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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 59
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Eiriks Mannen die Heimfahrenden grüssten

Und sie fuhren an Eislands Küste hinan mit Weinen und Gelächter. Auch die Iren hatten feuchte Augen und gedachten der grünen Küste daheim. Es hatten aber Half und Sighvat vom Abschiednehmen geschwiegen, seit sie Lundres verlassen hatten.

Als die Sonne von neuem im Westen stand, da sahen sie hoch und drohend das weiße Kreuz am Odhinsstrand gen Himmel ragen und sie fluchten ihm, weil es fremder Willkür Zeichen, und sie segneten es, weil es der Heimat Zeichen war.

Als sie aber den Fuß an Land setzten, auf Eislands karge, heilige Erde, da kamen Männer geritten, die waren voll gewaffnet und trugen ein goldenes Kreuz auf ihren Helmen.

Sie senkten die Speere und versperrten den Halfsmannen den Weg.

»Widersagt ist es Fremden, an Land zu gehen!« sprach barsch der erste Reiter.

Glum antwortete freundlich: »Wir sind nicht Fremde, guter Mann, wir sind Eisländer, die nach langer Wiking sich der Heimat freuen!«

Wiederholte der Reiter: »Es ist widersagt, ans Land zu gehen, ehe der König nach gutem Willen freies Geleit gegeben!«

Da sprang Half zu und rief:

»Allzulange müssen wir fern geblieben sein, Gefährten, denn nie haben wir gehört, daß Eisland einen König gewählt hätte!«

Es ward dem Fremden nicht wohl ums Herz, da er Halfs flammendes Antlitz schaute, und zugleich zupfte ihn ein andrer am Gewand und deutete heimlich auf das Kreuz von Bein, das Sighvat vom Halse hing.

Sagte der Mann und sprang vom Pferde:

»Wenn ihr wahrlich Christen und liebe Brüder seid, dann willkommen im Lande. Weiset euren rechten Glauben, kniet vor dem Kreuze dort und gehet hin, unbeschadet und ungekränkt! Doch seid ihr Heiden und Roßfleischfresser, so haben wir derer nur allzuviel, und König Eirik will sie nicht im Lande!«

Da wurden Halfs Augen schwarz wie gewitterndes Meer. »Will er nicht?« rief er. »So werd' ich ihm meinen Glauben weisen!« Er stieg auf den Hügel, auf dem das Kreuz zwischen Lavablöcken aufgerichtet stand, faßte zu und riß es mit einem einzigen Ruck empor. Dann hob er das Kreuz hoch und schmetterte es den Abhang hinab, daß es unten auf den Klippen zerschellte. Da stürzten die Eiriksmannen mit Wutgeheul ihm nach, aber Jökulsnaut gab ihnen guten Empfang, und die Halfsmannen beglichen glatte Rechnung.

Nur einen Boten ließ Half am Leben, Eirik Blödöx zu melden, was er gesehen hatte.

 

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