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Die Gefangenen der Apachen. Zweiter Band

Paul Margot: Die Gefangenen der Apachen. Zweiter Band - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Margot
titleDie Gefangenen der Apachen. Zweiter Band
publisherGrunow, Leipzig
year1868
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20140410
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Erstes Kapitel

Der Rückzug. – Die Pantherkatze im Kampf. – Der Antilope rechtzeitiges Eintreffen. – Der Orkan. – Das Hochwasser.

Während am jenseitigen Ufer wenige Comantschen genügten, die Räuber zu hindern all zu kühn zu werden, waren die am Rande der Prairie mit den Apachen im Kampf Begriffenen kaum im Stande, selbe von dem Eindringen in die Verhaue abzuhalten. Dreißig Krieger, mit Einschluß Williams und Browns, befanden sich hier noch kampffähig und auch diese waren fast alle leicht verwundet und ermattet von dem wilden Streiten. Niemand wußte, wer gefallen, wer noch am Leben sei. Jeder schlug sich auf eigene Faust mit dem Muthe der Verzweiflung, und die aus sicherem Versteck abgesandten Pfeile, die mörderischen Büchsensalven, hatten fürchterlich unter den Apachen gewüstet; doch immer waren diese den Comantschen fast dreifach überlegen und es schien Nichts übrig zu bleiben, als das Leben so theuer als nur möglich zu verkaufen.

Gegen neun Uhr Abends war der erste Angriff erfolgt, jetzt war es fast zwei Uhr Nachts und noch immer tobte der Kampf in voller Wuth. Plötzlich, als die Comantschen ihre Kräfte schon gänzlich schwinden fühlten, ließen die Apachen vom Angriffe ab und zogen sich, die errungenen Vortheile aufgebend, zurück und dem wilden Tumult folgte lautlose Stille. Die Comantschen aber standen klopfenden Herzens auf ihren Posten, glaubend, der Feind würde bald zum letzten, entscheidenden Sturm hervorbrechen; doch Nichts störte die Ruhe und bald sank ein Krieger nach dem andern auf dem Platze, auf welchem er gestritten und den fast jeder mit seinem Blute getränkt, zur Ruhe nieder. Nur Wenige hatten Ueberwindung genug, freiwillig die Bewachung des Lagers zu übernehmen; auch William's Augen mied der Schlaf, er hatte noch immer vergeblich geforscht, was aus der Pantherkatze geworden, fragen wollte er nicht, um nicht unnöthige Besorgnisse zu erregen und eben schickte er sich an die Büsche zu durchsuchen, als selbe sich theilten und der vermißte rothe Freund, auf den Neger gestützt, ins Freie trat.

Innig umarmten sich die Männer und der Comantsche sprach mit tiefem Gefühle:

»Meine Augen sehen Dich unter den Lebenden und mein Herz ist froh! viele brave Krieger, die der Häuptling liebte, liegen im ewigen Schlaf, doch würde er nie wieder froh geworden sein, wäre auch mein Bruder unter ihnen! Aber meine Kräfte sind schwach, darum ruf' Du statt meiner alle meine Söhne zusammen, die Zeit drängt, wir müssen fort!«

Von William erweckt, sammelten sich alle noch kampffähige Comantschen, vierunddreißig an der Zahl, um ihren Häuptling, der mit trüber Miene die gelichteten Reihen überflog. Er frug hin und wieder nach einem der fehlenden Krieger, aber fast immer war die Antwort: »gefallen!« Nur selten hieß es: »verwundet!« Nach kurzem Sinnen begann der Sachem:

»Die meisten meiner Söhne sind verwundet, viele todt! was muthige Herzen nur im Stande sind, haben wir vollbracht, blickt hinaus auf die Prairie, Ihr könnt beim Morgengrauen die Leichen der erschlagenen Feinde erkennen; was ich gewollt, ist gelungen! Die Schaar der Apachenhunde ist auf die Hälfte zusammengeschmolzen, ihr Häuptling gefallen, sein Scalp in den Händen der Pantherkatze!«

Und mit stolzem Triumph wies der wilde Krieger seinen aufjubelnden Gefährten die blutige Trophäe, mit warmen Worten Bob's Muth und Geschicklichkeit preisend.

»Es hieße sich unnütz aufopfern,« fuhr der Häuptling fort, »wollten wir länger hier ausharren; wir wollen die Bestürzung der Apachen benutzen und zu entkommen suchen, ehe sie sich zum neuen Angriff rüsten. Wir müssen aber auch die zu retten suchen, die ihr Blut für uns verspritzt und nicht mehr im Stande sind, sich zu vertheidigen; auf! bindet Alle die, welche nicht selbständig zu reiten vermögen auf ihre Pferde und dann harret meiner Befehle!«

In kurzer Zeit war gethan, wie der Häuptling angeordnet und dieser ließ nun von einem Theil der Comantschen die gefallenen Brüder herbeitragen und von dem anderen Aeste und dünne Stämme abschlagen. Bald war ein mächtiger Scheiterhaufen aufgethürmt und die Pantherkatze hielt die Leichenrede; einfach pries der Redner die Tugenden der Gebliebenen, stellte sie als leuchtende Vorbilder der Vaterlandsliebe und des Muthes dar und versprach den Gefallenen blutige Rache. Daß der Häuptling seinen Zuhörern aus der Seele gesprochen hatte, das bewiesen deren laute Beifallsrufe, als jener geendet.

