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Die Frau mit den Karfunkelsteinen

Eugenie Marlitt: Die Frau mit den Karfunkelsteinen - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorEugenie Marlitt
titleDie Frau mit den Karfunkelsteinen
publisherVerlag von Ernst Keil's Nachfolger
seriesE. Marlitt's gesammelte Romane und Novellen
volumeSechster Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid99f334c3
created20070103
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4

Drunten in der Familienwohnung war man inzwischen mit den Strapazen des berühmten Bleichtages glücklich zu Ende gekommen. Barbe hantierte bereits wieder in ihrer blitzblanken, geräumigen Küche und bereitete das Abendessen. Der Kalbsbraten wurde pünktlich besorgt und Salat und Kompotte hergerichtet; aber es ging dabei nicht besonders friedfertig zu. Das Küchengeschirr klapperte verdächtig laut gegeneinander, Kartoffeln rollten und hüpften vom Küchentisch auf den Boden, und die Thüre der Bratmaschine rasselte auf und zu, als sollte sie aus den Angeln fliegen... Jungfer Barbe war in der grimmigsten Laune. Tante Sophie hatte ihr nochmals in ganz exemplarischer Weise den Text gelesen, weil sie die Waschfrauen mit ihrer drastischen Beschreibung des wackelnden Vorhanges so kopfscheu gemacht hatte, daß sie es ablehnten, die Scheuerei in dem spukhaften Flügel zu besorgen ... Also außer dem Schreck auch noch eine Strafpredigt für die alte Barbe, die sich noch nötigenfalls totschlagen ließ für die Familie Lamprecht – Notabene, für Fräulein Sophie noch ganz extra!... War man denn wirklich so stockblind, so verrannt in Leichtsinn und Unglauben, daß man nicht sah, wie das Unheil schon über dem Hause stand, dick und kohlrabenschwarz wie das schönste Hagelwetter? Hatte es nicht jedesmal Tod und Verderbnis zu bedeuten, wenn die Geister in dem dunklen Gange hin und her liefen? Da brauchte man nur durch die Stadt zu gehen – jawohl, von Haus zu Haus konnte man gehen, und in den Damengesellschaften, wie bei den Weibern am Waschtrog, überall konnte man Dinge über das Unwesen in Lamprechts Hause zu hören kriegen, daß einem die Haare zu Berge standen. Aber da saß »man« nun urgemütlich drüben am Wohnstubenfenster und flickte dem Speisemeister in der Hochzeit zu Kana das zerrissene Gesicht wieder zusammen, als ob alles Heil der Welt von dem alten Tafeltuch abhänge und sonst nichts als eitel Sonnenschein im Hause wäre! Na, immer zu! Einmal kam's, das stand fest! ... Und die Küchenkassandra griff bei diesem Monolog ab und zu nach einem großen irdenen Topf auf der Bratmaschine, um mit einem Schluck verspäteten Nachmittagskaffees den Aerger hinunterzuwürgen.

»Man« saß übrigens nicht so urgemütlich am Wohnstubenfenster; denn es war eine böse Aufgabe für Tante Sophiens kunstfertige Hand, die Züge des Speisemeisters wieder in die ursprünglichen Linien zu bringen, ohne daß die Stopferei sichtbar wurde. Und so überaus behaglich fühlte sich Margarete am anderen Fenster auch nicht. Die Heidelbeerflecken waren mittels einer sauberen Schürze dem beleidigten Auge entzogen worden; dann hatte Tante Sophie die Kleine bei den Schultern gefaßt und sehr energischer Weise an den großen Tisch im Fensterbogen dirigiert. »So – nun werden die Schularbeiten gemacht! Und Klexe gibt's nicht – nimm dich zusammen, Gretel!« hatte sie gesagt.

Da hieß es nun stillsitzen, inmitten der vier dicken Wände und den Federhalter fest umklammern, auf daß er nicht seine Extraspaziergänge auf dem weißen Papier mache! ... Droben am Abendhimmel färbten sich die Schäferwölkchen rosenrot; das Fenster stand offen und aus der gegenüberliegenden, bergansteigenden Gasse quollen ganze Ströme süßen Lindenblütenduftes herüber; sie kamen durch das Turmthor der Stadtmauer, in welchem die Gasse droben mündete, und über die uralten, geschwärzten Mauern selbst her, hinter welchen die prachtvolle Lindenallee hinlief.

Und vom Marktplatz schallte allerhand Thun und Treiben herein. Lehrjungen gingen pfeifend mit der weitbauchigen Steinflasche vorbei, um das Abendbier zu holen; aus allen Gassen kamen Mädchen und Frauen mit Holzbutten an den Marktbrunnen, und die Mägde hielten Blechsiebe unter das Brunnenrohr und ließen das frische, glitzernde Wasser über den grünen Beetsalat hinrauschen – das war so hübsch, man mußte immer wieder Hinsehen. Und unter, dem Fenster neckten sich im Vorübergehen zwei kleine Bettelmädchen. Margarete bog sich hinaus, griff in die Tasche und warf ihnen die vom Papa erhaltenen Bonbons in die aufgenommenen Schürzchen, »Recht, Gretel!« meinte Tante Sophie. »Ihr nascht mir in der letzten Zeit ohnehin viel zu viel, und die Kinder freut's.«

»Ich verschenke meine Bonbons nicht,« sagte Reinhold, der auf dem Eßtisch einen Turm von seinen Bausteinen aufstellte. »Ich hebe sie mir auf. Barbe sagt auch immer bei allem, ›wer weiß, wie man's wieder brauchen kann!‹«

»Potztausend, unserem Jungen guckt ja der Kaufmann aus allen Hautfältchen!« lachte Tante Sophie und stopfte emsig weiter.

Ja, die Tante hatte Recht – sie naschten in der letzten Zeit viel zu viel, die beiden Kinder! Das süße Zeug wollte gar nicht mehr munden ... Wie anders doch der Papa geworden war! Früher waren sie stundenlang oben bei ihm gewesen; er hatte sie auf seinem Rücken reiten lassen, hatte ihnen Bilder gezeigt und erklärt, Geschichten erzählt und Papierschiffchen gemacht, und jetzt? – Jetzt lief er immer im Zimmer auf und ab, wenn sie kamen; er machte auch öfter böse Augen und sagte barsch, sie störten ihn, er könne sie nicht brauchen. An die hübschen Papierschiffchen war nicht mehr zu denken, ebensowenig an das Erzählen von Märchen und anderen schönen Geschichtchen – der Papa sprach lieber mit sich selber, man konnte es nur nicht verstehen, es war bloß gemurmelt. Er fuhr sich auch manchmal mit beiden Händen durch die Haare und stampfte mit dem Fuße auf, und wußte wohl gar nicht mehr, daß die Kinder da waren; und wenn er sich dann besann, da stopfte er ihnen schnell die Taschen und Hände voll süßer Sachen und schob sie zur Thüre hinaus, weil er schreiben, viel schreiben müsse... Ja, das dumme Schreiben – man konnte es schon deswegen nicht ausstehen! – Und nach all diesen deprimierenden Reflexionen mit ihrem haßerfüllten Schlußgedanken wurde die Feder zornig tief ins Tintenfaß getaucht, und da lag der allerschönste Klecks auf dem Papiere.

