Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alma Johanna Koenig >

Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
Schließen

Navigation:

Wie die Weißröcke nach Eisland kamen

Als die Mönche zum ersten Male am Odhinsstrande landeten, war es das vierunddreißigste Jahr nach Eislands Besiedelung durch die »Landnahmemänner«.

Damals stand keine Halle und keine Erdhütte, in der nicht Glums Lied von Hjörleif Zwölfkraft erscholl; denn ein Trollbär war großen Viehraubes willen lange in Acht gelegen, und Hjörleif hatte ihm, waffenlos, im Ringkampf das Rückgrat gebrochen.

Als die Weißröcke kamen, da wußte Keiner, wer da den Fuß ans Land setzte. Hätte man es aber gewußt, so hätte man sie mit ihren eigenen Rudern erschlagen.

Es hatten wohl alle von dem weißen Gott gehört und davon, daß Harald Hårfagr auch große Jarle gezwungen hatte, sich mit dem Wasser waschen zu lassen. Aber als die Mönche, denen der Sturm die Segel genommen hatte, krank und schwankend aus dem gebrechlichen Schiffe stiegen, da gab man ihnen Speise und Trank nach alten Gastgeboten. Und den Anführer, der auf die Knie fiel und schrie: »Ich danke dir, Herr, daß ich dies Land dir erobern darf!« den achteten sie für einen armen Irren.

Die Männer baten, im Lande bleiben zu dürfen und bauten aus Erde und aus dem Holze ihres Schiffes ein Haus. Oben auf den Giebel nagelten sie einen Doppelstab, den viele zuerst für Thorrs Hammerzeichen hielten, doch war es das Kreuz, davor sie knieten.

Sie nährten sich kümmerlich von Fischen, die sie fingen, gutes Roßfleisch wiesen sie schaudernd zurück und sagten, es gälte für unrein dort, woher sie kämen.

Es begann damit, daß sie die Kinder lockten. Einer war unter ihnen, Floke mit Namen, der zeigte ihnen, wie man aus Gras Käfige für Heupferdchen macht und lehrte sie Lieder, die sie gern mit ihm sangen. Er erzählte ihnen, daß der weiße Gott sie über alles liebe, und gab ihnen kleine Zauberplatten, darin die Kinder sich selbst sehen konnten.

Die Mütter glaubten, es seien dies gute Männer, die ihre Lieblinge so liebten. Sie brachten den Weißröcken Schafkäse, Rauchfisch und Honig; und Olaus, der der Mönche Anführer war, erzählte ihnen von der weißen Jungfrau, die ohne Manneskraft ihren Sohn geboren hatte. Da gingen die Weiber schleunig fort; als sie gegangen waren, hörte man erst ihr helles, hohes Gelächter.

Die Männer hatten zuerst die Stirne gerunzelt, doch als sie sahen, daß die jungen Weißröcke, die so stark die Holzaxt führten, niemals von andrem zu ihren Frauen sprachen als von ihrem weißen Gott, da schmunzelten auch sie in ihren Bart. Und sie hörten gerne zu, wenn die Weiber die Mären nacherzählten, solange man von ihnen nicht forderte, daß sie sie glauben sollten.

Asbjörn hieß ein Mann, der war Viertelsgode, angesehen und reich, obgleich unjung an Jahren. Sein Weib hieß Rannveig, und sie litten sehr darunter, daß ihnen Leibesfrucht versagt blieb.

Eines Abends ging Rannveig hinaus, nach Hegranäs, wo die Mönche wohnten; sie klopfte Olaus heraus und fragte ihn, ob der weiße Gott sie fruchtbar machen könne. Sagte Olaus sogleich, es sei nichts, was nicht in Christi Macht läge. Sprach Rannveig: »Und kann dein Gott, was Frigga nicht vermochte, so will Asbjörn dir zehn Milchkühe geben und sieben Unzen guten Goldes!«

Es hatte einer der Mönche ein Holzbild gemacht von der, die ihren Gott geboren hatte. Dem hing Rannveig ihr ganzes goldenes Geschmeide um, als sie hinwegging, und trug nichts mit sich fort als ein Kreuzlein von Bein, das Olaus ihr gegeben hatte.

Wo des Weibes Fuß hintritt, dahin tritt auch bald des Mannes Fuß.

Als ihre Zeit um war, genas Rannveig eines Knaben. Da kam Gode Asbjörn zu den Weißröcken nach Hegranäs. Er stand da und sah das Kreuz an, das allerorten aufgerichtet war, und das Holzbild, behängt mit seines Weibes ganzem Mahlschatz, aber er sagte nicht ja noch nein, wie es sein Brauch war, und deutete in den Hof. Dort standen zwei magere Färsen und eine alte Kuh. Da ließ Olaus den Goden hart an, und es nützte Asbjörn nichts, wie sehr er sich auch wehrte um sein gutes Gold und um seine milchenden Kühe, er mußte beides herbeibringen.