An allen Ecken flammte nun der Holzstoß empor, die Comantschen schwangen sich in die Sättel und eilten, ein jeder eins der Pferde, welche die Verwundeten trugen, am Zaume führend, das steile Bachesufer hinab, durch das Wasser in die offene Prairie. Glühend roth stieg im selben Augenblick die Morgensonne über die fernen Bergspitzen und die glänzenden Strahlen zerrissen die dichten Nebel, welche die Comantschen mit so freudigen Blicken betrachtet! Ein wüthender Fluch entschlüpfte aber jetzt jeder Lippe, denn vor sich in weiter Runde erblickten sie gegen sechszig Apachen zu Pferd, welche augenscheinlich auch sie bemerkt hatten, denn deutlich sah man sie die Waffen schwingen. Die Apachen zögerten zwar anzugreifen, wahrscheinlich überrascht von der unerwartet großen Anzahl von Reitern, da sie natürlich nicht erkennen konnten, daß fast die Hälfte derselben schwer verwundet war. Was nützte aber das momentane Zögern? Hier halten bleiben konnte man nicht, ebenso wenig zurückreiten in das kaum verlassene Lager, das gänzlich mit all den Bäumen und Sträuchen in Flammen stand. Jede Minute des Zauderns aber vergrößerte auch die Gefahr, denn der mächtige Brand mußte ja den am jenseitigen Ufer befindlichen Feinden bald verrathen, daß das Lager verlassen sei.

»Unser Untergang scheint beschlossen zu sein!« unterbrach William die peinliche Stille etwas kleinlaut. »Es ist unmöglich mit unseren schwachen Kräften, gehemmt durch die Verwundeten, den Kreis der Feinde zu durchbrechen.«

»Wer weiß.« sprach ruhig der Häuptling »der Comantsche verzagt nie, so lange noch ein Funken von Leben in seiner Brust!« Dann wandte er sich an seine Krieger und fuhr mit erhobener Stimme fort:

»Wir müssen den Feind täuschen! Zwanzig der am besten Berittenen mögen mir folgen, die übrigen sich um die Verwundeten schaaren und in geringer Entfernung hinter uns herreiten. Die Apachen werden den Kreis zusammenziehen, um an einer Stelle den Angriff zu erwarten, auf diese Stelle wird sich die Pantherkatze mit seinen zwanzig Söhnen werfen und Euch Anderen Zeit geben zu entkommen, mein weißer Bruder wird Euch führen! Schützt ihn, Ihr wißt, wie sehr der Häuptling ihn liebt!«

Ohne eine Erwiederung abzuwarten, traf der Sachem die Auswahl der Krieger, welche den Scheinangriff mit ihm wagen sollten, – die Ermattung, die er vor kaum einer Stunde gezeigt, war gänzlich verschwunden. Fest und stolz saß der Häuptling auf seinem tanzenden Hengst, jetzt stellte er sich an die Spitze und ritt im leichten Trabe auf die Apachen zu, welche, wie die Pantherkatze vorhergesagt, sich bei der ersten drohenden Bewegung concentrirt hatten und die Comantschen festen Fußes erwarteten.

Etwa zwölfhundert Schritt von den Apachen entfernt, wandte sich der Sachem zu William und sprach:

»In wenig Secunden werden sich unsere Wege scheiden; der Häuptling wird den dreifach überlegenen Apachen Trotz bieten, mein Bruder, aber suche zu entkommen! Laß die Verwundeten mit einigen Führern reiten, was die Pferde laufen können und schütze Du mit den Uebrigen deren Rückzug. Fort!«

Ein letzter Gruß mit der Hand und unter dem eilenden Kampfruf der Comantschen brauste der ganze Reitertrupp daher und erst als bereits die Büchsen krachten, die Pfeile schwirrten, ließ William seine Abtheilung links schwenken. Zu spät erkannten die Apachen ihren Irrthum, die mit langen Lanzen wüthend angreifenden Comantschen waren bereits in ihren Reihen und nahmen ihre ungetheilte Aufmerksamkeit in Anspruch. Dennoch setzen einige Apachen den Fliehenden nach, doch William, Brown, der Neger und vier mit Büchsen bewaffnete Krieger hielten augenblicklich an, ihre wohlgezielten Schüsse warfen die Nachsetzenden von den Sätteln und weiter ging's in rasender Carriere. Die Pferde, durch die lange Ruhe gestärkt, schienen kaum den Boden zu berühren und schon besprach sich William mit den Comantschen, die Verwundeten unter geringer Bedeckung weiterziehen zu lassen und mit allen entbehrlichen Kräften der Pantherkatze zu Hilfe zu eilen, als eine am Rande der Prairie aufsteigende Staubwolke alle Augen fesselte.

Freund oder Feind – wer war es wohl? Niemand vermochte diese wichtige Frage zu beantworten. Indianer waren es, das verriethen deutlich die im Strahle der Morgensonne blitzenden Lanzenspitzen! Obwohl anzunehmen war, daß es Comantschen unter Anführung der Antilope seien, konnte ebensogut eine Anzahl Apachen ihren Brüdern zu Hilfe eilen, und deshalb wurde beschlossen, wieder Kehrt zu machen und sich mit der Schaar des Häuptlings zu vereinigen. Verbarg die sich rasch näher wälzende Staubwolke wirklich Apachen, dann blieb Nichts übrig, als vereint zu sterben; war es aber die erwartete Verstärkung, um so besser, desto leichter schien es dann, die Reihen der Apachen zu durchbrechen und den Rückzug zu bewerkstelligen. Kaum war die kurze Unterredung beendet, als die Pferde herumgeworfen wurden und in flüchtigen Sätzen dem Ort wieder zu eilten, dem sie vor Kurzem erst entwichen.