»Du Unglückskind!« schalt Tante Sophie und kam schleunigst herüber. Das Löschblatt war zur Hand, aber beim Suchen nach dem Radiermesser mußte Gretel kleinlaut eingestehen, daß der Herr Direktor ihr das Messer weggenommen, weil sie in der langweiligen Rechenstunde am Schultisch geschnitzelt habe. Und ehe noch Tante Sophie ihrer sehr begründeten Entrüstung Luft machen konnte, war die Kleine schon zur Thüre hinaus, um »beim Papa ein Federmesser zu borgen«.

Wenige Sekunden nachher stand sie mit sehr verdutztem Gesicht droben vor dem Zimmer. Die Thüre war verschlossen; es steckte kein Schlüssel, und durch das Schlüsselloch konnte sie sehen, daß der Stuhl vor dem Schreibtisch leer stand... Ja, was sollte denn das heißen? – Es war ja gar nicht wahr, das, was der Papa vom vielen Schreiben gesagt hatte – er schrieb nicht, er war gar nicht zu Hause!

Die Kleine sah sich um in dem weiten, mächtig großen Flursaal. Er war ihr ja so vertraut, und doch in diesem Augenblick so wunderlich neu und anders... Wie oft tollte und jagte sie mit Reinhold hier herum; aber sie konnte sich nicht erinnern, je allein hier oben gewesen zu sein.

Nun war es zwar etwas dämmerig, aber so feierlich, so schön still in dem Flursaal! Durch seine hohen Fenster sah man über den Hof und das sehr tiefgelegene, niedere Packhaus hinweg, weit in die grüne, blühende Welt hinaus. Auf den Kredenztischen stand allerlei funkelndes Trinkgerät, und die Stühle mit den gelben Samtbezügen hatten auf dem dunkelholzigen Rücklehnengestell geschnitztes fremdartiges Gevögel zwischen Tulpen und langstieligem Blattwerk ... Tintenklecks und Federmesser waren total vergessen; der übermütige Wildfang mit dem rückhaltslosen, derb aufrichtigen Wesen wandelte verschleierten Blickes von Stuhl zu Stuhl, strich mit der Hand über den verblichenen Samt und träumte sich in eine wunderliche Gedankenwelt, die kein Laut von außen störte.

Der letzte Stuhl stand in der Ecke, ziemlich nahe der Thüre, die in den roten Salon führte, und von da aus sah man schräg, in den dunklen Gang hinter Frau Dorotheens Sterbezimmer hinein. Auch er, an dessen entgegengesetztem Ende in diesem Augenblick ein letztes rosiges Abendwölkchen durch das hochgelegene kleine Fenster hereinstrahlte, war ihr vertraut, er hatte nie Schrecken für sie gehabt. Reinhold blieb freilich konsequent am Eingang stehen und traute sich nie weiter; aber sie durchmaß ihn immer wieder bis zu dem Treppchen, welches seitwärts zur Bodenthüre des Packhauses führte. Auf der einen Seite unterbrachen schöngetäfelte Zimmerthüren die einförmige Wandfläche, und an der Rückwand standen zweithürige Kleiderschränke mit Metallbeschlägen.

Tante Sophie hatte diese Schränke auch einmal aufgeschlossen und gelüftet, und Margarete hatte hineinsehen dürfen. Da hing eine kostbare Brokatschleppe neben der anderen, farbenbunt, und zum Teil auch schwer mit Gold und Silber durchwirkt – lauter Staatskleider Lamprecht'scher Hausfrauen. Auch Frau Judiths Brautkleid, ihre Brautschuhe, wahre Ungetüme von Stöckelschuhen, waren pietätvoll hier aufbewahrt; sie war ja die einzige Tochter und Erbin eines vornehmen, sehr begüterten Hauses gewesen, ein bedeutender Teil des Lamprecht'schen Reichtumes stammte von ihrer Mitgift her. Das wußte die kleine Margarete nicht; sie würde wohl auch kein Verständnis dafür gehabt haben – sie suchte nur manchmal mit ihren kleinen Händen an den Schrankthüren zu rütteln, um den geheimnisvollen Laut, das Aneinanderreiben der steifen Seide, herauszuhören.

Nun war sie auch einmal mutterseelenallein hier. Der kleine Bruder war nicht da, um sie am Rock zurückzuzerren, und sein ängstlicher Zuruf störte sie nicht. Sie huschte tiefer in den Gang hinein und wollte eben vor einem der Schranke stehen bleiben, als sie ganz deutlich ein Geräusch hörte, wie wenn jemand in ihrer Nähe wiederholt auf ein Thürschloß griffe. Die Kleine horchte auf, zog in vergnüglicher Ueberraschung den Kopf zwischen die Schultern, kicherte in sich hinein und schlüpfte in das dunkelnde Versteck neben dem Schrank, von wo sie die schräg gegenüberliegende Thüre sehen konnte ... Na, aber die Augen wollte sie sehen, die Tante Sophie machen würde, wenn sie hörte, daß es die Sonne doch nicht gewesen war! Und »die Gretel« behielt recht, Emma war es gewesen, und wenn sie zehnmal that, als fürchte sie sich – sie steckte ja noch drin im Zimmer! Der konnte ein tüchtiger Schrecken nicht schaden, ganz und gar nicht!

In diesem Augenblick ging die Thüre lautlos auf, und hinter ihr trat ein kleiner Fuß von der erhöhten Schwelle auf die Gangdielen herab; dann huschte es ganz weiß aus dem schmalen Spalt, zu welchem sich die Thüre geöffnet hatte... Von dem weißen Latzschürzchen und dem kokettgerafften Falbelkleid des Stubenmädchens war nun freilich nichts zu sehen; ein dichter Schleier fiel vermummend vom Scheitel über die ganze Gestalt her, und seine Spitzenkante schleifte auf den Dielen nach. Aber es war doch Emma, die sich da einen Spaß machte – sie hatte solch ein Füßchen und trug stets nette Schuhe mit hohen Absätzen und Bandrosetten. Vorwärts, drauf! Das gab einen famosen Spaß!

Gewandt wie ein Kätzchen schlüpfte das Kind aus seinem Versteck, flog der Dahinhuschenden nach, warf sich mit der ganzen Schwere des kleinen Körpers von rückwärts über die Gestalt her und umklammerte sie mit beiden Armen; dabei geriet ihre kleine Rechte durch eine Schleieröffnung in das weiche, über die Hüfte herabhängende Gewoge einer gelösten Haarflechte – sie griff fest zu und zog zur Strafe für »den dummen Witz« so derb an den Haarenden, daß sich der vermummte Kopf tief nach dem Nacken zurückbog ...

Ein Schreckensschrei, dem ein klagender Wehlaut folgte, scholl durch den Gang – was dann geschah, kam so blitzschnell, so unerwartet, daß die Kleine sich nie, auch später nicht eine klare Vorstellung machen konnte. Sie fühlte sich gepackt und geschüttelt, daß ihr Hören und Sehen verging, ihr kleiner Körper flog wie ein Ball um eine ganze Strecke, fast bis zum Eingang des Korridors, zurück und stürzte zu Boden.

