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Die Geschwister von Neapel

Franz Werfel: Die Geschwister von Neapel - Kapitel 9
Quellenangabe
typeDie Geschwister von Neapel
authorFranz Werfel
titleDie Geschwister von Neapel
publisherFischer Bücherei
year1956
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151209
projectid509730f4
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Achtes Kapitel
Der Camposanto

Ehe noch drei Wochen vergangen waren, hatte Domenico Pascarella seinen Söhnen die Einwilligung zum brasilianischen Abenteuer erteilt und damit die Einheit der Familie selbst aufgehoben und die Zerstreuung eingeleitet. Was mußte geschehen sein, damit der Vater dahin gebracht werden konnte, die Hand an sein eigenes Gesetz zu legen. Viele Gründe! Einige einfach, einige äußerst verwickelt. Der einfachste: die erwachsende Größe des Unheils und die jähe Ebbe der Geldmittel. Um den drohenden Untergang noch ein wenig hinauszuschieben, wurde jeder Soldo benötigt. Eine Familie von sechs mehr oder minder erwachsenen Kindern im Hause bildete einen Luxus, der nicht länger aufrecht zu halten war. Die Jünglinge mußten ihren Verdienst suchen. Es half nichts. Wo aber sollten Leute wie Placido, Lauro und der siebzehnjährige Ruggiero eine Stellung finden? Leute, die noch nichts gelernt hatten, hier, in einem Lande, dessen Futtertröge von einer besonderen Kaste dicht umstellt waren?

Zu diesen Gründen trat noch der Umstand, daß in jenen Wochen die Kräfte Don Domenicos solch mörderischen Anforderungen ausgesetzt waren, daß ein andrer sechsundsechzigjähriger Mann ohne Zweifel aufs Krankenlager gesunken wäre. In diesem Märchen, das dem Schicksal der Geschwister Pascarella gewidmet ist, mangelt der Raum, den geschäftlichen Kampf des Vaters auch nur in den wichtigsten Einzelheiten zu schildern. Breite grobe Striche müssen ersetzen, was selbst die feinste Zeichnung nicht erschöpfen könnte. Wohl war die Firma klein, doch weiß ja heute jedermann, wie gefährlich das Bankwesen ist mit seinen erteilten und aufgenommenen Krediten, mit den hysterisch schwankenden Kursen und dem lebenswichtigen Vertrauen der Kommittenten, das schreckbarer ist als das feigste Tier. Wer sich in den unzeitgemäßen Charakter Don Domenicos schon eingelebt hat, wird nicht zweifeln, daß von allem Anfang an sein Bestreben darauf gerichtet war, die Katastrophe vor der Welt zu verschleiern, den Namen zu retten und die Ehre. Das ging so weit, daß er, der in der Karnevalsnacht noch, sogleich nach Entdeckung von Battefioris verbrecherischer Flucht, die Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, schon am nächsten Tage den Lumpen zu schützen begann und der Behörde nur zögernd die notwendigen Belege auslieferte. Das geschah aus Angst vor den Skandalberichten der Zeitungen, die Renato Battefiori so massenhaft verschlungen hatte. Er ließ unbegreiflicherweise den Augenblick vorüber gehn, wo er, als durch schurkische Force majeure geschädigt, mit dem allgemeinen Mitgefühl hätte rechnen können. Die Polizei, der lässig und unaufrichtig nachgeholfen wurde, überspannte ihre Bemühungen nicht. Demzufolge konnte der ungetreue Teilhaber an der Seite seiner weiblichen Akquisition irgendwo in der Welt den Raub gelassen verzehren und behält nunmehr auch fürder die Hoffnung, bis zum jüngsten Tage unentdeckt zu bleiben. Seine kompromittierte Schreibtischhälfte in der Azienda nahm jetzt Avvocato Gennaro Gnolli ein, der sich, was Rauch, Asche, Schmutz, Unordnung und Zeitungsverbrauch anbelangt, als rechter Nachfolger und Erbe Battefioris erwies. Es dauerte nicht lange, da hatte auch der Liquidierungsanwalt und Buchsachverständige Gnolli diejenige Umgangsform heraus, die bei Domenico Pascarella am schnellsten zum Ziele führte: Unterwürfigkeit und Schmeichelei. Zu diesen vorzüglichen Ingredienzien mischte er angemessene Tröstungen und Ermunterungen, wie etwa: »Es wird schon werden.« »Wir kommen heil aus der Sache heraus.« »Verlassen Sie sich nur auf mich und in einem halben Jahr ist das Ganze ein peinlicher Zwischenfall gewesen, weiter nichts.« Es kann nicht verschwiegen werden, daß dergleichen Gemeinplätze Gnollis den zerstörten Mut Don Domenicos in zauberhafter Art aufrichteten.

Angesichts des unverbesserlichen Triebwesens Mensch sollte jeder Vernunftgläubige verzweifeln und abdanken. Es ist eine freche Lüge, die da behauptet, man würde durch Schaden klug. Noch nie hat Erfahrung und Verstand die Welt aus ihrem dumpfen Geleise geworfen. Jeder politische Tag der Menschheit beweist das. Wäre es sonst auch möglich gewesen, daß ein Mann wie Domenico Pascarella nach seiner hinreichenden Erfahrung mit Battefiori sich einen Avvocato Gnolli ins Studio setzte, der dem Erstgenannten in unheimlicher Weise sogar körperlich glich?

Gennaro Gnolli hatte nach einigen Tagen den Status der Firma, das heißt ihr Soll und Haben, genau errechnet. Die Summe des Verlustes tut hier nichts zur Sache, sie war aber im Verhältnis zu dem bescheidenen Unternehmen eine schreckliche Summe. Es zeigte sich, daß Battefiori den Raub erst ausgeführt, nachdem er durch waghalsige Spekulationen das Geschäftskapital zerrüttet hatte. Don Domenico raffte alles heran, was er außerhalb der Firma besaß: die Mitgift der drei Töchter als Hauptsache. Ferner einen Hausanteil, ein Grundstück an der Peripherie Neapels und sogar die paar Juwelen seiner verstorbenen Frau. Die Schulden schienen diese Werte zu verschlingen wie eine dürre Wiese den Sommerregen. Das Grundstück schied übrigens aus, weil sich kein Käufer fand. Zugleich begann die Unheilskunde leise durchzusickern, denn länger als ein bis zwei Wochen konnte ja das Verschwinden Battefioris nicht unbemerkt bleiben. Dank der Vertuschungstaktik blieb der genaue Hergang geheim, doch unter der Klientel begann sich Unruhe geltend zu machen. Einige Gläubiger forderten das Ihrige unverzüglich zurück. Nun aber erwies sich Don Domenicos von Battefiori oft bespöttelte Vorliebe für kleine ehrenfeste Geschäftsleute als eine besondere Tugend. Die Weinbauern, Fischereipatrone, Gastwirte zitterten zwar nicht minder für ihr Geld als die Millionäre, aber sie waren im Gegensatz zu diesen der menschlichen Einwirkung zugänglicher. Für Don Domenico begann jetzt eine Zeit unausgesetzter Reisestrapazen. Von früh bis abends saß er in den rumpelnden Nahzügen, eingeklemmt zwischen Bäuerinnen und Arbeitern der dritten Klasse. Vormittags tauchte er in Benevento auf oder in Positano, nachmittags in Caserta oder in einem anderen Nest, und das waren nur die kleineren Touren. Er redete mit den Leuten. Den Mißtrauischesten verriet er sogar ehrlich die Wahrheit über das ihm angetane Verbrechen. Um so heiliger versprach er die baldige Regelung der Geschäfte, nur wenige Wochen seien dazu nötig, und bat um Geduld. Der stolze Mann, dessen Anständigkeit und altertümliche Usancen weithin berühmt waren, hatte diese Gestalten bisher in seinem Studio herablassend empfangen. Nun trat er in seiner ganzen Würde unter ihr niedriges Dach. Seiner Persönlichkeit gelang, was keinem sonst gelungen wäre. Bis auf einige wenige Fälle wurden ihm die Ersparnisse nicht entzogen, sondern er konnte sogar noch einige neu anvertraute Einlagen buchen. Doch was half es, in unermüdlicher Plage kleine Löcher zu verstopfen, wenn sich allstündlich Schlünde und Abgründe öffneten? Avvocato Gnolli stellte mit trostreichen Reden Kredite in Aussicht. Er brachte sie auch tatsächlich. Die Auszahlung dieser Beträge war freilich an grausame Bedingungen gebunden, unter welchen das dreitägige Kündigungsrecht als besonders hart hervorragte. Don Domenico unterschrieb die Verträge. Was blieb ihm anders übrig, da der nächste Tag schon mit seinen Forderungen und Sorgen sich näher wälzte wie eine tödliche Lavawand. Avvocato Gnolli aber saß stöhnend auf Battefioris Drehstuhl. Er stöhnte einerseits, weil er an mancherlei schmerzhaften Krankheiten zu leiden vermeinte, und andrerseits, weil er sich als Retter Don Domenicos fühlte. Dieser, durch Regelmäßigkeit und sichere Ordnung eines langen Lebens verwöhnt, vermochte in den ersten Tagen des Unglücks nur mühsam das Steuer zu halten. Das war ja selbstverständlich. Bei gewissen Gelegenheiten verspürte er auch eine neue unbestimmte Feindschaft, die ihm galt. Sie unterschied sich deutlich von der allgemeinen und abstrakten »Feindschaft der Welt gegen die Familie Pascarella«, über die er am Sonntag seinen Kindern des öfteren Predigt gehalten hatte. Die einzige freundliche Erscheinung, die man aus diesen Tagen berichten kann, ist merkwürdigerweise ein plötzlicher Aufschwung des verachteten Wechselstubengeschäftes. Es sah fast so aus, als bemühe sich die Schöpfung Battefioris, durch reuevolle Kraftanstrengung die Sünden ihres Vaters gut zu machen. Aber was konnten in solch teuflischer Klemme die kleinen Einnahmen der Straßenmanipulation viel helfen? Der erste große Wechsel des Flüchtlings mußte eingelöst werden. Gläubiger kündigten ihr Darlehen. Don Domenico kämpfte heldenhaft. Doch in der vierten Woche wußte er nicht mehr, woher er das Geld für seinen Haushalt nehmen solle.

