklichen Inseln

Jack London: Die glücklichen Inseln - Kapitel 6
Quellenangabe
authorJack London
titleDie glücklichen Inseln
publisherSüdwest Verlag
year1971
printrun2. Auflage. 21.- 30. Tausend
translatorErwin Magnus
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20171113
projectidccd4aa52
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Aloha Oe

Nichts kann mit der Abreise von Honolulu verglichen werden. Der große Postdampfer lag unter Dampf, zur Abfahrt bereit. Tausend Menschen standen auf seinem Deck, fünftausend auf dem Kai. Über die lange Landungsbrücke bewegten sich eingeborene Fürsten und Fürstinnen, Zuckerkönige und hohe Beamte des Landes. Weiter zurück, in langen Reihen, in Schach gehalten von der eingeborenen Polizei, hielten die Wagen und Automobile der Aristokratie von Honolulu. Auf dem Kai spielte die Königlich Hawaiische Kapelle »Aloha Oe«, und als sie fertig war, nahm ein Saitenorchester eingeborener Musiker an Bord des Postdampfers dieselbe klagende Melodie auf, und die Stimme einer eingeborenen Sängerin stieg wie ein Vogel empor über die Instrumente und über das Gewirr der Abreise. Es war wie eine silberne Flöte, deren klarer, unverkennbarer Klang die große Abschiedssymphonie durchdrang.

Vorn, auf dem unteren Deck, stand an der Reling eine sechsfache Reihe in Khaki gekleideter junger Leute, deren sonnengebräunte Gesichter von dreijährigem Aufenthalt in den Tropen erzählten. Aber das Abschiedslied erklang nicht für sie. Auch für den weißgekleideten Kapitän, der, sternenfern, von der hohen Kommandobrücke auf das Getümmel unter sich hinabschaute, erklang es nicht. Auch den jungen Offizieren weiter achtern, die von den Philippinen heimfuhren, galt der Abschied nicht, und auch nicht den blassen, vom Klima mitgenommenen Damen an ihrer Seite. Gleich hinter der Laufbrücke, auf dem Promenadendeck, stand eine Schar von Senatoren der Vereinigten Staaten mit ihren Frauen und Töchtern – die Senatorengesellschaft, die einen Monat lang mit Speise und Trank bewirtet, mit Statistiken vollgepfropft und über die vulkanischen Berge und durch die Lavatäler geschleppt worden war, um die Herrlichkeiten und Hilfsquellen Hawaiis zu besichtigen. Dieser Gesellschaft wegen hatte der Postdampfer in Honolulu angelegt, und dieser Gesellschaft sagte Honolulu jetzt Lebewohl.

Die Senatoren waren mit Blumen bekränzt und geschmückt. Senator Jeremy Sambrooke trug ein Dutzend Girlanden um seinen dicken Hals und auf seiner breiten Brust. Und aus dieser Blumenmasse stak sein Kopf und der größte Teil seines sonnenverbrannten, schweißigen Gesichts hervor. Er betrachtete die Blumen als ein Unding, und als er die Menge auf dem Kai überblickte, tat er es mit einem statistischen Auge, das nichts von der Schönheit sah, sondern in die Arbeitskraft, die Fabriken, die Eisenbahnen und Plantagen hineinspähte, die hinter der Menge lagen, und denen die Menge Ausdruck verlieh. Er sah Hilfsquellen und dachte an Entwicklung, und seine Träume von materiellen Taten und Herrschermacht nahmen ihn zu sehr in Anspruch, um seine Tochter zu beachten, die neben ihm stand und mit einem jungen Mann in einem hübschen Sommeranzug und mit einem Strohhut sprach, einem jungen Mann, dessen eifrige Blicke nur sie zu suchen schienen und ihr Gesicht nicht verließen. Hätte Senator Jeremy ein Auge für seine Tochter gehabt, so würde er gesehen haben, daß er statt des fünfzehnjährigen Mädchens, das er vor kaum einem Monat nach Hawaii gebracht hatte, jetzt ein Weib mit heimnahm.