Sie blieb, wie betäubt, mit geschlossenen Augen liegen, und als sie endlich die Lider hob, da stand ihr Vater bei ihr und sah auf sie nieder. Aber sie erkannte ihn kaum – sie entsetzte sich vor ihm und schloß unwillkürlich die Augen wieder, instinktmaßig fühlend, daß etwas Schreckliches kommen müsse; denn er sah aus, als wisse er nicht, solle er sie erwürgen oder zertreten.

»Steh auf! Was thust du hier?« fuhr er sie mit kaum erkennbarer Stimme an, packte sie mit rauhem Griff und stellte sie auf die Füße. Sie schwieg; der Schrecken, aber auch das Unerhörte der grausamen Behandlung, verschloß ihr die Lippen.

»Hast du mich nicht verstanden, Grete?« fragte er in etwas beherrschterem Ton. »Ich will wissen, was du hier treibst!«

»Ich wollte zuerst zu dir, Papa; aber die Thüre war verschlossen, und du warst nicht zu Hause –«

»Nicht zu Hause? Unsinn!« schalt er und trieb sie vor sich her. »Die Thüre war nicht verschlossen, sag' ich dir – du wirst ungeschickt beim Oeffnen gewesen sein! Ich war hier im roten Salon« – er zeigte nach der Thüre, auf welche er' die Kleine zuschob – »als ich dein Geschrei hörte.«

Margarete stemmte die Füße fest auf den Boden, so daß Herr Lamprecht auch stehen bleiben mußte, und wandte ihm das Gesicht zu. »Ich habe doch nicht geschrieen, Papa?« sagte sie mit weit geöffneten, erstaunten Augen.

»Du nicht? Wer denn sonst? Du wirst mir doch nicht weismachen wollen, daß noch jemand außer dir hier oben gewesen ist?« – Er war ganz rot im Gesicht, wie immer, wenn er zornig und ungeduldig wurde, und seine Augen blitzten sie drohend an.

Sie sollte gelogen haben! In dem Kind, welches die Aufrichtigkeit selbst war, empörte sich jeder Blutstropfen. »Ich mache dir nichts weis, Papa! Ich sage die Wahrheit!« beteuerte sie, mutig und ehrlich zu den flammenden Augen aufblickend. »Du kannst dich darauf verlassen, es war jemand hier oben! Ein Mädchen war's, – Sie kam aus dem Zimmer, weißt du, wo ich die Stirn mit den hellen Haaren am Fenster gesehen habe. – Ja, da kam sie heraus und hatte Schuhe mit Bandrosetten an, und wie sie weiterlief, da hörte ich, wie die Absätze auf den Dielen klapperten –«

»Bist du toll?« Er drehte sich mit einem Ruck nach dem Gange zurück. Das rote Abendwölkchen war inzwischen weiter gesegelt, und durch das hochgelegene, kleine Fenster sah nur noch der abgeblaßte Himmel herein – ein graues Dämmerdunkel fing an, den langen Korridor zu füllen.

»Siehst du noch etwas, Grete?« fragte er, hinter ihr stehend und mit seinen beiden Händen schwer auf die Schultern des Kindes drückend. »Nein? – Dann nimm auch Vernunft an, Kind! Durch den Flursaal hätte das vermeintliche Mädchen nicht entwischen können, denn wir selbst würden ihr den Weg versperrt haben; die Thüren, wie wir sie da sehen, sind verschlossen, das weiß ich am besten, denn ich habe die Schlüssel – glaubst du aber, es könne ein Mensch auf dem einzigen Weg, der übrig bliebe, durch das Fensterchen dort oben, hinausfliegen?«

Scheinbar ruhiger nahm er sie bei der Hand und führte sie an eines der Flursaalfenster. Er zog sein Taschentuch heraus und wischte ihr die Thränen vom Gesicht, die ihr Schreck und Entsetzen vorhin erpreßt hatten; sein Blick schmolz plötzlich in schmerzlichem Mitleid. »Weißt du nun, daß du ein rechtes Närrchen gewesen bist?« fragte er lächelnd, wobei er sich tief bückte, um in ihre Augen zu sehen.

Sie schlang stürmisch ihre kleinen Arme um seinen Hals. »Ich habe dich so lieb, so lieb, Papa!« beteuerte sie mit der ganzen Inbrunst eines heißen, zärtlichen Kinderherzens und drückte ihr schmales, sonnengebräuntes Gesichtchen an seine Wange. »Aber du darfst auch nicht denken, daß ich gelogen habe ... Ich habe vorhin nicht geschrieen – sie war's! Ich dachte, es sei Emma und wollte sie für ihren dummen Spaß erschrecken. Aber Emma hat ja gar nicht so langes Haar, das fällt mir eben ein, und meine Hand riecht noch nach Rosenöl, weil ich den Zopf festgehalten habe, und das ganze Mädchen roch wie die schönsten Rosen – Emma ist's doch wohl nicht gewesen, Papa! ... Durch das kleine Fenster kann freilich niemand fliegen; aber vielleicht war die Thüre an der kleinen Treppe offen, weißt du, die Bodenthüre vom Packhaus –«

Er hatte schon vorhin, ungestüm emporfahrend, ihre Arme von seinem Nacken gelöst, und jetzt unterbrach er sie mit einem lauten Auflachen; aber trotz dieses Lachens sah er plötzlich so blaß und so furchtbar böse aus, daß sich das Kind scheu in die Fensterecke drückte.

»Du bist ein obstinates, dickköpfiges Geschöpf!« zürnte er und seine Stirn zog sich immer finsterer zusammen. »Die Großmama hat recht, wenn sie sagt, die richtige Zucht fehle. Um deinen Kopf zu behaupten, fabelst du das ungereimteste Zeug zusammen ... Wer möchte sich wohl in eine Rumpelkammer voll Ratten und Mäusen verkriechen, bloß um ein kleines Mädchen, wie du eines bist, zu necken? ... Aber ich weiß schon, du bist zu viel in der Gesindestube, und da wird dir der Kopf mit Fraubasen- und Spinnstubengeschichten vollgestopft, und nachher träumst du am hellen Tage unmögliche Dinge. Dabei bist du mild wie ein Junge, und Tante Sophie ist viel zu schwach und nachgiebig. Die Großmama hat mich längst gebeten, der Sache ein Ende zu machen, und das soll nun geschehen, und zwar sofort! Ein paar Jahre in fremder Zucht werden dich zahm und anständig machen!«

»Ich soll fort?«schrie das Kind auf.

»Für ein paar Jahre, Grete,« sagte er milder. »Sei vernünftig! Ich kann dich nicht erziehen; Großmamas Nerven aber sind zu angegriffen, um dein ungestümes Wesen in stetem Umgang zu ertragen, und Tante Sophie – nun, die ganze Wirtschaft liegt auf ihr, und sie kann sich nicht so um dich kümmern, wie es sein müßte –«.

