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Die Gefangenen der Apachen. Zweiter Band

Paul Margot: Die Gefangenen der Apachen. Zweiter Band - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Margot
titleDie Gefangenen der Apachen. Zweiter Band
publisherGrunow, Leipzig
year1868
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20140410
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Zehntes Kapitel

Preston und Don Manuel. – Des Räubers Ende. – Die Vergeltung. – Die Erstürmung der Felsenburg. – Die Beute.

Der Mond sandte sein silbernes, mildes Licht über die schlummernde Erde, aber taub gegen seine Mahnung trachteten die Comantschen, welche das Räubernest umgaben, nur nach Kampf und Blut. In der Höhle, die George einst entdeckt, schlief sanft Marie und nicht weit von ihr saß der junge weiße Jäger in tiefes Sinnen verloren; draußen aber lauerten seine rothen Kameraden und immer und immer wieder erklangen ihre Büchsen, wenn der Schatten eines Nachtvogels, das Rollen eines Steinchens sie hatte einen Feind wähnen lassen. Sieben ihrer Brüder waren von den Kugeln der Banditen gefallen, elf, wenn auch nicht schwer, verwundet, noch aber hatten sie nicht einen Zoll breit Terrain gewonnen. Sie wußten freilich nicht, daß die Banditen auf zwölf Mann zusammengeschmolzen, daß auch diese nur noch mit dem Muthe der Verzweifelung stritten und daß der Hunger bald den Trotz der Belagerten brechen würde. Alles dies ahnten die Comantschen nicht, sie glaubten auch nicht, daß ihre Schüsse dem Feind großen Schaden zufügen könnten, nein, sie wollten ihn nur in steter Aufregung erhalten und machten sich oft das sonderbare Vergnügen, in stiller Nacht nach längeren geräuschlosen Pausen die Räuber durch ihr dämonisch gellendes Geheul aufzuschrecken.

Im Anfang fuhren die Banditen wohl entsetzt in die Höhe, wenn die der Hölle entstammten Töne an ihr Ohr schlugen, doch Alles, selbst die drohenste Gefahr stumpft ab und ihre, von Hunger und Anstrengung überreizten Nerven fanden in dem Tosen des Feindes nichts Schreckliches mehr. Daß sie sterben mußten, daß ihrer Verbrecherlaufbahn ein Ziel gesteckt, das wußten die wilden Gesellen gar wohl, sie ergossen sich auch nicht in unnützen Klagen, bangten nicht vor dem Tod, doch sie wollten fallen, mit den Waffen in der Hand, noch im Sterben ihren Gegnern schadend; die schnelle Kugel, ein tüchtiger Hieb, nicht die Folterqualen des unbarmherzigen Feindes sollte ihr Leben enden, dann war ja Alles aus! Denn den Glauben an eine Fortdauer der Seele hielten sie für ein Ammenmärchen und die Vergeltung im Jenseits für eine Drohung der Pfaffen; wie hätten sie sonst auch Verbrechen auf Verbrechen häufen, den Zorn des Allmächtigen täglich herausfordern können, wenn ihre umnachtete Seele geahnt, daß sie in wenig Stunden Rechenschaft vor einem Richter geben müßten, der jede Falte unseres Inneren kennt. Und war in ihrer Brust vielleicht doch ein Funken Reue aufgestiegen, so hatten sie das ihnen unbekannte lästige Gefühl in der Unmasse Mezcal erstickt, den sie fort und fort aus Lederschläuchen tranken, welche ihr Hauptmann mit ungewohnter Freigiebigkeit spendete.

Don Manuel selbst aber saß, leise mit Preston flüsternd, in der Höhle und besprach mit dem Mormonen nochmals die Flucht; denn fliehen wollten die beiden Schurken noch in dieser Nacht, feig ihre Gefährten verlassen, deren Ausdauer allein ihnen Zeit zur Ausführung ihres Planes geben und die Comantschen vor dem vorzeitigen Eindringen abhalten sollte.

Endlich erhob sich Don Manuel und raunte seinem Genossen zu:

»Nun geht. Preston! Thut, als ob Ihr Euer Lager suchtet und erwartet mich in der Schlucht, durch welche das Wasser stürzt! Ich will die theuren Freunde da draußen zum letzten Mal besuchen, bin aber spätestens in einer halben Stunde bei Euch!«

Der erhaltenen Weisung folgend, verschwand der Mormone in einem der Nebengänge, der Räuberhauptmann jedoch ergriff einen neben ihm stehenden Korb, in welchem ein halbes Dutzend Flaschen voll edelen spanischen Weines lagen, und schritt auf das Plateau. Hinter großen Felsblöcken lagerten dort die Banditen, die Frauen an ihrer Seite, und blickten stumm in's Thal, bis Don Manuel einige Fragen an sie richtete. Von den Antworten scheinbar befriedigt, entgegnete der Hauptmann:

»Recht so meine Bursche! bleibt den heulenden Teufeln da unten keinen Schuß schuldig. Ich sehe, Ihr seid wieder die Alten, und darum habe ich Euch eine kleine Extraration mitgebracht. Hier, trinkt! es ist ächter Alicante, aus irgend einem Klosterkeller. Haltet aber gute Wacht, denn ich – ich will ungestört sein, mir ahnt, daß denen da unten doch noch ein Schnippchen geschlagen wird!«

Ein recht häßliches Lächeln umspielte bei den letzten Worten des Verräthers Lippen, noch einmal schweifte sein Auge über die Genossen, die so manchen Strauß mit ihm bestanden, dann machte er plötzlich Kehrt und schritt festen Fußes in die Höhle zurück. In der Grotte, in welcher das Wasser entsprang und die stets von einer Laterne erleuchtet, fand er Preston, welcher staunend die herrliche Umgebung musterte. Die glänzenden Krystalle, welche die Höhle bildeten, spiegelten in tausendfältiger Farbenpracht das Licht der Laterne wieder und geheimnißvoll rauschte das Wasser aus einem breiten Felsspalt und verschwand in einem dunkelen Gange.

»Gottes Tod!« rief der Räuber, als er den Mormonen erblickte. »Was steht Ihr denn hier und gafft? Habe ich Euch nicht deutlich genug den Weg vorgeschrieben?«

»Das habt Ihr allerdings.« entgegnete Preston. »Ich gestehe, aber offen, es war mir nicht recht geheuer, im Finstern in das Wasser zu steigen; ich hätte leicht einen Fehltritt thun oder sonst wie verunglücken können!«

»Thorheit!« sprach der Räuber barsch. »Jetzt aber vorwärts, gebt mir Euere Hand, ich will vorangehen, doch sputet Euch; Ihr wißt, wir stehen an unserem Brunnen, leicht könnte eine der alten Hexen Wasser schöpfen wollen, und die würde verflucht verwunderte Augen machen, uns hier zu sehen. Also vorwärts!« Die Hand des Mormonen ergreifend, stieg er entschlossen in's Wasser und folgte dessen eiligem Lauf, seinen Gefährten nach sich ziehend.

