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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Atlis Feindschaft gegen Half wird offenbar

Nun war ein großes Trinken in des Goden Asbjörn Halle, und es waren viele gute Männer dabei. Der Gode setzte den Skalden Glum zu seiner Rechten und Half zu seiner Linken.

Dies aber war Atli so recht gegen sein Herz getan. Er nannte Glum stets ohne Ehrfurcht einen alten Quakfrosch und haßte Half ebenso sehr um seines Ruhmes willen wie darum, weil jener nicht hinter den Weißröcken herschlürfte wie er selbst.

Als alle Männer schon fröhlich vom Met waren, begehrte einer ein Lied von Glum, und alle pochten mit der Schwertfaust auf den Tisch Beifall dazu.

Glum, der weitum im Lande geehrt wird, war es gewohnt, daß man andächtig lauschte, wenn er sang. Doch während allen andern das Herz schwoll, flüsterte Atli unziemlich mit seinem Freunde Hliot, der sich nicht schämte zu lachen, während sein eigener Vater sang.

Glum tat, als merke er nichts, aber er ward sehr bleich, denn daß sein ältester Sohn Hliot es mit Atli und den Weißröcken hielt, das fraß an ihm, obgleich er nie darüber sprach. Jetzt aber wandte er sich, da er sang, Hliot zu, und es ward offenbar, warum er just Odhins Lehren an Loddfafnir gewählt hatte, als er an diese Stelle kam:

»Ich rate dir, Loddfafnir, den Rat nimm an!
Er nützt dir, vernimmst du ihn,
Er frommt dir, befolgst du ihn:
wackern Mann nur
erwirb dir als Freund – – –!«

Da schämten sich alle für die zwei, die am Tischende tuschelten. Sprach Gode Asbjörn, der so schwach seinem späten, einzigen Kinde gegenüber war: »Wenig Ehre gewinnt im Leben, wer Skalden nicht zu ehren weiß, Atli!«

Atli zuckte die Schulter:

»Es ziemt uns Getauften nicht, Götzenlieder zu hören!«

Da konnte Grim nicht länger an sich halten: »Schämst du dich nicht, Hliot, dein Maul zu wetzen, wenn dein Vater bessern Männern zu Gefallen singt?«

Hliot ward sehr rot, aber Atli lachte höhnisch: »Sieh nur, wie witzig Grim sich gebärdet! Das macht, er kennt der Finnen Runen und Ränke alle!« Half das Weib aber legte sein Schwert in der Scheide vor sich auf den Mettisch und sprach sehr ruhig:

»Dein Hohn trifft meinen Bruder Grim wenig, Atli. Denn jeder weiß, daß es die Besiegung des Feuerriesen ist, für die Aukko, die Finnin, Grim Dankbarkeit beweist.«

Atli begann zu lachen.

»Sonderbar ist es, daß du eine Tat Grims rühmst, deren ich ihn sich selbst niemals noch rühmen hörte, da sie nicht sein ist!« Half ward sehr böse, das sah man daran, daß seine grauen Augen schwarz wurden. Aber er sagte nur: »Gib acht, daß diese Worte dich nicht gereuen mögen!«

Atli wies auf Half und schrie:

»Sieh nur, Hliot, wie sich das aufspielt! Und doch wälzen sie sich zur Nachtzeit selbdritt im Bett, und Grim Sengehaar weiß nicht, wem er zuerst schön tun soll, Aukko, der Finnin, oder Albrun, der Vettel!«

Und Atli bog sich weit über den Tisch vor und faßte Half an dem Fleisch unterm linken Arm, wie man Frauen beim Busen faßt.

Half sprang empor, schleuderte Atli zurück und riß das Schwert aus der Scheide. Alle Männer hielten den Atem an, denn die Schmach schien ihnen groß und der Zorn gerecht.

Aber ehe Half sich noch auf Atli stürzte, donnerte Glum: »Hinaus, wer den Hallenfrieden stört!«

Und er faßte Atli mit der Rechten und Hliot mit der Linken und schleifte sie durch die Halle zur Tür, wie man junge Hunde hinausträgt, die sich unreinlich betragen haben. Und draußen stellte er sie nicht eben sänftlich nieder und schloß die Türe.

Es deuchte allen, Glum habe wohl getan, und manche sagten, er habe Atli das Leben gerettet, denn Half hätte ihn sicherlich erschlagen. Es ward ihm große Ehre darum angetan, aber Half und er verließen bald, trotz Asbjörns Bitten, das Haus und mit ihnen die besten Männer.

 

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