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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Aukkos Tod

Eines Nachts fuhr Aukko aus kurzem Schlummer auf und sah Grim an ihrem Bette wie stets. Da bat sie, Glum und Half herbeizuholen.

Sie kamen sogleich.

Aukko saß aufrecht wie immer, denn sowie sie lag, sagte sie, die Südluft sänke auf ihre Brust, daß sie ersticken müsse. Ihr langes Strähnenhaar fiel über ihr hageres Gesicht, und die Fellhaube hatte sie nicht abgelegt, soviel Grim auch flehte.

Sie bat Half leise und hastig, wie eine, die wenig Zeit zu verlieren hat, er möge ihr sein Schwert weisen.

Aber sie war zu schwach, es zu halten, so hielt es Half gerade vor sie hin, und sie begann, von der Spitze an bis zum Griff über das Blatt zu streichen und Sprüche zu murmeln, während sie tief den kranken Atem zog.

Da begann das Schwert Funken zu sprühen wie eine Katze, der man gegen das Haar streicht, und sie las lange über die Klinge gebeugt, bis rote Flecken auf ihre Wangen traten.

Als sie aber Half ansah, da war ihr Blick klar, und klar war die Stimme, mit der sie sprach:

»Zweier Schwerter Schneide schaute ich, über sie lief dein Leben. Gute Runen trug Sippeknauf, aber wenig ehrtest du die großen Götter, das Siegschwert nahmen sie zurück, da Sigrdryfas Rache erfüllt war.

Aus eigener Kraft gewannst du Jökulsnaut, das Schattenschwert, den Horthüter. Schatten schlägt er dir, Schätze erringt er dir, doch arm, wie du auszogst, kehrst du heim! Gewährt ist dir, dein Ende zu wissen. Der Walstatträuber heult es ein! Dein Leben läuft über zweier Schwerter Schneide, – weh dir, Half, wenn die zweite zerspringt!«

Da gebrach ihr der Atem von Neuem, sie war schrecklich anzusehen, wie sie mit den Armen focht und nach Luft rang. Endlich betteten sie sie, da war sie so schwach, daß sie meinten, sie veratme unter ihren Händen. Vier Tage und Nächte lag sie so und konnte nicht leben und nicht sterben. Endlich konnte Grim den Jammer nicht länger ertragen, er ging in eine Ecke und zog das bunte Beutekleid übers Haupt, um nicht so laut herauszuflennen, wie Spes, der Knecht, der am Boden hockte. Glum und Half hielten die Hände der Kranken. Da schlug Aukko noch einmal die Augen auf und spähte um sich. Sie sah, daß Grim verhüllt dasaß und in seinem Elend nicht sah noch hörte. Da bedeutete sie Half mit den Augen etwas, was er nicht begriff, und sie war zu schwach, zu reden. Als sie hörte, wie Glum und Half einander ratlos fragten, was sie wohl begehre, machte sie Zeichen, sie zu stützen.

Und sie zeigte Half mit versagenden Fingern den Saum des blauen Friesmantels, auf dem sie ruhte.

Half sah staunend auf das verknotete Ende, das sie in seine Hand legte.

Da sah ihn Aukko an und flüsterte stoßweise: »Ich dachte, es sei dein Mantel, Half, als ich auf Surtursheide den Knoten band!«

Und sie starb, da sie so gesprochen hatte.

 

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