Auf der Comantschen Rath nahm William die Richtung nach dem Flußufer zu; so gelang es ihm mit seinem Gefolge unbemerkt wieder in den Kreis zu gelangen, den die Apachen um die Pantherkatze gezogen. Das hohe, mit Sträuchen und großen Steinen übersäete Ufer bot den Verwundeten auch ein leidliches Versteck, zu deren Schutz ließ William vier Krieger zurück, er selbst aber mit Brown, dem Neger, sowie den übrigen sieben Comantschen jagten den bedrängten Kameraden zu Hilfe, welche bis jetzt einen schweren Stand gehabt hatten.

Die Wuth, mit der die Pantherkatze und seine Krieger angriffen, hatte um so größere Verwirrung unter den Apachen verbreitet, da selbe zugleich ihre Aufmerksamkeit auf die unter Williams Führung Fliehenden gerichtet, und wie erwähnt, den schwachen Versuch gemacht hatten, deren Flucht zu hindern.

Erst als die Nachsetzenden unter den Kugeln der Verfolgten gefallen waren, griffen die Apachen vereint die Zurückgebliebenen an; deren vortreffliche Pferde jedoch, so wie die eminente Gewandtheit und Sattelfestigkeit, welche die Comantschen zu den besten Reitern der Welt macht, ließen eine Anwendung der Schußwaffen kaum zu. Nur vereinzelt krachte eine Büchse, schwirrte ein meist wirkungsloser Pfeil, und die langen Lanzen, die schimmernden Streitäxte allein klangen gegen einander. Die Comantschen begnügten sich aber bald, die Apachen nur zu beschäftigen und zu ermüden. Wie der Blitz jagten sie auf ihren schnellen Streitrossen über die thauige Prairie; den Kampf mit der Uebermacht vermeidend, den Einzelkampf mit wilder Streitlust suchend.

Manch kühnes Reiterstück führten die Comantschen aus, vor Allen schien ihr Sachem die Gabe zu haben, sich vervielfältigen zu können; bald hier, bald dort sah man sein Pferd und seine Streitaxt hatte schon mehreren Apachen die Schädel zerschmettert.

Aber auch fünf Comantschenleichen lagen auf der Prairie und so gering dieser Verlust an und für sich erschien, war doch dadurch die Schaar auf sechszehn Krieger zusammengeschmolzen, welche von wenigstens fünfundvierzig Apachen umringt, dennoch mit wahrer Todesverachtung den ungleichen Kampf fortführten. Wohl hatte hin und wieder einer der Comantschen so viel Luft, daß er sich leicht durch die Flucht hätte retten können, doch Niemand dachte an das eigne Heil, vereint wollten sie die Reihen der Feinde durchbrechen, oder vereint den Tod finden.

Abseits von dem wilden Herüber- und Hinüberwogen des Kampfes hielten unbeweglich zehn Apachen, die die Aufgabe zu haben schienen, einzelnen Flüchtlingen den Weg abzuschneiden, in der That sich aber nur vom Streite zurückgezogen hatten, um bei einer günstigen Gelegenheit sich auf die Pantherkatze zu werfen, und den Häuptling, welcher gefeit gegen jede Verwundung schien, womöglich lebend in ihre Gewalt zu bekommen; geduldig folgten sie den Schwankungen des Streites, bis sie gewahrten, daß fast sämmtliche Comantschen abgeschnitten, nach dem Fluß zu gedrängt wurden und nur die Pantherkatze mit zwei seiner Krieger ein halbes Dutzend Apachen vor sich hertrieb; nun erst legten die Harrenden die Lanzen ein und flogen in Carriere auf den Sachem zu, verbanden sich mit denen, die bis jetzt vor jenem geflohen und ehe noch die drei Comantschen die Gefahr übersehen konnten, waren sie von sechszehn Apachen umzingelt.