In einer anderen Familie wären diese Vorgänge stichhaltig genug gewesen, die Sache mit Brasilien zu rechtfertigen. Hier aber lag der letzte unausgesprochene Grund in einem anderen Bereich. Die Beziehung des Vaters zu seinem ältesten Sohn, die sich von Tag zu Tag umgestaltete oder, besser, weiter gestaltete, war wohl dieser letzte Grund. Mancher wird über diese feinere Motivierung nicht mit Unrecht den Kopf schütteln. Die Söhne sind in mannbarem berufsfähigen Alter. Wie viele ihresgleichen ziehen in die Welt hinaus, ohne daß eine ähnliche Katastrophe sie dazu zwingt? Dennoch, dies hätte für Don Domenico nicht hingereicht, den festen Körper seiner Familie aufzulösen. Er konnte jetzt, wenn er nach zermürbenden Tagen spät am Abend heimkehrte, vor den Kindern kaum mehr eine tödliche Erschöpfung verbergen. Wohl saß er aufrecht und ohne Nachlässigkeit da, wohl sah er noch immer alles, wohl ließ er keine Ungehörigkeit passieren, doch war er, wenn man es gerecht betrachtet, Placido gegenüber im Nachteil. Es wäre ganz falsch, zu vermuten, daß zwischen Vater und Sohn nun ein böses Ringen um Überlegenheit anhub, eine Königs- und Kronprinzentragödie etwa, in welcher der Sohn die augenblickliche Schwäche des Vaters benützt, um sich in den Sattel zu schwingen. Die Verwandlung Placidos lag ganz anderswo, darin nämlich, daß er nicht mehr durch, sondern um den Vater litt. In jener Unheilsnacht war Don Domenico für seinen Sohn aus der starren Sphäre der Herrschaft und Vollkommenheit niedergestiegen in die Welt der Irrungen und des Erbarmens. Ja, Placidos Herz war voll Erbarmen für Papa. Er wollte dort in der fernen Welt Brasiliens nur für Papa leben, ihm all seine Kräfte weihen. Diese mächtig erwachte Liebe war jetzt stärker als alles, stärker als die vernünftige Überlegung, ja stärker selbst als der Wunsch, dem Vater durch seine künftigen Leistungen zu gefallen und zu imponieren.

Doch gerade diese neue Haltung Placidos machte Don Domenico ungemein nervös. Ihm wurde die Gegenwart des ältesten Sohnes, man kann es nicht anders nennen, immer unbehaglicher. Auch er liebte Placido mit einer besonderen, zornbereiten Liebe. Und darum war er so empfindlich für das, was sich schon seit längerer Zeit entwickelte. Ursprünglich hatte er es für Bockigkeit gehalten, für ein verstocktes Aufmucken, später für Bildungshochmut, dem er gerne mit dem Hohnruf begegnete: Ecco il poeta, ecco il philosopho! Nun aber öffnete sich eine andere Sicht. Placido schien immer freier zu werden, er war nicht allein mehr das Geschöpf Papas, sondern verkörperte ihm gegenüber von Tag zu Tag umrissener die eigene Wesenheit. Wenn das so weiter geht, fuhr es eines Abends Don Domenico lächerlicherweise durch den Kopf, wird er mich in einigen Jahren auf der Straße nicht mehr grüßen. Er suchte boshaft nach einer Gelegenheit, sich über den »Poeta« und »Philosopho« lustig zu machen. Doch schon weil er suchte, fand er weder die Gelegenheit noch auch die Kraft zum Spott. Ich bin heute drei Stunden in der Eisenbahn gesessen und zwei in der Tramway, dachte er, entschuldigend, während Placido mit leidenschaftlichen Händen vor ihn brasilianische Prospekte und Statistiken hinbreitete, eine zudringliche Geste, die noch vor einem Monat für respektlos gegolten hätte. Jedoch erst eine arge Ungezogenheit Grazias brachte die Entscheidung. Seit Wochen durch den Gedanken an die Trennung von den Brüdern gequält, stampfte sie jetzt auf und schrie:

»Das alles ist verrückt!«

Und mit einer wütenden Bewegung fegte sie die Prospekte, obgleich sie vor Papa lagen, auf den Boden. Don Domenico schrak aus einer Schlafanwandlung empor. Er konnte die Augen kaum mehr offen halten. Ist es schon so weit mit mir? Der Zorn gegen Grazia, die für ihre Dreistigkeit zu strafen er zu müde, zu abgehetzt war, verdichtete sich unerträglich in ihm. Er ging mit steifen, tappenden Tritten zur Tür. Doch ehe er sie noch hinter sich schloß, gab er die Einwilligung zur Brasilienfahrt der Söhne. In seinem Zimmer oben verging ihm die Müdigkeit sofort. Die Kinder hörten ihn die halbe Nacht umherstapfen. Doch sie wußten allzugut, daß Papa lieber sterben würde als eine seiner Entscheidungen widerrufen.

 

Es war dafür gesorgt, daß die Schwestern in den nächsten Tagen keine Zeit fanden, der Abschiedstrauer müßig nachzuhängen. Sie hatten von früh bis abends für die Brüder zu denken und zu wirken. Am dreißigsten März nämlich ging ein großer, schon etwas angejahrter Kasten der Servizi Marittimi, der ehrwürdige Colleoni, hinüber nach Rio de Janeiro. Placido hatte kurzerhand sich und seine zwei Gefährten als Zwischendeckspassagiere vormerken lassen. Vielleicht hätte Papa aus Standesrücksichten das Opfer gebracht, für seine Söhne Schiffsbillette dritter Klasse zu lösen, Placido aber fand, daß »il ponte«, wie das Zwischendeck in der italienischen Seemannssprache heißt, vollauf genüge. Bis zur Abreise standen kaum vierzehn Tage zur Verfügung. Man mußte sich tummeln, um mit allen Vorbereitungen fertig zu werden. Da Papa nur eine ganz geringe Summe zur Equipierung der Auswanderer flüssig machte, blieb nichts anderes übrig, als daß die Schwestern ans Werk gingen. Sie reparierten die schlissigen Hemden; aus Strümpfen, die keine Fersen und keine Spitzen mehr besaßen, zauberten sie ganze Ware; sie besserten das zerrissene Futter der Anzüge aus, sie verfertigten aus zwei verendeten Wäschestücken ein lebendiges; durchgewetzte Stellen der Hosen und Röcke stellten sie durch feinste Fadenarbeit unmerklich wieder her. Solange das Tageslicht noch in den Fenstern lag, schneiderten, fädelten, stopften sie unermüdlich.

Giuseppe beobachtete stundenlang die Arbeit der Schwestern. Er stand mit gekreuzten Armen an der Tür, interessiert und mißbilligend zugleich. Was er zu den traurigen Vorgängen im Hause Pascarella meinte, war aus seiner Miene nicht ersichtlich. Man hatte die Köchin Priscilla samt ihrem Grammophon gekündigt, Grund genug, daß das Selbstgefühl Giuseppes zu Sonnenhöhen emporwuchs. Seitdem er nicht mehr durch die Gegenwart eines anderen Dienstboten in seiner Stellung mißverstanden werden konnte, gewann in ihm der unnahbare Kritiker des Volkes an Kraft. Er gewährte seiner Schwerhörigkeit mehr Raum als jemals und setzte den dringlichsten Anrufen und Wünschen der Geschwister ein hehres Bergfirnen-Schweigen entgegen. Die Überlastung und häufige Abwesenheit seines Herrn machte er sich insofern zunutze, als er jede Gelegenheit wahrnahm, in Vertretung Papas den Pascarellastamm durch seine lautlos-tückische Präsenz zu stören. Er gab sich angelegentlich Mühe, der schmerzhafte Pfahl im Fleische der Kinder Don Domenicos zu sein. So stand er oft regungslos und ohne zureichenden Grund im Zimmer, als die leibhaftige Mahnung an das väterliche Gesetz, das er nach wie vor strenge zu hüten gedachte. Wenn er jetzt zum Beispiel, während sich die Mädchen mit Nadel und Schere plagten, nicht von seinem Standplatz wich, so bedeutete das folgenden stummen Tadel: Ist die Sala da pranzo, der heilige Raum des Mahles und der Zusammengehörigkeit, ist der große Familientisch der geeignete Platz für Strümpfe, Hemden und Unterhosen? Die Schwestern mußten, von diesem stummen Tadel getroffen, immer wieder zu Giuseppe, dem verkörperten Gesetz, hinblinzeln, das die Augen nicht von ihnen wandte.

