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Die Frau mit den Karfunkelsteinen

Eugenie Marlitt: Die Frau mit den Karfunkelsteinen - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorEugenie Marlitt
titleDie Frau mit den Karfunkelsteinen
publisherVerlag von Ernst Keil's Nachfolger
seriesE. Marlitt's gesammelte Romane und Novellen
volumeSechster Band
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid99f334c3
created20070103
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26.

Oben im Salon kreischte und schimpfte der Papagei beim Eintreten des jungen Mädchens; sie hatte von Kindheit an das boshafte verhätschelte Tier nicht leiden können, und das wußte Papchen sehr gut.

»Sei artig, mein Liebling, mein Goldchen!« schmeichelte die alte Dame. Sie reichte dem Schreier ein Biskuit und liebkoste ihn; dann nahm sie langsam und bedächtig die Kapotte von ihrem Spitzenäubchen und den Umhang von den Schultern und legte beides sorgfältig zusammen.

Margarete wurde bald rot, bald blaß vor innerer Unruhe und Aufregung; sie biß sich auf die Lippen, aber kein Wort entschlüpfte ihr; sie kannte ja diese fingierte Gelassenheit – die Großmama zeigte sich nie kälter und bedächtiger, als wenn sie innerlich erregt war.

»Nun, ich glaubte, du habest mir wunder was für weltumstürzende Mitteilungen zu machen,« sagte die alte Dame endlich über die Schultern nach ihr hin, während sie langsam den Kasten zuschob, in welchen sie Kapotte und Umhang gelegt hatte; »statt dessen stehst du am Fenster und siehst über den Markt hin, als zähltest du die Eiszapfen an den Dachrinnen.«

»Ich erwarte, daß du mich fragst, Großmama,« erwiderte das junge Mädchen ernst. »Wäre ich doch so ruhig, um mich so harmlos beschäftigen zu können, wie du meinst! Aber an mir bebt jeder Nerv.«

Die Großmama zuckte die Achseln. »Das hast du dir selbst zuzuschreiben, Grete! Dein Vorwitz ist bestraft – du hattest im Packhause nichts zu suchen... Ich war auch erschrocken, als uns der Mensch mit seiner unerhörten Behauptung plötzlich wie vom Himmel herunter ins Haus fiel; aber in meinen Jahren geht der Kopf mit dem Schrecken nicht mehr durch. Ich erkannte sehr schnell den Schwindel und habe dem gewiegten Juristen, meinem Sohn, der sich merkwürdigerweise düpieren ließ, vorausgesagt, wie es kommen mußte: der Alte kann seine Behauptung nicht aufrecht erhalten, weil ihm all und jede Begründung fehlt. Er hat sich auf den Nachlaß deines seligen Vaters berufen – aber was brauche ich dir das alles zu sagen?« unterbrach sie sich. »Du weißt es ja aus dem Munde deines Protegés selbst; natürlicherweise unter der Beleuchtung, die er der Sache zu geben beliebt; denn sonst würdest du vorhin nicht behauptet haben, seine Ansprüche seien gerecht.«

Margarete war lautlos über den Teppich hingeglitten, und jetzt stand sie, ganz entfärbt vor innerer Erschütterung, wie ein Geist vor der alten Dame. »Daß jene Ansprüche vollkommen gerecht und begründet sind, weiß ich aus einem anderen Munde, Großmama – aus dem meines Vaters,« sagte sie mit bebender Stimme.