»Thue es nicht, Papa!« fiel sie mit einer für ein Kind fast unnatürlichen festen Entschlossenheit ein. »Es hilft dir nichts – ich komme doch wieder!«

»Das wollen wir sehen –«

»Ach, du hast ja keinen Begriff, wie ich laufen kann! ... Weißt du noch, wie du dem Herrn in Leipzig unseren Wolf geschenkt hattest und wie der gute alte Hund nachher einmal frühmorgens draußen vor unserer Hausthüre lag, todmüde und schrecklich hungrig? Er hatte sich gesehnt, der arme Kerl, und da hatte er den Strick zerrissen und war fortgelaufen, und so mache ich's auch!« – Ein herzzerreißendes Lächeln flog um den bebenden Mund.

»Glaub's schon, unbändig genug bist du ja! Allein es wird dir wohl nichts übrigbleiben, als dich zu fügen – mit solchen kleinen Trotzköpfen macht man kurzen Prozeß!« sagte er streng. Er wandte sich dabei weg und sah anscheinend durchs Fenster in den Hof hinab; in Wahrheit jedoch glitt sein scheuer Seitenblick über das Gesichtchen, das jetzt einen furchtbaren inneren Aufruhr widerspiegelte, und wie von einem unwiderstehlichen Impuls getrieben, bog er sich rasch wieder nieder und strich mit der Hand sanft über die weiche, plötzlich von einer wahren Fieberhitze überglühte Wange des Kindes.

»Geh, sei mein gutes Mädchen!« redete er ihr zu. »Ich bringe dich selbst fort – wir reisen zusammen. Und schöne Kleider sollst du haben, ganz wie unsere kleinen Prinzessinnen.«

»Ach, schenke sie lieber einem anderen Kind, Papa!« versetzte die Kleine tonlos. »Bei mir gibt's immer schon am ersten Tage Risse und Flecken. Bärbe sagt immer: ›Es ist schade um jede Elle Zeug, die der kleine Reißteufel auf den Leib kriegt, und da will aber auch gar nicht so sein, wie die kleinen Mädchen im Schlosse‹ – sie hob trotzig den Kopf und hörte auf, an ihren Fingern nervös zu pflücken –; »ich kann sie nicht leiden, weil die Großmama immer so vor ihnen knickst.«

Ein sarkastisches Lächeln huschte über Herrn Lamprechts Gesicht; gleichwohl sagte er in strengem Ton: »Siehst du, Grete, das ist's eben, was die Großmama so oft in Verzweiflung bringt! Du bist ein unhöfliches, kleines Ding und hast die allerschlechtesten Manieren – man muß sich deiner schämen. Es ist die höchste Zeit, daß du fortkommst!«

Die Kleine schlug ihre feuchtflimmernden Augen sprechend zu ihm auf. »Hat denn meine Mama auch fortgemußt, als sie noch ein kleines Mädchen war?« fragte sie, das hervorbrechende Weinen mühsam niederkämpfend.

Eine dunkle Blutwelle schoß ihm in das Gesicht. »Deine Mama ist immer ein sehr artiges, folgsames Kind gewesen, da war es nicht nötig.« – Er sprach mit so gedämpfter Stimme, als sei außer ihm und dem Kinde noch irgend ein horchendes Wesen im Flursaal, vor welchem sich der laute Ton scheue.

»Ich wollte, sie wäre wieder da, die arme Mama! – Sie hat freilich Holdchen lieber auf den Schoß genommen, als mich, aber da hat es doch nie geheißen, daß ich fort sollte... Eine Mama ist doch besser als eine Großmama! Wenn die ins Bad reist, da freut sie sich und sagt kaum Adieu. Sie weiß nicht, wie ein Kind alle lieb hat, alles, Papa, auch unser Haus, ach, und Dambach« – sie hielt inne, als breche ihr kleines Herz schon bei dem Gedanken an eine Trennung. Das Köpfchen nahezu an die Fensterscheibe gedrückt, suchte sie mit flehentlichem Aufblick die Augen des stattlichen Mannes, der die Finger leise auf der Brüstung spielen ließ und sichtlich mit einer inneren Bewegung rang.

Er schwieg bei der beredten Klage des Kindes. Sein Blick schweifte lange ziellos über die weite Landschaft draußen, und als er sich endlich senkte, da ging ein jäher Ruck durch die hohe Gestalt, und die Finger hörten auf zu spielen ... Der Papa war erschrocken – über was denn? Es war weit und breit nichts zu sehen. Die Sonne war längst fort; auf den Feldern drüben rührte und regte sich nichts; von den ein- und ausfliegenden Schwalben ließ sich keine mehr blicken; auch die Möwchentauben, die tagsüber das Dach des Packhauses umflatterten, hatten den Schlag aufgesucht, und auf dem stillen Gange unter den Blätterrundbogen des Pfeifenstrauches stand ja nur Blanka Lenz, wie an jedem Abend, seit sie aus England gekommen war... Diesmal aber hatte das Kind keine Augen für das schöne weiße Gesicht, das wie Mondlicht sanft aus dem dunklen Blattwerk drüben dämmerte – es sah nur, wie der Papa tief aufseufzte, wie er stöhnend mit beiden Händen nach den Schläfen fuhr und sie preßte, als drohe ihm der Kopf zu zerspringen.

Die Kleine schmiegte sich an seine Seite und blickte noch dringlicher zu ihm empor. »Hast du mich noch lieb, Papa?«

»Ja, Grete.« – Er sah sie aber nicht an, er starrte immer auf denselben Punkt.

»Gerade so lieb, wie du Reinhold lieb hast? Ja, Papa?«

»Nun ja doch, Kind!«

»Ach, da bin ich froh! Da wirst du mich doch auch hier lassen! – Wer sollte denn auch mit Holdchen spielen? Wer sollte denn sein Pferdchen sein, wenn ich nicht mehr da bin? Andere Kinder thun's nicht, weil er so schlimm mit der Gerte haut. Gelt, Papa, es war nicht dein Ernst mit dem Fortreisen? Du hast mir nur gedroht, weil ich so wild wie ein Junge bin? Aber ich will nun besser werden, ich will auch höflich gegen die kleinen Prinzessinnen sein! ... Gelt, ich darf dableiben, bei dir und allen? Papa, hörst du denn nicht?«

Herr Lamprecht zuckte bei der Berührung der kleinen, seinen Arm schüttelnden Hand wie aus einem marternden Traum empor. »Gott im Himmel, Kind, quäle mich nicht auch mit deinen entsetzlichen Fragetönen! Es ist zum Verrücktwerden!« fuhr er das zurückschreckende Kind an. Er wühlte mit beiden Händen in seinem Haar, preßte sich wiederholt die Stirn und schritt ein paarmal in wilder Hast auf und ab.