»Alle Wetter, das ist aber verdammt kalt!« brummte dieser. »Und nun die Finsterniß dazu; sagt Freund Waktehno, macht doch wenigstens Licht!«

»Um uns wohl zu verrathen? Nein, das wollen wir hübsch bleiben lassen, der Gang wird immer breiter und demnach das Wasser auch flacher: Seht Preston, wir müssen eben durch alle Elemente. Die Comantschen haben uns etwas von dem Feuer der Hölle kosten lassen; jetzt waten wir durch's Wasser und dann kommt der gefährlichste Theil unserer Flucht, die Fahrt durch die Luft!«

»Und die Erde. Ihr vergeßt die Erde,« fiel der Mormone ein.

»Laßt die in Frieden!« entgegnete kurz der Räuber, »die deckt uns vielleicht früher, als wir ahnen; doch schreitet aus, das Wasser ist in der That verteufelt kalt!«

Eine kurze Zeit schritten sie schweigend dahin, als sich ein stets wachsendes Getöse hören ließ.

»Was ist das?« frug der Mormone.

»Der Wasserfall!« antwortete Don Manuel, »wir sind bald am Ziel; paßt jetzt auf, wir verlassen das Wasser, das sich wieder zusammendrängt, immer tiefer und reißender wird, bis es endlich durch eine schmale Oeffnung in's Thal stürzt. So, hier herauf, nehmt Euch in Acht, die Steine sind schlüpfrig, wenn Ihr stürzt, seid Ihr verloren. So – nun wartet, jetzt will ich Licht machen!«

Der Räuber entzündete einen Kienspahn, und denselben hoch empor haltend, schritt er weiter. Preston folgte vorsichtig, denn die Steine, die neben dem kochenden, mit rasender Eile dahinschießendem Wasser hervorragten, schienen kaum acht Zoll breit und mit schlüpfrigem Moos überzogen, und die in die Höhe strebende Wand der Schlucht war von der steten Feuchtigkeit ebenfalls spiegelglatt und bot, im Fall eines Sturzes, nicht den geringsten Halt. Das Getöse des Wasserfalles wurde immer lauter, der Lauf des Wassers immer toller und dessen Rinnsal in dem Maße schmäler und tiefer, je breiter der Weg wurde, den die beiden Männer dahinschritten. Jetzt hielt Don Manuel, der Kienspahn flog in das Wasser und erlosch mit lautem Zischen, und nach kurzer Pause sprach der Räuber:

»So Kamerad, nun könnt Ihr gemüthlich Euch umschauen!«

»Umschauen?« rief Preston erstaunt. »Indem Zwielicht erscheint Ihr mir wie ein Schatten, und steht doch dicht vor mir, was ich weiter sehen soll, wüßte ich nicht; ich dächte überhaupt, wir machten uns so schnell als möglich auf die Socken; wie wir freilich entkommen sollen, ist mir ein Räthsel, das Ihr mir nun gefälligst lösen wollt!«

»Kommt und seht!« erwiederte einfach der Räuber und schritt mit Preston weiter. In wenig Secunden erweiterte sich die Schlucht zu einer Höhle, durch welche das Wasser seitwärts in's Thal stürzte, vor der Höhle aber streckte sich ein kleines altanförmiges Plateau über die gähnende Tiefe, hierher führte der Räuber seinen Begleiter und, auf den Abgrund deutend, sprach er:

»Hier ist der Weg zur Flucht!«

Preston sah ihm einen Moment starr in die Augen, da er glaubte, jener sei entweder verrückt oder betrunken, dann trat er bis an den Rand des Plateau's, legte sich auf den Bauch und blickte in die Tiefe. Kaum vier Fuß unter sich sah er ein zweites kleines Plateau, auf welchem er zu seinem nicht geringen Erstaunen ein mächtig langes und starkes Seil, in regelrechte Ringe aufgerollt, gewahrte, dessen eines Ende sorgfältig an einen starken Eisenring geknüpft, der tief in das feste Felsgestein eingelassen war, neben diesem Rettungsapparat lagen seine und des Räubers Waffen, und zwei ziemlich umfangreiche Felleisen.

Sich aufrichtend, trat der Mormone wieder zu Don Manuel und sah ihn nochmals prüfend in, die Augen, ehe er frug:

»Sagt! wollt Ihr im Ernst diese wahnsinnige, Fahrt unternehmen?«

»Versteht sich! es bleibt ja auch keine Wahl!«

»Dann will ich Euch was sagen, Freund Waktehno, dann reist allein, reist glücklich, ich aber bleibe zurück!«

»Ihr müßt aber mit!« entgegnete der Räuber. »Umkehren ist nicht mehr möglich. Seht dort, in der Ecke, erkennt Ihr den kleinen glühenden Punkt?«

»Allerdings! was ist's aber und was soll's damit?«

»Während Ihr vorhin Euere Rundschau hieltet,« antwortete der Räuber, »habe ich drei Fäßchen Pulver, die ich stets hier aufbewahrt, an den Eingang des Rückweges gerollt; das glühende Fünkchen ist die Lunte, die ich gelegt – nun geht! geht Preston. Nehmt Euch aber in Acht, an die Lunte zu stoßen; Ihr kennt deren Windungen nicht, eine falsche Berührung – und Ihr fahrt verteufelt rasch zur Hölle!«

In ohnmächtiger Wuth knirrschend, stampfte Preston den Boden, doch der Räuber fuhr besänftigend fort:

»Seid kein Kind! Es ist nicht das erste Mal, daß ich das Wagniß unternehme, es ist wahrlich auch nicht so schlimm, wie es aussieht. Ihr habt an dem Ring, an dem Seil gesehen, daß Alles auf's Beste vorbereitet ist, und Ihr werdet weiter unten Euch noch über manche nützliche Einrichtung wundern. Wir steigen höchstens vierzig bis fünfundvierzig Fuß hinab, aber nun wollen wir an unsere Flucht denken, denn dort, die Lunte dort, ist genau berechnet; sie verschließt etwaigen Verfolgern den Weg zu bestimmter Secunde, reißt aber auch uns in's Verderben, wenn wir die Zeit mit unnützen Salbadereien vergeuden. Also – seid Ihr bereit mir zu folgen?«

»Euere sehr triftigen Gründe zwingen mich wohl dazu!«

»Es ist gut! Noch aber wollen wir wenige Minuten warten, bis der Mond hinter jenen Wolken verschwunden! Besser ist besser!«

»Schön!« entgegnete der Mormone. »Vielleicht habt Ihr unterdeß die Gewogenheit mir zu erklären, warum Ihr gerade mich zum Begleiter erlesen, stehen Euch Euere Gefährten nicht näher?«

»Hm, Ihr seid verdammt neugierig!« brummte Don Manuel und fuhr erst nach längerer Pause mit höhnisch zuckender Lippe fort:

»Seht Preston! ich will aufrichtig sein! An Euerer Person liegt mir eigentlich nichts. Den Begleiter, den ich gebrauche, hätte ich mir eben auch aus meinen Galgenvögeln dort oben erwählen können. Aber welchen gleich? Die Auswahl war schwer, ich konnte an den Unrechten kommen, der mich vielleicht seinen Kameraden verrieth, und die gebrauche ich doch so nothwendig, um die Comantschen in Schach zu halten. Darum wählte ich Euch, Ihr seid ziemlich verständig, fragt nicht viel und handelt zur rechten Zeit. Die Burschen aber wollen jeden Quark erst haarklein vorgekaut haben, sind nebenbei seit drei Tagen nicht nüchtern geworden und vor Allem, wäre Keiner von ihnen hier weg gegangen, ohne sich mit Schätzen so beladen zu haben, daß ich statt Beistand nur Last und Plage mit dem Kerl gehabt hätte; diesen Umständen verdankt Ihr allein Euere Rettung! Ich gebrauche Euch eben!«