Die Frau Amtsrätin prallte zurück. Im ersten Moment sprachlos vor Bestürzung, starrte sie die Enkelin mit weit offenen, entsetzten Augen an. »Bist du von Sinnen?« stieß sie endlich hervor. »Du wirst mir doch nicht Dinge weismachen wollen, die kein vernünftiger Mensch glauben kann? – Dein Vater! Mein Gott, man muß ihn gekannt haben, den strengverschlossenen Mann, der sich mit einem einzigen zurückweisenden Blick unnahbar zu machen wußte, er sollte einem unmündigen Ding wie dir ein solches Geheimnis mitgeteilt haben? – Nein, meine liebe Grete, so alt war er noch lange nicht, um so kindisch geworden zu sein. – Du maßest dir da eine Mitwissenschaft an, über die ich lachen würde, wenn ich dabei nicht deine Verblendung beklagen müßte. Ware es denn wirklich so schön und beglückend, dieses Kuckucksei im Lamprechtschen Nest zu wissen? ... Ich bitte dich, stehe nicht gar so weise und überlegen vor mir – eine Haltung und Miene, die jeden Blutstropfen in mir zur Wallung bringt!« – Sie trat im heftigsten Unwillen um ein paar Schritte von dem jungen Mädchen weg, knüpfte mit unsicher tappenden Fingern die Haubenbänder fester unter dem Kinn und fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn.

»Wenn du deiner Sache so gewiß bist und sie so energisch vertrittst,« hob sie nach einem augenblicklichen Schweigen wieder an, »dann kann ich auch verlangen, daß du mir Wort für Wort wiederholst, was dein Vater gesagt haben soll.«

»Nein, Großmama, verzeihe, aber das kann ich nicht!« entgegnete Margarete mit feuchten Augen. »Mir ist sein Vertrauen ein Heiligtum, das ich nie profanieren werde. Nur wo es gilt, für ihn zu handeln, da er es selbst nicht mehr kann, da werde ich rücksichtslos seinen letzten Willen zur Geltung zu bringen suchen. Gerade an seinem Todestage hat er den kleinen Bruder in alle ihm zukommenden Rechte einsetzen wollen –«

Sie hielt inne; die alte Dame hatte ein häßliches Hohngelächter aufgeschlagen. »Den ›kleinen Bruder!‹ wiederholte sie zornbebend. »Du hast wirklich die Stirn, eine solche Ungeheuerlichkeit deiner Großmutter gegenüber gelassen auszusprechen? ... Aber den Wortlaut dessen, was dir mitgeteilt worden sein soll, willst du aus purer heiliger Scheu und Pietät nicht wiederholen? Ich will dir sagen, weshalb du so rücksichtsvoll bist – weil du nichts Positives weißt! Du hast läuten und nicht schlagen hören, hast hier und da ein vereinzeltes dunkles Wort deines Vaters aufgefangen, und nun hältst du diese Brocken neben die neue Wundergeschichte, und da es zu klappen scheint, fühlst du dich berufen, dein Licht leuchten zu lassen!... Es ist ja auch gar schön, für die Verkannten und Verfolgten öffentlich in die Schranken zu treten! Und was kümmert es solch eine sensationsbedürftige Natur, wenn dabei ein seit Jahrhunderten respektierter Familienname in den Schmutz fällt?«

»Sensationsbedürftig?« wiederholte das junge Mädchen mit finsterer Stirn, indem es stolz den Kopf zurückwarf. »Ich bin gewiß, daß dieser häßliche Zug unserer Zeit meine Seele auch nicht einmal gestreift hat; diese Beschuldigung darf ich mithin getrost zurückweisen... Und die Wiederverheiratung eines Mannes mit einem unbescholtenen Mädchen von seiner Bildung sollte seinem Familiennamen Unehre machen, das soll ich glauben?« Sie schüttelte den Kopf. »Liebe Großmama, sei nicht böse, aber du bist ja auch eine zweite Frau, und wie hochgeachtet stehen meine Großeltern da!«

»Unverschämt!« brauste die alte Dame auf. »Wie kannst du mich mit der ersten besten hergelaufenen Person vergleichen! Du – aber wofür ereifere ich mich denn!« unterbrach sie sich und reckte ihr zierliches Figürchen empor, um die verlorene würdevolle Haltung wiederherzustellen. »Die ganze Geschichte dreht sich ja doch nur um eine Beutelschneiderei, eine Erpressung von seiten der Eltern; die verschollene Tochter kommt dabei kaum in Frage, wir thun ihr damit nur eine unverdiente Ehre an – wer weiß, wo sie sich herumtreibt!«

