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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Wie Sippeknauf Jarl Svan schlug

Es wäre aber besser gewesen, hätten die Eislandmänner nach dem großen Mönchstod auf Hegranäs auch noch Olaus und die anderen erschlagen, wie man Schlangenbrut zertritt. Aber Floke, der ihrer Kinder Freund war, warf sich auf die Kniee und bat um ihr Leben. So ließen sie von ihnen ab, denn es ist nicht Eisländers Art, das Schwert nochmals zu heben, wenn die Schlacht siegreich geschlagen ist. Davon aber kam später großes Unglück über alle, wie noch gesagt werden soll.

Die Mönche lebten nun so still dahin wie einst, da sie zuerst den Fuß an Land setzten. Es ward keine Taufe mehr vollzogen, und selbst die Kinder, die an Floke so hingen, lachten, wenn er von dem Gott sprach, der am Kreuz gestorben war.

Es ging auch Asbjörn der Gode umher und sagte laut, wenn des Kreuzes rechter Arm auch länger sei, der des Thorrhammers reiche doch weiter. Dies aber sagte er, weil jene, die an Thorr glauben, sein Zeichen fast ganz so malen, wie die Christen das Kreuz, nur daß beim Hammer der rechte Arm halb so lang ist wie der linke.

Einzig Rannveig und Atli, ihr junger Sohn, hielten noch zum weißen Gott, und Atli suchte Half, der das Weib hieß, zu schaden, wo er konnte.

Es saß aber Gjöld stattlich und stolz zu Engihlid, und sie sagte, sie könne Odhin nicht gram sein, der ihr zu Hegranäs gleichviel gegeben wie genommen habe. Zwischen Half und Grim war nun Blutsbruderschaft geschlossen, und sie liebten sich sehr. An Half sah man es recht, um wieviel weniger Schönheit dem Manne zugemessen sein muß als dem Weibe. Denn hatte Albrun häßlich geschienen, grob von Angesicht und ungeschlacht von Gliedern, so strahlten nun selbst Altweiberaugen auf, wenn Half vorüberging.

Als die dritte Schneeschmelze kam, da war das Meer weithin bedeckt von Harald Hårfagrs Langschiffen, und es verbreitete sich Schrecken, da es hieß, Jarl Svan selber führe sie, des Königs alter Waffenmeister, der gerühmtesten Helden einer.

Diesmal ließ Gode Asbjörn sein Schwert durchs Land gehen, und als der Bote die große Kunde nach Engihlid gebracht hatte, da nahm Half Sippeknauf mit Lachen von der Wand, das Schwert fuhr von selbst aus der Scheide und schlängelte sich wie eine blinkende Natter.

»Du lachst,« sprach Gjöld zu Half, als sie dies sah, »aber morgen werden viele Mütter weinen!«

In dieser Schlacht focht Half in der ersten Reihe und Grim zu seiner Linken. Als ihre Schwerter schon manchen Mann nach Hel gesandt hatten, ward Grim arg vom Durst geplagt, doch hatten weder er noch Half Wasser.

Sie liefen abseits zu den Rossen, die alle in einem Rudel grasten, und suchten, ob nicht einer der Mannen seine Lederflasche gefüllt habe. Da trat ein Mann hinterm Felsen hervor, der war hoch und mächtig von Gliedern, und sein weißer Bart hing ihm bis zum Gürtel.

»Niemand soll sagen dürfen, Jarl Svan habe einen guten Kämpen dürsten lassen!« sagte er und reichte Grim seine Gürtelflasche. Grim dankte nach gutem Brauch, und als er getrunken hatte, warfen er und Half sich wieder in die Schlacht, den Haraldsmannen Schaden zu tun.

Kam Hliot heran, Glums Sohn, und rief: »Solange der Weißbart dort lebt, ist uns Sieg versagt; komm Half, daß wir ihn zwingen.« Sagte Half: »Schande wär's mir, den Mann zu töten, der Grim Gutes getan hat.«

Es stand aber schlecht um die Eisländer, denn Svan focht wie ein Held und weiser Mann. Zweimal geriet Half im Gewühl an ihn und zweimal riß er Sippeknauf zurück, denn ihm war, als züngle das Schwert nach des Jarls Brust. Doch als zum drittenmal Svan und Half aneinandergerieten – und dies war kein Zauber, denn sie kämpften beide vor allen Mannen –, da sprach der Sehralte zu dem Jungen:

»Bist du auch bei der Schüssel daheim so wählerisch, Half, daß du nur die guten Brocken haschest und die zähen den andern überlässest?« Sagte Half: »Man hat mich nicht gelehrt, Gutes mit Schwertschlag zu vergelten.« Da freute sich Jarl Svan und lachte.

»Du gleichst Skeggi, dem jüngsten meiner sieben Söhne, der tot ist wie sie alle. Lange schon warten sie meiner in Walhall, und dein Schwert scheint mir scharf genug, einem müden Manne Rast zu schenken! Fällst du mich, so schlug mich kein schlechter Mann, und nur würdiger macht dich mein Tod.«

Half fühlte Sippeknauf sich bäumen und zucken, aber er hielt das Schwert mit beiden Händen und schüttelte heftig den Kopf.

Rief Jarl Svan: »So sieh dich vor, Feind!« Und er hieb zu mit aller Kraft, da Half es am wenigsten erwartete.

Grim schrie auf, denn solche Wucht hatte der Hieb, daß der Freund Halfs Haupt schon zerspalten wähnte.

Aber mitten im Schwunge, fast über Halfs Flügelhelm, glitt des Alten breite Klinge ab mit einem Klirren, als habe sie in der Luft auf Erz getroffen.

Im selben Augenblick fuhr Sippeknauf in Halfs Händen auf und glitt bis zum Heft in Jarl Svans Brust.

Half wußte später noch genau, daß er mit aller Kraft bemüht gewesen war, die Wehr zurückzuhalten.

Aber eine größere Macht als seine stieß seinen Arm zu, und Jarl Svan starb. Während der Feinde Flucht, der Eisländer Jubel ihn umtobten, stand Half vor dem Erschlagenen still und sah finster auf das Schwert hinab, dessen Runen wie lebendig flammten.

 

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