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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Albrun aufwuchs

Albrun ward das Kind genannt, und es schien, als sei sie wahrlich ein Albenkind. Groß war sie und stark, aber häßlich wie Hel und niemals war sie daheim zu finden.

Sie schlich sich mit Grim, Ketils kleinem Sohn, bis zu dem starken Gehöft, das die Weißröcke erbaut hatten, und schoß den Kühen Dornpfeile ins volle Euter, daß sie toll vor Schmerz aufs Bebemoor hinausrasten.

Sie saß mit Grim droben am Hausgiebel, und kam einer der Mönche, die nun wie weiße Raupen durchs Land wimmelten, vorbei, so warfen sie ihm Steine auf den geschorenen Schädel.

Damals gab es schon manche Männer im Land, die, des ewigen Streites müde, scheinbar sich fügten und ihre Knaben taufen ließen, obgleich sie sie später im Glauben an die Götter aufzogen. Als aber Olaus einst ins Weihwasserbecken griff, Thorkilds Sohn zu begießen, da zog er schleunig seine Hand zurück, denn es war voll von rotem Roßblut.

Einer der Schwertmänner erfaßte Grim, den Übeltäter, noch an seinem langen Haar, da er davon schleichen wollte. Da sprang das Kind Albrun hinzu und fuhr ihm in die Augen, daß er ablassen mußte. Die Langröcke ritten nach Engihlid und führten zornig Klage. Aber Gjöld lachte über ihr ganzes Gesicht, da sie Albruns neuen Streich vernahm, und Hjörleif sagte still, wie es seine Art war: »Spindeln stehen der Mutter zu!« Damit ging er aus der Halle, und die Kuttenmänner mußten knirschend abziehen. Doch es wäre dies unwahr zu sagen, daß er das Kind wahrlich nur der Mutter überließ. Denn niemals ward ein Knabe besser geschult im Waffenwerk als Albrun, die ein Weib war. Sie war Grim, Ketils Sohn, in allem voraus und stärker selbst als ältere Knaben; zwischen ihr aber und Atli, dem Sohn, den der weiße Gott dem Goden Asbjörn gegeben hatte, war Feindschaft von Anbeginn und über alle Maßen.

Je weiter die Duldung ging, die gegen die Weißröcke geübt wurde, desto frecher wurden sie und desto unleidlicher. Es war jedoch Olaus, gerecht besehen, kein schlechter Mann, in Verträgen verläßlich und gütig gegen Kranke und Knechte, solange es nicht wider seinen Gott ging.

Einen der Mönche liebten die Kinder sehr und sie folgten Floke in großen Schwärmen. Unter den vielen Mönchen aber, die später nach Eisland kamen, waren tückische und schlechte Männer. Der Ärgsten einer, von dem man wußte, daß er es immer mit Lappenmägden gehalten hatte, der wagte es und tat Asny, Gjölds Schwester, die schon verlobt war, Schande an.

Da kam Hjörleif Zwölfkraft zu dem Goden Asbjörn und verlangte, er solle mit ihm nach Hegranäs reiten, daß er nach Recht den Schurken richte.

Asbjörn aber sagte nicht nein und nicht ja und wand sich wie ein Wurm und wollte die Verantwortung nicht tragen. Sagte Hjörleif: »Kann ich nicht Recht finden, so find' ich wohl Gewalt!« und er ließ sein Schwert Sippeknauf von Hof zu Hof gehen. Schwertbote war Glum der Skalde, und was er sprach, war so, daß kein Mann am Langfeuer zurückblieb.

Als sie nach Engihlid kamen, da stand Albrun an der Türe und sah nach ihnen aus, und sie hielt ein schartiges, altes Schwert in Händen.

Lachte Glum: »Was willst du mit diesem Bratspieß, Albrun?«

»Wahr sprichst du, denn dieser Spieß wird vor Abend noch manchen guten Braten für Würmer bereiten!« gab sie zur Antwort.

Hjörleif kam heraus und schalt, sie müsse daheim bleiben. Sagte Gjöld: »Nichts Schlechtes find' ich dabei, daß Albrun sieht, wie Mönche sterben. Und vielleicht kann es dir von Nutzen sein, wenn bei dir sind, die dich lieben, denn ich habe schwer geträumt heute Nacht!«

So stieg Albrun mit den Männern zu Roß und ritt nach Hegranäs, zu sehen, wie Mönche sterben.

 

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