»Sie ist tot, Großmama! Schmähe sie nicht in der Erde!« rief Margarete empört. »Du darfst es nicht, eben um unserer Familienehre willen; denn – du magst dich selbst täuschen wie du willst – sie ist trotz alledem die zweite Frau meines Vaters gewesen!«

»Wirklich, Grete? – Nun, dann frage ich nur, wo sind denn die Dokumente, die es beweisen?... Gesetzt, es verhielte sich alles genau so, wie die Leute im Packhause behaupten, und du es in deiner unglaublichen Verblendung vertrittst – gesetzt, er sei in der That durch seinen jähen Tod verhindert worden, die geheime Ehe öffentlich anzuerkennen, dann, sage ich, müßte sich doch irgend ein darauf bezügliches Papier in seinem Nachlaß gefunden haben. Nichts von alledem! Nicht die kleinste eigenhändige Notiz, geschweige denn gerichtlich beglaubigte Atteste und Zeugnisse. Aber ich will noch weiter gehen. Ich will selbst annehmen, daß die Dokumente in der That selbst existiert haben,« – sie machte eine augenblickliche Pause – »so kämen mir dann notwendig zu dem Schlüsse, daß sie der Verstorbene selbst vernichtet hat, weil er nicht gewillt gewesen ist, die Sache an das Licht der Oeffentlichkeit zu bringen. Und das, meine ich, sollte dir genügen, die wahnsinnige Idee aufzugeben, infolge deren du dich für die Vollstreckerin seines vermeintlichen letzten Willens hältst.«

Margarete war zurückgewichen, als sei sie auf eine Schlange getreten. »Das kann unmöglich dein Ernst sein, Großmama! Was hat dir mein Vater gethan, daß du ihm einen solchen Schurkenstreich zutraust ... Ach, sein Zaudern, seine Furcht vor dem Urteil der Welt, vor dem Standesvorurteil, dem Moloch, der das Lebensglück Tausender verschlingt, wie hart strafen sie sich in diesem Augenblick! Wie hat sich diese unselige Schwäche schon bei Lebzeiten gerächt durch die Qual inneren Zwiespaltes! ... Und nun dieses Ende, dieser grauenvolle Abschluß, der ihm selbst kein Auslöschen seiner Verschuldung auf Erden gestattet hat! Aber ich weiß, was er gewollt hat – Gott sei Dank, daß ich das weiß, daß ich eine solche Verdächtigung, ein solches Brandmal von seinem Andenken abwehren –«

»Und damit einen Skandal an die große Glocke schlagen kann, gelt, Grete?« ergänzte die Großmama hohnvoll. »O, du Verblendete!... Aber das ist dieser verrückte heutige Idealismus, der blind und taub gegen die Wände und Schranken rennt und nicht fragt, was dabei zusammenstürzt, wenn nur der falsche Wahn, die überspannte, schiefe und sentimentale Weltanschauung siegt!... Magst du doch die Mitteilungen deines Vaters verstanden haben wie du willst! ich bleibe dabei, daß er selbst gewünscht hat, den Schleier über einer dunklen Stelle seines Lebens zu belassen. Und er hat es wünschen müssen, schon um unsertwillen – ich will sagen, der Familie Marschall wegen. Wir hätten es wahrlich nicht um ihn verdient, wenn durch seine Schuld auch ein Schatten auf unseren schönen, makellosen Namen fiele, wenn über uns gezischelt würde in der Stadt und bei Hofe, gerade jetzt, wo wir diesem erlauchten Kreise so nahe treten sollen! Ich sage, um jeden Preis muß es verhindert werden, daß von dem Erpressungsversuch des alten Lenz auch nur ein Laut in das Publikum dringt – die böse Welt glaubt gar zu gern das Schlimmste und munkelt weiter, auch wenn ihr sonnenklar bewiesen wird, daß sie sich irrt – und da hilft nur eines: Geld! – Um ein paar tausend Thaler werdet Ihr freilich ärmer werden; aber mit dieser Abfindungssumme wird sich der alte Schwindler aus dem Staube machen und dahin zurückkehren, woher er unseligerweise gekommen ist!«

