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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 39
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Half seine Mannen zu wählen wusste

Die Männer sahen, daß es nicht langer Arbeit bedurfte, die Schiffe seetüchtig zu machen. Sie brachten sie aus den Schuppen heraus, und Kjötvi selbst half dabei, als sie ihnen neue Wassertracht anlegten. Es hatten aber auf »Skidbladnir« fünfzehn Ruderer an jeder Langseite Raum, während »Meerschwan« deren nur acht zur Rechten wie zur Linken faßte. Als die Farben getrocknet waren und die Frauen das letzte Ende am neuen Hauptsegel nähten, ließ Kjötvi die jungen Männer von Develin herbeirufen, die mitzufahren Lust hatten. Es meldeten sich aber viel mehr, als die Schiffe faßten.

Kjötvi ging mit Half in die große Halle hinab und wollte ihm ins Ohr flüstern, welchen der Männer er zu wählen hätte, denn es waren viele darunter aus edler Sippe und von großer Herkunft, manche wieder waren nur Knechte, und etwelche hingen dem neuen Glauben an. Denen war Kjötvi nicht allzu wohl gesinnt. Half winkte ihm ab und sprach laut: »Es müssen alle, die mit mir ziehen wollen, den Waffeneid leisten auf vier Gesetze! Zum ersten, daß kein Mann ein Schwert tragen darf, länger als eine Elle. Zum zweiten, daß kein besiegter Mann verknechtet werden darf in fernen Landen. Zum dritten, daß kein Weib das Schiff betritt außer Aukko, die uns gefolgt ist. Zum letzten, daß kein Hafen gesucht wird, auch im größten Sturm!« Da erklärten Alle sich bereit zu solchem Beding.

Sagte Half: »So will ich sehen, wer geartet ist, mein Genoß zu sein.« Er trat zum ersten Mann, sah ihm starr ins Gesicht, und ehe jener sich dess' versah, hieb er ihn mit einem mächtigen Schlag hinters Ohr, und so tat er es einem nach dem andern.

Und es war sonderbar zu sehen, wie etliche dumm glotzten, etliche wieder rot wie Krebse wurden und tückisch schielten, etliche aber sich erbleichend in die Lippen bissen, die Hand am Schwertgriff. Half war fast mit der Reihe zu Ende gekommen, daß nur mehr ein schmaler, blonder Bube dastand und ein Knecht, mit einer Brust wie ein Stier.

Als Half nun den Arm hob, da sprang der Bube ihn wie eine Katze an und schrie: »Magst du auch Half Björntöter sein und mögen die andern es dulden, es gibt keine Hand, von der ich mich schlagen lasse, seit ich meiner Mutter entwuchs!« Half lachte freundlich und fragte: »Wie heißest du?« Sagte der blonde Bube trotzig: »Sighvat heiß ich, Feilans Sohn, und hier ist Spes, mein Knecht!«

Da bot Half ihm die Hand und sprach: »Dies ist das erste und letzte Unrecht, das du von mir erfuhrst, Sighvat, wenn du mit mir ziehen wolltest.«

Sighvat aber sah ihn an und schob langsam das Hemd auf seiner Brust zurück. Da sah Half das Kreuzzeichen aus Bein an einem Faden um seinen Hals hängen, und er begriff, warum Kjötvi die ganze Zeit her mit den buschigen Brauen Zeichen gab.

Sprach Half: »Wenig kümmert mich, zu wem du betest, wenn nur ich es bin, für den du fichtst!« Und so ward Sighvat Halfs Mann und auch Spes und noch drei andere Christen. Außer ihnen aber wurden noch siebzehn Männer auserkoren, die dem alten Glauben anhingen. Und es ward sichtbar, daß Half alle jene ausgewählt hatte, die ans Schwert gefahren waren, mit Rachegedanken. Die andern aber hieß er heimgehen.

Und die Männer priesen Half sehr darum, daß er die Besten aus einer großen Schar herauszufinden gewußt hatte, er, der fremd im Lande auf Wiking fuhr.

 

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