Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alma Johanna Koenig >

Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 53
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
Schließen

Navigation:

Wie Half von neuem seine Kraft erprobte

Nach dem Knabenspiel begann nun der jungen Männer Wettkampf. Es konnte aber Sighvat nicht länger an sich halten, da er der Engelländer große Kraft und Geschicklichkeit gewahrte. Er erbat vom König die Gunst, sich mit ihnen zu messen, und all seinen Willen setzte er daran; so übersprang er zweimal der Engelländer weitesten Sprung und siegte auch im Ballspiel zum Staunen der Halfsmannen, die ihn noch nie so tüchtig gesehen hatten. Endlich bat Adelstan Half, ihnen eine Probe seiner Kraft zu geben, von der er viel Ruhmes schon vernommen habe, denn Manneslob sei ein Zugvogel, der weit umherfliege. Da sah Half um sich, wie er wohl des Königs Wunsch zur eigenen Ehre erfüllen möge, denn er gedachte, eine Tat zu tun, würdig Hjörleifs, seines Vaters, der durch jenes Opfersteins Verrückung in aller Munde lebte und heute noch lebt.

Endlich bat Half, zwölf starke Schiffstaue zu bringen, jedes wohl zwanzig Fuß lang, die sollten an dem einen Ende verknotet sein, in einem eisernen Ankerring.

Als die Taue gebracht wurden, streifte Half den Eisenring über seinen linken Arm und gab jedes der zwölf Tauenden einem von Adelstans Recken in die Hände, – und es waren die Kühnsten und Stärksten, die sich herzudrängten, wie man denken kann.

Half sprach zum König und all dem Volk, das herbeigeströmt war, er wollte mit Zwölfen zugleich »das Tauziehen« proben, wie es sonst von Mann zu Mann geübt werde.

Da entstanden Geschrei, Gemurmel, Gelächter, denn keiner glaubte, daß ein Mann dies vermöchte, und selbst den Halfsmannen ward bange.

Half legte die goldene Rüstung ab und entblößte seine Brust. Er trat sich mit den Füßen weitgespreizt im Rasen fest und dann griff er mit der Rechten in die Taue, die an seinem linken Arm zusammenliefen.

Mächtig zog er, und mächtig zogen die Helden dagegen mit »Ho« und »Hupp«, als höben Knechte schwere Baubalken auf.

Die Augen traten ihnen aus dem Kopfe, und die Zungen hingen ihnen aus dem Mundwinkel. Doch Half das Weib stand, und es war kein Zollbreit, um das sie ihn verrückt hatten.

Als die Engelländer sich voll Grimm und Zorn abgemüht hatten wie Maikäfer an eines Knaben Fäden, da tat Half, als ermatte er, und ließ sich wohl zehn Schritte fortschleifen.

Da ward großer Jubel unter den Engelländern, und der Halfsmannen Nasen wurden lang. Es ward aber ein Frauenruf gehört, schrill, wie Seevögel schreien, und es war die Königin, die schrie. Da hielt Half mit einem Ruck an, und soviel die Zwölf auch zogen, sie brachten ihn nicht weiter. Half begann, Tau um Tau und Mann um Mann heranzuziehen, wie der Fischer seine Netzleinen einzieht, und am Ende ergriff er alle Taue zugleich mit einem Ruck, – und die engelländischen Jarle purzelten übereinander.

Sogleich zog Half den Eisenring vom Arm und warf das Tauwerk fort und sprang voll guter Sitte herzu, ihnen aufzuhelfen. Es ward groß Getös im Waffenhof, und die Männer schrien und schlugen die Schwerter auf die Schilde; die Frauen klatschten Hand an Hand, und selbst des Königssohnes Edmund Wangen gewannen Farbe.

Es ward aber ein Frauenlachen gehört, heiß und trunken, wie Tauben gurren, und das war Königin Gyridh, die so lachte. Adelstan erhob sich von seinem Sitz und bot Half die Rechte: »Niemals«, sagte er, »habe ich deinesgleichen gesehen, Half Seekönig, ob auch mein Haar weißer weht als Herbstfäden.« Es nahm der König seinen eigenen Schild, den Weland der Wunderschmied einst geschmiedet hatte, und bat Half, ihn zum Schutz zu führen, wie Jökulsnaut zur Wehr. »Und nur eines begehr ich zur Gegengabe,« sprach Adelstan, »daß du mir wahrhaft gestehen mögest, ob dies die größte Kraftprobe war, die du je zeigtest!«

Da ward Halfs Antlitz entrückt, und er sprach:

»An einem Abgrund rang ich einst mit einem Weibe, und das war meines Lebens härtester Kampf.«

Adelstan sagte, es gelüste ihn sehr, von Halfs Taten zu hören, und es dünke ihn recht, daß Half nun im Becher der zwölf Jarle Groll ertränke.

Als sie nun alle in der Halle auf den Polsterbänken saßen und des Königs Küche und Metkeller vom Besten gaben, da hatte Adelstan Gyridh wie stets zu seiner Linken. Half aber saß an des Königssohnes statt, zu seiner Rechten. Und wahrlich besser füllte er den Sitz, als Edmund, der mit den Weißröcken tafelte, und man gewahrte, daß es Gyridh nicht unlieb war, Half so thronen zu sehen.

Endlich sprach Adelstan: »Nun wollen wir Herz und Ohr letzen nach dem Gaumen.« Als aber sein eigener Skalde vortrat, winkte der König ab und bat Glum, ihm von Halfs Taten zu sagen, denn wohl wisse er, daß es Helden nicht gegeben sei, sich selbst zu rühmen. Glum aber sah, wie Gyridhs Atem kam und ging und ihre Hand mit den Fransen des Tischtuchs spielte. Er sah, daß sie schön war wie Ran, die große Männerfängerin, die hinabzieht und tötet. Und er dachte daran, daß auch des besten Mannes Sinn nicht anders ist als die Flut, die kommt, und die Flut, die geht und Algen und Schlamm zurückläßt.

Er, der Skalde, dem Geheimstes offenbar ward, sah Edmunds Antlitz machtlos und trübe, sah Sighvats Aug' hungrig wie das junger Adler und Halfs Herz dunkel wie den Strudel zwischen den Klippen von Piktland.

Da wußte er, was er zu singen hatte.

 

 << Kapitel 52  Kapitel 54 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.