»Und das Kind? Der Knabe, der dieselben Rechte hat wie Reinhold und ich, was soll aus ihm werden?« rief Margarete mit flammenden Augen. »Soll er hinausziehen in die Welt, ohne das Erbe, das ihm von Gott und Rechts wegen zukommt, ohne den Namen, auf den er getauft worden ist? Und mir mutest du zu, mit einer ungeheuren Lüge auf dem Gewissen durchs Leben zu gehen? Ich sollte je wieder einem ehrlichen Menschen ins Auge sehen können, wenn ich mir sagen müßte, daß ein großer Teil meines Erbes gestohlenes Gut sei, daß ich einen Menschen um sein kostbares Eigentum, um den geachteten Namen seines Vaters betrogen habe? Und das forderst du von mir, die Großmutter von der Enkelin?«

»Ueberspannte Närrin! Ich sage dir, das würden alle Vernünftigen, alle, die auf Ehre und Reputation ihres Hauses halten, von dir fordern.«

»Herbert nicht!« rief das junge Mädchen mit leidenschaftlichem Protest.

»Herbert?« rügte die Frau Amtsrätin scharf, mit hochmütigem Befremden. »Trittst du wieder in die Kinderschuhe zurück? ›Der Onkel‹, willst du sagen!«

Ein jäher Farbenwechsel flutete über das Gesicht der Gemaßregelten. »Nun denn – der Onkel!« verbesserte sie sich hastig. »Er wird nie zu jenen gewissenlosen ›Vernünftigen‹ gehören, nie, niemals! Ich weiß es! Er soll entscheiden –«

»Gott bewahre! Du unterstehst dich nicht, mit ihm darüber zu sprechen, bis –«

»Bis mann, Mama?« fragte der Landrat plötzlich von seinem Zimmer her.

Die alte Dame schrak zusammen, als sei ein jäher Donnerschlag ihr zu Häupten hingerollt. »Ah, bist du schon so früh zurück, Herbert?« stotterte sie, verlegen sich umwendend. »Du kommst ja wie hereingeschneit!«

»Keineswegs. Ich stehe seit lange hier in der offenen Thüre, allein ich fand keine Beachtung.« Mit diesen Worten kam er herüber. Er sah ernst, ja finster aus, und doch war es dem jungen Mädchen, als leuchte sein Blick blitzartig auf, indem er ihr Gesicht streifte.

»Ich würde mich sofort diskret zurückgezogen haben,« wandte er sich an seine Mutter, »wenn die leidenschaftliche Verhandlung zwischen dir und Margarete nicht auch mich anginge – du weißt, ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Licht in die Angelegenheit zu bringen.«

»Auch jetzt noch, nachdem du dich hast überzeugen müssen, daß jeder gesetzliche Anhaltspunkt fehlt?« fragte die alte Dame zitternd vor Aerger. Sie zuckte die Schultern. »Nun, meinetwegen, steckt Fackeln an, um einen Schandfleck zu beleuchten – mehr werdet ihr nicht erreichen! Dich, Herbert, begreife ich nicht! Es liegt doch auf der Hand, daß die Papiere – wenn sie je existiert haben, was ich durchaus bezweifle – aus guten Gründen verschwunden sind. Sagst du dir nicht selbst, daß du dich mit diesem Aufbauschen des widerwärtigen Handels an Balduin schwer versündigst?«