Die Ausrüstung war übrigens nur eine Kleinigkeit, mit der man rasch und gut zu Rande kam. Es lauerten mächtigere Hindernisse, um den Plan im letzten Augenblicke zu vereiteln. Grazia schickte Stoßgebete zum Himmel, diese Hindernisse möchten sich stark genug erweisen. Die Geschichte mit den Pässen vor allem. Es war nicht leicht, für junge Leute zumal, Paß und Visum zu erlangen. Amtlich stand der Ausreise wohl nichts im Wege. Placido war der militärischen Musterungspflicht, der Leva, ordnungsgemäß nachgekommen. Man hatte ihn wegen allgemeiner Körperschwäche (er wog bei 183 cm Länge nur 62 kg) nach Hause geschickt. Die beiden anderen Brüder hatten das staatlich geforderte Alter noch nicht erreicht. Dennoch begannen sich in dieser Hinsicht die Schwierigkeiten aufzutürmen. Die jungen Leute wurden von Amt zu Amt geschickt, von der Quästur zur Präfektur, und umgekehrt. Man forderte Eingaben, Bekenntnisse, Erklärungen, man stellte hochnotpeinliche Verhöre nach Gesinnung und Weltanschauung an, man forschte eindringlich nach dem Grund der erwünschten Ausreisebewilligung und nach ihrem Zweck. Je häufiger diese Amtswanderungen erfolgten, um so neugieriger und mißtrauischer wurden die Gesichter der Beamten, und am Ende hatten die Brüder das Gefühl, sie gehörten einer geheimnisvollen Verschwörung an, ohne etwas davon zu wissen.

Wieder einmal war es Lauro, der Mann der Überraschungen und Auswege, der den Knoten durchhieb. An einem Freitagmorgen erschien er vor der weißen Tür jenes kolossalen Franziskaner -Provinzials, der ihn im Klosterhof von Camaldoli angesprochen hatte, und wurde zu seinem eigenen Erstaunen unverzüglich vorgelassen. Ein kahler Amtsraum mit Büroschreibtisch, Eisenkassa, Telephon, nur durch ein großes Kruzifix klösterlich modifiziert. Die riesige Gestalt vollführte eine ächzende Wendung:

»Ihr, Giovanotto? Also was gibt es? Eh?«

Lauro fühlte sich erkannt. Die vorgewälzt rotgeäderten Augen des Ordenshauptes hatten ihn nicht vergessen. Mit leiser Stimme entschuldigte er sein Kommen. Er habe sich, wie befohlen, telephonisch angemeldet. Lauro war in Verlegenheit, wie dieser Würdenträger zu titulieren sei. Er entschloß sich zur gut neapolitanischen »Eccellenza«, die keinesfalls schaden konnte:

»Also Ihr wollt bei uns eintreten, Giovanotto«, dröhnte der Mönch. Lauro sah krampfhaft auf seinen Hut hinab, den er in der Hand hielt. Diese Frage ging ihm tiefer als er geahnt hatte. Erschütterung bemächtigte sich seiner. Kaum konnte er das Zucken seines Mundes verbeißen, als er Ja sagte.

»Und warum wollt Ihr das, Giovanotto?«

Es gibt überzeitliche Augenblicke, die geräumig genug sind, ein ganzes Leben zu umfassen. Solch einen Augenblick erhielt jetzt Lauro zum Geschenk, damit er all seine Gründe erforsche und kläre. Er starrte auf das Kruzifix. Doch es gelang ihm nur, sich in der Weite des Augenblickes zu verirren. Er sah immer wieder den Certosagarten von Camaldoli, Zypressen, Pinien, Oliven, nur Bäume, Blumen, Weiher, sonst nichts. Da stammelte er:

»Das kann ich ... das läßt sich schwer sagen ... Eccellenza ...«

In der Stimme des Kolosses rollte Unwillen:

»Das läßt sich schwer sagen? Wie, Giovanotto? Damit beginnt es ja erst, daß es sich sagen läßt. Das ist der allererste Anfang, mein Lieber!«

Lauro hob rasch den Kopf:

»Jetzt geht es gar nicht mehr, Eccellenza ... Wir müssen nämlich nach Brasilien, wir drei Brüder ... Papa hat geschäftliches Unglück gehabt ... Wir müssen schnell Geld verdienen, um ihm zu helfen ...«

Der Provinzial sagte zuerst nichts und gab nur einen sonoren Baßlaut von sich wie ein geschmeicheltes Ungeheuer. Dann hieß er Lauro näher treten und berührte mit seiner weißen Polsterhand den Arm des Jünglings:

»Es ist so besser für dich, Giovanotto! Und jetzt paß auf und merk dir meine Worte, die wahr sind! Für einen Menschen zu leben, kann morgen schon zu spät sein, für Gott zu leben, ist es nie zu spät.«

»Aber wir kriegen ja keine Passaporti«, stieß Lauro hervor.

Darauf ging mit dem Provinzial eine deutliche Veränderung vor. Sein überlebensgroßes Gesicht bedeckte sich mit einer Schichte von behaglicher Lustigkeit, während die Falten um seine Augen sich boshaft vertausendfachten:

»Aha, ihr bekommt keine Pässe?!«

Er lachte ausdauernd und in vielen Tonlagen, als gebe er damit ein kampffrohes Musikstück zum besten:

»Mir scheint, Giovanotto, dir fehlt ein Abzeichen im Knopfloch. Hier, schreib mir eure Namen auf, alles, Vater, Mutter, Alter, nur schön genau!«

Er hob das Telephon ab und donnerte mit entschlossenem Angriffsvergnügen in die Muschel:

»Verbinden Sie mich mit Rom! Ministerium des Innern!«

Acht Tage später hatten die Brüder Pascarella ihre Pässe mit dem brasilianischen Sichtvermerk in der Tasche.

Nun lag vor Lauro nur eine einzige Pflicht mehr. Mamas Ring mußte im Leihamt ausgelöst werden. Einen Tag lang war er beinahe willens gewesen, zu diesem Behufe den Kontrabaß zu verkaufen. Davon aber kam er ab, und nicht nur, weil das Besitzverhältnis des Instrumentes nicht ganz klar war. Der Mitschüler, der es ihm als Leihgabe überlassen hatte, war mit seinem Vater, dem Orchesterprofessor, in eine andere Stadt abgewandert, ohne die Baßgeige zurückzufordern.

Es lag in der Eigenart Lauros, daß die Dinge seines Besitzes und Umgangs für ihn mit der Zeit eine übersinnliche Bedeutung gewannen. Sie verwandelten sich in Kraftzentren, die ihn mit guten oder bösen Einflüssen umgaben. Davon waren auch Kleidungsstücke nicht ausgenommen. Schon als kleiner Knabe hatte er gegen einen hübschen Anzug eine unüberwindliche Antipathie empfunden und sich solange gegen ihn gewehrt, bis Mama ihn weghängen und für Ruggiero aufheben mußte. Was aber den Kontrabaß anbelangte, so war er für Lauro ein großes gutmütiges Wesen, halb der Dämonenwelt angehörend und halb dem Tierreich. Er sah in dem Instrument, das im Salotto neben dem Klavier feinhörig lehnte, einen der Schutzgeister, die im Schicksalskampf auf seiner Seite fochten.

Als der junge Duca Dallorso, Gia-Gia genannt, auf der Visitkarte Lauro Pascarella las, hatte er natürlich keine Ahnung, wer das sei. Auch von Angesicht zu Angesicht erkannte er den Jüngling nicht, lud ihn aber mit gebrechlicher Verbindlichkeit ein, Platz zu nehmen. Seine zusammengewachsenen Augenbrauen und die hängende Unterlippe vollführten pflichtgemäß das Lächeln eines heimwehkranken Äffchens. Hatte Lauro in der Amtszelle des Provinzials erstickt und leise gesprochen, hier in dem weiten Palast sprach er mit heiterer Stimme, obgleich sein Anliegen mehr als sonderbar war:

»Wir, das heißt meine Schwester und ich, waren auf der Festa di ballo im Hotel Bertolini ... Sie werden sich erinnern ...«

Gia-Gia nickte melodisch, als wisse er in seiner Eigenschaft als Komiteepräsident die ihm erwiesene Ehre auch nachträglich noch zu schätzen. Lauro besaß eine ausgesprochene Spiegelbegabung. Er spiegelte sein Gegenüber, ohne selbst an Persönlichkeit einzubüßen. In Gesellschaft eines Fischers vermochte er ein Fischer zu sein, in Gesellschaft eines Fürsten ein Fürst. Seine Worte klangen frei und weltmännisch:

»Sie hatten die Gnade, mir die Einladungen zu dem Feste selbst zu überreichen.«

Gia-Gia öffnete ein wenig die Arme zum Zeichen, daß er einesteils geschmeichelt sei, andernteils bedaure, daß keine neue Festa di ballo ihm die Gelegenheit zu einer zweiten Einladung gebe. Lauro fiel noch immer nicht aus dem Ton:

»Wir, ich meine Grazia und ich, hatten eigentlich kein Recht, den Ball zu besuchen.«

»Warum? Ich bitte Sie. Es war sehr nett von Ihnen.«

»O nein! Wir sind nämlich sehr arm. Vor dem Ball waren wir es noch nicht. Jetzt aber sind wir schrecklich arm.«

Gia-Gia beantwortete dieses Geständnis mit einem langgezogenen »Ah«, womit man in der Regel auf Hiobsposten oder Freudenbotschaften reagiert, die einen nichts angehn. Lauro nahm das »Ah« mit einer förmlichen Verbeugung entgegen, ehe er fortfuhr:

»Ich möchte mich erkundigen, ob mir das Festkomitee aus diesem Grunde das Eintrittsgeld nicht zurückerstatten könnte.«