Es mochten eben nur die monotonen »Fragetöne« gewesen sein, die ihn in ihrer dringlichen Wiederholung irritiert hatten – den Sinn derselben erfaßte er wohl erst nachträglich, als er ruhiger wurde. »Du machst dir einen ganz falschen Begriff, Gretchen!« sagte er endlich stehen bleibend in milderem Ton, »Dort, wohin ich dich bringen will, hast du eine Menge lustiger Spielkameraden, lauter kleine Mädchen, die sich untereinander lieb haben wie Schwestern. Ich kenne manches Kind, das bitterlich geweint hat, als es wieder nach Hause geholt wurde... Uebrigens ist deine Erziehung in einem Institut eine längst beschlossene Sache zwischen mir und der Großmama – es handelte sich nur noch um den Termin, um das ›Wann‹ der Aufnahme. Ich habe nunmehr den Beschluß gefaßt und dabei bleibt's... Es ist am besten, ich gehe gleich zu Tante Sophie, um das Nötige mit ihr zu besprechen.«

Bei den letzten Worten schritt er nach der Flurthüre. »Geh mit, Grete! Hier oben kannst du nicht bleiben!« rief er ihr zu, als sie unbeweglich in der Fensterecke stehen blieb. Sie kam langsam mit gesenktem Kopf über den Saal her – er ließ sie an sich vorbei über die Schwelle gehen, dann drehte er den Thürschlüssel um, zog ihn ab und ging die Treppe hinunter.

5.

Herr Lamprecht kümmerte sich nicht weiter darum, ob ihm die Kleine auch folge. Er war längst unten, und sie hatte ihn in die Wohnstube eintreten hören, als sie noch oben an der Treppe stand. Die Hände auf das Geländer stützend, glitt sie langsam Stufe um Stufe hinab. Die Thüre der Wohnstube war offen geblieben; Herrn Lamprechts starke, volltönende Stimme klang heraus, und Margarete hörte beim Herabkommen, wie er zu Tante Sophie von lautem Schreien, Laufen im Korridor des Seitenflügels, von eingebildeten Erscheinungen am hellen Tage und seinem Verweilen im roten Salon sprach; er blieb dabei, daß das Kind sich die Erscheinung im dunklen Gange eingebildet habe, daß daran die »Fraubasen-Geschichten« der Gesindestube schuld seien, und daß Margarete sofort in ein Institut übersiedeln müsse, um alle diese Eindrücke abzuschütteln und im übrigen auch manierlicher und mädchenhafter zu werden.

Leisen Schrittes ging die Kleine an der Thüre vorüber. Sie warf einen scheuen Blick in das Zimmer – der kleine Bruder hatte seinen Turmbau im Stich gelassen und hörte mit offenem Munde zu, und Tante Sophiens liebes, lustiges Gesicht war ganz blaß und fahl; sie preßte die verschlungenen Hände auf die Brust, aber sie sprach nicht, »weil das ja doch nichts half«, dachte das kleine Mädchen im Vorüberhuschen, denn wenn der Papa einmal mit der Großmama zusammen etwas beschloß, da half kein Bitten und Betteln mehr, die Großmama setzte es durch ... Nur einer hatte noch Gewalt, wenn er dazwischen fuhr und kräftig polterte und wetterte, und das war der Großpapa in Dambach. Der half, das wußte sie! Er ließ seine Gretel nicht fortschleppen, am allerwenigsten aber in »den großen Vogelbauer, wo sie alle in einem Tone pfeifen mußten«, wie er stets sagte, wenn die Großmama auf ein Mädcheninstitut hinwies ... Ja, er half! Was wollten sie denn machen, wenn er – wie er immer that, sobald ihm der Widerspruch zu toll wurde – mit den starken Fingerknöcheln auf den Tisch klopfte und mit seiner rauhen Stimme ernsthaft sagte: »Ruhe bitte ich mir aus, Franziska! Ich will es so, und hier bin ich Herr!«? Da ging ja die Großmama stets hinaus, und die Sache war abgemacht. Ja, war man nur erst in Dambach, dann hatte es keine Gefahr mehr!

Sie lief hinaus in den Hof, um die Ziegenböcke aus dem Stalle zu holen; aber der Hausknecht hatte die Thüre zugeschlossen, und eigentlich gab es doch wohl auch zu viel Lärm, wenn der Wagen rasselte; dann kam irgendwer und machte ihr das Thor vor der Nase zu, und sie mußte dableiben ... Da hieß es denn, sich tapfer auf seine zwei Füße stellen und hinauslaufen. Im Vorübergehen hatte sie ihren Hut genommen, der noch auf dem Gartentisch lag; sie knüpfte die Bänder unter dem Kinn und machte sich auf den Weg.

Niemand hatte das Kind gesehen, als es durch den Thorweg des Packhauses auf die Straße hinausschlüpfte. Es war keine Menschenseele im Hof; auch Blanka Lenz hatte den offenen Gang wieder verlassen. Und draußen war es auch menschenleer; die Leute saßen noch nicht vor den Hausthüren, dazu war der Abend noch nicht weit genug vorgeschritten; nur ein paar kleine barfüßige Jungen ließen auf dem Kanal, der schmalen, seichten Wasserader, welche die Straße in der Mitte durchschnitt, Papierschiffchen schwimmen. »Die haben's gut!« dachte die Kleine und marschierte über das Brückchen in die benachbarte Gasse; dann kam man zu einem Durchbruch der Stadtmauer, und von da lief ein Fußweg durch die Felder und eine niedere Anhöhe hinauf nach Dambach. Er machte zwar einen ziemlich weiten Bogen und war einsam; aber sie kannte ihn und schlug ihn auch jetzt ein – über der belebteren Chaussee wirbelten ja bei jedem Windhauch erstickende Staubwolken, die sie heute Nachmittag beim Hereinfahren wie mit Mehl überpudert hatten...

Ach ja, heute nachmittag, da war noch alles gut gewesen! Sie hätte aufschreien mögen vor Lust, als die Böcke mit ihr aus dem Dambacher Hofthor gestürmt waren; der Großpapa hatte gelacht und Hurra hinterdrein geschrieen, und die Dorfkinder, ihre getreuen Spielkameraden, waren ein Stück mitgelaufen, und die Jungen hatten untereinander gesagt: »Sapperlot, die kann's aber!« ... Nun kam sie wieder, um sich beim Großpapa zu verkriechen. Ach, wenn er sie doch ganz und gar draußen behielte! Sie wäre ja um alles gern in die Dorfschule gegangen ... Dahinaus kam auch die Großmama niemals – sie sagte immer, sie könne den Fabriklärm nicht vertragen, und darauf meinte der Großpapa allemal lachend: und er bliebe draußen, weil er ihren Papagei nicht schreien hören könne.

