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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie der rote Dorschfischer Half Hilfe brachte

Als Half den Strand erreicht hatte, nahm er das Kind auf den Arm und rannte zur Landzunge hin, vor der »Meerschwan« vor Anker lag. Es hallten die Flüche der Männer und Mönche hinter ihm her, und die Weiber riefen Håkon weinend beim Namen. Nun wurden auch viele der Eislandmänner verwundet von Pfeilen, Steinen und Speeren, und zwei Knechte fielen tot, die kein Königskind zum Schild gehabt hatten. Half aber wagte keiner ein Haar zu krümmen. Die Eisländer zogen sich in Hast zurück, die Verfolger immer hinter sich her, und Glum quälte schwere Sorge, weil er den Anker ausgeworfen hatte, statt »Meerschwan« segelfertig zu machen. Da sah er jedoch, wie alle Segel des Schiffes sich blähten und es im Wogenschwall auf und nieder ging.

Half sprang allen voran an Bord, stellte den Knaben Håkon, weithin sichtbar, auf den Bug und setzte das Schwert auf seine Brust. Rief Half: »Zielt ihr nach mir oder meinen Mannen, so schwör ich euch, ich treffe noch besser!« Da schrie der harte König Harald auf voll Zorn und Jammer. Der Königsknabe aber warf die Locken zurück und sah trotzig zu Half empor, in dessen Griffen er sich wand. »Werft nur und treffet gut!« schrie er. König Harald stand am Strande, machtlos wie nie in seinem langen Leben. Er stampfte mit dem Fuße und befahl bei seinem Zorn, man solle dem Räuber sein Kind entreißen. Und er bot dem, der Håkon brächte, soviel Gold, als drei Rosse aus seiner Schatzkammer fortzutragen vermöchten. Bischof Olaus stand dabei und verhieß jedem, der es unternähme, des weißen Gottes Walhall. Es wagte aber kein einziges Schiff sich auf das donnernde Meer hinaus, auf dem »Meerschwan« nun schaukelte, immer in Gefahr, vom Eise erfaßt und erdrückt zu werden.

Glum steuerte um Tod und Leben und beschwor Ran mit Sprüchen und gelobte reiche Opfer, wenn sie das Schiff aus dreifachem Tode erretten wolle: dem schwarzen Wassertod unter ihnen, dem weißen Eistod vor ihnen, dem roten Waffentod hinter ihnen.

Sobald sie aber aufs Meer hinausgekommen waren, trat Aukko still zu Håkon hin, der in sich zusammengekauert saß, seit Half ihn herabgehoben hatte.

Sprach Aukko und hielt die Hand am Rücken: »Håkon, hast du je einen Finnenbogen gesehen?« Des Knaben blaue Augen blitzten sie feindlich an. Aber er antwortete doch »nein« – weil es ein Weib war, das fragte. Holte Aukko den Bogen hinterm Rücken hervor, Håkon sah ihn an und sagte rasch: »Der ist doch viel zu klein, um gut zu treffen!« Da zwinkerte Aukko ihn mit ihren guten Augen an und legte einen fischgrätigen Pfeil auf die Senne. Mit kreisendem Fall stürzte eine Möve herab und lag zuckend vor Håkons Fuß. Sagte Håkon, den Bogen in beiden Fäusten: »Wie heißest du, Frau?« Sie aber sah ihn an und nahm ihn ohne Antwort in ihre zarten Arme. Da schluchzte Håkon lange an ihrer Brust, denn er war nicht älter als dreizehn Jahre.

Es hatte Glum eine rettende Klippe erspäht, ein Inselchen, drauf er zusteuerte. Jählings aber rief Half: »Ein Schiff!« Sie sahen, daß ein Fahrzeug sie mit vollen Segeln verfolgte und erkannten, daß es Skidbladnir, Atlis Schiff, war. »So ist es an der Zeit,« sagte Glum, und die Männer schnallten den Helm fester. Half spähte mit wilden Augen aus, ob Atli an Bord sei.

Da sahen sie einen Mann an Deck, der ihnen winkte, und sie erkannten am roten Bart, an Hammer und Fischnetz im Gürtel ihren Freund, den Dorschfänger. Er war allein auf dem großen Boot, und sie begriffen nicht, wie er es lenke. Er fuhr mit unerklärlicher Schnelle sicher und frei zwischen den Eisschollen hin, nicht anders als zwischen Schiffen im Hafen.

Schon rieb Bord sich ein Bord, und Half rief: »Wie kommst du auf dies Schiff, guter Mann? Und was läßt dich dein liebes Leben wagen? Warst du der Freund, der den Anker löste?«

Da scholl des Mannes dröhnendes Lachen herüber, während er das kleine Boot, das Skidbladnir mitführte, abband und in die tosende See hinabwarf. »Viele Fragen stellst du, Half das Weib, und doch dachte ich, du würdest es zufrieden sein, wenn ich dies gute Schiff dir zubrächte. Traust du des Dorschfischers Rat, so ankerst du hier, und durch Vertrag wird dir Rache, die Gewalt dir nicht gewann!« –

Da tat Aukko jählings einen atemlosen Schrei, sie sank ins Knie, die Arme nach dem Manne ausstreckend.

Half bog sich vor und rief mit Staunen: »Meinen Namen nennst du und Weissagung weißt du! Wer bist du, der Hilfe mir bot, wie nie ein Mann?« Da sprang der Dorschfänger ins tanzende Boot hinab und rief, während er mächtig die Ruder rührte: »Betrogen wäre, wer Dank von dir erwartet. Denn du verschmähtest die besten Freunde, die du je gewannst!« Und als er dies rief, stand er aufrecht im Boot, das schon weit schaukelte, und es schien ihnen, als wichen die Eisberge ihm ehrfürchtig aus, die gen Süden zogen. An diesem Tage stritten sie noch gegen Aukko und zweifelten. Aber als am nächsten Tage Thora, die Königskebse, zu ihnen kam, da gab es keinen, der nicht daran glaubte, daß Asa-Thorr selbst mit ihnen übers Meer gefahren sei.

 

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