»Von den Pferden!« donnerte der Häuptling, und augenblicklich sprangen die drei von den Sätteln, stellten sich in die Mitte der Mustangs und deren Körper als Deckung benutzend, deren Köpfe aber mit ihren Schildern deckend, begrüßten sie die Anstürmenden mit ihren Büchsenkugeln. Drei Apachen stürzten und die Übrigen prallten zurück, aus der Ferne ihre Pfeile absendend, von denen einige die unruhig werdenden Pferde streiften; rasch gaben die Comantschen noch einmal Feuer und wieder sanken zwei der Feinde vom Sattel. Doch immer mehr Apachen sammelten sich, fast dreißig hielten die drei muthigen Männer eingeschlossen und ein Pfeilschauer nach dem andern flog gegen die ununterbrochen feuernden Comantschen, bis der eine derselben plötzlich zurück taumelte, die Arme in die Höhe warf und niederstürzte. Ein Pfeil hatte das Auge durchbohrt, die entkräftete Hand des Gefallenen ließ den bäumenden Mustang frei, der Wall, welcher die Comantschen beschützt, war gebrochen und ihr Untergang schien gewiß, denn mit wildem Gehäul stürmten – durch den geringen Erfolg ermuthigt – die Apachen von allen Seiten heran. Das Äußerste wagend, stieg die Pantherkatze und sein Gefährte wieder zu Pferd, um einen Ausweg aus dem immer enger werdenden Kreise zu suchen. Wo eine Lücke sich zeigte, stürzten die beiden Comantschen darauf zu, doch die Reihen, der Apachen schlossen sich, so oft jene glaubten dieselben durchbrechen zu können, da, im entscheidenden Augenblick krachte eine Büchsensalve im Rücken der bereits triumphirenden Apachen; mehrere derselben stürzten, auch einige Pferde sanken zusammen, und ehe sie nur wußten, woher der neue Angriff gekommen, hatte der Häuptling und sein Begleiter die momentane Verwirrung benutzt und ihre Rosse nach den entstandenen Lücken gelenkt. Großmüthig deckte der Sachem den Rückzug seines Kameraden, und erst als er diesen in Sicherheit wußte, dachte er an die eigene Rettung; ein Theil der Apachen hatte sich gegen den neuen Feind gewandt, die Anderen stürmten mit verdoppelter Wuth auf den kühnen Comantschen, um wenigstens ihn nicht entrinnen zu lassen. Mit blitzendem Auge hatte die Pantherkatze rasch die Situation überblickt, die Stelle wo zwei der Feinde neben den getödeten Pferden standen, erwählte sie und wie der Wind jagte das wackere Steppenroß auf die beiden Apachen zu, welche die Pfeile auf dem Bogen, den Heranfliegenden, erwarteten, – da klangen die Sehnen und der Comantschenhäuptling sank an der Seite seines Schimmels herab. Den noch mit einem Beine im Sattel hängenden Reiter fortschleppend, jagte der wild gewordene Mustang weiter, doch die Apachen wollten sich den Scalp des berühmten Häuptlings nicht entgehen lassen, sprangen herbei und schon griff einer nach dem Zaum des Hengstes, als der Erschrockene die wild funkelnden Augen des Todgeglaubten auf sich gerichtet sah: noch ehe er einen Laut ausstoßen, auch nur eine Bewegung machen konnte, schwang sich die Pantherkatze wieder in den Sattel, die nervige Faust parirte das Roß, daß es auf die Hacken sank und seine lange Lanze durchbohrte den voreiligen Apachen, dann ließ er dem Hengst die Zügel, sein Rechte schwang die mächtige Peitsche auf des treuen Thieres Flanken, daß das edele Geschöpf, ob solch ungewöhnter Behandlung erregt, von des Häuptlings donnerndem Schlachtschrei angefeuert, mit prachtvollem Sprung über den nächsten Apachenreiter wegsetzte und den geretteten Sachem zu den laut jubelnden Kameraden trug. Die Comantschen – die als beste Reiter bei Welt anerkannt sind – täuschen auf diese Weise oft ihre Feinde; nur mit der Hacke des linken Fußes auf dem Kreuz des Pferdes sich erhaltend, vermögen sie ihren geschmeidigen Körper auf der einen Seite des Pferdes wie leblos herabhängen zu lassen, oder an den Leib des toll dahin jagenden Thieres geschmiegt, unter dessen Hals hindurch, ihre Pfeile mit unfehlbarer Sicherheit zu entsenden; dann allerdings geben sie ihrem Körper durch ein dünnes Seil Halt, das jedes Pferd aus den Haaren des eigenen Schweifes geflochten um den Hals trägt, und durch welches der Reiter den linken Arm schlingt.

William's kleine Schaar hatte die rechtzeitige Salve gegeben, nachdem sie sich mit den noch übrigen Comantschen, welche von einer Abtheilung Apachen nach dem Ufer zu gedrängt worden waren, verbunden und die Angreifer zurückgeworfen hatte.

Ihr unvermuthetes Erscheinen, das fabelhafte Entkommen der Pantherkatze und ihres Cameraden, so wie die fortwährenden, sicheren Schüsse Brown's und des Negers brachte unter den Apachen eine solche Verwirrung hervor, daß es den Comantschen gelang, sich zu sammeln und in guter Ordnung nach dem Ufer zurückzuziehen, wo sie eine leidlich gedeckte Stellung einnehmen konnten.

Mit wenig Worten dankte der Sachem hier für die geleistete Hilfe; deutlicher sprach sein beredter Blick, der fest auf Williams Gestalt ruhte. Letzterer erzählte in Eile seinem rothen Freunde von der Staubwolke, die ihnen so viel Sorge bereitet und sie endlich zurückgeführt hätte.

Sinnend ließ die Pantherkatze das Auge über den Kampfplatz schweifen, dann sprach sie zu William:

»Sieht mein Bruder die drei Apachenhunde, die dort den Uebergang über das Wasser suchen?«

»Ich sehe sie! Fürchtest Du, daß man versucht uns im Rücken anzugreifen?«

»Nein! Das Ufer, das uns Schutz giebt, ist höher als das jenseitige, wir könnten es leicht beschießen, ohne uns bloszustellen. Die drei dort werden den Rest der Apachen herbeirufen, die noch am jenseitigen Ufer lagern!«

»Könnten aber die Reiter, die wir gesehen, nicht eben der Rest der Apachen sein?« frug William besorgt.

»Die Pantherkatze glaubt es nicht! Wären es Apachen, so wüßte ich keinen Grund, der sie hätte aufhalten sollen! der Zeit nach müßten sie wenigstens in unserem Gesichtskreis sein!«

»Wenn sie nicht in jenem Gebüsch lagern, das Du am Rande des Horizontes siehst!«

»Gewiß werden sie dies, und eben darum glaube ich, daß es Comantschen sind, die nicht recht wissen, was hier vorgeht!«

»Was ist aber da zu thun?« frug William weiter.

»Zu warten!« war des Indianers trockene Antwort, der nach kurzem Sinnen fortfuhr:

»Ich werde zwei Späher aussenden, vor Mittag können sie zurück sein; der eine mag ergründen, ob wirklich Leute meines Stammes in der Nähe und sie dann von unserer Lage benachrichtigen; der andere soll den Lauf des Baches folgen und sehen ob derselbe von Apachen besetzt ist, und wenn nicht, so können sich, im Wasser fortreitend, wenigstens die Verwundeten aus der Falle ziehen, zwei Stunden später, wenn jene einen tüchtigen Vorsprung haben, werden wir dasselbe Wagestück versuchen. Jetzt laßt uns die Ruhe benutzen, die uns die Apachen gönnen!«