»Wie bitte?«

»Es waren sehr hohe Preise. Die Ballkarten haben hundert Lire gekostet. Es ist für mich leider eine unentbehrliche Summe, da ich in der nächsten Woche nach Brasilien reise, um dort Arbeit zu suchen.«

Lauro stand auf. Obgleich er dagegen angekämpft hatte, war er über und über rot geworden. Seine Lippen öffneten sich. Er machte einen Schritt auf Gia-Gia zu und sah ihn verzweifelt an. Der Duca Dallorso hatte mehrere Tage steppenöder Langeweile hinter sich. Als der junge Pascarella angemeldet wurde, war er eben dabei gewesen – man darf das ruhig annehmen –, aus den Photographien mißliebiger Familienangehöriger die Köpfe auszuschneiden oder diese mit Briefmarken zu überkleben. Nun aber begann er sich an der Schönheit Lauros zu weiden. Das allzu magere Männchen litt zumeist an kalten Gliedern. Jetzt wurde ihm wärmer und wärmer, als hätte man ihm einen Thermophor auf die Brust gelegt. Er versuchte Lauro zum Niedersitzen zu bewegen:

»Brasilien? Das ist ja wunderschön! Aber wollen Sie nicht Platz nehmen?«

»Nein, danke!« Lauro blieb stehn. »Es handelt sich nämlich um einen Ring. Kein sehr kostbarer Ring. Aber er ist ein Erbstück und wichtig für mich. Ich habe ihn wegen der Eintrittskarten versetzt.«

»Versetzt, mein lieber Freund? Sehr gut! Sie heißen Pascarella. Aber natürlich. Und Sie sind der Bruder der schönen Schwester.«

»Hier ist der Versatzzettel!«

Und Lauro legte das Beweisstück in die Hände Gia-Gias:

»Vielleicht können Sie erwirken, daß man das Geld zurückerstattet. Ich will mich verpflichten, es in einem Jahre wieder einzusenden. Bis zum nächsten Karneval. Es ist so wichtig für mich. Ich muß den Ring auslösen.«

»Ist er ein Geschenk Ihrer Geliebten?«

»Nein, er hat meiner Mama gehört.«

»Ihrer Mama! Aber das ist ja wunderschön ...«

Gia-Gia schien durch all diese Dinge hocherfreut zu sein: durch das Armutsbekenntnis, durch Brasilien, durch die schöne Schwester, durch den Versatzzettel, durch Mamas Ring. Er faßte Lauro unterm Arm und ging mit ihm auf und ab, dankbar, als hätte ihn der junge Mann durch amüsante Geschichten von den schleichenden Angstzuständen der Langeweile erlöst:

»Ich kann Ihnen die angenehme Mitteilung machen, daß unser Festkomitee Ihren Wunsch erfüllen wird. Wollen Sie den Ring sofort auslösen? Wenn es erlaubt ist, begleite ich Sie. Mein Wagen wartet. Der Monte di Pietà interessiert mich natürlich brennend.«

Auf diese außergewöhnliche Art kam Mamas Ring wieder in Lauros Besitz. Der einsamkeitsfürchtige Gia-Gia, der seiner alltäglichen Gesellschaft satt bis zur Übelkeit war, hätte am liebsten noch einige Stunden mit dem jungen Menschen verbracht. Dieser aber begann sogleich nach erledigtem Geschäft steif und unruhig zu werden. Der Duca bot ihm ein paar hundert Lire an, die Lauro zurückwies. Warum war ich so dumm? fragte er sich eine halbe Stunde später. Wie leicht wäre es im Grunde, uns alle zu retten! Er befreite sich schnell von solchen ehrlosen Einflüsterungen. Trotz derartigen Einfällen, wie es der Besuch bei Gia-Gia war, rollte Papa und sein Gesetz ihm unerbittlich im Blut.

Am selben Tage noch nahm auch Grazia all ihren Mut zusammen und lauerte dem Vater auf, als er sich vor dem Pranzo in seine Zimmer begeben wollte. Da die brasilianische Reise nicht mehr rückgängig zu machen war, sollte wenigstens alles Erdenkliche geschehen, um Placido und die jüngeren Brüder in der fremden Wildnis (das war Brasilien in Grazias Phantasie) zu schützen und zu sichern. Sie bat Papa, er möge an den italienischen Generalkonsul in Rio de Janeiro einen Brief schreiben und ihm seine Söhne anempfehlen. Der Generalkonsul, Commendatore Eccheverria, war nun niemand anderer als jener Jugendbekannte Don Domenicos, der vor einiger Zeit im Caffè durch sein Lob der Pascarellakinder (Engel) das heftige Mißfallen ihres Vaters erregt hatte. Papa erinnerte sich auch sofort der Szene und sein gereizter Stolz verbot ihm, der Tochter Bescheid zu geben. Dennoch siegte die Vernunft in ihm. Spät abends setzte er sich hin und verfaßte, ohne die Geschwister einzuweihen, einen gemessenen Brief an Signor Eccheverria. Es war der Abend, der dem Todestage Mamas voranging. Und diesem Tage folgte der dreißigste März, an dem um neun Uhr morgens der Colleoni in See stechen sollte.

 

Ganz gewiß ist der Friedhof von Genua berühmter und der von Mailand weitläufiger. Dafür aber steigt der Camposanto Neapels (nicht weniger als der von Genua) steil empor in labyrinthische Höhen. Nirgendwo wohnen die Abgeschiedenen enger zusammen und regelloser.

Die modernen Friedhöfe weit oben im Norden, in Deutschland, Holland und anderen fortschrittsbeflissenen Ländern, huldigen dem guten Geschmack und der begreiflichen Absicht, den Tod vergessen zu lassen. Sie sind entweder weite Parkanlagen oder wohlausgerichtete Zweckarchitekturen der Verwesung. Schönbetonierte Grabstellen, Kuben und Platten, einfache Kreuze und Schluß! Ornamente, Embleme, Abirrungen der erschütterten Phantasie, vom Grabsteinmetzen verwirklicht, schwinden von Jahr zu Jahr! Auch dieser Teil der menschlichen Welt hört auf geschmacklos und beseelt zu sein. Der Tod wird dem schnurgeraden Mechanisierungsprozeß unterworfen. Dieser nimmt auch ihm den schaurig-wollüstigen Stachel, den er dem Leben schon längst genommen hat.

Doch gerade im Verhältnis zum Tode zeigt sich noch der tiefe Unterschied der Völker und Kulturen. Je mehr Wirklichkeit ein Volk seinen Toten verleiht, um so mehr innerliche Wirklichkeit bleibt ihm selbst erhalten. In Neapel haben sie auf dem Camposanto bei der Porta Capuana die Saat der Toten unglaublich dicht ausgeworfen, und nicht minder dicht ist die oberirdische Ernte in die Schäfte geschossen. Die festgekeilte Masse der Toten steht wie ein erstarrter Menschenzug, wie eine Demonstration, der Halt geboten wird. Sie verkörpert sich in einer Unzahl von Skulpturen: Männer, Frauen, Greise, Kinder; ganze Figuren, Hermen, Büsten, Köpfe, sitzende Gestalten, kniende, schwebende; hier ein eingeschrumpfter Alter, der niedersteigt, dort ein lächelndes Kind, das die Arme zur Mutter aufhebt; Krieger, die ihrer Muskete nach zu Boden stürzen, junge Mädchen, die Kränze oder Laternen emporhalten; Engel überdies aller Gattungen, solche, die ihre Loderschwerter zum Himmel schwingen, und andere sanftere, die den Weg zur Unterwelt mit freundlicher Ciceromiene weisen; und, diesem menschenleiblichen Reich als Hintergrund, Zier oder Stütze beigeordnet, gebrochene Säulen, große und kleine Kreuze, Lampen, Nischen und Zehntausende von Marmorplatten mit goldenen Lettern. Das verwirrende Getriebe, das ordnungslose Durcheinander des Totenvolkes überragt als Führerin eine Riesenstatue, die sich nach oben reckt, die Religion.

Die Pascarella besaßen keine eigene Gruftkapelle und unterschieden sich auch dadurch von den großen Familien Neapels. Solch eine Grabkapelle war, ganz abgesehen von dem lebendigen Glanz, den sie dem Eigentümer verlieh, durchaus nicht zu verachten, gewährleistete sie doch das Recht zu einem doppelten Begräbnis. Die geologische Beschaffenheit des Camposanto Nuovo ist den Toten überaus günstig gesinnt. In der reinlichen Tufferde verfaulen sie nicht, sondern trocknen binnen einem Jahr aus, worauf sie (sofern sie den ersten Familien angehören) ein zweites Mal beigesetzt werden, und jetzt nicht mehr in der grauenvollen Tiefe, sondern oben, dicht unterm Kapellenaltar, fast im sauberen Tageslicht. Auf solche postmortale Bevorzugung, die den Dallorso, Ventignano, Spagnuoli in Fülle zuteil ward, mußten Domenico Pascarella und Familie verzichten. Schließlich war die einmal jährlich frequentierte Loge in San Carlo, Nummer drei, links, erster Rang, weniger kostspielig als ein Mausoleum, das man ja nicht fallweise mieten kann.

Im übrigen sah Mamas Grabstätte schön und anheimelnd aus, wenn sie auch nicht durch ein Steinporträt ihrer Inwohnerin geschmückt war. Viele bunte Lampen und ein großes Marmorkreuz, um das sich nicht minder marmorne Blumengewinde rankten. In die Schriftplatte war eine vergrößerte Photographie eingelassen. Sie stimmte den Besucher traurig, denn nur die wenigsten Bilder haben die Kraft, mit der verwandelten Zeit und Mode sich fleißig mitzuverwandeln.

