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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 69
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie sie auf Skliodstadir warteten

Es war dieser Tag, der nun heranbrach, so milde, als solle der Sommer wiederkehren, und seit der Greise Gedenken war so warme Herbstsonne nie gesehen worden.

Auf Skliodstadir, Kormaks des Lahmen Hof, war ein Kommen und Gehen. Es wurden frische Rosse gesattelt und schaumbedeckte im Hofe umhergeführt, und Boten trabten aus dem Tore nach allen Seiten.

Aus der Halle waren alle Methörner und Becher verschwunden, und die Weiber hatten die goldenen Armreifen abgetan, die ihrer Männer Morgengabe waren.

Immer höher stieg die Sonne, immer noch wuchs die Schwüle an. Kein besseres Wetter hätte man wünschen mögen, das letzte Heu einzufahren. Aber in Feiertagkleidern saßen die Männer umher und schauten in ihre leeren, harten Hände.

Manchmal ging einer zur Fensterluke und starrte hinaus. Aber seinen Augen sah man es an, daß er anderes schaute als den Hof und die Hunde, die in der Sonne sich brieten.

Es war etwas in der Luft, als rücke die Stunde nicht mehr vorwärts, nun, da alle die Boten fort waren.

Die Kinder schrien nicht. Die Alten lagen still in getürmten Betten, und wenn einer das Schweigen nicht länger ertrug und zur Türe trat, um den Nachbar heimzusuchen, da kehrte er doch um, noch ehe er den Türgriff niedergedrückt hatte, setzte sich von neuem und sah in seine leeren, harten Hände hinab. Die Sonne sank, und Dämmerung kroch durch die Fensterluken, aber immer noch war es, als hielte jemand draußen den großen Atem an.

Das Dunkel füllte Kormaks Stube, als ströme es langsam ein, und die Menschen saßen gebückt in den Ecken.

Just als Eyvind die Stille wie schwarzes Wasser bis in die Kehle stieg und ihm war, als müsse er schreien oder weinen oder singen, nur um einen Laut zu hören, nur um zu wissen, daß nicht er es war, der zollweis an allen Gliedern starb, da erhob sich Mutter Thorodd leis von Flits Lager und schlug Feuer an.

Im Augenblick aber, da die blaue Flamme hervorschlug, fuhr ein Sturmstoß ums Haus, mitten in brütender Stille, und des Hauses Tür flog breit auf, daß das Feuer in Thorodds Hand aufloderte und erlosch.

Zugleich schütterten alle Waffen, die an den Wänden hingen.

Da ließ Thorodd die Steine polternd zu Boden fallen, sie setzte sich und zog schweigend ihr Gewand über ihr Gesicht.

Kormak aber stand langsam auf und sagte: »So ist es also an dem, daß Half Seekönig gestorben ist!«

Da fuhr Eyvind empor und warf sich durch die offene Tür, – er hörte nicht die Rufe, er rannte über die Heide hin, den jähen, heißen, rasenden Sturm in Gewand und Herzen.

 

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