»Ihr habt wirklich äußerst offen gesprochen!« erwiederte der Mormone, und deutlich bebte seine Stimme vor Zorn über des Räubers Rücksichtslosigkeit. »Kennt aber Niemand Euerer Gesellen diesen Weg?«

»Niemand! Ein Mann allein hatte Kenntniß davon, er hat mit mir die Einrichtungen getroffen, aber – er kann uns nicht mehr schaden!«

»Gewiß nicht mehr?«

»Nein! es war Jean der Mulatte!«

»Ah der Mulatte!« rief Preston erstaunt »das scheint doch ein verteufelter Bursche gewesen zu sein, und ich habe ihn sehr zur rechten Zeit unschädlich gemacht! Doch Ihr erwähntet vorhin die Habgier Euerer früheren Kameraden! Es wäre wirklich vernünftig gewesen, wenn Ihr auch für uns eine Kleinigkeit – Höll' und Verdammniß, was ist das?« unterbrach er sich plötzlich und sprang entsetzt in die Höhe, als ein flüchtiger Blitz die Höhle erhellte und dichter Pulverdampf ihn umgab.

»Beruhigt Euch! beruhigt Euch!« sprach gelassen Don Manuel, »es ist nur das Zeichen, daß wir aufbrechen müssen. Ich habe die Lunte durch ein Häuflein Pulver geleitet, um die rechte Zeit nicht zu verpassen. Nun fort – genau in einer halben Stunde fliegt der ganze Kram hier in die Luft!« Mit diesen Worten ging er nach dem Felsrand und sprang auf das weiter unten sich befindliche Plateau. Noch etwas bleich folgte der Mormone, und blickte mit finsteren Zügen auf Jenen, welcher den Knoten des Seiles löste und dasselbe durch den Eisenring laufen ließ, bis es in zwei gleich langen Enden in die Tiefe hing, die im Truglicht der Dämmerung, von den Frühnebeln noch halb verdeckt, unergründlich erschien.

Der Räuber hing sich nun seine Büchse über die eine, eins der Felleisen über die andere Schulter und wandte sich dann an seinen Begleiter:

»Hieltet Ihr mich wirklich für so dumm, Freund Preston, daß Ihr glaubtet, ich würde diesen gesegneten Ort verlassen, ohne mir einen kleinen Zehrpfennig mitzunehmen? Hier in diesem, meinem Felleisen sind Brillanten im Werthe von wenigstens Zwanzigtausend Dollars, von dem netten Sümmchen in gemünztem Gold gar nicht zu reden!«

»Und enthält das für mich bestimmte Felleisen gleiche Schätze?« frug hastig der Mormone –

»Gewiß, gewiß; nur in anderer Weise!« lachte Don Manuel höhnisch, und den Strick noch einmal prüfend, fuhr er nach einer Pause fort: »Seht Freundchen, ich will eben, daß Ihr bei mir bleibt, weil zwei Männer die Gefahren der Wildniß besser überwinden als einer, rüstete ich aber Euch mit den gleichen Schätzen aus wie mich, valgamedios – Ihr liefet toll und blind davon und ließet mich meinen Weg allein ziehen.

»Haha! das habe ich nun nicht mehr zu fürchten, Ihr werdet getreulich meinen Fußtapfen folgen, weil ich die Schätze trage und ich bin nicht so dumm Euch zu verlassen, weil – haha! weil Ihr ebenso Werthvolles, unseren Proviant, unser Wasser in Euerem Felleisen führt! Nun gebt Acht, wie ich den Weg in Tiefe steige und wenn ich mit dem Seile schwenke, so sei dies das Signal für Euch, meinem Beispiel zu folgen und – vergeßt Euer Felleisen nicht!«

Hätte der Räuber, den entsetzlich tückischen Blitz gesehen, der bei seinen höhnischen Worten aus Preston's Augen schoß, – hätte er geahnt, welch teuflische Gefühle denselben durchstürmten, er hätte gewiß seinen gefährlichen Weg mit weniger Fröhlichkeit angetreten; Don Manuel aber dachte an weiter Nichts, als in kurzer Zeit der drohenden Gefahr, dem scheinbar sicheren Untergang entronnen zu sein; mit jeder Hand einen der beiden herabhängenden Stränge ergreifend, schwang er sich über den Abhang und ließ sich langsam in die Tiefe hinab. Wenige Minuten später verkündete bereits das heftige Schwenken des Seiles, daß der kühne Mann glücklich unten angelangt sei und mahnte den Mormonen zum Aufbruch. Einen Moment stand dieser unschlüssig, ihm grauste vor dem gähnenden Abgrund, doch, einen Blick rückwärts werfend, gewahrte er die glimmende Lunte, und unten, da unten winkten ja reiche Schätze; entschlossen belud er sich mit Büchse und Proviantsack, ergriff das Seil und schwang sich hinab. Seine Hände aber, nicht gewöhnt an schwere Arbeit, waren nicht im Stande die Last seines Körpers und des Gepäckes Griff vor Griff in die Tiefe zu tragen, er ließ das Seil einfach durch die Hände gleiten und sauste mit stets wachsender Schnelligkeit hinab, da, zur rechten Zeit, hielt ihn eine nervige Faust und spöttisch rief Don Manuel!

» Caspita! Ihr habt ja verteufelte Eile!«

Tiefaufathmend faßte Preston endlich festen Fuß und befand sich nun auf einem schmalen Felskamm, der sich unterhalb des Chateractes hinzog; nach einer kurzen Rast schritten die beiden Männer schweigend weiter, Don Manuel hatte sich noch mit dem Seile bebürdet, das er zu sich herabgezogen. Mit jener Sicherheit, die nur zu deutlich bekundete, daß ihm jeder Fuß breit Boden bekannt, stieg der Räuber den Felskamm abwärts, es seinem Gefährten überlassend, ihm so gut als möglich zu folgen. Jetzt erreichten die Beiden ein dichtes Gebüsch und hier hielt der Räuber; gegenüber dem Buschwerk erhob sich wieder der Fels zu beträchtlicher, steilanstrebender Höhe, nur an einem Punkt, ihnen vis-à-vis – befand sich eine spaltartige Senkung, die kaum dreißig Fuß über ihrem Scheitel erhaben sein konnte. Auf diese Stelle wies der Räuber und sprach:

»Dort müssen wir hinauf!«

»Well! So laßt uns eilen!« entgegnete Preston, »die Wand ist zwar steil aber nicht hoch! also vorwärts!«

»Ich sagte: wir müssen dort hinauf!« fuhr der Räuber fort »richtiger aber ist's, wenn ich sage: wir müssen dort hinüber!«

»Wie so?«

»Weil hinter dem Gebüsch ein tiefer, an zwanzig Schritt breiter Abgrund die Felswand von uns trennt!«

»Alle Wetter!« rief verblüfft der Mormone »da sind wir wohl niedlich festgefahren?«

»Nicht im Geringsten!« beruhigte Don Manuel. »Ich habe Mittel und Wege das Hinderniß zu überwinden, doch nehmt all Eueren Muth, Euere Kaltblütigkeit zusammen! Nun kommt, ich werde Euch meine Einrichtungen weisen!«

Mit diesen Worten führte er den bedeutend kleinlaut gewordenen Mormonen an die Felsschlucht, und zeigte demselben an dem Rand des Abgrunds eine mächtige eiserne Rolle, um deren Walze eine dünne stählerne Kette in die Tiefe hing.

