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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie die Eisländer nach Eireann kamen

Von dannen fuhren sie, und Glum wußte kaum wohin, denn es gab keine Sterne des Nachts, keine Sonne des Tags, davon man hätte die Richtung ablesen mögen. Eisberge drängten hinter ihnen her, und oft meinten sie, daß sie zermalmt werden müßten.

Sie ruderten nicht mehr. Aukko ging von Bank zu Bank und rüttelte sie auf, sich Nasen und Hände zu reiben, daß sie nicht erfrören.

Sonst saß sie an Halfs Lager und sang Runen wider das Fieber, das nicht weichen wollte. Am siebenten Tage erst ward es geringer, und Half erkannte sie, da sie ihm Wasser brachte. Am achten Tage sahen sie nah eine Küste, und Glum erkannte, daß es Eireann sei, wo sie landeten.

Als sie Half ans Ufer trugen, war er klar bei Sinnen, doch einem Schatten ähnlicher als sich selbst. Das Land war reich, sie sahen schöne Weiden, Pferde in großen Herden und weißzottige Lämmer.

Kjötvi hieß ein Mann, der nahm sie auf. Als sie in seine Halle traten, die groß, aber niedrig und rußig war, da sahen sie mit Staunen Freyrs Goldeber Gullinbursti überall gemalt.

Glum fiel es leicht, Kjötvis Vater und Altvater zu erfragen; da hörten sie, daß ihr Wirt Nachkomme eines jener Männer war, die vor Hårfagr nach Eireann geflohen waren, wie ihre eigenen Väter nach Eisland.

Kjötvi machte nicht viel Aufhebens von den Gästen, obgleich er ihnen Speise und Trank bot und ihre Schiffe in seinen eigenen Schuppen brachte. Denn die Eisländer sahen allesamt mehr den Landgängern gleich als rechten Männern. Als sie Half erst auf ein Fellager gelegt hatten, schlief er fünf Nächte und vier Tage lang, ohne sich nur umzuwenden. Je länger er schlief, desto froher ward Aukkos Gesicht.

Am fünften Tage stand Half auf und warf Salbentücher und Verbände in den Winkel.

Kjötvi gab ihm alte Schuhe für die seinen, die das Eiswasser ganz verquollen gemacht hatte, und wies ihm einen Platz am Knechtstisch wie den andern.

Half sprach nichts, sondern er setzte sich auf die Bank und aß einen gewaltigen Stör allein, sieben Brote und eine Roßkeule.

Nun muß aber von dem Manne berichtet werden, der in die Halle trat, als Half seinen alten Hunger stillte.

Björn hieß der Mann und war von edler Sippe, obgleich es nicht allzuviel Gutes war, was man von ihm zu sagen wußte. Er war groß und breit wie der Bär, sein Namensvetter. Es war nicht geraten, mit ihm Händel zu haben, und man ließ auf der Metbank Platz neben ihm, als säßen da drei Männer, statt einem. Ungeheuer reich war Björn und auch so habgierig.

Mit seinem Reichtum ging es aber seltsam her. Als sein alter Vater Kar den Strohtod gestorben war, häufte Björn ihm einen hohen Grabhügel und begrub ihn mit großen Ehren.

Es hieß aber bald, daß der Tote als Wiedergänger umgehe, denn er war zu Lebzeiten böse und geizig gewesen. Es gab nicht nur viele Leute, die des Nachts Feuer aus dem Grabhügel auflodern gesehen und wildes Klagegeheul vernommen hatten, sondern man sah den weißen Rauch unterirdischer Lohe auch am hellen Tage, und nur mit vieler Mühe konnte man die Hirten dazu bringen, das Vieh auf die guten Weideplätze zu führen.

Man fand bald auch Schafe, die erwürgt, ja selbst Knechte, die erschlagen worden waren, denn Björn hatte seinem Vater Kar das gerühmte Schwert Jökulsnaut ins Grab gegeben. –

Es wollte sich schließlich kein Hirte mehr finden, der zum Karshügel hinauszog. Da ging Björn zu den Bauern und fragte sie, ob sie ihm die Weideplätze nicht verkaufen wollten, denn ihm selbst werde sein Vater sicherlich nichts zu Leide tun. Und so gering es auch war, was er für die guten Gründe bot, die Bauern schlugen alle ein, nur um der steten Ängste ledig zu werden.

Wie Björn aber vorausgesagt hatte, ward nie davon gehört, daß ihm oder einem seiner Knechte Schaden durch Kar geschehen sei. So besaß Björn mehr Landes als irgend ein anderer, und einzig nur Kjötvi hatte noch seinen Grund nicht verkauft, der an dem Hügel hinlief. Er ließ niemals seine Hirten hinausziehen, und seine Schafe holten auf andrer Weide sich volles Euter.

Aber jedes Frühjahr wurmte es Björn, daß er dies Land nicht erhandeln konnte, und er kam zu Kjötvi, durch die Türe polternd, als wäre sie zu schmal für seine Schultern. Und jedes Frühjahr sprach Kjötvi statt eines Grußes: »Kommst du wegen der Karshügelheide, dann ist dein Weg umsonst gewesen, Björn!«

 

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