Damit wandte sich der Sachem zu seinen Leuten, zwei derselben machten sich auf den gefahrvollen Weg und waren, im Bach fortschreitend, ihren Kameraden bald aus den Augen entschwunden. Alles lagerte sich im Angesicht der Feinde mit der Sorglosigkeit, welche den kühnen, an Gefahren gewöhnten Bewohnern der weiten Prairien eigen ist. Nach kaum einer halben Stunde legte der Häuptling die Hand auf Williams Schulter und sprach zuversichtlich:

»Mein Bruder wird die Magnolienblüthe wiedersehen! Ich habe richtig prophezeit, dort zieht der Rest der Apachen durch die Fuhrt, nur Freunde kann die Staubwolke verborgen haben, die Dich erschreckt!« Und seine Worte zugleich an seine Kameraden richtend, fuhr die Pantherkatze mit erhobener Stimme fort:

»Noch nie hat der 'Vater der Comantschen' sein Wort gebrochen! Dort im Wald, dessen Saum Ihr sehen könnt, liegt sicher die Antilope mit auserwählten Kriegern, – gelingt es, uns mit jenen zu vereinigen, so brauchen wir nicht die Apachen zu fürchten, stehen uns auch noch gegen siebzig der feigen Hunde und etwa zwanzig der Prairieräuber entgegen!«

Neue Hoffnung zog in Aller Brust und jeder gab sich der Stärkung des eigenen Körpers, der Pflege der Pferde hin, auf denen ja hauptsächlich das Gelingen der Flucht beruhte; mit spähenden Augen wurden die Bewegungen dar Apachen bewacht, ein Angriff derselben konnte ja jeden Augenblick bevorstehen.

Doch schon waren zwei Stunden verstrichen und noch immer blieben die Comantschen unbelästigt; da traf auch der eine der ausgesandten Späher ein und berichtete, daß der ganze Bach unbesetzt, daß nirgends ein Apache zu sehen sei.

Nach dieser Botschaft wurde augenblicklich ein Theil der bereits im Wasser, von dem hohen Uferrand verborgen stehenden Pferde stromab geleitet, ohne daß die Apachen von diesem Manöver etwas ahnten und ehe eine halbe Stunde verstrich, zogen sämmtliche Schwerverwundete, begleitet von einigen Kriegern in dem Wasser, nach der Richtung des heimathlichen Dorfes fort.

Bereits hatte die senkrecht herabstrahlende Sonne die Mittagszeit verkündet, als auch der zweite Späher eintraf und die frohe Botschaft brachte, daß sechzig Comantschen, geführt von der Antilope, in dem kleinen Wäldchen sich verborgen hielten, und habe diese sogleich zwanzig Krieger zu Pferde abgesandt, die dem Späher auf dem Fuße folgen. Noch hatte sich der laute Jubel über die glückliche Nachricht nicht gelegt, als die angekündigte Verstärkung eintraf und zur rechten Zeit, denn die Apachen schienen endlich zum Angriff zu schreiten. Wie in solchen Fällen fast immer, so hatte sich auch bei ihnen nach dem Fall des Oberhauptes Mißgunst und Neid um den Oberbefehl eingeschlichen und erst auf Don Manuels Anrathen entschied das Loos, welches ihm selbst die Führung zuerkannte. Ueberhaupt hatten die Räuber mehr und mehr die Lust verloren, in das Comantschengebiet weiter einzudringen, doch was half's? Ihr Vertrag hielt sie gefesselt und die geheimen Wünsche ihres Anführers machten es auch nothwendig, die Freundschaft mit den Apachen aufrecht zu erhalten. So wurde denn der Angriff endlich beschlossen, obgleich ein fürchterliches Gewitter im Anzug war. Schon heulte der Sturm über die Prairie, Staub und dürre Blätter in wildem Tanz vor sich herjagend, schon fielen dichte schwere Tropfen, als die Pantherkatze das Zeichen zum Aufbruch gab. Um den Rückzug möglichst unbemerkbar zu machen, wurde beschlossen, daß die Hälfte der Krieger nur tausend Schritt weit marschiren und sich dann postiren solle, bis auch die zurückgebliebene Hälfte sich zurückgezogen, an der ersten Abtheilung vorbeimaschirt und wieder auf tausend Schritt Distance Stellung genommen habe; so sollten beide Abteilungen fortfahren, die eine der anderen als Stütze dienend, bis das ganze Corps sich der im Walde lagernden Verstärkung gegenüber befände. Hier mache nach Aussage der Späher der Bach eine so starke Wendung, daß er sich dem Walde bis auf wenig über Schußweite näherte. Gelang es, diese Stelle zu erreichen und die Apachen zwischen zwei Feuer zu bringen, so hoffte die Pantherkatze selbe so zu verwirren, daß er sich mit der Schaar der Antilope vereinigen konnte.

Glücklich hatte die erste Abtheilung tausend Schritt zurückgelegt und eben bestieg die zweite die durch das lange Stehen in dem, wenn auch flachen Bache ungeduldig gewordenen Rosse, als gegen sechzig Apachen hervorgebraust kamen; doch ruhig setzten die Comantschen ihren Weg fort, zogen bei dem ersten Trupp vorüber und überließen diesem die Apachen zu empfangen. Noch hatten die letzteren von den Aufgestellten keine Ahnung, als eine scharfe Salve in ihre Reihen schlug, dann brach auch diese Abtheilung von Neuem auf. Dreimal wiederholten die Comantschen das gleiche Manöver und über zwanzig Apachen waren bereits gefallen, als diese einsahen, daß auf diese Weise sie nimmer die Comantschen aufhalten konnten. Einige Reiter jagten deshalb zurück um Verstärkung zu holen, die andern folgten den fliehenden Comantschen, welche zu ihrem Heil jetzt die Pferde in Galopp zu setzen vermochten, da an das Wasser einige Ellen breit sandiger Boden stieß, ehe das mannshohe Ufer sich erhob; zu allerletzt ritt der Häuptling, der stets zu größerer Eile trieb, oft besorgte Blicke hinter sich werfend. Plötzlich, rief er mit dröhnender Stimme: »Am ersten Punkte wo das Ufer gestattet, die Prairie zu erreichen, verlassen wir unseren Weg!«