»Was soll das?« stieß Preston verwirrt hervor.

»Seht Ihr dadrüben, an dem Felsspalt, gleich links neben dem mit Schwefelmoos bedeckten Stein, nicht eine gleiche Rolle?« frug der Räuber.

»Allerdings!«

»Nun seht! die Kette die hier hinabhängt, steht mit jener Rolle in Verbindung; ich ließ sie nur schlaff ins Thal hängen, um sie besser, als im angespannten Zustand, vor dem Einwirken der Witterung zu schützen und vor neugierigen Augen, die der Teufel doch hierher führen konnte, zu bewahren!«

Geschäftig holte er nun die Kette ein und durch in derselben angebrachte Haken, war sie bald straff über den Abgrund gespannt, und zwar dergestalt, daß sie einen ununterbrochenen Kreislauf über die Rollen bildete, und unter den Händen des Räubers eilig über letztere lief.

» Caspita! meine Maschinerie ist ja noch im allerbesten Zustand!« schmunzelte Dieser »nun wollen wir aber auch gleich den Flug über den Abgrund beginnen; sagt, Preston, wollt Ihr mich wieder zuerst hinüberlassen, oder vor mir die Reise antreten?«

Der Mormone rang lange mit sich, ehe er im Stande war zu antworten; seine Augen flogen mit unstätem Flackern bald zu seinem Kameraden, bald maßen sie die Tiefe des gähnenden Abgrunds, endlich frug er:

»Don Manuel, wollt Ihr unsere Körper wirklich dieser erbärmlich dünnen Kette anvertrauen?« und athmete sichtlich auf, als Jener antwortete:

»Wo denkt Ihr hin? die Kette trägt keine achtzig Pfund mehr! sie soll einzig dazu dienen dieses Seil, Ihr seht an einem Ende hat es einen starken Haken, am anderen einen passenden Eisenring, dieses Seil also um die beiden Rollen zu leiten! und dies ist in kaum drei Minuten geschehen!«

In der That befestigte der Räuber das eine Ende des ungemein sorgfältig geflochtenen Seiles an der Kette, zog diese an und leitete das Seil auf diese Weise um beide Rollen, es dann mit Haken und Oese fest zusammenfügend.

»So!« sagte er. »Nun vorwärts; erklärt Euch wer die Reise beginnen soll!«

»Ich will es!« antwortete so hastig der Mormone, daß ihn der Räuber einen Moment fest in die unstäten Augen sah und dann achselzuckend entgegnete:

»Meiner Treu! Ihr glaubt wohl, ich würde Euch zurücklassen nach dem Ihr mich hinüber bugsirt? Was Ihr doch für ein Dummkopf seid; wollte ich Euch los sein – Pah Ihr wißt selbst, daß ich dazu mehrmals die beste Gelegenheit gehabt. Doch,« fuhr er lachend fort, »Ihr traut mir eben gerade sowenig, wie ich Euch und ich lasse Euch nur den Vortritt, weil ich weiß, Ihr werdet über die Schätze hier in meinem Felleisen treulich wachen. Nun aber vorwärts!«

Wieder blitzte das tückische Auge des Mormonen in unheimlichem Feuer, doch auch dieses Mal von dem Räuber unbemerkt.

»Jetzt erklärt mir kurz und bündig, wie ich hinüber, respective hinauf gelangen soll!« frug Preston und litt es ruhig, daß Don Manuel ihn veranlaßte das Seil mit beiden Händen zu ergreifen und seinen Lasso mit seinem Gürtel und dem Seil zu verbinden!

»Ihr könnt Euch von mir ohne jede Angst hinüberziehen lassen!« sprach der Räuber mit so zuversichtlicher Stimme, daß Preston ziemlich beruhigt, seine Füße von der Felswand abgleiten ließ und nun an dem Seil über der scheinbar bodenlosen Tiefe hing: augenblicklich erfaßte der Räuber, die parallel laufende andere Seite des Seiles und dieses an sich ziehend, zog er den Mormonen mehr und mehr über den Abgrund.

Es war eine entsetzliche, fürchterliche Fahrt und Preston, der in tausend Gefahren abgehärtete Mann, fühlte sein Herz mächtig in seiner Brust hämmern, fühlte wie kalter Schweiß von seiner Stirn rieselte und wagte nicht in die Tiefe hinabzublicken. Starr hingen seine Augen an der Felsspalte, nach welcher ihn der Räuber langsam hinaufzog. Mehr und mehr näherte er sich dem ersehnten Ziel, deutlich erkannte er die sich drehende Walze, über welche das Seil lief, hörte das Knirschen des verrosteten Eisens und doch – der widerliche Klang war ihm Himmelsmusik. Nur wenig, wenig Ellen hatte er noch zu durchmessen und die verwegene Fahrt war beendet, noch wenig Secunden und er hatte wieder festen Boden unter sich, wie lang, wie entsetzlich lang wurden ihm aber die flüchtig dahineilenden Secunden, doch endlich, endlich stieß sein Ellenbogen an das Gestein, seine Hand berührte die mächtige eiserne Rolle und selbe mit verzweifelter Kraft erfassend, schwang er sich auf den Felsen, – er war am Ziel; rasch zückte er sein Jagdmesser, die scharfe Klinge zerschnitt im Nu den Lasso, – er stand frei, überglücklich mit wogender Brust auf dem Fels und blickte schaudernd auf den fürchterlichen Weg, den er zurückgelegt; dann wandte er sich und gewahrte, daß ein schmaler Pfad sich thalwärts hinter mächtigen, zerstreut liegenden Felsblöcken verlor, da weckte ihn des Räubers zorniger Ruf aus seinem Versunken sein:

» Per dios!« rief Jener wild – »wollt Ihr vielleicht nun gefälligst auch behilflich sein, mich hinüberzuschaffen? Hernach könnt Ihr meinetwegen Euch die Umgegend begaffen!«

»Faßt an! und gebt mir ein Zeichen, wenn Ihr bereit« entgegnete kurz der Mormone, und setzte dann mit sonderbarem Ausdruck hinzu »ich werde Euch äußerst rasch befördern!«

Der Räuber verschmähte es, sich mit seinem Lasso an das Seil zu schnüren, er hing sich nach Matrosenart mit affenartiger Behendigkeit in die Kniekehlen, kreuzte die Arme über dem Seil und rief fest: »Vorwärts!«

Langsam zog nun der Mormone an; es war ein tüchtiges Stück Arbeit, den schweren Mann mit seiner Bürde an Waffen, Gold, und edelen Steinen in die Höhe zu winden, doch arbeitete Preston mit so gutem Eifer, daß in kurzer Zeit Don Manuel sich kaum über Armeslänge von dem rollenden Felsen befand – da hielt der Mormone plötzlich ein. –

Unwillig wandt der Räuber den Kopf und rief hastig:

»Tod und Teufel, so zieht doch an!«

»Ich kann nicht mehr!« hauchte mit geheuchelter Ermattung der Mormone.