Lauro und Annunziata waren die ersten am Ort. Es hatte sich die Gewohnheit herausgebildet, daß an Mamas Todestag sich die Geschwister Pascarella nicht gemeinsam hier einfanden, sondern paarweise. Heute gewann dieser Brauch noch eine tiefere Bedeutung. Denn vor dem großen Abschied aller Brüder von allen Schwestern galt es heimlicheren Abschied zu nehmen von dem Liebsten und Nächsten.

Lauro legte einen Kranz weißer Nelken auf das Grab. Diese erstaunliche Weihegabe entstammte einer neuerlichen Transaktion. Papa hatte im letzten Augenblick für jeden der Söhne eine Summe bestimmt, davon sie sich haltbare Stiefel kaufen sollten. Lauro aber dachte, Geld und Stiefel müsse es auch in Brasilien geben, und zog es vor, statt des praktischen Ankaufes für Mama ein Abschiedsgeschenk zu erwerben. Annunziatas Blumenstrauß wirkte ärmlich daneben. Dann sahen sie stumm auf den Rasen, ohne, wie es ja zumeist der Fall ist, ihre Gedanken auf die Tote konzentrieren zu können. Sie hatten gar keine Gedanken, sondern bloß Bilder, verschwimmende Gaukeleien, dämmerig, trauervoll.

»Mir tut eigentlich nur leid ...«, begann Lauro und sprach den Satz nicht zu Ende. Annunziata wußte sofort, daß ihm das Kloster im Sinn lag und sein verlorener Lebenswunsch. Federleichte Eifersucht bestimmte ihre Worte:

»Graja hat über dich gelacht, Lauro ...Ich aber verstehe dich genau, o Gott, wie genau ...Es ist sehr schwer ...«

Mit der Erwähnung von Grazias Lachen befreite sich Annunziata selbst. Sie hatte unter der Ballgemeinschaft Lauros mit der Schwester tagelang gelitten. Er aber sah Annunziata jetzt scharf an und erstaunte, eine fremde junge Dame zu erblicken, deren abgemagertes fahles Gesicht mit den großen Augen ihm gänzlich unbekannt war. Da lebt man Jahr für Jahr miteinander, da sitzt man Tag für Tag am selben Tisch und kennt das Gesicht seiner Lieblingsschwester nicht. Man sieht sie zum erstenmal am Abschiedstag, ehe man über den Ozean fährt, für Gott weiß wie lange. Ja, Zia hat recht, es ist wirklich sehr schwer, und der Mensch braucht viel Hilfe, um nicht wahnsinnig zu werden, wenn er in die Nähe des Geheimnisses der Einsamkeit gerät. Lauro starrte die Schwester unverwandt an, erschüttert darüber, daß er ihr Gesicht noch niemals gesehn hatte. Doch auch in Annunziata ging Schmerzliches vor:

»Ich weiß nicht ...Es ist nicht wegen morgen allein ...Aber ich habe ein so schweres Vorgefühl.«

Lauro erwachte aus seinem Zustand:

»Du übertreibst, Zia. Was sind Entfernungen heutzutage? Wir verschwinden ja nicht aus der Welt. Nächstens werden schon Postflugzeuge zwischen Amerika und Europa verkehren. Und vielleicht ist es bald so weit, daß wir telephonisch miteinander sprechen können.«

»Nein, Lauro, das mein ich nicht ...Kein Telephon ...Es ist besser, du versprichst mir, Mama nicht zu vergessen ...Wenn irgend etwas los ist, denk an Mama ...Und ich werde auch an Mama denken ...«

Sie stellte sich Mama wohl als eine Art magische Empfängerstation vor, wohin sie dem Bruder für den Notfall ein Seelen-Rendezvous gab. Er aber zog sie eilig fort, denn Ruggiero und Iride tauchten am Ende des Weges auf. Die Paare wollten einander nicht begegnen. Lauro ging voran. Die beiden gerieten in einen abgelegenen Teil des Camposanto. Sie, die sonst immer vielerlei zu betuscheln hatten, schwiegen heute hartnäckig, als habe sich der Gesprächsstoff ihres Lebens zur rechten Zeit erschöpft. Lauro blieb stehn und wies auf ein wappenartiges Emblem, das aus einer Wandnische der Kolonnade hervortrat. Annunziata, die kurzsichtig war, beugte sich vor, um das Rätsel zu lösen:

»Ein Händedruck«, sagte sie. »Ja, ein männlicher und weiblicher Arm, die sich die Hand reichen. Natürlich ein Ehepaar.«

Lauro musterte das Symbol:

»Ein Händedruck und ein Ehepaar, gut! Aber wozu halten die beiden Hände, indem sie sich drücken, zugleich einen Handspiegel? Und was bedeutet die Schlange?«

Es war keines der gebräuchlichen Sinnbilder: Eine Frauen- und Männerrechte, die einander liebevoll umklammerten und in der Umklammerung den Stiel eines Handspiegels festhielten, um den sich eine Schlange wand, deren Schwanz noch das Gelenk des Mannes umringelte. Lauro:

»Warum der Spiegel? Warum die Schlange? Warum umwindet sie den Männerarm und nicht die Frau? Verstehst du das?«

Annunziata entzifferte mühsam den Namen des dahingeschiedenen Ehepaares, das seinen Gästen so schwierige Sinnrätsel aufgab:

»Am besten, wir fragen Placido.«

»Ach, lassen wir das«, wehrte Lauro ab, »wozu? Man muß nicht alles verstehn.«

Er wandte sich ab. Es war nicht gut, den Dingen immer auf den Grund zu gehen. Hierin dachte er anders als Placido. Auf dem weiteren Wege richtete er es so ein, daß er hinter Annunziata etwas zurückblieb. Sie kamen an einer Stelle vorbei, wo die weiße Erde ausgehoben war, vielleicht für eine künftige Grabstätte, vielleicht auch nur für eine Kabellegung. Lauro zog blitzschnell zwei in Seidenpapier gewickelte Päckchen aus der Tasche und warf sie in die Grube hinab. Es waren die beiden letzten tongeformten Tiere, die er besaß. Denn gestern hatte er alle anderen phantastischen Kunstwerke in seiner Hand in kleine Stücke zerschlagen. Das wehmütig hockende Hündchen aber und der widerspenstige Maulesel waren ihm weit eigenlebendiger erschienen als die anderen traumhaften Kombinationen von Vogel, Reptil und Säugetier. Er hatte es nicht über sich gebracht, sie zu vernichten, und beschlossen, ihnen auf dem Camposanto ein ehrenhaftes Begräbnis zu bereiten.

Inzwischen statteten Ruggiero und Iride Mama ihren Besuch ab. Ruggiero kam mit leeren Händen. Iride brachte ein Geschenk mit. Es war eine Handarbeit, ein Deckchen mit einem kindlichen Stickereimuster, das sie Mama opferte, um die Tote gewissermaßen von ihren Fortschritten in Kenntnis zu setzen. Wohl besaß sie zu Hause ein weit bravouröseres Werk, eine Teepuppe, deren Schäferinnenkleid sie eigenhändig geschneidert hatte. Nach einigem Zögern aber hatte sie sich für die angemessenere und würdigere Gabe der Stickerei entschlossen, die sie nun unter Lauros Nelkenkranz verbarg.

Ruggiero schien von dem neuen Leben, dem er morgen entgegenfuhr, so mächtig erfüllt zu sein, daß nicht einmal dieser heilige Ort, sonst der Quell andächtigen Schauders, seine Aufmerksamkeit binden konnte. Nach einer Pause pflichtgemäßen Auf-das-Grab-Starrens fing er gleich wieder an:

»Ich werde mich jedenfalls älter machen, Iride, um drei Jahre wenigstens.«

Iride schaute ihn kritisch an. Er ärgerte sich:

»Du mußt mir doch zugeben, daß ich wie neunzehn oder zwanzig aussehe.«

Sie wollte ihm diese Ehre nicht allein zubilligen:

»Aber auch ich schaue schon aus wie fünfzehn, nicht wahr?«

Ruggiero gab der Meinung Ausdruck, daß man in Südamerika wie ein ganzer Mann wirken müsse, um voll genommen zu werden und damit auf die Laufbahn eines Millionärs zu gelangen. Er zweifelte nicht daran, daß eine ähnliche Karriere drüben in Brasilien eigens auf ihn warte. So erfüllt war er von glückhaften Vorstellungen, so geschwellt von übermütiger Hoffnung, daß die Leiden des Abschiedes in seinem Gemüt wenig Platz fanden. Man muß gestehn, Ruggiero spielte in diesen schweren Tagen unter den Geschwistern eine Rolle von verblüffender Unsentimentalität. Er kannte sich in Brasilien schon besser aus als in Neapel, prunkte vor der aufstaunenden Iride mit statistischen Reihen und ökonomischen Einsichten. Er sagte alle zwanzig Staaten des Riesenreiches auswendig her und nicht einmal die portugiesische Aussprache von Worten wie »Maranhão« oder »Encruzilhada« bereitete ihm Schwierigkeiten. Die brasilianische Landwirtschaft hatte er im kleinen Finger und war nicht ohne Herablassung bereit, seine Kräfte der weitberühmten Kaffeeproduktion zu widmen. Die Aussicht auf Welt, Seereise, Abenteuer, Betätigung hatte den Burschen in wenigen Wochen durch und durch verändert. An den alten Orso erinnerte nur mehr eines, daß er nämlich kein Steinchen sehen konnte, ohne es mit einem Anlauf fußballgerecht vorwärts zu kicken, ein lasterhafter Trieb, von dem er selbst auf den feierlichen Wegen des Camposanto nicht lassen konnte. – Nachdem er so mit unerschütterlicher Gewißheit sein Zukunftsbild gemalt hatte, schloß er:

»Und dann hole ich dich zu mir hinüber, Iride.«

»Und Papa«, blinzelte sie erschrocken.