»Mein Gott!« warf der vor der Pantherkatze sprengende Neger ein, »warum dem Wolfe in Rachen laufen?«

»Die Coyoten dort oben fürchte ich nicht, aber der Wolf ist hinter uns. Der schwarze Mann hat gesehen, daß die Apachen nach Hilfe geschickt haben, wo ist nun die Hilfe?«

»Nicht da!« grinste Bob »und das sein sehr schön!«

»Uah! sehr schön! – Mein Bruder kann die Apachen und Räuber nicht sehen, hätte er aber die Ohren der Pantherkatze, würde er hören, daß wir verfolgt werden, auf demselben Weg, den wir reiten, und gelingt es uns nicht, den hohen Uferrand bald zu erklimmen, so schmückt der Scalp mit dem schwarzen Wollhaar noch heut einen Apachenkrieger!«

Unwillkürlich griff Bob an seinen Schopf, seinen Mustang zu doppelter Eile ermahnend. In wenig Minuten mußten die Comantschen dem Wald gegenüber sein und versuchen, die Prairie zu gewinnen, doch immer schroffer wurde das Ufer, für Pferde nicht zu erklimmen und jetzt hörte auch der Pfad neben dem Bache auf, der Weg mußte wieder im Wasser selbst fortgesetzt werden, was die Eile natürlich gewaltig verminderte und um das Unglück voll zu machen, hörte man schon deutlich die wilden Rufe der Verfolger.

Da machte der Bach plötzlich eine Biegung und ein breiter Büffelpfad senkte sich von der Prairie in's Wasser. Lauter Jubel begrüßte den unerwarteten Ausgang, einen Augenblick ließen die Comantschen ihre Pferde verschnaufen, dann jagten sie den Büffelpfad hinauf und direct auf die nahe Waldesecke zu. Die auf der Prairie haltenden Apachen, vierzig etwa an der Zahl, wollten sich ihnen zwar entgegenwerfen, doch die Antilope war auf ihrer Hut, eine Salve krachte aus dem Wald und hervorbrachen mit lautem Kampfgeheul die darin verborgen gewesenen Comantschen, bei deren unvermutheten Anblick die Apachen Kehrt machten und wie Streu zerstoben.

Der Pantherkatze Ruf hielt die Krieger von der Verfolgung ab, denn schon brachen die ersten bestberittenen Apachen aus dem Büffelpfad hervor und im schnellsten Rosseslaufe flüchteten die glücklich vereinigten Comantschen in östlicher Richtung, verfolgt von den Apachen! In rasender Wuth über das Entrinnen der Feinde, die sie schon so sicher in ihrer Gewalt glaubten, stürmten die Apachen hinter diesen her, nicht achtend des Unwetters, das sich jetzt entlud; erst die rasch eintretende Dunkelheit machte dem wahnsinnigen Ritt ein Ende, die Apachen schwenkten nach rechts und lagerten sich zwischen den hohen Uferrändern des Baches, wo sie doch einigen Schutz fanden.

Die mehrfachen Unfälle, die starken Verluste hatten sie entmuthigt, die Unlust der Räuber über den für sie interesselosen Streit nahm auch zu, und in verzweifelter Stimmung kauerten Indianer und Räuber unter den schützenden Wollendecken. Eine ganz andere Stimmung herrschte unter den Comantschen, welche im niederfallenden Regen, vom heulenden Sturmwind umsaust, im grellen Licht der Blitze wie der Hölle entstiegene Teufel an der Abdämmung des Biberbaches arbeiteten. Die Pantherkatze, welche hier jeden Fuß breit kannte, wußte nur zu gut, was ein derartiges Unwetter zu bedeuten, kannte die Tücke des so unscheinbaren Flüßchens, kannte die rasende Schnelle, mit der es, durch herabstürzende Bergwasser geschwellt, in wenig Stunden zum reißenden Strom wurde und beschloß das nasse Element als Bundesgenossen gegen die verhaßten Feinde seines Stammes zu benutzen.

Dicht neben dem Büffelpfad standen einige schlanke Bäume, die der schlaue Häuptling zu fällen befahl und im tollsten Kampfe der empörten Elemente begannen die Äxte zu schwirren. Wenige Schläge genügten, das übrige that der Sturm und von Lasso's geleitet, stürzte der erste der Baumriesen über den Bach, die beiden Ufer verbindend; ein zweiter, ein dritter folgte und mit unermüdlichem Eifer begannen die Comantschen nun die Brücke durch Aufhäufen von Aesten, Laub und Erde, die sie in ihren Decken mühsam herbeischleppten, zu einem hohen dicken Wall umzugestalten. Unterhalb der Brücke blieb so viel Raum, daß genug Wasser durchlaufen konnte, den gewöhnlichen Wasserstand zu erhalten, aber schon wälzten sich gelbe Massen heran, am Wall sich aufstauend.