Das Klima von Hawaii wirkt reifend, und Dorothy Sambrooke war ungewöhnlich reifenden Umständen ausgesetzt gewesen. Schlank, blaß, mit blauen Augen, ein wenig müde von dem vielen Leben und dem Versuch, das Verständnis des Lebens zu erzwingen so war sie vor einem Monat gewesen. Jetzt aber waren die Augen warm und nicht mehr müde, die Wangen hatten von der Sonne Farbe erhalten, und der Körper zeigte die ersten Anzeichen und Versprechungen schwellender Linien. In diesem Monat hatte sie die Bücher liegen lassen, denn sie hatte ihre größte Freude darin gefunden, im Buch des Lebens zu lesen. Sie hatte Pferde geritten, Vulkane bestiegen und in der Brandung schwimmen gelernt. Die Tropen waren ihr ins Blut gedrungen, sie glühte vor Wärme und Farbe im Sonnenschein. Und einen Monat war sie mit einem Mann zusammen gewesen – mit Steve Knight, dem Athleten, Brandungsreiter, einem bronzenen Meeresgott, der die Sturzsee zügelte, den Wellen auf den Rücken sprang und sie an Land ritt.

Dorothy Sambrooke wußte selbst nichts von der mit ihr vorgegangenen Veränderung. Ihr Bewußtsein war noch das eines jungen Mädchens, und sie war überrascht und beunruhigt durch das Benehmen Steves in dieser Abschiedsstunde. Sie hatte ihn als den Spielkameraden betrachtet, der er den ganzen Monat gewesen war; jetzt aber sagte er ihr nicht Lebewohl als Spielkamerad. Er sprach aufgeregt und unzusammenhängend, oder er schwieg. Zuweilen hörte er nicht, was sie sagte, oder wenn er es tat, antwortete er nicht wie sonst. Die Art, wie er sie anblickte, verwirrte sie. Sie hatte nicht gewußt, daß er so flammende Augen hatte. Etwas in seinen Augen erschreckte sie. Sie konnte dem nicht begegnen, und ihre eigenen Augen senkten sich immer wieder davor. Dennoch war auch etwas Verlockendes darin, und sie versuchte immer wieder einen Schimmer von diesem flammenden, gebieterischen, sehnsuchtsvollen Etwas zu erhaschen, das sie noch nie in Menschenaugen gesehen hatte. Und sie war selbst merkwürdig verwirrt und aufgeregt.

Die große Pfeife des Dampfers ließ ein ohrenbetäubendes Geheul ertönen, und die mit Blumen bekränzte Menge wogte näher an die Seite des Dampfers heran. Dorothy Sambrooke hatte sich die Finger in die Ohren gesteckt, und als sie den Mund vor Ekel über den schrecklichen Lärm verzog, bemerkte sie wieder die gebieterische, sehnsuchtsvolle Flamme in Steves Augen. Er sah sie nicht direkt an, sein Blick fiel auf ihr Ohr, das in den schrägen Strahlen der Nachmittagssonne rosig und durchscheinend war. Neugierig und verzaubert starrte sie auf dieses seltsame Etwas in seinen Augen, bis er merkte, daß er entdeckt war. Sie sah, wie er einen tiefroten Kopf bekam, und hörte ihn etwas Unverständliches murmeln. Er war verlegen, und sie war es auch. Stewards gingen nervös umher und baten Leute, die nicht mitfuhren, an Land zu gehen. Steve streckte die Hand aus. Als sie den Griff seiner Finger fühlte, die die ihren tausendmal auf Wasserrutschbahnen und Lavahängen ergriffen hatten, hörte sie die Worte des Liedes mit einem neuen Verständnis, als sie jetzt in der silbernen Kehle der hawaiischen Sängerin klagten:

»Ka halia ko aloha kai hiki mai,
Ke hone ae nei i ku'u manawa,
O oe no ka'u aloha
A loko e hana nei.«