»Hier heißt ein kleiner Laden schon Azienda«, belehrte er die Kleine wegwerfend, »weißt du, was drüben eine Fazenda ist? Ländereien, so groß wie Italien, und in Rio oder São Paulo ein Bürohaus dazu. Vielleicht wird Papa selbst einmal die Leitung übernehmen.«

»Aber wenn du sehr viel Geld verdient hast, kannst du doch ebensogut zurückkommen.«

»Wer weiß?«

»Hör, Orso, es ist vielleicht doch besser, du holst uns zu dir hinüber. Jedenfalls muß Brasilien furchtbar interessant sein.«

»Interessant? Du redest wie ein Kind! Es ist das Land der Zukunft.«

»Schau aber zu, daß wir nicht allzulange warten müssen. Wird es länger als ein halbes Jahr dauern?«

»Wie bist du kindisch, Iride«, meinte der Knabe, »zwei Jahre sind schon das mindeste, um etwas zu erreichen.«

»Wenn du aber Glück hast?« ...

Als Placido und Grazia zum Grabe traten, waren die beiden Jüngsten schon verschwunden. Auch das dritte Geschwisterpaar legte sein Blumenopfer auf die Stätte. Trotz all diesen Gaben aber erging es der armen Mama an ihrem heutigen Gedenkfeste schlecht, denn keines ihrer Kinder lockte sie durch liebesstarke Konzentration aus dem Ozean des Todes an den Strand. War Annunziata unfaßbar traurig, so vibrierte Grazia von leidenschaftlicher, ja zorniger Erregung:

»Wenn nur dieser verdammte Colleoni heute in der Nacht abbrennen möchte!«

»Er wird nicht abbrennen, Grazia«, versicherte Placido beinahe höflich.

»Und ich kann nichts tun, ich kann diesen gräßlichen Wahnsinn nicht verhindern!«

Sie ballte ihre Fäuste wie im Starrkrampf, während Placido gleichmäßig ruhig blieb:

»Ich glaube, ihr alle beurteilt die Not noch immer falsch, in die Papa geraten ist.«

»Und ihr seid die Richtigen, ihm zu helfen! Du, ein weltfremder Dichter! Und der verspielte Lauro! Und ein siebzehnjähriger Bub!«

»Schau, Graja«, er grenzte mit der Hand ein Bild in der Luft ab, »denk dir, du bist irgendwo ganz allein an einem Strand, aber wirklich ganz allein, so daß dich niemand hören kann. Und du siehst vor dir im Wasser ein Kind, das am Ertrinken ist. Wirst du es nicht zu retten versuchen, auch wenn du nicht schwimmen kannst?«

Sie dachte mit gerunzelter Stirn eine Weile nach, dann aber empörte sie sich:

»Erstens ist dieses Gleichnis unrichtig, und zweitens stellst du dir immer Probleme, die nicht zu lösen sind.«

»O nein, Graja, ich stelle sie nicht, sie werden mir gestellt, ich kann mir nicht helfen.«

»Unsinn! Warum ans Ende der Welt?! Warum nach Brasilien?! In Italien würdet ihr auch einen Beruf finden. Millionen finden ihn schließlich.«

»Vielleicht, Graja! Mit einiger Protektion könnten wir für fünfzig Lire monatlich Anstellungen als Kommis oder Laufburschen bekommen. Wem wäre damit geholfen? Und dann? Wenn man schon getrennt leben muß, ist die Entfernung nicht nebensächlich? Ist es nicht gleich, ob ich in Pozzuoli bin, in Rom oder in Australien, wenn ich nicht bei dir sein darf?«

»Es ist ganz und gar nicht gleich. Du selbst glaubst ja nicht daran.«

»Verzeih mir! Aber es mußte so kommen. Die Zeit war reif. Sei aufrichtig, Graja, du hast es ebenso vorausgespürt wie ich. Der Weg war zu Ende. Kannst du dir vorstellen, daß unser Leben auch ohne das Unglück so weiter gegangen wäre wie bisher? Nein! Siehst du? Da können halbe Maßnahmen und kurze Entfernungen gar nichts helfen.«

Sie sah ihn von der Seite böse an:

»Du willst also das Opfer bringen, wie du es nennst?«

Er entschlüpfte:

»Ich weiß von der Zukunft nichts. Wäre Papa der geblieben, der er war ... Er ist selbstverständlich derselbe wie immer ... Ich meine damit nur die äußeren Verhältnisse ... So aber ...«

Ihre aufgewühlten Gedanken waren nicht aus der Bahn zu lenken:

»Und das Ganze ist und bleibt doch lächerlich. Du könntest in Italien hundertmal mehr erreichen als in Südamerika. Mit deinem fabelhaften Stil! Bei einer großen Zeitung!«

»Und wäre gerade das nicht ein viel größeres Opfer, Graja?«

Sie starrte auf Lauros Kranz nieder. Placido als Zeitungsschreiber? Er hatte recht. Es begann ein langes, dem Anschein nach Mama gewidmetes Schweigen. Grazias Schweigen aber war von Arthur Campbell ausgefüllt. Ein prickelnder Bekenntnisdrang keimte in ihr. Durfte ihr Bruder Placido sie verlassen, ohne das Wichtigste erfahren zu haben? Sie kämpfte um einen möglichst unauffälligen Anfang:

»Wir sind alle nicht mehr so wie früher ...«

Placido hörte nicht. Er machte eine seltsam verlegene Verbeugung vor der Marmorplatte mit Mamas Photographie. Langsam gingen sie weiter und ließen das Grab für unbestimmte Zeit vereinsamt zurück. Sie verloren sich auf den Wegen der Höhe, an Kolonnaden vorüber, an Mausoleen, an kleinen Kapellen. Das in Steinfiguren verkörperte Totenvolk wurde schütterer. Sie fühlte die Möglichkeit, von Campbell zu sprechen, unaufhaltsam hinschmelzen. Verschlossen ging Placido voraus, den neuen Welten scheinbar mehr zugetan als ihrem Herzen. Sie hatte sich diese Stunde ganz anders gedacht. Nach einer langen wortlosen Wanderung versuchte sie es noch einmal:

»Und ich? Wie soll ich es denn aushalten? Du weißt ja gar nicht, was ich alles verliere.«

Placido, der ihr noch immer zwei Schritte voraus war, wandte sich bei seinen zerstreuten Worten gar nicht um:

»Das Unglück hat uns alle getroffen, Graja.«

Da vergrößerte sie geflissentlich den Abstand, damit er nicht merke, daß sie in sich hinein heulte. Ihr kleines Taschentuch war naß und von ihren Nägeln zerfetzt.

Man konnte das sonderbare Zwielicht, das jetzt einfiel, nicht Dämmerung nennen, denn der Nachmittag war noch lange nicht vorüber. Ein fahler Schein breitete sich über die Welt, eine mit Aschenfarben geschwängerte Sphäre, wie sie Erdbeben und Vesuvausbrüchen vorherzugehen pflegt. Zugleich legte sich der Scirocco auf die Sinne wie Hypnose. Die Konturen der Denkmäler, die Kanten der Kapellen und Mausoleen bekamen unsichere Linien wie auf stümperhaften Zeichnungen. Die Welt erweichte sich zu einer Halluzination. Placido und Grazia drangen in dem Traumlicht immer weiter vor. Sie kamen an Orte, die sie nicht kannten. Waren sie noch überhaupt im Gehege des Camposanto? Sie durchschritten ein paar abgegitterte Plätze, kamen an niedrigen Häusern vorüber und traten wieder in Parkbezirke. Sie mußten durch einen mächtigen Eisenbahnbogen hindurch, der sich in übertriebener Architektur über ihrem Spaziergang wölbte. Und neuerdings Park oder noch unbenützter Friedhof.

Da sahen sie eine Gesellschaft aus einem weißen Haus treten, das einer winzigen Villa glich. Drei Herren und eine verschleierte Dame. Die Herren waren alle im Frack mit elegantem Umhang und hielten den Zylinder in der Hand. Die Gesellschaft blieb eine Weile auf der Freitreppe stehn, dann verbeugten sich zwei der Herren sehr tief und entfernten sich, während die Dame mit dem dritten Herrn die entgegengesetzte Richtung einschlug. Aus der Tür des villenartigen Häuschens trat jetzt ein Wächter mit einer beschirmten Amtskappe. Als dieser die beiden Geschwister Pascarella erblickte, die eben an der Freitreppe vorübergingen, winkte er ihnen eifrig mit verschlagener Gebärde. Placido und Grazia zögerten einen Moment, aber das eindringliche Winken des Wächters zog sie an und sie betraten das Haus.

»Caruso«, zischte der Mann, als verrate er etwas ebenso Geheimnisvolles wie Verbotenes.