Noch einige Stützen ließ der Häuptling anbringen, um dem Wall so viel Halt zu geben, daß erst eine riesige Wassermasse ihn durchbrechen konnte und kehrte dann mit seinen Kriegern im weiten Bogen die Apachen umgehend, nach dem Lagerplatz auf der Halbinsel zurück, auf welcher der erste Kampf stattgefunden hatte. Zwei volle Stunden mußten sie mit dem Unwetter kämpfen, ehe sie den Ort erreichten und Menschen und Thiere waren so erschöpft, daß Alle sich todesmatt niederwarfen. Nur William's Nerven waren so aufgeregt, daß er nicht ruhen konnte. In seine Decke gehüllt, lehnte er an einem verkohlten Baumstumpf und betrachtete mit leisem Grauen die flammenden Blitze, wenn sie durch die verbrannten Aeste züngelten, gespenstisch den Aschenhaufen beleuchtend, der die Leichen so vieler Comantschen verbarg. Da zuckte ein Blitz herab, so grell und blendend, daß William entsetzt die Augen schloß; als er wieder aufblickte, stand der Häuptling vor ihm, mit einer hastigen Geberde das Wasser aus den triefenden Haaren werfend.

Erstaunt betrachtete der junge Mann seinen rothen Gefährten; er konnte den treuen, aufopfernden Freund, den edlen Gatten der schönen, sanften Arrita nimmer mit der Person des wilden Kriegers vereinigen, welcher mit stolzer Stirn und bloßem Haupte den aufgeregten Elementen Trotz bot.

Blitz auf Blitz schoß jetzt, gefolgt von mächtigen Donnerschlägen, in so rascher Folge hernieder, daß William kaum im Stande war, der Pantherkatze Worte zu verstehen.

»Das Gewitter meint es gut mit uns!« schrie der Indianer. »Es beeilt sich die feurigen Wolken zu entladen; bald wird der Mond durch die schwarzen Nebel dringen und mein Bruder wird sehen können!«

»Sehen?« frug William, »ich wüßte nicht was ich sehen soll. Ich wäre allerdings froh, wenn das fürchterliche Wetter nachließe, um eine kurze Zeit zu ruhen, denn ich fühle mich an allen Gliedern wie zerschlagen. Aber sag! Warum hast du uns zurück an diesen Platz geleitet, den wir doch froh sein sollten, im Rücken zu haben?«

»Mein Bruder kann deutlich den Hügel erkennen, unter denen meine gefallenen Söhne schlafen; ihr Blut schreit um Rache, und ich bin mit ihren Brüdern zurückgekehrt, um an dem Platz, an dem sie gefallen, ihre Feinde zu vernichten. Doch lege Dich nieder, der Donner wird Dich nicht stören, ich werde Dich wecken, wenn die rechte Stunde gekommen.«

Willenlos ließ sich der junge Mann von dem Indianer nach einer Stelle geleiten, die etwas höher gelegen, leidlich trocken geblieben war und unter dem Schutz zweier zeltartig über einen Baumstumpf geworfene Decken, den Kopf auf den treuen Trust gelehnt, versank William in tiefen Schlaf.

Zwei Stunden mochte er geruht haben, als ihn die Pantherkatze weckte:

»Mein Bruder erhebe sich! Er thue Augen und Ohren auf, denn nie wieder wird er ein Schauspiel sehen, wie das, welches sich vor seinen Blicken in Kurzem entrollen wird!«

Aufspringend gewahrte William im matten Licht des Morgengrauens, gedämpft durch den noch immer niederprasselnden Regen rings auf der Prairie weite Wasserlachen, an denen dunkele Gestalten sich herumzausten; es waren Wölfe, die sich um die Leichen stritten und ihr heiseres Geheul tönte deutlich zu den Comantschen hinüber, welche am Ufer aufgestellt die Waffe in der Hand, gespannt stromauf blickten, von woher dumpfes Geräusch an ihr Ohr schlug.

Plötzlich kam ein Comantsche auf schweißtriefendem Roß angejagt und meldete, der Damm sei, nachdem er solange Widerstand geleistet, daß das Wasser hinter ihm sich zu seiner vollen Höhe aufgestaut hätte, durchbrochen. Die Apachen mußten noch keine Ahnung haben, welche furchtbare Gefahr ihnen drohe, denn im Vorbeijagen hatte der Späher sie in ihrem Lager gesehen, ja es waren sogar mehrere Pfeile ihm nach geflogen, deren einer seine Stirn leicht geritzt. Kaum war der Späher vom Pferd gesprungen, als auch schon ein entsetzliches Geschrei verkündete, daß das Wasser nun die Apachen erreicht. Wenige Minuten später, wälzte sich die empörte Fluth als mehrere Fuß hohe gelbe Mauer daher, in ihren schmutzigen, schaumgekrönten Wellen die Apachen theils zu Fuß, theils zu Roß mit sich führend. Die Pantherkatze hatte Recht gehabt, es war ein entsetzlicher Anblick, wie die Unglücklichen dahergeschossen kamen, dazwischen ledige Pferde und einzelne Apachen, welche schwimmend versuchten, sich zu retten. Von den eigenen Brüdern, denen es geglückt war in den Sattel zu kommen, mit Messer und Streitaxt zurückgeworfen, wenn sie versuchten sich an deren Pferde anzuklammern, erfaßten viele den Uferrand, auf dem die Comantschen standen; doch deren Tomahawk zerschmetterte Jedem dem Schädel, der in ihren Bereich kam, und dazwischen krachten die Schüsse, schwirrten die Pfeile und warfen die vom Pferd, die sich schon gerettet glaubten. Kaum fünf Minuten hatte die schreckliche Catastrophe gewährt, als die reißenden Fluthen den letzten Apachen vorbeiführten, da schwang sich eine Anzahl Comantschen auf ihre Pferde, um die Unglücklichen noch weiter zu verfolgen und zu vernichten, was in ihre Hände fiel.

