Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alma Johanna Koenig >

Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
Schließen

Navigation:

Wie Sighvat Half von seinem Gotte sprach

Eines Tages trieben die Eisländer drei junge Hengste an Bord und jubelten über das Festmahl, denn allzu lange schon hatten sie Roßfleisch entbehren müssen.

Als Glum das Opfer dargebracht hatte und das Roßblut als breiter Streif hinter dem Schiff sich herzog, da stürzten sich die Knechte aufs Fleisch und rissen es halbroh vom Feuer. Sighvat aber kehrte sich schaudernd von ihnen, die wie Raubtiere malmten und schmatzten und bliesen, weil das Fleisch ihre Lippen verbrannte. Sie kamen zu ihm und wollten ihn zwingen mitzuhalten. »Räudige Roßfleischfresser« nannte er sie, und sie nannten ihn »meineidigen Mönchsknecht« und fielen über ihn her. Er aber schrie: »Christen heran, Iren heran!«

Es eilten ihm nun die andern Iren zu Hilfe, und es entstand böses Handgemenge.

Half riß sie auseinander. Er gab den Eisländern keine guten Worte und sagte, er würde den sogleich von den Schiffen jagen, der die Iren um ihres Glaubens willen kränke. Solange die Christen so gut wie Heiden föchten, lägen sie ihm ebenso am Herzen wie die.

Half ging abseits mit Sighvat und ließ ihm von Aukko die blutende Hand verbinden.

Da sprach Sighvat zum erstenmal von seinem Gott, und Aukko spähte scharf in Halfs Gesicht, da er Mal um Mal dazu nickte, und ihre Hände bebten, so daß sie den Verband kaum halten konnte.

Abend für Abend saßen die Beiden nun abseits von den andern, und Sighvat sprach mit leuchtenden Augen.

Einmal endlich hielt Glum es für rätlich, zu Half zu reden. Er trat leise hinzu und sprach: »Vergiß nicht, Half, daß man den neuen Glauben mit Rans Töchtern vergleicht, den grünhaarigen Meerminnen, die den Mann ganz hinabziehen, sobald er ihnen nur den kleinen Finger bot.«

Sagte Half: »Es ist wahr, Vater, daß ich des weißen Gottes Worte nun immer besser verstehe, je weiter wir nach Süden fahren, wie uns ein Mann ja auch am besten am eigenen Herdsitz bekannt wird. Vermag dein Herz wahrlich zu glauben, daß über dieses Himmels Bläue Odhins achtfüßiges Roß jagt? Und wie sollte der Mann, der hier mühlos erntet, an Asa-Thorr glauben, der mit Donner und Blitz Felsriesen das Ackerfeld abringt? Er ist so fremd hier wie Christus auf unsern Lavafeldern! Gebunden also und klein sind die Götter. Darum ist betrogen, wer an diesen glaubt, wie an jene!«

Und als er das sagte, schauderte es Glum, und allen, die es gehört hatten, ward kalt bis ins Herz, obgleich die wütende Südsonne ihre nackten Leiber sengte.

 

 << Kapitel 43  Kapitel 45 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.