Während dieses Durcheinander in dem aufgeregten Hirn des Kindes kreiste, trabten die kleinen Füße im schleunigsten Tempo vorwärts. Ein langes Stück Weges ging es durch wogende Getreidefelder, und da wurde es dem kleinen Mädchen doch ein wenig beklommen zu Mute – feit sie mit Tante Sophie zum letztenmal hier gegangen, waren die grünen, jetzt schon zu mattem Gelb bleichenden Wände auf beiden Wegseiten so himmelhoch gewachsen. Nur immer eine kurze Strecke der vielfach gewundenen Pfadlinie vor sich, war das winzige Menschenkind gleichsam eingeschachtelt im Kornfelde, und der Käfer, der seine blauglänzenden Flügel ausspannte und leise surrend aufflog, die buntlockige Winde, die sich an den Halmen emporhalf, um droben Umschau zu halten, sie hatten es besser... Und zu Häupten des Kindes wisperte es; ein seidiges Rieseln, wie wenn schleifendes Gewand ganz leise daherkäme, machte es bänglich in die Hohe blicken; aber »Bange machen gilt nicht, und es geht alles in der Welt mit natürlichen Dingen zu!« sagte Tante Sophie immer, und drum konnte es auch kein mit leisen Sohlen auf der wogenden Halmfläche einherwandelndes Wesen sein – es war nur der Abendwind, der drüber hinging und die nickenden Aehren aneinander rieb.

Und nun hörte ja auch die enge Gasse endlich auf; der Weg ging über Kartoffel- und Rübenacker, dann über zertretenen Graswuchs die Anhöhe hinauf, die ein Laubwäldchen, das sogenannte Dambacher Hölzchen, krönte; dahinter lag das Dorf. Wohl war es noch hell genug, daß das Kind die großen Erdbeerbüsche mit ihren weißen Blütensternen und glühroten Früchten zwischen den Stämmen am Waldessaum sehen konnte; aber diesmal gab es weder Zeit noch Lust zum Pflücken und Naschen; in atemlosem Lauf war es bergauf gegangen – das kleine Herz hämmerte in der Brust, und der Kopf glühte und war so seltsam schwer, als sei Blei in Stirn und Schläfen ... Nun, in Großpapas Stube war es kühl; da stand das große Sofa mit den weichen Federkissen, auf welchem er stets sein Nachmittagsschläfchen hielt, und da ruhte auch das Kind immer, wenn es sich müde gelaufen hatte. Nur noch das Stückchen Weg hinter dem Dorfe weg – dann war ja alles gut!

Der weite Fabrikhof lag schweigend und menschenleer da, die Arbeiter hatten längst Feierabend gemacht; und durch den anstoßenden Garten mit seinen schönen Anlagen und dem schmucken, klaren Teich, in welchem sich der Pavillon spiegelte, ging auch kein anderes Leben, als das leise Rauschen der mächtigen Baumwipfel, unter denen es bereits stark dämmerte. Nicht einmal Friedel, Großpapas Hühnerhund, bellte und kam auf das Kind zugesprungen – die Schwelle, auf welcher er immer faulenzte, war leer, die Thüre war auch zu, ja, sie erwies sich sogar als fest verschlossen, und auf ein mehrmaliges Klingeln rührte und regte sich nichts drinnen.

In ratlosem Schrecken stand die Kleine vor dem stillen Hause – der Großpapa war gar nicht da! Das wäre ihr doch nie und nimmer eingefallen – es war ja so selbstverständlich gewesen, daß er zu Hause sein mußte, wenn sie kam... Sie umging das Haus von allen Seiten; hätte eines der Fenster in der niederen Erdgeschoßwohnung offen gestanden, sie wäre, was sie schon oft im Uebermut gethan, hinaufgeklettert und über die Brüstung ins Innere gesprungen, allein vor allen Scheiben lagen die Rollläden – da war nichts zu machen.

Das Weinen war ihr nahe, aber noch verschluckte sie tapfer die Thränen. Der Großpapa war wohl nur zum Faktor gegangen, und der wohnte ja gleich da drüben in der Fabrik. Aber im Hofe sagte ihr eine junge Stallmagd, Faktors seien mit der zurückkehrenden »Herrschaftskutsche« nach der Stadt zu einem Polterabend gefahren; den Herrn Amtsrat aber habe sie schon vor einigen Stunden fortreiten sehen; es sei heute Kegelkränzchen beim Oberamtmann in Hermsleben – das war ein ziemlich entfernt gelegenes Gut.

Lieber Gott, im Himmel – was sollte nun solch ein armes, weithergelaufenes Kind anfangen! – In der ersten Verzweiflung lief die Kleine wieder vor das Hofthor, während die Magd in den Stall zurückkehrte. Aber schon nach wenigen Schritten wurde Halt gemacht – nach Hermsleben konnte man doch unmöglich laufen, das war ja viel, viel zu weit! Nein, das ging absolut nicht; da war es besser, auf den Großpapa zu warten – er kam vielleicht bald wieder!

Damit lief das kleine Mädchen nach dem Pavillon zurück und setzte sich geduldig auf die Schwelle der Hausthüre. Das that den müdgelaufenen Beinchen gut, und auch die tiefe Ruhe und Stille ringsum war eine Wohlthat nach dem aufregenden Marsch. Wenn nur das dumme Hämmern in Stirn und Schläfen nicht gewesen wäre; aber jetzt, wo sie sich in die Thürecke schmiegte, machte es sich doppelt fühlbar... Und nun gingen auch noch allerhand beängstigende Vorstellungen durch den schmerzenden Kopf. Zu Hause war die Zeit des Abendessens längst vorüber, und sie hatte bei Tische gefehlt. Man suchte ganz gewiß überall nach ihr, und bei dem Gedanken, daß sich Tante Sophie um sie ängstigen könne, that ihr das kleine Herz bitter weh. Aber wenn es nur um Gotteswillen niemand einfiel, sie hier in Dambach zu suchen, ehe der Großpapa zurück war! Ganz entsetzt fuhr sie empor, und ihre Augen forschten nach einem Versteck, in welchem sie sich nötigenfalls verkriechen konnte. Denn nun, wo sie heimlich davongelaufen war, blieb gar kein Zweifel, daß man sie gleich morgen fortbrachte – dafür sorgte schon die Großmama, diese unerbittliche Großmama, die so ungerecht sein konnte. Wenn Holdchen täppischer Weise hinfiel, dann wurde »das wilde Mädchen« ausgezankt, weinte er aus Eigensinn, so hatte ihn gewiß »das ungezogene Ding, die Grete« gereizt – daß doch solch eine Großmutter niemals wußte, wie lieb man sein Brüderchen hatte, und alles, ja den Bissen vom Munde, ach wie gern, hingab, nur damit es lachen und fröhlich sein sollte! ... Ach ja, die in der oberen Etage, sie waren alle nicht gut gegen die Grete! Und fast noch schlimmer als die Großmama war dieser Mosje Herbert, den sie durchaus Onkel nennen sollte – ein schöner Onkel, der keinen Bart hatte, und noch gerade so, wie sie auch, über den Schulaufgaben schwitzen mußte! Ihr fehle die Rute, hatte er heute nachmittag gesagt, und die Finger, die er ihr vor Aerger beinahe zerdrückt hatte, thaten noch weh ... Wie der sich freuen würde, wenn sie die Grete morgen wirklich in den Wagen zerrten und ohne Gnade in »den Vogelbauer« schleppten! Aber das geschah ja nicht – Gott behüte! Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, sie wollte schreien, daß die Leute auf dem Markte zusammenliefen! ... Ach, wenn doch nur endlich der Großpapa käme!