»Was? Ihr könnt nicht mehr?« brüllte todesbleich der über dem Abgrund Schwebende. »Seid Ihr toll, – in zwei Secunden bin ich oben, rafft Euere Kräfte zusammen und nun vorwärts!«

»Ich kann nicht mehr!« wiederholte der Mormone nach einer scheinbaren Anstrengung!

»So werft mir Eueren Lasso zu, erbärmlicher Kerl!« knirschte wüthend der Räuber – »ich ziehe mich allein hinauf!« Doch ein entsetzlicher, gotteslästerlicher Fluch entschlüpfte seinen Lippen, als ihm Jener zurief, daß der Lasso zerschnitten.

»Höll und Verdamniß,« fluchte der Räuber, – »was soll nun werden?«

»Ich will Euch was sagen!« entgegnete Preston. – »Ich werde mich zu Euch hinabbeugen, reicht mir Euere Büchse, Euer Felleisen herauf, – Ihr seid zu schwer beladen. Euerer Bürde befreit, ziehe ich Euch dann leicht herauf!«

Grausig erklang das Hohngelächter des Räubers, das dieser nach des Mormonen Worten ausstieß.

»Schurke! verdammter, scheinheiliger Schurke, ohne Dankbarkeit, ohne menschliches Gefühl!« schrie er dann mit gräßlich verzerrten Gesichtszügen – »Ihr wollt mich des Schatzes berauben, um mich dann in die Tiefe zu stürzen! Doch so dumm, so einfältig bin ich nicht; zieht Ihr mich nicht hinauf – so sollt Ihr wenigstens nicht einen Deut erhalten!«

»Gebt mir das Felleisen!« wiederholte der Mormone und wüthend biß er die Zähne auf einander als Jener mit unbeugsamer Festigkeit »Nein« rief.

»Ihr wollt also wirklich nicht?« knirschte Preston, unfähig, seine teuflischen Gedanken länger zu verbergen!

»Nein und tausendmal Nein!«

»Wirklich nicht?« fuhr der Mormone fort und sein Messer glitt leise über das Seil, daß es unter dem scharfen Stahl vibrirte.

»Um der Jungfrau Willen, was thut Ihr!« schrie Don Manuel jetzt in namenloser Angst, als sein schurkischer Kamerad immer wieder das Messer über das Seil gleiten ließ.

»Was ich thue? Ich will Euch zwingen mir das Felleisen zu übergeben!« erwiederte dieser und wieder blitzte das Messer über das schon zu zwei Dritttheilen zerschnittene Seil, dessen letzter Strang, unter der übergroßen Last zu reißen drohte.

Lange hatte der Räuber mit sich gekämpft endlich war ihm die sichere Gewißheit geworden, daß sein Stündlein gekommen und diese Gewißheit gab ihm all seinen frechen Muth wieder, welcher die entsetzliche Situation, in der er sich befand, momentan erschüttert hatte.

»Preston!« begann er mit so feierlicher Stimme, daß dieser in seiner grausigen Beschäftigung einhielt. »Preston! aus den Händen der Apachen, aus der Höhle meiner Kameraden habe ich Euch gerettet, um dafür vor Euerer Hand den Tod zu finden, Ihr seid ein Schuft, zu groß, als daß ich mich so demüthigen sollte Euch um Gnade zu bitten. Ich weiß, daß ich sterben muß – sei's darum früher oder später, mußte es doch dahin kommen. – Mein Tod soll Euch aber wenigstens keinen Nutzen bringen, die Schätze, nach denen ihr trachtet, die nehme ich mit. Ehe ich aber meine Reise antrete, jene Reise, von der kein Wiederkommen ist, vorher treffe Euch mein Fluch. Das Unglück in jeder Gestalt hefte sich an Euere verdammten Sohlen und jage Euch ruhelos von Ort zu Ort, die Todten mögen aus ihren Gräbern entstehen, die Todten,– haha die Todten«, – kreischte er plötzlich, während seine Augen sich stier aus den Höhlen drängten, und mit grellem, entsetzlichen Schrei stürzte er Kopf über in die Tiefe!

Brüllend vor Wuth, warf sich der Mormone am Rand des Abgrundes nieder und starrte hinab, doch der Körper des Unglücklichen war in dem sumpfbedeckten Grund spurlos verschwunden. Kreidebleich erhob sich Preston, da – an der gegenüber liegende Felsspitze, von welcher der Wasserfall sich herabstürzte, flammte es plötzlich grell auf, mächtige Felsblöcke flogen unter fürchterlichem Getöse in die Luft, und blutrothe Flammen schossen himmelan, – die Mine Don Manuels war explodirt.

Von dem entsetzlichen Schauspiel geblendet, betäubt, war Preston, beide Hände vors Gesicht gepreßt, auf die Knie gesunken, jetzt, als auch das letzte Echo der mächtigen Detonation verklungen, erhob er sich und wollte eilig den grausen Ort verlassen, – da legte sich eine Hand schwer auf seine Schulter und eine tiefe Stimme rief triumphirend:

»Jetzt bist Du mein!«

Vom Schreck gelähmt, wandte Preston das Haupt und sank mit grassem Wehruf ohnmächtig zusammen, denn über ihn gebeugt, die düsteren Züge von wilder Freude erhellt, stand Jean der Mulatte!

Der wilde Bursche mit Sonnenstrahl der schönen Sünderin, hatte mit den widerstreitendsten Gefühlen gesehen, daß die Comantschen den Räuberhauptmann und den noch viel mehr gehaßten Mormonen eingeschlossen hielten und so vor seiner grimmigen Rache schützten. Tag für Tag umschlich er das Lager der Indianer, bis er einsah, daß es für ihn unmöglich sei in das Räubernest zu dringen, daß es aber auch den Belagerten ebensowenig gelingen könnte zu fliehen, wenn sie sich nicht des geheimen, von ihm und Don Manuel angelegten Weges bedienen würden. Mehr als fünf Jahre waren verflossen, seit der Mulatte mit des damals noch einzeln stehenden Räubers Hilfe, die Einrichtungen getroffen. Hatten diese der Zeit und der Witterung getrotzt? Bestand die mit so unendlicher Mühe und Gefahr hergestellte Verbindung über den Felsspalt noch? Diese Gedanken wirbelten in seinem Kopf, als er eilig der etwa eine Stunde entfernten Schlucht zuschlich, in welcher er Sonnenstrahl und die Pferde verborgen.

Nach kurzer Berathung wurden die Thiere in ihrem Versteck gelassen, die beiden Verbündeten aber eilten in weitem Bogen nach der Rückseite des Bergkammes und begannen selben zu erklimmen. Freilich war dies ein mühselig Stück Arbeit und die Vegetation war in den fünf Jahren so emporgeschossen, daß Jean unendliche Noth hatte sich zu orientiren; doch sein durch die Rachsucht geschärfter Instinct fand endlich den alten Pfad und frohlockend flog er die steile Höhe empor, Sonnenstrahl folgte mit der Gewandtheit einer Gazelle. Ohne Schwierigkeit fand Jean sich nun zu Recht, er führte seine Gefährtin bis an die diesseitige Rolle, erklärte ihr die Einrichtung zur Flucht und der scharfsinnige Bursche erkannte an dem dichten Rost, der die Walze umgab, daß die Kette seit langer Zeit nicht in Bewegung gesetzt sei, daß noch Niemand habe fliehen können.

