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Die Flucht aus dem Sudan

Friedrich Wilhelm Mader: Die Flucht aus dem Sudan - Kapitel 52
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleDie Flucht aus dem Sudan
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
printrun5. Auflage
illustratorRichard Herdtle
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160413
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49.
Ein schauerliches Ende

Sieger war bei der Vernehmung Emin Gegrs zugegen gewesen. Er sah jetzt ein, daß es ein Fehler gewesen war, von den Lufträdern zu schweigen, und daß diese Verheimlichung ihnen jetzt zum Schaden, voraussichtlich zum Verlust des Lebens gereichen werde.

Er wollte dem Sultan, dessen edlen Charakter er erkannt hatte, ein offenes Geständnis ablegen; aber merkwürdigerweise fragte ihn der Herrscher gar nicht, was er zu der letzten Behauptung seines Anklägers zu sagen habe, und als er unaufgefordert reden wollte, gebot ihm Dud Benga in strengem Tone Stillschweigen.

Die Worte: »Schaffe die Flugmaschinen bei, so will ich dir glauben,« hatte der Fürst allerdings in einem seltsamen, spöttischen Tone gesprochen. Doch der Ingenieur erklärte sich dies einfach so, daß er an das Vorhandensein solcher Zauberwerke nicht glaube.

Der Zusatz: »Und die Gefangenen sollen heute noch sterben!« enthielt das Todesurteil für den Fall, daß Geiger, gegen des Sultans Erwartungen, die Beweisstücke zur Stelle schaffen lassen könne.

Als Sieger wieder zu den Seinen zurückgebracht wurde und über Emins Eintreffen, seine Aussage und die Drohung des Herrschers berichtete, bemächtigte sich Aller eine gedrückte Stimmung. Sie konnten nicht daran zweifeln, daß der Schurke die Flugräder auffinden werde, da sie sich der Feuerstelle nahe befanden, und er gewiß deren nächste Umgebung aufs gründlichste durchforschen würde.

Herbeischaffen konnte er freilich keines der Räder, wenn er nicht eine Vorsicht übte, die einem Unkundigen nicht zuzutrauen war: mit den Steinen belastet waren sie zu schwer. Entfernte er aber den Ballast, so flogen sie davon, da schon seit einigen Tagen Tauwetter eingetreten war, und das Eis längst weggeschmolzen sein mußte.

Immerhin mußten alle Möglichkeiten dazu führen, daß Geigers Aussage ihre Bestätigung fand. Diese Möglichkeiten erörterte Helling mit folgenden Überlegungen: »Das Wahrscheinlichste scheint mir, daß Emin, der ein durchtriebener Schlaukopf ist, wenn er die Räder auffindet, woran leider nicht zu zweifeln ist, sie einfach stehen läßt, weil er sich sagt, daß sie ihm zu schwer seien. Dann aber kann er ihren genauen Standort angeben, und Dud Benga wird hinschicken, womöglich sich persönlich hinbegeben und so erfahren, daß Geigers Aussage in diesem Punkte, der zum ausschlaggebenden gemacht wurde, auf Wahrheit beruht.

»Oder aber unser Verfolger wird eines der Fahrzeuge entlasten, um den Versuch zu machen, es mitzunehmen. Hiebei wird er aus Unkenntnis vermutlich die nötige Vorsicht außer acht lassen, zuviel Ballast entfernen und plötzlich sehen müssen, wie das Rad sich in die Lüfte erhebt. Letzteres wird dann zweifellos von vielen Eingeborenen gesehen, die Zeugnis für den Gauner ablegen werden.

»Aber auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, wird Emil durch den ersten Mißerfolg gewitzigt sein. Dann gibt es wieder zwei Möglichkeiten: er läßt die beiden anderen Fahrzeuge unberührt und berichtet dem Sultan, was geschehen ist und wo die zurückgebliebenen Maschinen stehen, was wiederum zu ihrer Entdeckung führen muß. Oder aber er entlastet ein zweites mit größerer Umsicht, bis er imstande ist, es mit Leichtigkeit in die Seriba zu befördern, ohne daß es ihm entschlüpfen kann, weil er genügend Ballast darauf ließ, um dies zu verhindern.