»Wie – eine Versündigung nennst du es, wenn ich mich bemühe, seine Schuld gutzumachen?« zürnte ihr Sohn. »Uebrigens kommt es für mich gar nicht mehr in Frage, ob eine Vertuschung von seiten des Verstorbenen stattgefunden oder nicht; ich vertrete hier das Recht des Lebenden, der nicht bestohlen werden darf. Ich weiß bereits zu viel, um es geschehen zu lassen, daß das Dunkel über dem ›widerwärtigen Handel‹ wie du die schwebende Frage nennst, verbleibt. Oder glaubst du, ich würde mich je zum passiven Mitwisser einer verschwiegenen Schuld qualifizieren? Margarete sagt aus –« »Komme mir nicht mit diesen Hirngespinsten!« rief die Frau Amtsrätin, in erbitterter Abwehr beide Hände gegen ihn ausstreckend. »Man weiß zur Genüge, daß es für solch einen müßigen Mädchenkopf nur eines sehr geringen Anhaltes bedarf, um daran ein ganzes Gewebe von Phantastereien zu knüpfen.«

Der Landrat wandte den Kopf seitwärts nach dem jungen Mädchen. »Lasse es dich nicht kränken, Margarete!« sagte er.

»Was für ein liebevoll tröstender Ton!« spottete seine Mutter. »Wirst du mit einemmal ein zärtlicher Onkel, du, der für Fannys Aelteste nie auch nur eine Spur von Sympathie gehabt hat?... Immerhin! Haltet zusammen gegen mich, die allein den Kopf oben behalt! Mich werdet ihr nicht überführen, es sei denn, daß ich's schwarz auf weiß sehe!« »Du wirst es schwarz auf weiß sehen, Mama!« sprach Herbert ruhig und bestimmt. »Die Kirchenbücher in London werden nicht auch verbrannt sein.«

»O, mein Gott! Damit willst auch du sagen, Onkel, daß mein Vater die in seinen Händen befindlichen Papiere selbst vernichtet haben müsse?« rief Margarete in einer Art von stiller Verzweiflung. »Das ist nicht wahr! Er hat es nicht gethan! Ich werde ihn verteidigen und gegen diesen schmachvollen Verdacht ankämpfen, solange ich Atem in der Brust habe!... Ich habe die unerschütterliche Ueberzeugung, daß es keiner Reise nach London bedarf; die Papiere müssen sich hier finden, wir müssen besser suchen.«

»In dieser Illusion kann ich dich leider nicht bestärken,« entgegnete Herbert. »Der ganze schriftliche Nachlaß, alle Dokumente, selbst die Geschäftsbücher sind auf das Gewissenhafteste durchsucht worden, auch nicht das kleinste Briefblatt ist unseren Augen und Händen entgangen. Ich habe die ganze Bel-Etage durchforscht, auch alle Fächer und Kasten der unbenutzten Möbel in den Gesellschaftsräumen.«

In diesem Augenblick flog eine tiefe Glut bis über die Schläfen des jungen Mädchens – es war, als durchschüttere ein jäher Schrecken ihren Körper.

»In den Gesellschaftsräumen der Bel-Etage, sagtest du?« fragte sie wie mit zurückgehaltenem Atem. »Und die Zimmer im Seitenflügel?«

Der Landrat sah sie groß an. »Wie hätte mir auch nur der Gedanke kommen können, dort zu suchen?«

»Im Spukzimmer der schönen Dore, das seit Jahren kein Menschenfuß betreten hat!« setzte die Frau Amtsrätin mit Hohnlächeln hinzu. »Da siehst du ja, Herbert, wie logisch es in solch einem kunterbunten Mädchengehirn zugeht!«

»Ich habe den Papa kurz vor seinem Tode hineingehen sehen,« sagte Margarete scheinbar ruhig, aber ihre Stimme wankte vor innerer Bewegung. »Er hat sich damals eingeschlossen.«

»So gehen wir unverzüglich!« rief der Landrat überrascht.

Sie flog hinunter, um die Schlüssel zu holen. Nach wenigen Minuten kehrte sie zurück und traf mit Herbert an der Thüre des Flursaales zusammen; aber er war nicht allein; seine Mutter, in dicke, warme Shawls und Tücher gewickelt, ging an seinem Arm. Sie müsse doch auch dabei sein, wenn der Schatz gehoben werde, sagte sie mit einem spöttischen Seitenblick auf die Enkelin.

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