Steve hatte sie die Melodie und den Text und seine Bedeutung gelehrt – das hatte sie jedenfalls bis zu diesem Augenblick geglaubt; aber jetzt, als ihre Finger die seinen gedrückt und die warmen Handflächen sich zum letztenmal berührt hatten, verstand sie erst die wirkliche Bedeutung des Liedes. Sie sah ihn kaum gehen, bemerkte ihn auch nicht auf der überfüllten Laufbrücke, denn sie befand sich tief in einem Labyrinth von Erinnerungen, durchlebte wieder die letzten vier Wochen und sah das Geschehene in dem Licht der Offenbarung. Bei der Ankunft der Senatoren hatte Steve dem Geselligkeitskomitee angehört. Er war es, der ihnen den ersten Unterricht im Brandungsreiten am Strand von Waikiki erteilt hatte, wo er sein schmales Brett in die See hinausruderte, bis er ein verschwindend kleiner Punkt wurde, um dann plötzlich wieder zum Vorschein zu kommen, wie ein Meeresgott aus dem Gewirr von Schaum und weißem Gischt steigend – immer höher, Schultern, Lenden und Glieder, bis er schwebend, die Füße in dem fliegenden Schaum begraben, auf dem dampfenden Kamm einer mächtigen, meilenlangen Woge stand, mit der Schnelligkeit eines Expreßzuges an den Strand geschleudert wurde – und schließlich ruhig vor den erstaunten Zuschauern das Land betrat. So hatte sie Steve zum erstenmal gesehen. Er war der Jüngste im Komitee gewesen – ein Jüngling von zwanzig Jahren. Er hatte die Gäste weder mit Reden unterhalten, noch hatte er repräsentativ bei den offiziellen Festen gewirkt. In den Brechern bei Waikiki, bei der Treibjagd auf das wilde Vieh des Mauna Kea, und im Zureitungspferch auf dem Haleakalahof hatte er seinen Anteil an der Unterhaltung besorgt.

Sie hatte sich nichts aus den unendlichen Statistiken und den ewigen Reden der anderen Komiteemitglieder gemacht. Das hatte Steve auch nicht getan. Und mit Steve zusammen hatte sie sich vom Freiluftfest auf Hamakua und von Abe Louisson, dem Kaffeepflanzer, fortgestohlen, der zwei geschlagene Stunden lang von Kaffee, Kaffee und nichts als Kaffee geredet hatte. Damals hatte Steve, als sie unter den baumhohen Farnen ritten, sie den Text von »Aloha Oe« gelehrt, dem Lied, das in jedem Dorf, auf jedem Hof und auf jeder Plantage zum Abschied der besuchenden Senatoren gesungen worden war.

Steve und sie waren von Anfang an viel zusammen gewesen. Er war ihr Spielkamerad gewesen, sie hatte sich zum Herrn über ihn aufgeworfen, während ihr Vater damit beschäftigt war, sich zum Herrn über die Statistik der Insel zu machen. Sie war zu sanft, um ihren Spielkameraden zu tyrannisieren, aber sie hatte unbeschränkt über ihn geherrscht; außer wenn sie in einem Boot, zu Pferde oder auf dem Wellengleitbrett zusammen waren, dann hatte er den Befehl übernommen, und sie hatte ihm gehorcht. Und jetzt, als das Lied zum letztenmal gesungen wurde, als die Leinen losgeworfen wurden und der große Dampfer langsam vom Kai abzubacken begann, wußte sie, daß Steve ihr mehr gewesen war als nur ein Spielkamerad.

Fünftausend Stimmen sangen »Aloha Oe« – »Meine Liebe sei bei dir, bis wir uns wiedertreffen« –, und in diesem ersten Augenblick bewußter Liebe verstand sie auch, daß sie und Steve voneinandergerissen wurden. Wann würden sie sich je wiedertreffen? Er hatte sie selbst die Worte gelehrt. Sie erinnerte sich, wie sie gelauscht hatte, als er sie immer wieder unter dem Haubaum bei Waikiki gesungen. War es eine Prophezeiung gewesen? Und sie hatte sein Singen bewundert, hatte ihm gesagt, daß er so ausdrucksvoll sang. Sie lachte laut, hysterisch bei der Erinnerung. So ausdrucksvoll! – Während er sein Herz in seine Stimme ergossen hatte. Jetzt wußte sie es, und jetzt war es zu spät. Warum hatte er nicht gesprochen? Da erinnerte sie sich, daß Mädchen ihres Alters noch nicht heiraten. Aber Mädchen ihres Alters heirateten doch – in Hawaii –, das war ihr nächster Gedanke. Hawaii hatte sie gereift – Hawaii, wo das Fleisch golden ist, und wo alle Frauen reif und von der Sonne geküßt sind.