Aber es blieb totenstill im Garten; auch drüben auf der Chaussee hatte das vereinzelte Rollen und Aechzen der Wagenräder aufgehört. Das Schweigen der Nacht begann, wenn sie auch selbst noch zögerte, zu kommen. Es war ja ein goldener Tag heute gewesen, und wie noch der heiße Sonnenatem schwer über der Erde brütete, so schien sich auch ein Rest der funkelnden Tagesglorie in den Lüften festzuhalten und nicht erlöschen zu wollen.

Die Schlaguhr auf dem Türmchen des Fabrikgebäudes schnurrte Viertelstunde auf Viertelstunde ab. Die neunte Stunde war schon vorüber, und nun war wohl das Schlimmste überstanden. In der Stadt ging der Großpapa stets um zehn Uhr zu Bette – er hielt es sehr streng mit der Pünktlichkeit und kam gewiß bald nach Dambach zurück... Ach ja, und wenn sie ihn dann von Hermsleben heran galoppieren hörte, da wollte sie ihm entgegenlaufen und neben dem Pferde hertraben; dann sah er doch wenigstens auf »seine wilde Hummel« herunter, und da konnte ihr niemand etwas anhaben – niemand!

Und es jagte in der That plötzlich ein Reiter daher – aber die Kleine lief nicht nach dem Thore; sie horchte einen Augenblick mit starrem Entsetzen auf das Getrappel der flüchtigen Pferdehufe, dann sprang sie mit einem wilden Satze aus der Thürecke, rannte um den Teich und kroch in das fast undurchdringliche Gebüsch, welches sich zwischen die entgegengesetzte Seite des Teiches und das den Garten vom Fabrikhofe trennende Eisengitter drängte. Der Reiter kam von der Stadt her – es war der Papa, der sie suchte.

Sie wühlte sich tief in den dornigen Busch; das weiße Kleid mit den Heidelbeerflecken erhielt nun auch der Risse genug, und die Füße versanken im Morast; trotzdem kauerte sie auf dem nassen Boden nieder und schmiegte sich so enge zusammen, als wolle sie ihren schmalen Körper auf ein Nichts reduzieren. Mit zurückgehaltenem Atem, und die aneinanderschlagenden Zähne fest zusammenbeißend, hörte sie zu, wie der Papa im Hofe mit der aus einem Fenster herabsehenden Magd sprach. Das Mädchen sagte ihm, daß das Kind vor ihren Augen umgekehrt und nach der Stadt zurück sei, sie habe es aus dem Thore fortlaufen sehen.

Trotz dieser Versicherung ritt Herr Lamprecht in den Garten herein. Margarete hörte seitwärts hinter dem Gebüsch das wilde Schnauben Luzifers – der Papa mußte einen scharfen Ritt gemacht haben – dann kam der Reiter in ihren Gesichtskreis. Er umritt den Pavillon und konnte vom Pferde aus den nicht großen Garten mit seinen Rasenplätzen und Gruppen von Ahorn- und Akazienbäumen recht wohl übersehen. – »Grete!« rief er in alle dunkelnden Ecken hinein. Jedes andere Ohr hätte aus diesem Schrei nichts als die namenlose Vaterangst zu hören vermocht; für die Kleine aber, die regungslos im Gebüsch hockte und mit fast mildem Blick jede Bewegung des Reiters verfolgte, war der Mann dort auf dem Pferde in diesem Moment derselbe, der heute nachmittag, im dunklen Gange über sie gebeugt, nicht gewußt hatte, ob er sie erwürgen oder zertreten solle. Und jetzt, wo er, ihr ganz nahe, am Teichufer hielt und die Augen hinschweifen ließ über das seichte Gewässer, welches so blank und kristallklar dalag, daß man selbst in der Dämmerung den weißen Sand auf dem Grunde schimmern sah, jetzt, wo ihm diese Augen unter den starken, schwarzen Brauen glühten, wie immer, wenn er »furchtbar böse« war, überkam das kleine Mädchen ein unbeschreibliches, ein förmlich lahmendes Furchtgefühl – ohne Atem, wie versteinert kauerte es im Gestrüpp, es hatte sich eher mit dem Fuß in das Wasser stoßen lassen, als daß ihm auch nur ein antwortender Laut entschlüpft wäre.

Herr Lamprecht wandte sein Pferd und ritt wieder hinaus. Es mochte wohl der Knecht des Faktors sein, der eben mit schlürfenden Schritten über den Hof herkam und dem Reiter die Gitterthüre öffnete. Herr Lamprecht sprach mit ihm und seine Stimme klang so heiser und matt, als verlechze ihm die Kehle. Er fragte nach dem Ausbleiben seines Schwiegervaters, und der Mann sagte ihm, daß der alte Herr aus dem Kegelkränzchen selten vor zwei Uhr nachts zurückkäme. Was noch weiter gesprochen wurde, war nicht zu verstehen. Herr Lamprecht ritt über den Hof zum Thore hinaus, und der Mann schien ihn zu begleiten; aber nicht über die Chaussee, durch die Felder wurde der Rückweg nach der Stadt eingeschlagen.

Die kleine Entlaufene war wieder allein. Nun die seelische Erstarrung von ihr wich, wurde sie sich des schmerzhaften Druckes bewußt, den die zusammenstrebenden Zweige auf ihren eingezwängten Körper ausübten. Die Bodennässe drang empfindlich durch die dünnen Zeugstiefelchen, und der Busch wimmelte von Mücken, die ihr das Gesicht und die entblößten Arme blutdürstig umsummten. Mühsam richtete sie sich auf und hob die tief eingesunkenen Füße aus dem Morast, der ihr schwer an den Sohlen kleben blieb. Jetzt brach sie in ein leises, trostloses Jammern aus – der böse Busch wollte sie nicht wieder fortlassen! Sie sollte dableiben in dem entsetzlichen Moderdunst, den sie durch ihr Eindringen aufgerührt; gefangen wie ein armer, kleiner Spatz in dem harten, zähen Geschlinge der Zweige, sollte sie warten, bis der Großpapa käme! Ach, und er kam ja nicht vor zwei Uhr nachts! Fünf lange Stunden sollte sie sich wehren gegen die Mückenwolke, die ihr immer näher auf den Leib rückte, so oft sie auch danach schlug! Und Frösche und Kröten gab's hier auch genug – Reinhold wollte sogar einmal gesehen haben, daß eine lange, bunte Schlange aus dem Busch gekrochen sei – sie schüttelte sich vor Grauen und fühlte es förmlich lebendig werden um und unter ihren Füßen – alle Kraft zusammennehmend, arbeitete sie sich wie toll durch die unheimliche Wildnis, bis die letzten starkstämmigen Ausläufer rauschend und knackend hinter ihr zusammenschlugen.