Der Regen hatte endlich nachgelassen, die Sonne siegreich die schwarzen Wolken verjagt und tiefe Stille lag auf dem Ort, der kurz zuvor Zeuge so furchtbarer Metzeleien gewesen war; erst spät des Nachmittags kehrten die Comantschen von ihrer Verfolgung im das Lager ihrer Brüder zurück; sie hatten eine überreiche Beute an Scalpen, Pferden und Waffen gemacht, auch sieben Gefangene, darunter einen Weißen, schleppten sie mit sich; doch weder dieser, noch die Apachen waren zum Sprechen zu bringen und selbst als ihnen die härtesten Martern angedroht wurden, verharrten sie in trotzigem Schweigen.

Empört über die Halsstarrigkeit, befahl die Pantherkatze Vorbereitungen zur Marter zu treffen, das Loos sollte entscheiden, wer von den Gefangenen den blutigen Reigen eröffnen solle. Sechs weiße und ein schwarzes Steinchen wurde verdeckt den Gefangenen dargeboten und der Räuber zog das Todesloos. Bleich, mit düsteren Blicken betrachtete der sonst so trotzige Geselle den kleinen unschuldigen Stein, der ihm so verhängnißvoll werden sollte, dann schleuderte er ihn mit wildem Fluche in's Wasser und trat vor die Pantherkatze.

»Demonio!« knirschte er wild »Ihr wollt mich martern um mir auszupressen, was Ihr wissen wollt und ich kenne Eueren Scharfsinn genug, um zu wissen, wie erfinderisch Ihr in der Wahl Euerer teuflischen Quälereien seid. Wohlan spart Euere Mühe, ich will Euere Fragen beantworten!«

»Uah! Es war gut, daß sich der bleiche Mann bei Zeiten besann!« sprach der Häuptling ernst, »Erzähle was Euch betroffen, nachdem das Wasser Euch ereilte!«

»Wir lagen zwischen den verdammten Flußufern und freuten uns in unserer Verblendung über den leidlichen Platz, welcher uns wenigstens vor der größten Wuth des Unwetters schützte, als Waktehno, unser Hauptmann, durch das Gurgeln des Wasser's aufmerksam gemacht, in der Fluth behauene Spähne fand und augenblicklich Unrath witterte. Er ermahnte zum sofortigen Aufbruch, doch von den Apachen lachte Jeder seiner Befürchtungen, auch ich und zwei der Räuber glaubten mehr Sicherheit bei der größeren Zahl der Apachen zu finden und ließen den Hauptmann mit achtzehn Räubern den Uferrand erklimmen und davon ziehen. Die sind nun glücklich entkommen, während ich gefangen, der eine meiner Gefährten erschossen, der andere mit einer Unzahl der Apachen ertrunken, vor denen sich höchstens vierzig haben retten können. Das ist Alles was ich weiß, nun thut mit mir, was Ihr wollt, aber der Teufel soll mich holen, wenn ich mein Maul anders als zum Essen wieder aufmache!«

Die Comantschen konnten mit ihren Erfolgen wohl zufrieden sein; hatten sie auch schwere Verluste erlitten, so war doch ihr Sieg gegen die bedeutende Uebermacht ihrer Feinde ein so glänzender, daß mit der stolzesten Siegesfreude der Weg nach dem heimathlichen Dorfe angetreten werden konnte.

Von dort aus wollte die Pantherkatze ein neues Heer sammeln, um einen Einfall in die Apacharia zu unternehmen, theils die Gefangenen zu befreien, theils die verhaßten Apachen so zu demüthigen, daß diese es endlich müde werden sollten, bei jeder Gelegenheit die Comantschen zu bekriegen.

Seufzend erkannte William die Notwendigkeit, einen so bedeutenden Zeitverlust dulden zu müssen, doch konnte er nicht umhin seine Befürchtungen gegen den Häuptling auszusprechen, daß sie leicht zu spät kommen könnten, Maria den Händen der Feinde zu entreißen, doch richtete sich der Comantschenhäuptling mit dem edelen Anstand auf, den William früher so oft bewundert und sprach mit seiner klangvollen Stimme:

»Der große Geist liebt die Comantschen; sie sind seine besten Kinder und er wird sie nicht verlassen, hoffst Du von Deinem Gott weniger? Du rühmst doch so oft seine Macht und Huld, preisest seine Gerechtigkeit und zweifelst daran, daß Du das Mädchen mit goldenem Haar den Apachenhunden entreißen wirst? Sollte Dein Gott Dir aber die Hilfe versagen, die er, wenn er gerecht ist, der Magnolienblüthe angedeihen lassen muß, so rechne wenigstens auf den Comantschensachem, er wird Dich nicht verlassen. Suche Dein Lager auf und träume von dem goldhaarigen Mädchen. Morgen brechen wir das Lager ab und kehren heim, von dort aus wird die Pantherkatze ihren Kriegsruf ertönen lassen und wenn Du all die Krieger siehst, die auf meinen Schlachtschrei herbeieilen, wirst Du nicht mehr zweifeln, daß unser Zug in die Apacharia gelingt!«

»Werden die Apachen sich aber nicht früher an den Gefangenen vergreifen? Und warum ist Marie's Vater zurückgeblieben, wo weilt George, wo der Falke?« frug William einiger Maaßen beschämt über die Zuversicht seines heidnischen Freundes, der ihm gelassen zur Antwort gab:

»Mein Bruder frägt mehr, als der arme Indianer beantworten kann, doch das kann ich Dir versichern, daß dreimal die Scheibe des Mondes voll werden muß, ehe das Leben der Gefangenen in Gefahr schweben wird. Aus vier verschiedenen Dorfschaften war die Schaar der Apachen zusammengesetzt, keine der Abtheilungen wird sich die Ehre nehmen lassen wollen, die Gefangene zu martern; sie werden warten, bis das große Sonnenfest den ganzen Stamm vereinigt, um den Gästen zu Ehren die Gefangene zu opfern, zuvor wird aber der Comantsche unter ihnen sein und das Mädchen befreien!«

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