Vergebens suchte sie ihn in der dichtgedrängten Menge auf dem Kai. Was war aus ihm geworden? Sie fühlte, daß sie jeden Preis bezahlen konnte, um ihn noch einmal zu sehen, und hoffte fast, daß irgendeine tödliche Krankheit den Kapitän in seiner Einsamkeit auf der Kommandobrücke befallen und die Abreise verzögern sollte. Zum erstenmal in ihrem Leben betrachtete sie ihren Vater mit einem berechnenden Blick und bemerkte mit neugeborener Furcht seine energischen, bestimmten Züge. Es mußte furchtbar sein, sich gegen ihn aufzulehnen. Und welche Aussichten hatte sie in einem solchen Kampf? Aber warum hatte denn Steve nicht gesprochen? Jetzt war es zu spät. Warum hatte er nicht unter dem Haubaum bei Waikiki gesprochen? Und dann ging es ihr in einer tiefen Herzensangst auf, daß sie wußte, warum. Was war es, das sie eines Tages gehört hatte? Ach ja, es war auf dem Tee bei Frau Stanton, an dem Nachmittag, als sie die Damen der Senatorengesellschaft eingeladen hatte. Es war Frau Hodgkins, die große blonde Frau, die die Frage gestellt hatte. Die Szene erstand lebendig vor ihr – der breite Lanai, die tropischen Blumen, die geräuschlose asiatische Dienerschaft, das Gewirr der vielen Frauenstimmen und die Frage, die Frau Hodgkins in der Gruppe neben ihr gestellt hatte. Frau Hodgkins war mehrere Jahre von den Inseln fortgewesen, und sie fragte jetzt offenbar nach alten Freundinnen aus ihren Mädchentagen. »Was ist aus Susie Maydwell geworden?« lautete die Frage, die sie gestellt hatte. »Ach, die sehen wir nie mehr; sie heiratete Willie Kupele«, antwortete eine andere Dame von den Inseln. Und die Frau von Senator Behrend lachte und wollte wissen, warum die Heirat die freundschaftliche Verbindung mit Susie Maydwell unterbrochen hatte.

»Hapa-Haole«, lautete die Antwort. »Er war Halbblut, wissen Sie, und wir hier auf den Inseln müssen an unsere Kinder denken.«

Dorothy wandte sich zu ihrem Vater, entschlossen, eine Probe anzustellen.

»Vater, wenn Steve je nach den Vereinigten Staaten käme, dürfte er uns dann nicht besuchen?«

»Wer? Steve?«

»Ja, Steve Knight – du kennst ihn doch. Erst vor fünf Minuten hast du dich von ihm verabschiedet. Wenn er sich zufällig einige Zeit in den Vereinigten Staaten aufhält, dürfte er uns dann nicht besuchen?« »Auf keinen Fall«, antwortete Jeremy Sambrooke kurz. »Steve Knight ist ein Hapa-Haole, und du weißt, was das heißt.«

»So«, sagte Dorothy sanft, und sie fühlte, daß sich eine schlaffe Verzweiflung in ihr Herz schlich.