Die umherliegenden mächtigen Felsblöcke boten dem Mulatten und der Indianerin treffliche Verstecke und unablässig stand Eins von Ihnen auf der Lauer. Am dritten Tag endlich gewahrten sie zwei Gestalten, die auf dem jenseitigen Felskamm heranschritten. Der dämmernde Tag machte es ihnen zwar unmöglich deren Gesichtszüge zu erkennen, doch das Klopfen ihrer Herzen, das stürmische Wallen ihres Blutes sagten ihnen, daß es Preston und Don Manuel sei; und als jene endlich an den Felsspalt traten, als der Mulatte seine Opfer nun wirklich vor Augen sah, war er kaum im Stande einen lauten Freudenschrei zu unterdrücken. Doch rasch bezwang er den wilden Sturm seiner Brust und sich hinter einen der Steinblöcke niederkauernd, rief sein leiser Pfiff die Apachin herbei. Athemlos harrten nun die beiden Beobachter des Uebergangs ihrer Feinde; mächtiger schlug ihr Herz, als Preston glücklich über die Kluft setzte, als er wenige Schritte von ihnen entfernt sich anschickte den Räuber herüberzuziehen. Wilder glühten die Augen des rachsüchtigen Paares, als der teuflische Mormone sein Messer über das Seil gleiten ließ und ihrer selbst nicht mehr mächtig schlüpften der Mulatte und Sonnenstrahl im selben Moment aus ihrem Versteck, als Don Manuel die Todten zur Rache aufrief; ihr unerwartetes Erscheinen, gerade in diesem Augenblick, erschreckte den Räuber aber in solchem Grade, daß dieser das Seil losließ und in die Tiefe stürzte.

Nicht ein Fiber hatte in Sonnenstrahl's erkalteter Brust gezuckt, als sie das schreckliche Ende das einst so heiß Geliebten sah; sie concentrirte nur ihren Rachedurst auf den, der ihr das Glück geraubt, sich selbst an Don Manuel zu rächen, und als der Mormone ohnmächtig zu Boden sank, sprang sie eilig herbei und beugte sich ängstlich lauschend über dessen Brust, doch bald erhob sie sich und grimmige Schadenfreude blitzte über ihr schönes Gesicht, als sie dem Mulatten zuflüsterte:

»Der bleiche Mann ist eine Memme! der Schreck warf ihn wieder. Faß' an Jean, wir wollen ihn zu unserm Lager schleppen!«

Mit diesen Worten ergriff sie den einen Arm des Mormonen. Jean erfaßte den andern und so schleiften sie den noch immer Leblosen über den rauhen, steinigen Boden, daß Preston in Folge der barbarischen Behandlung endlich wieder zur Besinnung kam; zu seinem Glück war der Lagerplatz des wilden Paares nicht weit und bald warf ihn dieses wie einen Mehlsack in's Gras, seine Glieder blitzschnell fesselnd.

Preston begriff nun wohl, daß der Mulatte kein Geist, daß er auf irgend eine wunderbare Weise gerettet worden sei, Preston begriff aber auch, daß von den Beiden, in deren Gewalt er sich befand, keine Gnade, kein Erbarmen zu erwarten sei, und als jetzt der Mulatte seine leise Unterredung mit Sonnenstrahl abbrach, als er sich, das blitzende Messer in der Faust dem Mormonen näherte, glaubte dieser sein letzter Augenblick sei gekommen. Jean aber zerschnitt nur den Riemen, mit dem er seinen Gefangenen an einen Baum gebunden, lud die schwere Gestalt auf seine Schulter und schritt thalabwärts nach einer Stelle, wo Sonnenstrahl seiner harrte.

»Jean! Was habt Ihr mit mir vor!« flüsterte der Mormone bebend, doch sein Träger schritt wortlos weiter, jetzt hielt er, und wieder ließ er seinen Gefangenen achtlos auf den Boden fallen, dann breitete er ein Tuch über seine Augen, daß Preston nicht im Stande war, auch nur einen Schimmer von Licht zu sehen.

Im Anfang wähnte der Gefesselte, es solle an ihm Gleiches mit Gleichem vergolten und er hier in der Wildniß zurückgelassen werden. – Doch nein, er hörte ja in nächster Nähe das schreckliche Paar geschäftig hanthieren, er hörte Axtschläge, leise Zurufe und das Knarren von Baumästen; vergebens bot Preston alle Kräfte auf, sich so zu bewegen, daß nur wenigstens das Tuch von seinen Augen fiele, – daß er nur sehen könne, welch schreckliches Loos ihm beschieden, doch unzerreißbar waren die Bande, die ihn unbeweglich danieder hielten. Eine fürchterliche Viertelstunde verstrich, seine Bitten, seine Versprechungen, seine wilden Flüche fanden als Antwort nur das höhnische Gelächter des Mulatten. Endlich, endlich, hörte Preston Schritte nahen, er fühlte sich aufgehoben, einige Schritte fortgetragen und wieder niedergelegt, das Tuch aber blieb über seinen Augen. Jetzt wurde sein rechter Arm, dann der linke ergriffen und in weiter Spannung wieder angeschnürt und so fest, daß seine Gelenke knackten und ein wilder Schmerzensschrei seinen Lippen entfuhr. Nun ergriff man seine Beine, spreizte sie auseinander und fesselte sie in gleicher Weise wie die Arme, so daß der Unglückliche in Form eines Andreaskreuzes am Boden lag. Jetzt wurde das Tuch herabgerissen und ein entsetzliches Geheul entquoll Preston's Munde, als er sich an vier junge Tannenwipfel angeschnürt fand, welche auf die Erde niedergezogen waren und nur durch die vereinten Anstrengungen Sonnenstrahl's und des Mulatten vor dem Emporschnellen abgehalten wurden.

Der Paroxismus von Preston's Verzweiflung war zu groß, als daß dieser nicht bald erschöpft in dem Gemisch von Klagen und Beschwörungen um Erbarmen einhalten mußte, und kaum schlossen sich seine Lippen, als Jean mit dröhnender Stimme begann:

»Gedenket Ihr, Hund von einem Weißen, des Tages, an dem Ihr mich gebunden in der Prairie liegen ließet? Damals schwur ich mit fürchterlichen Eiden Gleiches an Euch zu thun, wenn ich befreit würde. Das Schicksal sandte mir in dieser Indianerin den unerwarteten Retter. Kaum erlöst, folgte ich Euerer Spur, und nun, – nun ist die Stunde der Rache gekommen!«

»Erbarmen!« hauchte Preston.

»Hattet Ihr mit mir Erbarmen?« donnerte Jean.

»Gnade!« stöhnte der Unglückliche in sinnloser Angst an seinen Fesseln reißend.