Es war eine jämmerlich zugerichtete kleine Gestalt, die nach dem Pavillon zurück mehr taumelte als ging. Den Hut hatten ihr schon beim Eindringen die oberen Aeste weggerissen – mochte er hängen bleiben! Auch das total zerfetzte Kleid wurde nicht beachtet; nur die in eine Schlammkruste gehüllten Füße, die bei jedem Schritt über die, breite, weiße Sandsteinstufe vor der Hausthüre pechschwarze Abdrücke hinterließen, waren ein erschreckender Anblick. Am Himmel trat ein funkelnder Stern nach dem anderen hervor – die in die Thürecke gedrückte Kleine bemerkte es nicht. Wenn sie die schweren Lider hob, dann sah sie nur, daß das Dunkel drunten den letzten schwachen Schimmer des Teichspiegels verschlang – die Rasenplätze lagen schwarz unter den Bäumen, allerhand vorbeischwirrendes Nachtgesindel machte sich bemerklich, Käuzchen schrieen, und vom Dachboden des Pavillons kamen die räuberischen Fledermäuse. Wie im Traume hörte sie vereinzeltes Hundegebell vom Dorfe her, und die Turmuhr hatte wieder zwei Viertelstünden angezeigt... Noch viele, viele solcher Viertelstunden mußten von dort oben herunterrasseln, bis es zwei Uhr war – ach, wie schrecklich! – Die Nässe an den Füßen jagte ihr ein Frösteln nach dem anderen über den Leib und die an die harte Thürbekleidung gelehnte Stirn glühte und schmerzte heftig ... Ach, nur einmal, nur für ein paar Minuten den schweren Kopf in ein weiches Kissen drücken und einen Schluck Wasser aus dem kühlen Hofbrunnen zu Haufe trinken dürfen – das mußte wohlthun! Tante Sophie goß immer ein wenig Himbeersaft in das Glas, wenn man über Kopfweh klagte, und für solche Mückenstiche, wie sie jetzt auf den Armen und Wangen brannten, hatte sie eine lindernde Salbe – ach ja, es war gut sein bei Tante Sophie! Ein unbezähmbares Sehnsuchtsgefühl nach der treuen Pflegerin wallte plötzlich in der Kleinen auf.

Sie schloß die Augen wieder und träumte sich in die Schlafstube daheim. Die Fenster gingen auf den stillen Hof, und das Brunnenplätschern klang leise und ununterbrochen herein – es war von jeher das einlullende Wiegenlied der beiden Kinder gewesen. Sie lag im weißen, weichen Bett, und Tante Sophie kühlte ihr das brennende Gesicht und die zerstochenen Arme, bis sie einschlief ... Ja, schlafen, heimgehen und schlafen – das war's! Das war's, was sie mit einem Ruck emportrieb und durch den Garten und über den Hof hinaus auf den Feldweg taumeln machte! Sie hörte nicht mehr, daß die Uhr schlug, als sie das Hofthor verließ – das ängstliche Zählen der Viertelstunden war vorüber; sie dachte auch nicht an die Wegstrecke, die vor ihr lag, sie sah nur das Ziel, die weite, kühle Schlafstube, in der sie den glühenden Körper mit seinen pochenden Pulsen ausstrecken durfte, sie hörte Tante Sophiens gute Stimme und sah die Hände, die sie auf den Schoß heben, und ihre schwere, nasse Last von den Füßen streifen würden – was dann kam, anderen Tages, daran dachte sie auch nicht mehr... Und die steifen Beinchen wurden gelenker mit der Bewegung. In immer wilderem Lauf ging es hinter dem schweigenden Dorfe weg. Dann trat das Wäldchen hervor – eine dunkle Masse, die nicht ahnen ließ, daß sie aus Millionen säuselnder Blätter und Blättchen zusammengewoben sei. Vorbei ging es auch hier in achtloser Hast, und nur einmal prallte die kleine Laufende seitwärts – weißes Gewand schwebte durch das Dickicht. Ach, es waren ja die Birken mit ihren hellen Stämmen, sie standen nur nicht fest, sie waren so sonderbar wackelig, und der kleine Stern, der gleich darauf drüben über dem Thale auftauchte – das Licht in der hochgelegenen Türmerstube des Wachtturmes, welcher die Stadt beherrschte – er schwankte auch, als ob der alte Bursche, der vierschrötige Turm, zu tanzen anfange. Doch diese befremdende Erscheinung ging schnell wieder unter in dem einen vorwärts hetzenden Trieb: Weiter! Heim zu Tante Sophie!

Und im wispernden Kornfeld hörte sie Reinhold weinen, weil ihm »die wilde Grete« seinen Turm umgeworfen habe, und Barbe murmelte in einem fort von der Frau mit den Karfunkelsteinen im Haar und von dem wackelnden Vorhang in der verschlossenen Stube, und die roten Klatschrosen, die das Kind heute wie Fackeln im Korn glühen gesehen, sie machten die enge dunkle Gasse heiß zum Ersticken; aber mit dem Niederlegen auf die kühle Erde war es doch nichts – weit drüben rief Tante Sophie immer wieder: »Vorwärts, Gretel! Mach, daß du heim kommst!«

So lief sie gehorsam weiter, zuletzt freilich mit einknickenden Knieen und keuchender Brust, bis die Stadt erreicht war. In manchem Haus der letzten Gasse, durch die sie erschöpft schlich, brannte noch Licht, aber die Thüren waren geschlossen, und die matten Tritte des Kindes polterten förmlich auf dem hohlen Kanalbrückchen, eine so tiefe Nachtstille webte bereits in Gassen und Straßen. Und nun wölbte sich endlich der Thorbogen des Packhauses über dem kleinen Mädchen; nur war es schlimm, daß das schwere, altvaterische Thürschloß im Thorflügel gar so hoch saß, eine Kinderhand konnte es nicht erreichen. Nach einer vergeblichen Anstrengung sank die Kleine auf dem niederen Prellsteine in sich zusammen. Sie meinte, die ganze Welt drehe sich mit ihr im Kreise, und vor dem Hämmern und Pochen ihrer Pulse könne sie nichts mehr hören; aber das Murmeln des vorbeischießenden Kanalwassers drang doch an ihr Ohr, und die Kühle, die es ausströmte, wirkte belebend auf ihr hindämmerndes Bewußtsein. Und jetzt kam auch jemand die Straße daher; es waren kräftige Schritte, die sich dem Packhause näherten, und nach wenigen Minuten trat ein Mann unter den Thorbogen. So weit durchlichtete der sternfunkelnde Himmel die Nacht doch, daß man die Umrisse einer Gestalt zu erkennen vermochte – der Mann war Herr Lenz, der im Packhause wohnte, und welchen die kleine Margarete gar gern hatte. Er warf ihr oft, wenn sie im Hofe spielte, im Vorübergehen ein heiteres Scherzwort hin, und für ihren freundlichen Gruß strich er mit liebkosender Hand über ihr Haar.

»Lassen Sie mich auch mit hinein!« murmelte sie heiser, als er mit dem Hausschlüssel das Thor geöffnet hatte und im Begriff war, einzutreten.

Er fuhr herum. »Wer ist denn da?« »Die Grete.«

»Was – das Kind aus dem Hause? – Um Gotteswillen, Kleine, wie kommst du denn hierher?«

Sie antwortete nicht und griff nur mit tastender Hand nach seiner Rechten, die er ausstreckte, um ihr aufzuhelfen; aber das ging absolut nicht, und so nahm er sie ohne weiteres auf den Arm und trug sie in die tiefe Thorwölbung hinein.

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