Steve war kein Hapa-Haole – das wußte sie, aber sie wußte nicht, daß ein Viertel tropischen Sonnenscheins in seinen Adern floß, und daß das genügte, um eine Heirat mit ihm unmöglich zu machen. Es war eine merkwürdige Welt. Da war seine Wohlgeboren A. S. Cleghorn, der eine dunkelhäutige Prinzessin aus dem Blute der Kamehameha geheiratet hatte, und dennoch betrachteten die Männer es als eine Ehre, mit ihm zu verkehren, und die exklusivsten Damen der übertrieben exklusiven Missionargesellschaft erschienen auf seinen Nachmittagstees. Und da war Steve, keiner hatte je widersprochen, als er sie auf dem Wellengleitbrett fahren lehrte oder sie an der Hand über die gefährlichsten Stellen des Kilauea-Kraters führte. Er konnte bei Tisch neben ihr und ihrem Vater sitzen, mit ihr tanzen und dem Geselligkeitskomitee angehören; aber weil tropischer Sonnenschein in seinen Adern war, konnte er sie nicht heiraten.

Und es war ihm nicht anzusehen. Es mußte einem erzählt werden, damit man es wußte. Und er war so schön. Sein Bild erschien vor ihrem inneren Blick, und ehe sie es wußte, genoß sie die Erinnerung an die Anmut seines prächtigen Körpers, an seine glänzenden Schultern, seine Kraft, die ihn leicht auf ein Pferd warf, ihn sicher durch die donnernden Brecher trug oder sie am Ende eines Bergstocks den schroffen Lavahang zum Haus der Sonne emporzog. An noch etwas Feineres und Geheimnisvolleres erinnerte sie sich, das sie gerade jetzt zu verstehen begann – an die Ausstrahlung von dem männlichen Wesen, dem Mann, Mann, nichts als Mann. Die Scham über ihre Gedanken brachte sie mit einem Ruck zu sich. Ihre Wangen röteten sich von dem warmen Blut, das schnell wieder sank, und sie erblaßte bei dem Gedanken, daß sie ihn nie wiedersehen sollte. Der Bug des Postdampfers war schon in der Strömung, und das Promenadendeck glitt an der Hafenmole vorbei.

»Da ist Steve«, sagte ihr Vater. »Wink ihm Lebewohl, Dorothy.«

Steve sah mit eifrigen Augen zu ihr auf, und in ihrem Gesicht sah er, was er noch nie gesehen. Bei der plötzlichen Freude in seinem Gesicht wußte sie, daß er verstand. Die Luft hallte wider von dem Gesang:

»Meine Liebe sei bei dir.
Meine Liebe sei bei dir, bis wir uns
wiedersehen.«

Es bedurfte keiner Worte, um ihre Geschichte zu erzählen. Rings um sie her warfen die Passagiere ihre Blumengirlanden ihren Freunden auf dem Kai zu. Steve hob die Hände, und seine Augen strahlten. Sie hob ihre eigene Girlande über den Kopf, aber sie hatte sich in die Schnur orientalischer Perlen verwickelt, die Mervin, ein älterer Zuckerkönig, ihr um den Hals gelegt hatte, als er sie und ihren Vater zum Dampfer brachte.

Sie kämpfte mit den Perlen, die sich in den Blumen verfangen hatten. Der Dampfer glitt ruhig weiter. Steve war schon gerade unter ihr. Jetzt war der rechte Augenblick gekommen – gleich würde er vorbei sein. Sie brach in Tränen aus, und Jeremy Sambrooke sah sie forschend an. »Dorothy!« rief er scharf.

Mit voller Überlegung zerriß sie die Schnur, und in einem Schauer von Perlen glitten die Blumen zu dem wartenden Geliebten hinab. Sie starrte ihn an, bis die Tränen sie blendeten, dann barg sie ihr Gesicht an Jeremy Sambrookes Schulter, so daß er seine geliebten Statistiken vergaß in der Verwunderung über das Mädchen, das jetzt erwachsen war. Die Menge sang weiter, und der Gesang klang schwächer aus der Ferne, aber immer noch schmelzend mit dem wollüstigen Liebesschmachten Hawaiis, und die Worte fraßen sich wie Säure in ihr Herz ein, weil sie logen:

»Aloha oe, Aloha oe,
E ke onaona no ho ika lipo,
Ein süßer Kuß, ahoi ae au,
Bis wir uns wiedersehen.«

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