Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alma Johanna Koenig >

Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
Schließen

Navigation:

Half kämpft seinen grössten Kampf

Als Hliot verschwunden war, verbanden sie ihre Wunden und Grim sagte: »Dies war der ärgste Kampf seit Hegranäs.«

Sagte Half: »Der ist es, der nun beginnen wird!«

Staunte Grim: »Es ist doch niemand zugegen außer uns!«

Da sah Half ihn zornig an und sagte: »Meinst du? Der Finne wußte es anders!« Er gebot Grim, sich zur Seite zu setzen und nicht Fuß noch Finger zu rühren, was immer auch geschehe. Er solle jedoch, wenn Half falle, Zeugnis ablegen vor jedermann, daß kein geringer Gegner ihn erschlagen habe.

Da erschrak Grim, denn er liebte Half. Der aber antwortete ihm nicht mehr und deutete ihm, sich zu setzen.

Also setzte sich Grim in Angst fernhin und sah, wie Half Gewand und Gewaffen abtat und nackt im fahlen Mondlicht stand. Der Himmel aber hing niedrig wie vor nahem Wetter, obgleich es zeitig im Frühjahr war.

Half nahm Sippeknauf und zog um sich einen Kreis. Dann zerrte er einen der Erschlagenen herbei, tauchte die Eidfinger in seine Herzwunde wie in eine Schale und spritzte das Blut gen Himmel erst, dann zur Erde, dann nach allen vier Winden. Und Grim sah seine Lippen Worte murmeln, die er nicht verstand.

Lange harrte Half, doch nichts regte sich. Er ward zornig und wiederholte sein Flüstern. Plötzlich brach er ab und lachte, er stieß des Knechtes Leichnam verächtlich mit dem Fuße fort und ritzte mit dem Schwert seine eigne Brust. Er brachte, da das Blut hervorquoll, von neuem das Sprengopfer dar, sprach von neuem den starken Zauber. Im gleichen Augenblick ging krachend über ihnen das Gewitter los. Der Blitz flammte, daß Grim die Hände vors Antlitz schlug. Des Donners Rollen war dicht über ihnen, ein ungeheures Dröhnen erschütterte die Luft.

Grim fühlte die Erde unter seinem Fuß wie bei Ausbrüchen des Heklaberges zittern, es rauschte und krachte, und wie mit tausend Stimmen brüllte es drunten im Abgrund. Als Grim blinzelnd die Augen aufzutun wagte, da sah er, daß der Hängefels hinweggefegt und dicht hinter Half, der heil und unberührt stand, in den Abgrund hinabgerollt war. Der befreite Weg war von Steinblöcken besät, von Erde verschüttet, von entwurzeltem Gesträuch bedeckt.

Über diese Zerstörung schritt sicher ein großes, wolkengraues Roß heran, und Grim erkannte, daß, die gewappnet darauf saß, ein Weib war, hoch und stolz, unterm schwanenbeflügelten Helm ein Antlitz, das blendete.

Sie sprach:

»Ich grüße dich, Half! Sigrdryfa bin ich, die dir Sieg verleiht!«

Grim aber, dem die Kniee bebten, sah, wie Half aus voller Brust aufatmete. »Du also bist es, die gibt, was wenig Freude bringt! Zudringlich schelt ich dich, Sigrdryfa! Sobald Gefahr gering ist, lassest du mich, warum nimmst du mir den Sieg, der dir kostbar däucht?«

Sprach die Idise:

»Meiner Schwestern eine schützte Hjörleif, deinen Vater, und vielen Helden geschah vorher wie euch. Niemals noch hörte ich solch trotzige Klage!«

»Ein Alb bist du mir, Freudenkränkerin, Stolzzerstörerin, Mannesmutbrecherin! Als Surtur den Balken nach mir warf, hätte ich ihn wohl allein getragen, aber der Sieg war nicht mehr mein, da deine Schulter sich mit dagegen stemmte! – Wider meinen Willen lenktest du Sippeknauf! Als Jarl Svan nach mir schlug, da glitt sein Schwert ab an deinem Schild, ich aber, der ich ihn schonen wollte, mußte ihn töten!«

»Seine Zeit war um! Ihm war der Tod durch dich gesponnen!«

»Ich aber will nicht nachleben, was ein anderer mir vorausspann! Ich will nicht gefesselt sein vom Faden, den die drei Alten drehen! Steig' ab, Sigrdryfa, und nimm dein Schwert!«

»Was willst du mir?« sprach staunend die Idise.

