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Die Geschichte von Half dem Weibe

Alma Johanna Koenig: Die Geschichte von Half dem Weibe - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorAlma Johanna Koenig
titleDie Geschichte von Half dem Weibe
publisherRikola-Verlag Wien Leipzig München
printrun1. bis 6. Tausend
year1924
firstpub1924
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130731
projectidc3f5aa39
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Hjörleif Zwölfkraft stürmt Hegranäs

Dieser Kampf war der erste nach Jahren, die die Rosse feist und die Schwerter stumpf gemacht hatten. Aber man kann darum nicht sagen, daß er minder heiß gewesen sei.

Als Olaus die Männer kommen sah, da waffnete er seine Weißröcke und Schwertmannen, und als Hjörleif des Schandmönches Auslieferung verlangte, antworteten ihm Pfeile und Speere.

Bald waren alle Wolken schwarz von jagenden Idisen, deren jede ihren Erschlagenen im Sattel hatte, aber auch unter Haralds Kreuzbanner fielen sie wie gemäht.

Wo Hjörleif Schrecken in der Feinde Reihen trug, da wehte ihm zur Seite Albruns gelbes Haar, denn als Schildknecht schritt sie ihm zur Linken. Und während Sippeknauf seine Arbeit tat, jauchzte Albrun: »Noch diesen, Vater! Noch den!«, daß ihr Lachen sich dem Todesschrei der Mönche mengte.

Die ganze Zeit kniete der Mönch Floke, der ohne Schwert war, und betete laut zu dem weißen Gott um den Sieg der gerechten Sache. Also ward es offenbar, daß der Christengott selber Hjörleifs Rache an dem Schandmönch gerecht hieß, denn übel erging es den Weißröcken an jenem Tage, und Flokes Gott ließ es zu, daß Hjörleif den Schandmönch drinnen im Hofe von Hegranäs wohl zehnmal um den großen Dunghaufen herumjagte, ehe er endlich seinen Leichnam wie schlechtes Aas auf den Mist warf. Da lachte Hjörleif auf, als er Asny gerächt hatte.

Es war aber der Führer der Schwertmannen ein Jarl, den gelüstete es nach des zwölfstarken Mannes Fall, er hoffte König Haralds Gunst zu erringen, wenn er ihn erschlüge, und er schwang die Axt, ihm das Haupt zu zerschmettern. Das ersah das junge Weib Albrun und hieb ihm mit ihrem schartigen Schwert so hart über den Arm, daß ihm das Beil entfiel. Da hob der Jarl seinen Schild, sie zu erschlagen. Es zeigte sich aber, wie wohl Albrun von ihrem Vater im Waffenwerk unterwiesen worden war, denn sie faßte ihr Schwert mit beiden Händen und rannte es in des Jarls Brust.

Als das junge Weib Albrun seinen ersten Feind erschlagen hatte, da sprang dessen Herzblut in breitem Strahl auf ihre nackten Füße und rötete ihr Kleid.

Im gleichen Augenblick begann sie zu lachen, so wild, so gellend, daß die Männer mitten im Schwertschlag sich wandten. Und alle sahen, daß sie trunken war vom Schlachtenrausch, der auf ihr lag. Alle sahen, daß sie Wehr und Gewand mit beiden Händen abriß von ihrem zuckenden Leib. Alle sahen, daß dieser trunkene Panzerbloße, der nackend vorstürmte, kein Weib mehr war.

Da sprang der lachende Schlachtenrausch von ihm über auf Alle, daß sie sich rasend auf die Feinde warfen.

Kein Stein von Hegranäs blieb auf dem andern. Nur Olaus und sieben seiner Mönche kamen lebend davon, die man nach Tagen halb verhungert aus ihren Verstecken zog.

Als aber die Schlacht geschlagen war und die wilde Flamme auslosch in den Blicken der Männer, da trat Glum der Skalde zu dem hin, dessen Blöße Grim mit seinem eigenen Schilde deckte.

Sprach Glum:

»Große Zeichen haben die Götter an diesem Tage uns von ihrer Macht gegeben, da Thorrs Hammer über das Kreuz siegte. Das schönste Zeichen jedoch bist du selbst, den man Albrun Hjörleifstochter nannte.

Ich aber nenne dich Half nach deines Geschlechtes Ahn, und ›das Weib‹ sollst du heißen, deiner Wandlung zum Gedächtnis.«

Da gaben alle Männer ihm gute Wünsche, und Half Hjörleifsohn lief umher und rief jauchzend seines Vaters Namen.

Aber Hjörleif lag, einen Speer in der Brust, inmitten eines Haufens Erschlagener. Als er seinen Sohn gesehen hatte, der schwertlos Schwertmänner fliehen machte, da war er lachenden Munds den Siegestod gestorben, um zu dem Gotte einzugehen, der niemals sein Bündnis bricht.

 

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