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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 43
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Half teilt die grosse Beute

Sie kamen zur Bucht, wo sie Meerschwan zurückgelassen hatten, und nun meinten die Halfsmannen, es würde die Beuteteilung beginnen. Sie freuten sich alle, denn sie ahnten wohl, daß Muhmad Ali große Schätze auf dem Raubschiff geborgen habe. Half aber sagte kurz, er werde mit Sighvat allein aufs fremde Schiff gehen. Das tat er, um den Knaben nicht vor allen zu tadeln, denn nur einmal hat Half einen seiner Mannen beschämt, so lange sie fuhren. Als Half herüberrief und den Seinen gebot, auf Muhmad Alis Schiff nachzukommen, da stand Sighvat mit sehr rotem Kopfe da. Allen schien es geraten, zu tun, als merkten sie nichts, und Half begann, die unermeßlichen Schätze zu teilen.

Des Schiffes Bauch war angefüllt mit Dingen, die die Eisländer noch nie gesehen hatten. In Bergen lag das Gold, und es waren da weiße Stangen, von denen manche Aukkos Größe erreichten. Glum sagte, es seien dies Tierzähne und das Kostbarste von allem. Half nahm zuerst alle bunten Stoffe und legte sie für Aukko zur Seite. Er tat funkelndes Geschmeid dazu und Fläschchen, durch die man das rote und gelbe Öl schimmern sah, mit dem sie gefüllt waren. Wie der Hain der Rosen rochen sie.

Dann begann er neununddreißig gleiche Anteile zu häufen. Und das war um einen Anteil weniger, als Männer waren, da sechs von denen tot lagen, die zu Eireann sich eingeschifft hatten. Alle nahmen an, daß Half Sighvat zur Strafe leer ausgehen lasse, auch Sighvat selber glaubte das.

Sagte Half freundlich zu ihm: »Du als Jüngster magst zuerst dein Teil nehmen, und ich meine, daß kein Streit entstehen muß, denn es wird jeder sehen, daß ich gerecht geteilt habe.«

Da sahen alle, daß Half selbst es war, der keinen Anteil für sich gelassen hatte.

Die andern waren mit solcher Gerechtigkeit bedacht, daß keiner klagen konnte. Es fiel auf jeden des Goldes unmaßen viel, in Stangen, in Klumpen oder in Staubform, eingefüllt in Linnensäckchen.

Die Männer kamen zu Half und legten die größten Goldklumpen ihm zu Füßen und die besten Waffen und drängten ihn, es zu nehmen. Und sie sagten, es wäre Schande für sie, wenn er dies weigere. Er aber saß abgekehrt und spielte mit einem Geschmeide, das war aus Perlen und Edelgestein gefügt und strahlte wie Brisingamen, das Halsband, das die Zwerge Freya fügten.

Und wie zu sich selbst sprach er:

»Einen Nacken wußte ich einst, weißer als des Eidervogels Brust, um den ich wohl dies gelegt hätte!« Und er warf das Geschmeid in die Flut hinab, zu den gefräßigen Fischen.

 

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