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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 62
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Half und Eirik Blödöx sich wieder begegneten

Eirik Blödöx hielt mitten im Hof auf seinem großen schwarzen Roß, da Half als Erster aus dem Hause brach. Da war keiner, der es Eirik gewehrt hatte unter den Männern, die von Örliggstadir und von Mövenhalde hergekommen waren, ihn zu töten.

Seine Königin, die ihm überall hin folgte, obzwar sie mit einem Kinde ging, Gunhilt, die wilde Dänin, ritt neben ihm.

Seine Mannen reihten sich, Roß neben Roß und Speer neben Speer, Gnupr umfriedend wie eine lebende Mauer.

Half hielt seine ausgebreiteten Arme wie einen Sperrbalken vor den Torbogen des Hauses, und er und der König maßen einander.

König Eirik war nicht umsonst der Sohn Haralds von Norge. Er war schön, wie die bleichen Alben schön sind, und stark war die Hand, die den Bruder Björn Farmand erschlagen hatte. Schwarz standen die buschigen Brauen über den Augen, die in kalter Neugier Half abschätzten, seine Stärke, seinen Stolz, den Trotz, der von ihm zu erwarten war. Aber Half war so im Ebenmaß gebaut, daß man ihm nicht die Kraft vom Oberarm ablas wie andern Männern. Und es war keinerlei Ähnlichkeit zwischen dem bleichen Landgänger von Hlade, der Atlis Tod gefordert hatte, und diesem Helden in goldener Brünne, so daß Eirik ihn nicht erkannte. Der König lächelte. Das Lächeln ging wie ein Streif bleicher Märzsonne über den Mund, aber die Augen lagen in winterlichem Schatten.

Dann schweifte der Blick ab, als kenne er Half genug, und der Opferstein war es, daran er nun hing. Mutter Thorodd warf in Hast ihr Schultertuch darüber, aber Eirik hatte wohl das Blut, das in der Mulde stand, gesehen, das Beil und das Messer, und Eyvind schämte sich für seine Mutter.

Eirik Blödöx richtete sich auf dem Rosse auf und sprach, den Blick fest auf Half gerichtet, mit einer Stimme, die wie Frostwind schnitt:

»Zum ersten ist es große Freude deinem König, Half Hjörleifsohn, den sie »das Weib« nennen, dich bei deiner Heimkehr zu begrüßen. Gestern Abend war's, daß du einen Boten an mich sandtest. Du siehst, ich komme mit Eile herbei, dich zu ehren!

Zum zweiten freut es deinen König, daß du sogleich den getreuesten Bekehrten des Landes dich anschlossest. Denn wo Kormak zugegen ist und Thorgeyr, Guthorm, Svart und die andern sechzehn Eidhelfer, die ich hier sehe, da mag man geruhig seines Schwurfingers erstes Glied dafür verwetten, daß es nach echtem, beeidetem, christlichem Brauche zugehe!

Zum dritten freut es deinen König, daß du von deiner Wiking soviel des Goldes heimbrachtest, wie berichtet wird, daß es dein Schiff zum Übermaß erfülle. Und da ich dich nun als all dieser guten Christen Gesellen sehe, so lese ich auch in deinem Herzen den Wunsch, die Taufe zu empfangen wie jene und ein goldenes Kreuz zu errichten an Stelle dessen, das gestern versehentlich zu Schaden kam.«

Da lachte Half laut auf und gab stolze Widerrede: »Zum Ersten, Eirik Haraldssohn, den sie Blutaxt nennen, bist du nicht mein König, noch irgend eines Mannes oder eines Knechtes oder eines Lavablocks und Heidekrautbüschels zu Eisland!

Zum Zweiten nenne ich dich einen Neiding und Landfriedenbrecher, der du freien Männern Knechtseide abpressest zwischen Tod und Leben.

Zum Dritten, Eirik Blutaxt, war es Gyridh, die Metze, die zu Lundres meine Schätze sah! Niemals aber wird dies Gold, das sie schaute und dir verriet, deinem weißen Gotte geschätzt werden, und ich wollte, du selber lägest dort, wo es bewahrt ist!

Will dir aber nicht gefallen, was ich rede, so soll mein Schwert dem deinen besser Rede stehen!« Half wußte, daß Glum einer Frist bedurfte, um Mutter Thorodd und die Mägde in Sicherheit zu bringen; dies war, warum er so lange redete. Es kam nun aber die böseste Stunde für Eyvind, da er dem Vater gehorchen und mit den Weibern und dem kostbarsten Hausrat zu Kormak des Lahmen Hof flüchten mußte, statt im Männerkampf zu stehen. Als Half nun Jökulsnaut hob, schwang auch Eirik seine Axt, doch fiel Gunhilt ihm in den Arm.

»Gedenke der Iren!« sagte die Königin. »Wahrlich!« sprach der König, »sei der Himmel davor, daß ich ein getauftes Haupt in Gefahr brächte. Es ward mir Kunde, daß sieben gute Christen mit dir zu Lundres weilten, fromme Iren, die du verlocktest! Nicht wider sie soll Feindschaft sich erheben, ich will sie sicher entlassen nach Eireann!«

Da wandte Half sich rasch und froh: »Diese sind es!« Und er deutete mit Freuden nach Sighvat und den Seinen.

Sighvat aber stürzte vor, fauchend und wütig wie ein Luchs. Das Hemde stand ihm offen auf der Brust, und Half sah, daß das Kreuz von Bein fehlte. Der Ire zischte den König an, ohne nach Half zu sehen: »Lüge ist dies! Wir glauben an Asa-Thorr und haben heute Nacht Roßfleisch gegessen und Roßblut getrunken wie alle andern!«

Und da er so sprach, nickte Spes grinsend und die fünf andern Iren nickten mit.

Schrie Half und verhielt Sighvat den roten Mund: »Glaub ihm nicht, Herr König! Solange er mit mir fuhr, hab' ichs nie anders gesehen, als daß er treu zum Kreuze gehalten!« Da rief Sighvat zornig: »So will ich Dir weisen, zu wem ich nun halte!« Und er warf seinen Frankenspeer nach Eirik und traf ihn an der linken Schulter.

Gunhilts Schrei erscholl. Das Blut sprudelte hervor und rann Eirik über den Schildarm. Doch war es nur eine Fleischwunde, die er erlitt. Half sah Sighvat mit leuchtendem Blick ins Antlitz. Aber es war nicht an der Zeit, Freundeswort zu tauschen. Denn schon waren die Königsmannen von den Rossen gesprungen, und der Kampf begann.

 

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