»Gnade?« gellte Sonnenstrahl's helle Stimme, »hatte der bleiche Mann Gnade mit Waktehno, der ihn doch gerettet?«

»Nein! Ihr müßt sterben!« fuhr Jean fast feierlich fort, »der Augenblick der Vergeltung ist gekommen. Befehlet Euere Seele Gott, von Menschen habt Ihr weder Gnade noch Erbarmen zu erwarten!« Dreimal stieß er dann den Ruf des Spottvogels aus, beim dritten Mal ließ er und Sonnenstrahl die schwanken Bäume los, die Wipfel rauschten empor, rissen den Mormonen mit sich und in dessen grauenvolles Geheul mischte sich das Reißen der Flechsen, das Knacken der Gelenke.

Sonnenstrahl und der Mulatte aber rafften ihre Waffen, ihr Gepäck und die Habseligkeiten Preston's auf und verschwanden mit eiligen Schritten in dem Gebüsch. –

Die gewaltige Explosion von des Räubers Mine hatte im Lager der Comantschen fast eben so viel Schrecken erregt, wie in dem der Räuber selbst. Die Belagerten wähnten, ihre Feinde wollten sie in die Luft sprengen und die Comantschen glaubten ein Gleiches von den Banditen; unruhig flogen ihre Augen nach der Stelle, wo die Sprengung erfolgt, und mehrere Krieger verschwanden in dem Gestein, um sich eines Näheren zu überzeugen.

Auch George und Marie waren erschrocken aus der Höhle geeilt, als das fürchterliche, die Erde erschütternde Getöse an ihr Ohr schlug; kaum aber trat George in's Freie, als ihm einlauter Ruf des Erstaunens entschlüpfte, denn im selben Augenblicke wankte die östliche, über dem Wasserfalle sich erhebende Felsspitze, und rollte donnernd in's Thal.

Das Auffliegen des Pulvers hatte mächtige Blöcke aus dem Fels gerissen und dem Wasserfall den Ausgang versperrt; als sich das Wasser aber mehr und mehr staute, als es wie unwillig an seinem Thor emporbäumte, da vermochten die stehengebliebenen Seitenwände nicht mehr das auf ihnen lastende Gewicht des Felsdaches zu tragen; die colossale Masse kam in's Schwanken, es bildete sich ein kleiner, kaum handbreiter Spalt, durch den sich das Wasser nun mit Macht drängte, denselben erweiterte, untergrub, – bis auch diese Wand wich und die über dem Wasserfall hängenden Felsstücke prasselnd zusammenbrachen und dem Wasser für immer den alten Weg versperrten, das nun seitwärts über jener Stelle, von welcher aus Don Manuel und Preston geflohen, kochend in's Thal stürzte. Der zweite, durch die eigene Schwere erzeugte Felssturz hatte aber auch die Verschanzungen der Räuber gebrochen und den Weg zu ihrem Felsnest blosgelegt; augenblicklich erkannte dies George und der Falke, ihr Ruf sammelte die Comantschen, und ehe die Banditen sich von ihrem doppelten Schrecken erholt, schwangen sich die Comantschen auf das Plateau, und binnen wenigen Minuten waren die Räuber niedergemacht; mit ihnen fielen die Megären, welche bei der Explosion heulend in's Freie gestürzt waren.

Das blutige Schauspiel war beendet, die verstümmelten Leichname der Gefallenen wurden, ohne Ansehen des Geschlechts, von den erbitterten Indianern der Waffen und jedes Schmuckes beraubt, scalpirt und dann in den bodenlosen Abgrund gestürzt, in dem bereits der Anführer der wilden Rotte seinen Tod gefunden.

George und der Falke drangen nun vorsichtig in die Höhlengänge ein; sie wollten nicht allein das Räubernest in Augenschein nehmen, sie glaubten auch Don Manuel und Preston irgendwo versteckt zu finden. Bald wurde ihr Vorhaben ruchbar, die Comantschen schlossen sich ihnen an und, mit Fackeln versehen, wurden nun die Höhlengänge untersucht. Es waren deren fünf, einer führte zu dem natürlichen Brunnen, einer schien das Schlafgemach der Räuber, ein dritter, seiner schönen Ausstattung nach, der Aufenthalt des Hauptmannes gewesen zu sein; zwei der Gänge waren mit massiven, eisenbeschlagenen Thüren verschlossen, die man nun zu sprengen anfing.

Der vereinten Anstrengung so vieler kräftiger Arme wichen endlich die starken Bohlen. Der erste Raum, den man betrat, eine lange schmale Höhle, erwies sich als die Vorrathskammer. Haufen von Kleidern, Fellen und Decken lagen neben Fässern voll Pulver und Kugeln, Schuß- und Hiebwaffen aller Art bedeckten die Wände, während unzählige Flaschen mit Wein und Schläuche mit Brandy in einer Nische aufgestapelt waren. Die Verwunderung der Sieger über die praktische Einrichtung der Felsenhöhle kam nur der Freude über die reiche Beute gleich, die in ihre Hände fiel; ihre Verwunderung stieg aber auf den höchsten Gipfel, als nun auch der letzte Raum, die Schatzkammer der Räuber, betreten wurde. Neun Kistchen mit gemünztem Geld jedes Gepräges, jedes Werthes, standen in dieser Höhle, und mehrere Säcke aus Leder bargen den geraubten Schmuck der reichen Senora, die einfachen Silberspangen der Indianerin und altehrwürdiges Kirchengeräth. Seufzend blickte George auf den unerwartet großen Reichthum; wie viel Thränen, wie viel Blut, wie mancher Fluch mochte an diesen Kostbarkeiten hängen, wie manches Lebensglück, wie manch edler Plan mochte durch den Raub der Schätze vernichtet sein. Den Comantschen waren aber die Scrupel des wackeren Weißen fremd, sie kannten nur zu wohl den Werth des edlen Metalles und betrachteten das als rechtmäßige Beute, was sie mit ihrem Blute erkämpft.

Das eifrigste Suchen nach dem Mormonen und Don Manuel erwies sich begreiflicher Weise erfolglos, und man nahm daher an, daß die beiden Männer bei der Explosion ihren Tod gefunden. Da sich der Mittag nahte, wurde rasch ein kurzes Mahl eingenommen und dann begannen die Comantschen die Höhle gründlich zu plündern; und als die Abenddämmerung die Berge in graue Schatten hüllte, war Alles, was für die Indianer nur irgend Werth hatte, ins Thal geschafft. Nur einen Theil der europäischen Kleidungsstücke, die Vorräthe an Wein und Mezcal, sowie einige Tonnen Pulver, hatte man auf der Höhe gelassen, da man beabsichtigte, bei dem morgenden Aufbruch durch eine starke Mine den Ort zu zerstören, welcher der berüchtigten Bande Waktehno's so lange Schutz gewährt, und der, wie kein anderer vielleicht, geeignet war, das Asyl einer neuen Schaar Prairieräuber zu werden.

Während George und Marie den Comantschen nach jener Stelle folgten, an der zuerst das Lager gestanden, blieb der Falke mit drei Indianern an der Mine als Wache zurück. Mit Wollust sogen die am Bach Gelagerten die reine Luft der kleinen Prairie ein, welche an den Fuß des verhängnißvollen Berges stieß. Das stete Belauern der Banditen und der wilde Kampf war den Comantschen sicher ebenso lästig geworden, als Marie der Aufenthalt in der dumpfen Höhle, welche nicht allein ihr, sondern auch den Verwundeten und den erbeuteten Pferden als Aufenthalt dienen mußte, wenn die durchgängig hochedlen Thiere nicht in blinder Wuth von ihren eigenen Herren erschossen werden sollten.