Sagte Olaus, der Mönch: »Nun sollst du aber nicht glauben, ledig zu sein! Denn auch getauft muß der Knabe werden, den Christi Gnade dir gegeben hat!«

Da stieg der Zorn in Asbjörn auf, der dem Mönch schon lange wenig gewogen war, und er zog sein Schwert. Olaus aber sprang schnell genug zur Seite für einen Kuttenmann und schrie: »Wage es, ein Haar auf meinem Haupte zu krümmen, und König Harald ist über dir mit tausend Schwertmannen!« Und zum erstenmal zeigte es sich, daß er nicht Olaus »das weiße Lamm« war, wie die Weiber ihn spottend genannt hatten, sondern Olaus »der weiße Wolf«, wie nachmals die ihn hießen, die seine Zähne und Klauen zu fühlen bekamen.

Als aber der Mönch gesehen hatte, daß Harald Hårfagrs Name noch immer ein Schrecken der Landnahmemänner war, die einst um seinetwillen Norwegr verlassen hatten, da zwang er Asbjörn kraft dieses Namens einen Eid ab, daß sein Kind getauft werden solle nach neuem Glauben. Von diesem Tage an ließ Asbjörn sich niemals wieder zu Hegranäs sehen und schlich zur Zauntüre fort, wenn Olaus beim Hoftor eintrat.

Er hatte aber wenig gute Stunden von Rannveig, die ihm immer mit der Taufe in den Ohren lag.

Endlich faßte Olaus den Goden doch, und das geschah, als dieser mit vielen guten Männern zum Odhinsstrand hinaus gelaufen war; denn ein Wal, von der Art, die man Langreyt nennt, war gestrandet.

Es herrschte großes Hasten und Geschrei, die Männer kamen mit Messern und Äxten von allen Seiten herbeigerannt, und die Weiber trugen Körbe und Bottiche. Gode Asbjörn hatte sich oben in den Kopf des Wals eine Mulde gehauen, darin stand er nun und wies die Männer an, die mit Äxten den Walspeck abzogen. Da kam Olaus mit seinen Mönchen herbei, an den Asbjörn just am wenigsten dachte, und rief vor allem Volke: »Gode! Wann also soll endlich dein Kind getauft werden, wie du geschworen hast?«

Gode Asbjörn, der in Eifer war, denn die Männer hatten sich um den Speck gestritten, schrie nun wider den Bedränger: »Wohl hab' ich dir die Taufe zugeschworen, doch war es der Niemalstag, an den ich dabei dachte!«

Und die Männer, die sich mit dem Speck abmühten, lachten schallend zu dieser Rede. Da sprang Olaus vor und schrie: »Lacht ihr über mich? So sollt ihr sehen, wer größere Macht hegt, Jesus oder eure falschen Götzen!«

Und er warf sich auf die Kniee, wie sie alle nach Knechtsart tun, denn sie können nicht stehend zu ihrem Gott reden wie freie Männer, und er betete laut: »Herr, hilf mir, die Tat zu vollbringen zu deiner Ehre!«

Es erhob sich aber auf des baumlosen Eislands Strande eine uralte Esche, die Odhin heilig und ein Wahrzeichen der Seefahrer war, zu der sprang Olaus, als er so gebetet hatte. Er riß aus dem Kuttenärmel eine Axt hervor und hieb mit aller Wucht in den heiligen Stamm, der bis obenhin schwarz war von dem Herzblut junger Hengste.

Als die Männer dies sahen, kam Erstarrung über sie, und sie konnten den Frevel nicht fassen. Sie sahen zum Himmel empor, als warteten sie darauf, daß er sich schwärze und aus blitzdurchzuckten Wolken Idisen ihre Speere herabschleuderten. Aber es stand kein Sturm auf, es kam kein Wetter. Die elf Mönche taten, wie Olaus getan hatte, sie holten die Äxte aus dem Kuttenärmel, und sie sangen, während sie im Takt auf den Baum einhieben, daß die weißen Splitter stoben und die Vögel schreiend und kreischend aus dem rauschenden Wipfel aufflatterten.

Da sprang Hjörleif Zwölfkraft vor und er hätte Olaus mit der Walrippe, die er just in Händen hielt, erschlagen. Aber im gleichen Augenblick begann sich der Wipfel zu neigen, und alles sprang zur Seite, denn der Baum fiel mit Krachen und Dröhnen.

Und der weiße Wolf stieg auf den abgehauenen Strunk und schrie: »Hier steh ich noch! Und es hat Asa-Thorrs Blitz mich nicht versehrt, Odhins Speer mich nicht getroffen. Ich aber sage euch: kniet nieder und nehmet die Taufe von meiner Hand, daß auch euch der weiße Gott schütze, der tausendmal stärker ist als eure falschen Götter!«

Da kniete ein Weib nieder, und es war Rannveig, und Olaus taufte sie als Erste und das Kind an ihrer Brust. Der kümmerliche Knabe schrie wie ein Frischling, als Olaus ihn begoß. Und noch einige Weiber nahmen das Wasser nach ihr, jedoch kein einziger Mann.

 

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.