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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Half schlägt einen Bären

Es kam der Tag der Abfahrt heran, und alles war bereitet. In der letzten Nacht, die sie noch bei Kjötvi verbrachten, schlummerten die Eisländer erst gegen Morgen ein, denn Glums Wort von der Südsonne brannte ihnen allen im Blut. Nach kurzem Schlaf weckte sie Geschrei und das wütende Gebell der großen Hunde, die sich fast von den Ketten gerissen hatten.

Ein Bär war durch das Strohdach von Kjötvis Kuhstall gedrungen, hatte die beste Kuh gerissen und fortgeschleift, ehe die Hirten herbei kamen. Kjötvi wußte sogleich, daß es eine alte Bärin sei, die alle kannten. Es war aber bis nun keinem gelungen, ihre Höhle zu finden.

Sagte Half: »Blind müßte der Mann sein, der heute die Spur verfehlte.«

Kjötvi warnte ihn, es sei ein altes Tier und gefährlich, weil es Junge habe.

Sprach Half: »Bin ich mit dem einen Björn fertig geworden, so werd' ichs wohl auch mit dem andern.«

Er wollte nicht, daß man ihn begleite, und sagte, es sollten alle nur an Bord gehen, er würde bald nachkommen.

Half nahm Jökulsnaut und ging der Spur nach, die wie eine Pflugspur breit war. Er fand die Höhle, die in einem Felsen am Meer lag, – so versteckt, daß Half wohl begriff, warum man sie nicht entdeckt hatte, – und er sah die Bärin, die mit ihren drei Jungen an der Kuh sich gütlich tat. Sogleich richtete das alte Tier sich auf und griff ihn an. Half packte die Bärin bei den Lauschern und hielt sie so weit von sich ab, daß er nicht gebissen werden konnte, und das hielten alle, die es hörten, für eine große Kraftprobe.

Als das Tier ihn mit aller Macht bedrängte, rollten sie beide den Abhang hinab. Die Bärin, die schwerer war, stürzte zuerst auf die Steine am Strand hinunter, sie wurde ganz zerschlagen auf der Seite, auf der sie aufgefallen war. Half aber war weich gebettet, da er auf sie fiel. Er zog Jökulsnaut und schlug sie zu Tode. Als er in die Höhle zurückkam, hockten da die drei brummenden Bärlein umher. Zwei erschlug er, das dritte aber, das das kleinste war und zottig wie ein Bündel braungrauen Wergs, das band er in seinen Mantel ein, und es rumpelte beim Abstieg gewaltig auf seinem Rücken.

Half kam um die Felsen herum, da lagen die Schiffe mit knatternden Segeln bereit, und er tat einen tiefen Atemzug, da er an Bord sprang. Er knotete sein Bündel auf. Da fuhr der kleine Bär hervor mit Fauchen und Grunzen, und die Männer jagten ihn mit Gelächter, bis er sich unter Aukkos Friesröcken barg. Sprach Aukko: »Ihr sollt ihm keinen Schaden tun, da er meinen Schutz gesucht hat! Wir wollen ihn mit uns nehmen!«

Kjötvi dankte Half für seinen letzten Dienst und gab ihm drei Armreifen schweren Goldes. Lachte Half: »Grüße, Kjötvi, dein Weib von mir und sage ihr, der Brotfresser habe den Kuhfresser erschlagen!«

Es nahm ihm aber Kjötvi das Versprechen ab, nochmals sein Gast zu sein, wenn er von der Wiking heimkehre.

Doch hatte die Norne Half Andres gesponnen, und die Eisländer sahen niemals wieder die grünen Küsten von Eireann. So scheidet der Mann Kjötvi aus dieser Geschichte.

 

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