Die Geschwister standen in einem ziemlich hohen Raum, der durch die Kuppellaterne ein sehr mattes Oberlicht empfing. Vor ihnen ruhte auf einem schwarzen Katafalk ein gläserner Sarg. Der Wächter forderte die beiden durch seine ausdrucksvolle Gestensprache auf, sich ein Herz zu fassen, und da sie sich nicht vom Fleck bewegten, schob er sie eigenhändig zu den Stufen hin, die zur Aufbahrung emporführten. Dabei gab er mit scharfflüsternder Stimme Bericht, daß der große Caruso, der vor einigen Jahren verstorbene Weltkönig des italienischen Gesanges, letztwillig verfügt habe, daß sein Leichnam nicht nur nach der modernsten und dauerhaftesten Methode einbalsamiert, sondern überdies noch alle vier Jahre in einen neuen Frack gekleidet werde, damit seine Erdenhülle nicht hinter der zeitgültigen Elegance zurückbleibe. Die Zeremonie der Neueinkleidung sei eben vor einer halben Stunde unter fachmännischer Leitung vollzogen worden.

Placido und Grazia sahen in dem gläsernen Sarg einen auf purpurnem Sammet ausgestreckten Herrn, dessen funkelnde Lackstiefel in die Augen stachen. Nicht minder auffällig glänzten die Hemdbrust und der Seidenrevers des neuen Fracks. Der Ausdruck »Herr« ist übrigens ganz falsch, denn sie sahen bloß eine Puppe, eine schlecht ausgestopfte Gestalt, die wie alles, was der Tod berührt hat, einen fortgeworfenen Eindruck machte. Das Ding besaß bei weitem nicht das Leben einer besseren Panoptikumsfigur. Die Kinder Pascarella hatten von Jugend auf viel von Caruso gehört, dem Landsmann, der sich die beiden Hemisphären durch seine Stimme und Kunst einst unterworfen hatte. Papa war einer seiner frühesten Entdecker gewesen, der vor undenklicher Zeit schon den Wert einer Stimme erkannt hatte, die in einem halben Jahrhundert nur einmal zur Erde gesandt wird. Der große Sänger bot, den Pharaonen gleich, der Vergängnis Einhalt.

Was hatte die Mumie einer solchen Lebenskraft und eines solchen Ruhmes zu sagen? Vorläufig versteckte Caruso noch sein Gesicht in einem hohen ausgeschnittenen Kragen. Seine Hände in weißen Glacè waren aufdringlicher. Sie glichen plumpen Prothesen. Placido und Grazia mußten lange mit scharf eingestellten Augen hinlugen, ehe der gelbliche Fleck oberhalb der glänzenden Hemdbrust sich entschloß, Gesicht zu werden. Beide faßten zugleich denselben Gedanken. Kann uns der Landsmann hier, der schon lange tot ist, nichts über unsere Zukunft verraten, die morgen beginnt? Das Gesicht aber, von dem sie Weissagung begehrten, wurde langsam zur Fratze. Es zeigte ihnen einen unangenehmen Ausdruck von gelangweilter Ironie, von angeekelter Blasiertheit am Tode, fast etwas Gemeines. Und als jetzt der Wächter gar einen Mechanismus farbiger Gläser in Bewegung setzte, der den Raum in blutiges Licht tauchte, flüchteten die beiden schnell.

Draußen sahen sie einander verwirrt in die Augen. War es nicht schon ein ungünstiges Omen, daß sie überhaupt hierher geraten waren und eine Begegnung mit dieser Mumie gehabt hatten? Sie gingen zu Fuß nach Hause. Ehe sie noch die Via Concordia erreicht hatten, erlebte Grazia eine Freude, die das unheimliche Erlebnis überwand. Placido drückte ihr einen kleinen Schlüssel in die Hand:

»Mein Schreibtischschlüssel, Graja! All meine Schreibereien liegen in der großen Schublade. Das Zeug hat keinen Wert, außer für mich persönlich. Ich vertraue dirs an.«

 

Auch Priscillas Stunde schlug heute. Das Abschiedsmahl im Hause Pascarella war der letzte Pranzo, den sie hier zubereitete. Sie ließ es sich nicht nehmen, frittura di mare, Ruggieros Leibgericht, anzusetzen, ein Durcheinander kleinen Meergetieres, das in Öl ausgebacken wird.

Don Domenico war trotz dem gewöhnlichen Wochentag schon um fünf Uhr nach Hause gekommen. (Seinen Totenbesuch hatte er um die Mittagsstunde unabhängig von den Kindern absolviert, wie es der Brauch wollte.) Man merkte ihm nicht an, daß die Trennung von den Söhnen sein Gemüt tief verdüsterte. Dennoch hatte er heute den ganzen Tag nicht arbeiten können. Am Morgen war er aufs Land gefahren, um einen seiner Klienten zu beschwichtigen, fühlte sich aber dann an Ort und Stelle nicht ruhig genug, ein geschäftliches Gespräch zu führen, und kehrte unverrichteter Dinge heim. Auf der Rückfahrt nach Neapel mußte er stehn, denn der Waggon war überfüllt. Von den Stößen des endlosen Bummelzuges hin und her geworfen, grübelte er darüber, wie er nur hatte so müde sein können, sich die Einwilligung für Brasilien von Placido abringen zu lassen. Ach, der schwere Schiffbruch seines Lebens fesselte all seine Gedanken und Kräfte, das war das Unglück. Er nahm ihm die alte Sicherheit seiner Vaterschaft und riß nun die Söhne von ihm fort. Der Zug legte sich in eine Kurve. Domenico Pascarella wurde gegen den Tragkorb einer Bäuerin geschleudert. Er griff nach einem Halt. Nun versuchte er, Vernunftsgründe geltend zu machen: Junge Leute müssen aus dem Haus. Brasilien würde eine gute Schule für die Burschen werden usw. Es wurde ihm jedoch bei diesem Selbstzuspruch nicht wohl. Wäre es nur sein Wille gewesen! Hätte er die Söhne nach reiflicher Überlegung in die Lehre der Fremde gegeben, dann sähe alles anders aus. So aber geschah zum erstenmal nicht sein Wille, sondern der Wille des ältesten Sohnes. Warum hatte er nicht wenigstens im letzten Augenblick ein Machtwort gesprochen und Placidos Absicht verbessert? Nicht Brasilien, sondern Argentinien! Mehr Zivilisation, eine bessere italienische Kolonie, das gesündere Klima, kurz eine standesgemäßere und hoffnungsreichere Zuflucht für seine Söhne. Standesgemäß? War er selbst noch standesgemäß? War er nicht ein betrügerischer Bankrotteur? Der Hund Battefiori hatte sich schon allzulange in Sicherheit gebracht. Niemand würde mehr die Wahrheit glauben. Wie seit vielen Wochen in jeder Stunde des Tages und der Nacht senkte es sich unentrinnbar auf seinen Geist. Er durchlebte das Gefühl eines Menschen, der geknebelt im Liftschacht liegt, und von oben naht langsam der Fahrstuhl, um ihn rettungslos zu erdrücken. In der Schreibtischlade seines Studio lag seit drei Tagen ein Revolver. Freilich nur ein Ornament seiner Verzweiflung. Don Domenico war nicht der Mann, die Waffe gegen seine Stirn zu richten, auch im letzten Zusammenbruch nicht. Trotzdem mußte er jetzt immer wieder an seine gefährliche Erwerbung denken. Als er aber eine halbe Stunde später den Schlüssel in der Wohnungstür knirschen ließ, war sein Herz von nichts anderem schwer als vom nahenden Abschied.

Die Mahlzeit verlief ohne jedes außergewöhnliche Merkzeichen. Sie saßen alle um den Tisch in der festgesetzten Ordnung, rechts von Papa Annunziata, links Grazia, neben Annunziata Iride, Lauro neben Grazia, an Irides Seite Ruggiero und am anderen Ende der Tafel, dem Vater gegenüber, Placido. Auch das Gespräch unterschied sich von keinem der Tischgespräche eh und je, auf Frage und Hinweis des Herrn wartend. Giuseppe trug ernst wie sonst die Speisen auf. Wenn er den Brüdern servierte, blickte er ausdrucksvoll über sie hinweg: Was sind das für Söhne, die sich in schwieriger Zeit aus dem Staub machen, die ihren kämpfenden Vater verlassen und ihre schutzlosen Schwestern?

Nachher blieb man nicht um den großen Tisch sitzen, sondern begab sich in den Salotto, in welcher Ausnahme doch eine gewisse Feierlichkeit festgestellt werden muß. Niemand aber öffnete das Klavier, niemand entzündete die Paradekerzen, Ruggiero wurde nicht entsandt, die Türen zu versperren. Papas Gesang schien einer glücklichen, doch längst verlorenen Sagenzeit anzugehören. Aufmerksam beobachtete Lauros Kontrabaß, fast menschlich sensibel ans Klavier gelehnt, die verhaltene Abschiedsstunde der Pascarellas.

Sie setzten sich im Kreis um den Vater. Dieser hob an, den scheidenden Söhnen einige Lehren mit auf den Weg zu geben. Sein Gesetz sollte ihnen überallhin in die Welt folgen. Aber sei es, daß er in dieser Stunde nicht predigen wollte, sei es, daß ihm selbst sehr merkwürdig zumute war, er beschränkte sich in seinen Weisungen nur auf die körperlichen Regeln des Gesetzes, ohne die höhere Moral zu berühren. Die Söhne wurden aufgefordert, an keinem Morgen die kalte Waschung des ganzen Körpers zu verabsäumen, wie sie es von erster Kindheit nach des Vaters Gebot immer gehalten hatten. Sie sollten auch die täglichen Leibesübungen nicht vergessen und so der Gesundheit immer eingedenk bleiben, die nur die Kehrseite der Reinheit und der Ehre sei. Er mahnte:

»Schreibet uns, so oft ihr nur könnt, damit die Familie nicht auseinanderfällt. Schreibet mir und euren Schwestern!«

»Ja, Papa.«

Drei Stimmen und der alte Klang.