»Ich will in dir selbst all' meine Feinde neu bezwingen!« sagte Half, und Grims Herz stand still.

Da lachte die Idise:

»Du Tor! – Kein Mann zwingt Sigrdryfa, solang ihr Gürtel ganz ist!«

»Ich will ihn zersprengen!« sagte Half.

»Du Tor! Kein Mann sprengt Sigrdryfas Gürtel, der ihre Kraft nicht bezwang!«

Da sprach Half nicht mehr, sondern er hob das Schwert mit beiden Händen und hieb auf sie ein.

Aber Sippeknauf glitt ab, und die Gewalt des Schlages brachte Half fast zu Fall.

»Nicht gegen uns Schwestern grub All-födhr Odhin die Runen ein!« lachte die Idise, und es war das ein Klang wie das Ziehen weißer Wildschwäne in den Lüften.

Sie sprang vom Roß, das ohne Zuruf stand, und hing ihr Schwert an den Sattel. Und am Rande des Abgrunds hin sah Grim ein Ringen, wie nie vorher noch nachher im Leben.

Half schlang die nackten Arme um die Idise, die sich wie zum Spiel gegen ihn wehrte.

Aber das Lachen verging ihr bald.

Half preßte sie, und sein Blut befleckte ihre Brünne. Die Adern traten an seiner Stirne vor, sein Antlitz flammte. Nie noch hatte Grim so seines Leibes nackte Kraft erkannt.

Plötzlich barst knackend ihre Brünne, und ihre Brust wogte gegen seine.

Half taumelte, und Grim schrie auf. Aber sogleich schüttelte Half ihre Umklammerung ab. Er fing ihre beiden Hände mit der Linken, und seine Rechte zerrte mit aller Kraft an ihrem Gurt.

Sie biß ihn in die linke Schulter. Die Narbe verblaßte nicht, solange er lebte.

Da kam Raserei über ihn, wie einst auf Hegranäs, da seines ersten Erschlagenen Blut das Weib zum Manne wandelte. Er preßte den Gürtel mit solcher Kraft, daß er ihn sprengte.

Als dies aber geschah, stieß sie einen Schrei aus, voll der Angst, denn nun war die Stärke von ihr genommen, und sie war nur mehr, wie andere Weiber sind: unterworfen dem Manne und dem Tode preisgegeben.

Da war des Lachens Reihe an Half. Er wand ihr den langen Gürtel unter den Armen um den Leib. Dann hob er sie und hielt sie mit gestrecktem Arm über den Abgrund hinaus und fragte sie, ob sie ihm eignen wolle.

Und Sigrdryfa, bleich in ihrem gelösten, wilden Haar, rief: »Nein!«, obgleich sie nun vor dem Abgrund unter ihr schauderte, da sie nichts mehr als ein Weib war.

Half fragte sie zum zweiten Male. Da sagte sie: »Odhins Zorn liegt auf dir, wenn du mich erkennst!«

Er aber lachte wie im Metrausch.

Es brach das Blut an der Walküre Leib hervor, denn der beschlagene Gurt war tief ins brünnenlose Fleisch gedrungen.

Mit schwankender Stimme fragte Half zum dritten Male.

Das Weib schloß die Augen.

Da stieß Half ein wildes Jauchzen aus, und sein Arm zitterte erst, als er sie aufs Moos bettete.

 

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.