Jetzt standen die erbeuteten Pferde vereint mit den indianischen Mustangs gekoppelt in dem hohen, saftigen Gras, in das sie begierig bissen; auch sie schienen äußerst froh, ihrem Kerker entrückt zu sein.

Um ein mächtiges Feuer gelagert, flüsterten die Indianer in heiterster Stimmung miteinander. Das baldige Wiedersehen der Ihrigen gab ihnen ebensoviel Stoff zur Unterhaltung, als die erlebten schrecklichen Scenen, als die glänzende Beute, die sie errungen. Auch George und Marie saßen in leisem Gespräch beieinander; sie sprachen von dem, das ihre Herzen füllte, von ihrer Sehnsucht nach den fernen Lieben, von der Hoffnung, nun bald für immer mit Jenen vereint zu sein!

Mit tiefer Rührung lauschte George dem harmlosen Geplauder des schönen Mädchens, das bald ihren treuen Freund mit Worten des Dankes überschüttete, bald mit jener süßen Verlegenheit, die der höchste Schmuck des Weibes – von dem Glücke sprach, das ihrer harrte. –

»Ach und auch Sie, mein Freund« hauchte Marie, »auch Sie werden glücklich sein, denn in der kurzen Zeit meiner Gefangenschaft im Apachendorf habe ich Ihre Tojolah lieben und schätzen gelernt. Das schöne Indianerkind ist eine wunderliebliche Blume, aber glauben Sie mir, George, nur in der Freiheit wird sie gedeihen; ich glaube, sie welkte dahin, wollten Sie ihr die frische Luft, die über die Prairie streicht, das würzige Arom der Wälder rauben!«

»Miß Marie! Sie glauben doch nicht, ich würde ein solcher Thor sein, mich in einer Stadt lebendig zu begraben?« frug George erstaunt. »Puh, das wäre auch für mich das traurigste Loos!«

»Recht so!« lachte Marie, »auch mich hat die Majestät der unentweihten Wildniß so gewaltig ergriffen, daß ich William bitten werde, sich gleichfalls als Farmer niederzulassen; ah, und dann wird mein Vater zu uns ziehen, Sie werden sich mit Tojolah in unserer nächsten Nähe anbauen und wir werden nur eine glückliche Familie bilden!«

Selig lächelnd sank Marie auf ihr Lager von Fellen zurück, die Lider sanken leise über ihre Augen, doch noch im Schlaf umgaukelten sie die freundlichen Bilder der Zukunft, des ungetrübten Glückes; da zuckten die so glücklichen Züge der Schlummernden, ein finsterer Schatten flog über das schöne Gesicht und die rechte Hand sank auf das stürmisch pochende Herz; hatte ihr der Gott des Traumes von dem Tod des geliebten Vaters erzählt, oder flüsterte er ihr von den Gefahren, denen William ausgesetzt war?

Was Marie vielleicht im Traume ahnte, das gewann bei George schon consistentere Formen; er kannte ja nur zu gut das Wilde einer indianischen Schlacht, wußte, daß im Fall einer Niederlage kaum einer der Comantschen entkommen würde, wie viel weniger sein Freund, dem weder die Schliche und Ränke der Apachen, noch die Pfade der Prairien bekannt.

Die Unruhe, welche George bei diesen Gedanken in sich fühlte, litt ihn nicht mehr auf dem Lager; hastig sprang er empor und schritt mit schnellen Schritten auf und nieder, da trat einer der Comantschen an ihn heran und erzählte mit besorgter Miene, daß die acht Krieger, die sich am Morgen gleich nach der Explosion entfernt, um womöglich deren Ursache zu ergründen, noch nicht eingetroffen seien.

George, als der momentane Führer, schalt sich, daß er nicht früher nach der Rückkehr der Krieger geforscht; jetzt ließ sich jedoch nichts thun, als das halberloschene Lagerfeuer zu neuer Gluth zu entflammen, um den vielleicht Verrirten die Richtung des Lagers anzugeben. Kaum graute der Tag, als George in Begleitung zweier Comantschen die Fährte der Versprengten aufnahm und, derselben immer folgend, auf die Rückseite des Felsens kam. Die Spuren gingen bergauf und ohne Zögern folgten die drei Männer, doch – das Blut starrte in ihren Adern, als sie den Fleck erreichten, auf welchem der Mulatte und Sonnenstrahl Preston ihrer Rache geopfert.

Der Unglückliche war natürlich längst seinen Qualen erlegen und Aasgeier hatten sich schon auf seiner Leiche niedergelassen und flogen nun, unwillig über die Störung, mit widerlichem Gekreisch auf.

Gern hätte George die Ueberreste des Mormonen vor den gierigen Raubthieren geschützt, doch waren seine Begleiter nicht zu bewegen, ihm dabei behilflich zu sein; stumm verließen die drei Männer nun den schauerlichen Ort und nahmen die Fährten wieder auf, welche in schräger Richtung sich wieder nach dem Thale wandten; bald wurden auch zwei neue Spuren entdeckt, ein kleiner zierlicher Fußtritt dicht neben dem breiten eines Mannes.

»Das ist die Apachin Sonnenstrahl und der Mulatte gewesen, die Comantschenkrieger werden das saubere Paar verfolgen!« rief George und eiliger folgte man den klaren Spuren, die dicht der dem Lager vorbeiführten. Von dort aber wurde George mit seinen Begleitern angerufen, da die Verfolger unterdeß – freilich unverrichteter Sache zurückgekehrt waren.

Die acht Comantschen hatten in der That den Mulatten mit seiner schönen Begleiterin aufgespürt und verfolgt, doch erreichten die beiden Flüchtlinge glücklich die Schlucht, wo sie ihre Pferde verborgen und da die Indianer nur zu Fuß, spotteten die Beiden jeder weiteren Verfolgung.

Auch der Falke mit seinen Begleitern war in's Thal gekommen und trieb nun zum Aufbruch, weil bereits die Lunte an die Mine gelegt. Eilig wurde nun die werthvolle, reiche Beute auf die Pferde der Räuber gepackt und obgleich dies einundzwanzig Thiere waren, hatte doch jedes eine tüchtige Last zu tragen. Jubelnd sprangen die Comantschen in den Sattel, auch Marie und George waren tiefbewegt, daß nun endlich die Heimreise angetreten wurde.

In flüchtigem Trab ging es nun schweigend über die blumengeschmückte Prairie, Jeder war so sehr mit den eigenen Gedanken beschäftigt, daß nur selten ein Wort gewechselt wurde.

Da ertönte plötzlich ein dumpfer Schlag, die Wanderer blickten zurück und im selben Augenblick schossen an dem fernen, so verhängnißvollen Berge fahle Flammen auf – eine dichte Wolke Staub und Rauch entzog den Fels auf mehrere Minuten den Augen der athemlos Haltenden und als die Nebel sich verzogen, ragte eine einzelne schroffe Klippe, wie eine Warnungssäule an der Stelle empor, an welcher die Felsenburg der Räuber gestanden. –

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