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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Was sich auf dem Thing begab

Half hatte sich verzögert, als er Grim von Höh holte, und sie kamen zu spät zum Thing.

Als sie von den Rossen absprangen, saß Gode Asbjörn schon mit den beiden andern Goden zu Gericht, und Atli hatte eben seine Anklage begonnen. Was er aber unter seinen und seiner Knechte Eid stellte, war dies.

»Ich, Atli, des Goden Asbjörn Sohn, bin in jener Nacht mit Hliot, meinem lieben Freund, den nur seine Wunde abhält, für mich zu schwören, und fünfzehn Knechten nach Mövenhalde geritten, um Vaters Schiff »Skidbladnir« seetüchtig zu machen.

Als wir zum Hängefels kamen, wandelte uns, wie andere auch, der Mutwille an, daß wir ihn erstiegen. Dabei löste sich ein Stein, an den wir stießen, wie ja denn der ganze Fels noch in der gleichen Nacht in den Abgrund gestürzt ist. Dieser Stein sauste an Half vorbei, ohne ihn zu treffen. Half aber erschlug mir voller Ingrimm sogleich neun meiner Knechte, als wir herankamen, und da ich Blutbuße forderte, wies er sie mit Hohn zurück, so daß ich gezwungen bin, beim hohen Thing mein Recht zu suchen!«

Es lag aber vor Asbjörn auf einem Stein der heilige Eidring von Erz, dessen Enden nicht aneinandergeschlossen sind, so daß die in den Spalt geschobenen Schwurfinger sein Rund erst vollenden. Atli schob die Finger der Rechten in den Ring und schwor seinen Eid auf Halfs Schuld und die lautere Wahrheit seiner Rede. Nach ihm aber trat Atlis alter Finnenknecht Wamönen heran und schwor mit Zittern und Stammeln, wie sein Herr geschworen hatte.

Es soll hier gleich gesagt sein, was später erst zu Tage kam, dies nämlich, daß Atli den Knechten die Freiheit und viel Gold versprochen hatte, wenn sie ihm vor dem Thing beistehen wollten. Und er hatte ihnen gesagt, der weiße Gott lache nur über solch einen Eid, der auf ein rostiges Eisen geschworen werde, und er gelte nichts, wenn ein Christ ihn einem Heiden schwöre! Atli hatte lange schon seine Knechte zu Olaus geschleppt und ihnen den alten Glauben abwaschen lassen. Denn Olaus war bescheiden geworden; da er die Eisländer selber nicht zur Taufe bekam, so bekehrte er gern ihre Kuhmägde und Schafhirten.

So schwor Wamönen, der Alte, um noch einmal Finnland wiederzusehen und in der Heimat zu sterben, und die andern Finnen schworen wie er.

Aber es ist seltsam, daß keiner von ihnen den Winter überlebte.

Sie starben durch Rossehuf, durch Schwertschlag, durch Wogenschwall, durch Eisbruch. Keiner von ihnen jedoch hat die Heimat wiedergesehen.

Als Gode Asbjörn der Knechte Schwur vernommen hatte, fragte er, ob Half etwas zu erwidern habe.

Da antwortete Half: »Nur dies!« Und er hieb Atli mitten im Thingkreis ins Gesicht.

Die Thinghüter sprangen hinzu, sie fällten ihre Speere gegen Half, den Friedensbrecher, und versuchten, Atli auf die Füße zu stellen, der im Fall weithin die Thingstäbe geknickt und die Schnüre zerrissen hatte, mit denen der Platz eingefriedet war.

Gode Asbjörn aber zuckte nicht mit einer Wimper, da er seinen Sohn besinnungslos vom Fall liegen sah. Er hob die Hand und verbüßte Half, daß er für die neun Knechte drei Hundert Silbers zahlen sollte, für den Thingbruch aber zehn Unzen guten Goldes.

Es konnte da keiner anders sagen, als daß der alte Fuchs die Buße für die neun Knechte lächerlich gering bemessen habe. Doch jene für des Thingfriedens Bruch war von unerhörter Höhe.

Half drehte den Goldreif von seinem Schildarm herab, der gut zwanzig Unzen haben mochte, und warf ihn Asbjörn vor die Füße.

»Doppelte Buße ist dieser Schlag mir wert!« rief er. »Die Buße für die Knechte aber mag sich zu Engihlid holen, wer Lust hat!«

Und er ritt mit Grim vom Thing, ohne daß die Hüter ihn zu halten wagten. Sein Antlitz war finster, da er auf Gnupr einritt, sich mit Glum zu bereden, denn er wußte, daß nun erst die offene Fehde mit Atli begann.

 

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