Nun folgten einige schwere Minuten. Wie gerne hätten sie sich alle berührt, umarmt, gestreichelt! Denn dieses jetzt war der Abschied. Doch in Gegenwart Papas war jede Gefühlsäußerung ausgeschlossen. Und zog es sie nicht auch zu ihm, wenngleich nur mit keusch abgewandtem Gesicht? War er nicht der gewaltige Mittelpunkt ihres Lebens, tagaus und tagein, seit ihrem ersten Erwachen? Oh, das vertraut unnahbare Gesicht, hatten, und jedesmal schlug das Herz vor Freude und Bängnis zugleich! Nun werden die Söhne die Musik des Schlüssels nur mehr im Traume vernehmen. Alle sechs sahen einsam vor sich hin. Zwischen ihnen untereinander und zwischen jedem und Papa stand undurchdringlich die alte Vaterfurcht. Nur Placido erhob sich, als wolle er endlich den Bann durchbrechen. Aber er tat es nicht und zog sich zur Wand zurück.

Auch Don Domenico trug schwer an der Last dieser Minuten, ohne daß seine Kinder etwas davon merkten. Ein eigentümliches Verlangen, jemand möge seine Hand sich an die Wange drücken, wandelte ihn an. Er gab natürlich diesem Weichmut in keiner Weise nach, sondern erwog, ob er die drei Geldcouverts, die er bei sich trug, den Söhnen jetzt aushändigen solle. Er hatte jedem von ihnen eine mäßige Barschaft für die ersten Tage in Brasilien zugedacht. So klein die Summe auch war, sie bedeutete ein beträchtliches Opfer, da Papa jedes Kupferstück zur Rettung seines Geschäftes verwenden mußte. Nach kurzer Besinnung entschloß er sich aber, das Geld den Brüdern erst am nächsten Morgen zu übergeben. Kein Ton des Dankes sollte die Neige dieses Abends stören. Anstatt dessen zog er seine Zigarrentasche und bot der Reihe nach Placido, Lauro und Ruggiero eine Toscana an. Toscana heißen die wohlfeilsten Zigarren Italiens, schwarze knorrige Wurzeln, die man in der Mitte entzwei schneidet. Um den inneren Sinn dieses Vorganges zu verstehn, muß man bedenken, daß die jungen Leute noch niemals in Papas Gegenwart geraucht hatten. Ohne daß darauf eine ausdrückliche Verfemung lag, verbot es die Scheu. Durch die dargebotene Toscana erkannte der Vater die männliche Gleichberechtigung der Söhne symbolisch an und verlieh ihnen damit Freiheit und Selbstbestimmung. Mit feierlich-verlegenen Fingern nahmen sie die Zigarren aus Papas Tasche, Placido, der niemals rauchte, und die beiden anderen, die mäßige Zigarettenraucher waren. Als letzter steckte mit tiefem Ernste Papa die schwärzeste Toscana in den Mund. Iride lief mit dem brennenden Wachsflämmchen von einem zum andern, erst zu Papa, dann zu Ruggiero, dann zu Placido. Als die Reihe an Lauro kam, war das kleine Feuer natürlich erloschen. Er mußte sich seine Toscana selbst in Brand setzen.

 

Der eigentliche Abschied am Morgen verlief hastig und gefühlsarm, was ja bei derartigen Anlässen nicht verwunderlich, sondern nur die Regel ist. Ehe man den Hafenquai betreten durfte, waren eine Unzahl von Formalitäten zu erledigen oder, richtiger gesagt, jene Fülle von Erniedrigungen zu erdulden, welchen der moderne Staat seine Bürger unterwirft, wenn sie ihn verlassen. Die Pässe wurden von grausamen Monturgesichtern kontrolliert und abermals kontrolliert, das Gepäck revidiert und abermals revidiert, und als sich die Jünglinge zu guter Letzt wegen Waffen und andrer Konterbande der Leibesvisitation fügen mußten, da bebte Don Domenico vor gerechter Empörung. So wenig er an der höchsten Gültigkeit der patria potestas, der eigenen Vatergewalt, zweifelte, so sehr erbitterte ihn die angemaßte Gewalt des Staates. Nachdem man endlich dieses gut geheizte Fegefeuer passiert hatte, ergriff jeder Bruder seinen Koffer, um den großen Dampfer zu besteigen, der von hundert Passagieren, Seeleuten, Arbeitern und Trägern umsurrt war wie von Fliegen. Wie sehr sich die Brüder auch wehrten, ließ es sich doch keine der Schwestern nehmen, den Handgriff des entsprechenden Koffers anzufassen und so zum Scheine wenigstens die Last mitzutragen. (Es waren altertümlich strohgeflochtene Gepäckstücke, seit Jahrzehnten müßig im Hause aufbewahrt, denn Don Domenico war kein Freund des Reisens.) Vor der Schiffstreppe gab es eine kleine Aufregung. Giuseppe war noch nicht da. Der Diener hatte darauf bestanden, daß seine Person dem Abschied der Söhne, zu deren Überwachung er sich eingesetzt fühlte, zugezogen werde. Zu diesem Zwecke hatte er sich in aller Frühe schon zwei leichterer Objekte bemächtigt, um einen (wenn auch nur formalen) Grund zu haben, die Seefahrer an Bord zu begleiten. Es war Ruggieros dünner Paletot und Lauros Necessaire, ein Geschenk Annunziatas von vorigem Jahr. Nach einer nervösen Weile sah man endlich Giuseppe im ruhigen Paß dem Schiff nahen. Den Mantel trug er über die linke Schulter geworfen, während der rechte Arm mit der kleinen Kassette tief herabhing, als habe er in Erfüllung seiner Berufspflicht nicht übel zu schleppen. Giuseppes Funktionärsaugen umfaßten die Familie, den Dampfer und das ganze keuchende Getriebe mit dem kühlen Bewußtsein: Keine Überstürzung! Ohne mich kann es nicht losgehn.

Rasch nun hinauf!

Auf Deck wurde alles noch weit schlimmer. Man zwängte sich in einer dicken Menschenschlange, man erhielt Tritte und Stöße, man wurde getrennt. Instinktiv zog es die Pascarellas dorthin, wo es am schönsten und vornehmsten war. Der Obersteward trat ihnen vertraulich lächelnd entgegen:

»Welche Kabinennummern haben die Herrschaften?«

Ruggiero zeigte die Tickets. Der Obersteward bekam einen rot-brutalen Kopf vor Ärger und fuhr die Familie an:

»Zwischendeck! Was suchen Sie hier?! Unerhört! Schauen Sie, daß Sie fortkommen!«

Don Domenico fand keine Möglichkeit mehr, den frechen Burschen, der schon vor anderen Fahrgästen dienerte, in den Boden zu donnern. In Ermangelung des Unverschämten kanzelte er seine Kinder ab:

»Steht nicht so dumm da!«

Neue Wirbel von Passagieren. Achtung, Achtung! Gepäcksberge. Die Pascarellas verirrten sich. Sie kamen von den üppigen Räumlichkeiten der Klasse, die ihnen nicht gebührte, nicht los, wie verzweifelt sie auch den Ausweg suchten. Überall trat ihnen »die Feindschaft der Welt« entgegen. Insbesondere, als ein paar rohe Matrosenarme sie vorwärts schoben und aus den gedämpften Hallen und Gängen des Luxusreiches an die laute Luft beförderten.

Das Zwischendeck lag im Vorderschiff, wo es stank, wo hunderte Fässer und Kisten aufgestapelt waren, wo in Holzkäfige gepreßte Tiere mit wortnahen Jammertönen ihr Schicksal beklagten. Durch eine schwarze Luke wurde das Auswanderervolk in den Schiffsbauch gestopft. Allerlei Rassen, auch Zigeuner. Dem Hauptteil nach jedoch Italiener. Verkrachte Bauern, Erntearbeiter, schreiende Weiber mit weißen Bündeln, man wußte nicht, ob Habseligkeiten drin steckten oder Säuglinge.

Auch die Söhne Don Domenicos mußten sich durch die Luke bequemen, um ihre Schlafplätze kennenzulernen und ihre Koffer zu verstauen. Sie entschwanden dem Vater und seinen Töchtern. Ein rätselhaft rascher Akt der Deklassierung begab sich. Die Welt des niedersten Volkes, der Umkreis der Elenden verschluckte die drei wohlgehaltenen Jünglinge und entfremdete sie unheimlich den Ihrigen. Dazu kam die lähmende Apathie des Abschieds. Sie standen dann alle schlaff umher und fühlten nichts als ihren Magen. Weder Grazia noch Annunziata weinten bei der letzten Umarmung. Nur Iride schluchzte ein wenig. Doch es war eher ein mühsamer Tränenversuch als ein echter Schmerzlaut.

Zum zweitenmal dröhnte die Sirene. Es mußte sein. Carabinieri trieben alle von Bord, die nicht hierher gehörten. Ruggiero stürzte sich auf Papas Hand. Dann Lauro. Als aber Placido sich zum Kusse vorbeugte, zog der Vater seine Rechte zurück. So kam es nur zu einem kurzen Händedruck zwischen ihnen.

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