»Kurzum, welche Möglichkeit wir auch in Betracht ziehen, alle müssen zu unserem Unheil ausschlagen!«

Die Anderen wußten auch keinen Trost, als die Hoffnung, daß Gott, auf dessen Schutz sie vertrauten, auch in dieser äußersten Not Wege finden werde, sie vor dem drohenden Unheil zu retten.

Und dieses Gottvertrauen sollte sie nicht täuschen. Es gab noch eine Möglichkeit, die sie nicht in Erwägung ziehen konnten, weil sie auf ihnen völlig unbekannten Umständen beruhte. Dud Benga aber kannte sie und sah das Ende voraus.

Während unsere Freunde den Tod vor Augen sahen, war die Gefahr schon von ihnen abgewendet: Emin Gegr kehrte überhaupt nicht von seinem verräterischen Gang zurück!

Als es dunkel geworden, schickte der Sultan Leute mit Fackeln aus. Diese kehrten nach nicht langer Zeit zurück, eine schwere Last schleppend. Sie legten dieselbe zu Boden vor den Sultan, der die Boten vor seiner Seriba erwartet hatte. Abdullahi Dud Benga ließ seine Gefangenen sowie Salamas Begleiter herbeiholen. Ein grausiger Anblick wartete ihrer: da lag Emin Gegr, eine Leiche; aber nur das fehlende Auge und die Narbe machten ihn kenntlich, sonst war das Gesicht so schauerlich entstellt, daß es nichts Menschenähnliches mehr hatte. Der Kopf war zur Größe eines mächtigen Kürbisses angeschwollen, die Zunge quoll wie eine dicke Gurke aus dem Mund.

»Gott hat gerichtet!« sagte Sieger erschüttert. »Welch gräßlicher Unfall mag dieses entsetzliche Ende herbeigeführt haben?«

Auch die Schergen des Kalifa waren von Grauen gepackt worden, und der Sultan redete die Erstarrten an: »Ihr sehet, was nach Allahs Willen euren Führer betroffen hat: erkennet die Macht des Allmächtigen und redet die Wahrheit.«

Die geängsteten Leute, die sich das schauerliche Ende Emin Gegrs nur durch ein Wunder erklären konnten, fielen zitternd nieder und gestanden, daß sie vom Kalifa ausgesandt seien, die Flüchtlinge zurückzubringen. Sofort wurden sie in Ketten gelegt während unsere Freunde befreit wurden.

Sultan Abdullahi bot diesen seine Gastfreundschaft an, sie aber baten, gleich weiterreisen zu dürfen. Auch das Angebot von Kamelen verschmähten sie, indem sie offen eingestanden, darin habe Um Salama nicht gelogen, daß er sagte, sie besäßen Flugmaschinen.

Aufs höchste erstaunt und höchst ungläubig begleitete sie nun der Sultan selber mit seinen Leibwächtern zu der Stelle, wo die Flüchtlinge vor vierzehn Tagen gelandet waren.

Als sie durch den Wald schritten, kamen sie an einem hohen Baume vorbei, in dessen Innern sich ein eigentümliches Summen vernehmen ließ. »Da sind die giftigen Lanzenträger, die euren Feind erstochen haben,« sagte der Sultan. Er belehrte sie, daß es äußerst giftige und reizbare Bienen seien, deren Stiche tödlich wirkten, weshalb sich bei Tage niemand in ihre Nähe wage. Um den Honig zu holen, vertreibe man die Bienen nachts durch starken Rauch.

Dies erklärte unseren Freunden, warum während ihrer Gefangenschaft ihre Lufträder nicht entdeckt worden waren: die gefährliche Gegend wurde allgemein gemieden, und zu einer nächtlichen Streife war kein Grund vorgelegen.

Höchlichst erstaunt war der Sultan, als er die Luftschiffe erblickte. Er wollte mit eigenen Augen sehen, ob sie wirklich sich von der Erde erheben könnten, glauben konnte er es nicht.

So bestiegen denn unsere Freunde ihre Apparate, warfen die Steine herab, und erst langsam, dann immer schneller ging es empor. Sie riefen dem Sultan ihren Dank herab, und mit einem Geheul des Entsetzens und der Bewunderung begleiteten die Schwarzen das wunderbare Schauspiel: der Anblick mußte von unten aus gesehen großartig und zugleich unheimlich sein, da jeder der Luftschiffer eine Fackel mitgenommen hatte und die Fahrzeuge somit gespenstisch beleuchtet in die schwarze Finsternis emporstiegen.

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