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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie das Königsschiff herankam

Es stieg auf dem Königsschiff Geheul auf, da sie ihren lieben Christen solchen Todes sterben sahen. Und sie schossen, hinter die Schilde gekauert, die über Bord hinausgehängt waren, Pfeile und Speere herüber, daß es in der Luft surrte wie von Hornissen.

Grim achtete dess' gering, er gedachte nur, des Freundes Leichnam zu bergen, da Half wie tot lag über dem Toten.

Und er zog Half in einer Seilschlinge an Bord, genau so wie man Treibholz an Land zieht. Sowie er aber Half von der Scholle aufzog, da barst sie mitten entzwei, und Sippeknauf versank zugleich mit Atlis Leichnam, wie ein Stein ins Meer versinkt. Sie ließen Half auf Deck liegen, wie er lag, denn nun gedachten die Königsmannen Meerschwan zu entern. So nahe waren sie, daß man hören konnte, wie Olaus, der die Brünne überm weißen Gewand trug, den Schwertmännern sagte, des weißen Heilands Segen sei dem gewiß, der das Schiff gewänne.

Plötzlich aber begann das Königsschiff an vielen Stellen zugleich zu brennen, und der Gutwind blies in die Flammen, daß sie auch das Tauwerk ergriffen. Denn Aukko stand da, klein und braun, unter ihrer Fellmütze, und schoß Wergpfeil um Wergpfeil auf die kreuzdurchwirkten Segel.

Und jedesmal, ehe sie einen Pfeil abschoß, blickte sie nach dem Leblosen zu ihren Füßen und murmelte einen Fluch über den fischgrätigen Pfeil.

Grim hob seinen Hakenspeer, dessen Blatt gut drei Spannen lang war, und er schoß ihn mitten ins Gewühl nach Olaus, der am Bug stand. Da hatte der Weißwolf es eilig, sich zu ducken, doch so gewaltig war der Wurf, daß das Speerblatt einem Schwertmanne durch die Schulter fuhr und noch einem Langrock, der hinter ihm war, in die Brust. Sie wanden sich beide wie Käfer an einer Nadel.

Da ward den Königsmannen ihr Leben zu lieb, und etliche rissen die brennenden Segel herab, etliche wandten das Schiff und ruderten mit Leibeskräften von dannen. Grim aber sagte: »Viel zu gering war die Buße für deinen Tod, Half, mein Bruder! Und ich fürchte, es könnte Walhalls Tor unsanft dir auf die Fersen zurückfallen! Dein Blut seh' ich, und nach Blut verlangt mich! Wer von euch Männern rächt ihn mit mir?«

Da sangen all die Schwerter, da sie aus der Scheide fuhren.

Plötzlich schrie Aukko auf, mit wildem Mövenschrei, und warf sich über Halfs Füße: dessen Augen standen licht offen. Er sah Grim an und bewegte die Hand. Er konnte nicht sprechen. Aber es war ihnen allen genug, daß er nur seine Augen aufgetan hatte.

 

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