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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 63
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Die »grosse Brenna«

Am Morgen war Gnupr ein stolzer Hof gewesen, mit ragender Halle, mit Brauhaus und Gesindehaus, mit Kuhställen und Pferdeställen, mit Kellern voll Skyr und Met und Kammern voller Fleisch und Rauchlachs, die nicht leer geworden waren, als zweihundert gute Männer tafelten! – –

Da der Abend anbrach, war da nur mehr ein Schutthaufen zu sehen und ein Leichenfeld, denn die große Brenna war über Gnupr hinweggegangen. Von dreihundert und fünfzig Mannen, die Eirik nach Gnupr gefolgt waren, lagen nun mehr denn die Hälfte im Hof. Still ruhten die Kreuzmannen, aber es kam kein Wundertäter Christ, sie aufzuwecken.

Doch auch derer, die in dieser einzigen Nacht Glums Lied gelauscht hatten, waren nun viele, deren Ohren jedem andern Laut verschlossen blieben als dem Zuruf der Einheriar, die zu Walhall die neuen Genossen grüßten. Der Eisländer Leichen lagen in Haufen weithin am Dornbuschzaun. In der Halle aber, die nun als Schutthaufen glomm, hatten sie sich endlich so furchtbar verteidigt, daß Eirik keine andere Hilfe mehr wußte denn die »große Brenna«. Und sicherlich hätten alle ruhmlos auf Gnupr ihr Ende erlebt, in dem Half die Flammen singen hörte, wie sie um Sigrdryfa einst zu Engihlid sangen. Als aber der Schein von Gnuprs Brande weithin den Abendhimmel färbte, da kamen endlich die Männer von der Rabenkluft geritten, vom Mückensee und von Ljösavatn, die den weitesten Weg hatten, und es waren ihrer wohl weit über hundert gute Kämpfer und Knechte. Sie ritten auf Gnupr ein, so schnell ihre schweren, nordländischen Rosse tragen konnten, und warfen sich frischen Mutes in die Schlacht. Es blieben aber jene im Flammenhaus nicht müßig dabei, und Eirik ward Schritt um Schritt zurückgeschlagen, und Leichenhügel waren die Merksteine am Wege seiner Flucht, weit über den zerstampften Dornbuschzaun hinaus, über Gnuprheide hin.

Die Retter aber räumten in Hast die Balken und Steine zur Seite, mit denen nach der »großen Brenna« Brauch Eirik die Tore von außen verrammelt hatte, Ausfall und Flucht zu hindern, und sie holten die Helden aus Rauch und Lohe hervor.

Glum hatte die Eingeschlossenen gelehrt, Linnentücher vor den Mund zu binden und das Innere ihrer Pelze nach außen zu kehren. So hatten sie Flammen und Feinden getrotzt, die Kreuzmannen zu immer neuem Ansturm verlockend in das Bereich ihrer Pfeile und Speere. Nun lagen sie auf dem blutigen Grund nach Luft schnappend, wie gefangene Fische, und die Retter traten die Flamme aus in ihren Gewändern und brachten ihnen Wasser, die Zunge zu letzen und ihre Gesichter zu waschen, denn sie waren alle schwarz vom Rauch und Ruß wie Muhmad Alis Helmannen. Kaum aber hatte Half einen Atemzug frischer Luft getan, als er auf die Füße sprang.

»Zu Schiff, zu Schiff!«

Rief Hliot zornig und schnitt mit dem Schwert seines Bartes versengte Enden ab: »Rast Half oder was kommt ihm bei, daß er unsre toten Knochen zum Odhinsstrand hetzen will?«

Sprach Glum: »Wahr spricht Half, und sicherlich gelüstet es Eirik nach unsern Schätzen, die lang schon Rans Töchtern lieb sind. Wir müssen an Bord, ehe er das Schiff nimmt!«

»Nein!«, sprach Half, »Schiffbrand für Hofbrand. Wir müssen an Bord, um nach Rauchbucht zu fahren und die Flammen in Eiriks Langschiffe zu werfen! Unser Gefangener auf Eisland ist er dann, und dies ist gute Brenna!«

Da jubelten sie alle, nur die von Rauchbucht zögerten. Sie hatten Eiriks Hand stets am härtesten verspürt und fürchteten, daß bei dem Kampf um die Königsschiffe auch auf ihren Gehöften die »Brenna« einkehren könne, die auf Gnupr böser Gast gewesen.

Sie sagten: es sei ihnen unmöglich, weiter mit Half zu gehen. Sie wären gerne seinem Ruf gefolgt und hätten gegen Eirik gefochten wie alle, nun aber dünke es sie besser, heim zu gehen und Frieden zu halten. Es sei nun Fischzeit, und des Meeres Silber sei der einzige Schatz derer, die nicht gleich andern auf Wiking führen!

Sprach Önund von Orliggstadir: »Besser dünkt's mich, Eirik zu fangen als den Herbstfisch! Nicht umsonst will ich von Orliggstadir geritten sein bis nach Gnupr. Jetzt erst beginnt der Spaß! Und um euch gehts wie um uns alle!«

Da schwiegen, die widerredet hatten, und Half begann im Dunkel, die Kämpfer beim Namen aufzurufen, aber seltene Antwort bekam er. Denn von zweihundert guten Männern, die gestern Met auf Gnupr tranken, hatte die »große Brenna« nur siebenundachtzig übrig gelassen. Als man beim Schein von Fackeln, die an Gnuprs Brand entzündet waren, die Rosse saufen ließ vor dem neuen Ritt, da trat Half eilig zu Sighvat und sprach: »Du reitest sogleich zu Kormaks des Lahmen Hof und bringst Thorodd diesen Ring. Grüß sie und melde, sie möge uns Männern Mundvorrat richten. Aber es ist nicht gesagt, daß du deine Mähre zu Tod hetzen mögest!«

Sprach Sighvat mit blassen Wangen: »Half! Hab ich dir was zu Unrecht getan, daß du mich jetzt noch von dir sendest?«

Lachte Half: »Töricht redest du. Sollen wir morgen Abend Hungers sterben, wenn die Schlacht uns leben ließ?«

Aber Sighvat sah ihm starr ins Gesicht und schüttelte nur die Locken.

Sprach Half langsam: »So will ich dir sagen, daß ich dich habe sparen wollen, der du mir ein Sohn warst, ob auch unalt meine Jahre sind.

Denn ich bin so gut wie ein toter Mann, da ich in der letzten Nacht dreimal den Walstatträuber mein Ende einheulen hörte.«

Sagte Sighvat, und es zuckte um seinen Mund:

»Half! Half! Wähnst du, ich hätte mich für totgefeit gehalten damals, da ich zu Eireann dir folgte?«

Half wandte sich ab und schwang sich auf einen mächtigen Braunen und sprach nichts andres als: »So gib mir deinen Schild!« Da tat Sighvat einen Schrei, der halb Jauchzen, halb Schluchzen war, reichte Half seinen Schild aufs Roß und hing sich mit der nun freien Linken an des Braunen Mähne.

Und so wie er begannen die andern Läufer den langen leichten Trab, neben dem schweren Tritt der nordländischen Rosse.

 

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