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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Aukkos Spruch wahr ward und sie arm heimkehrten

Sobald sie den Faröern den Rücken wandten, streckte der Sturmriese von neuem nach ihnen die rauhen Hände aus und warf sie wie einen Ball von der Rechten zur Linken. Ärger noch war es als damals, da sie nach Scotland verschlagen wurden, ob auch Glum nun die Richtung kannte und unverrückt das Steuer hielt.

Sagte der Skalde: »Allzuklein ist unser Schiff für soviel Ballast und so viele Männer!« Der Sturm stieg und stieg mit Macht, und »Meerschwan« wirbelte wie ein Kreisel auf dem Wasser.

Sprach Half: »Es ist nicht mehr als ein Schild und ein Schwert, dessen der Mann bedarf!« Er holte das Gold, die Tierzähne und Gewaffen herbei, die ihm die Gefährten von ihrer eignen Beute aufgedrängt hatten und schüttete Schildvoll um Schildvoll ins Meer.

Da stand Sighvat auf und lachte: »Ein Weib sollte dies Gold mir erwerben und ein Kreuz für die Kirche zu Develin! Aber auf neuer Fahrt erring' ich wohl der Schätze noch mehr, Christ zu ehren, und Küsse erzwing' ich mir selber!«

Er warf all seinen Reichtum hinab in die rauschende Flut.

Der alte Knecht stand auf, der angesichts des Eilands Sikilei so sehr die Heimat ersehnt hatte. »Und bringt dies Opfer uns auch nur einen Tag früher heim, – so scheint der Lohn mir hoch und der Preis gering.«

Da sprangen sie alle zugleich empor, daß das Schiff schwankte und sich überneigte, und »Eisland! Eisland!« riefen sie alle zugleich und warfen all ihren Reichtum ins Wasser. Die kleine Hütte, das Ackerfeld, Kühe und Pferde und die Ochsen vor dem Pflug, – alles fraßen die gierigen Wogen.

Nur Hliot kauerte abgekehrt und rang mit sich und seinem Stolz und konnte es nicht dahingehen.

Da ging Glum zu ihm und legte seinem Sohne stumm die Hand auf die Schulter.

Sprach Hliot: »Ihr habt leichten Handel, euch zwingt kein Gelübd. Schmach aber deckt den Mann, der den Jul-Eid unerfüllt läßt!« Glum sprach lächelnd: »Ich weiß nur, Hliot, daß du schworst, so viel des Goldes heimzubringen, als Grims Kebse an Land zu tragen vermöge. Wie aber solltest du dein Gelübd erfüllen, da über Aukko längst der Hügel sich wölbt an Iberiens Küste?« Da lachte Hliot auf, und »Eisland!« rief auch er, und gab dem Meer, was er so lange gespart hatte.

Wie ein Roß, das des Reiters Last abgeschüttelt hat, hob sich das Schiff. Sie fuhren dahin durch Abend und Nacht und Morgen, und endlich ward der Sturm des Brausens müde und legte sich, um auszuruhen.

Glum hielt die Hand über die Augen und spähte lang aus, dorthin, wo das grauwogige Meer eins ward mit dem grauen Wolkenhimmel.

Er rief Sighvat heran und seine Hand umklammerte dessen Arm, da er sprach: »Meine schlaflosen Augen schmerzen, daß ich blind bin und nicht gewahren kann, was ich suche! Sage mir du, der du des Seeadlers Blick hast: siehst du etwas zwischen Himmel und Wasser?« Antwortete Sighvat: »Ich sehe nichts, Vater, nur ein winziges Pünktchen, dort drüben fern zur Rechten!«

Da lachte Glum auf, doch zuckte es dabei um seinen Mund, als er sprach: »Segen über dich dafür, daß deine jungen Augen den Vatna-jökull schauten.«

 

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