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Die Flucht aus dem Sudan

Friedrich Wilhelm Mader: Die Flucht aus dem Sudan - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleDie Flucht aus dem Sudan
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
printrun5. Auflage
illustratorRichard Herdtle
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160413
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41.
Hellings Geheimnis

Helling wurde während seines Aufenthaltes im Seier mehr als je von seiner früheren Schwermut befallen. Er war überzeugt, daß er den furchtbaren Qualen in dieser Pestluft und unerträglichen Hitze nicht mehr lange gewachsen sein werde. Doch nicht die Aussicht auf ein baldiges trauriges Ende war es, was ihn bedrückte, sondern eine Last, die schon lange seine Seele beschwerte, ohne daß er sie jemand anvertraut hatte.

»Sieger,« sagte er eines Tages zum Ingenieur: »Ich fühle, daß es mit meiner Widerstandskraft allmählich zu Ende geht. Du magst vielleicht körperlich nicht kräftiger sein als ich, allein du hast einen starken Halt an deinem guten Gewissen, und die Freude an deinen trefflichen Kindern gibt dir einen Trost und eine Lebenshoffnung, die dich ausrecht erhalten.

»Jussuf bleibt allein schon aus Anhänglichkeit an dich am Leben, aber ich sehe in meinem Leiden bloß die verdiente Strafe für eine schwere Schuld, die nur mit dem Leben zu büßen ist. Daher meine Hoffnungslosigkeit, die mir gegen solche Martern nicht den nötigen Willen zum Leben gewährt, ohne den ein Aushalten nicht möglich sein kann.

»Ein düsteres Geheimnis, eine schwere Schuld, nimmt man nicht gerne mit ins Grab: du bist mir in langen Leidensjahren allezeit ein treuer, aufrichtiger Freund gewesen, und du und die Deinen, ihr habt mit eurer Liebe mein Gemüt so erhellt, daß ich oft beinahe vergaß, was mir die Seele umdüsterte. Nun aber, angesichts des Todes, steigen die Schatten der Schuld wieder finster empor; doch glaube ich, Erleichterung zu finden, wenn ich ein offenes Bekenntnis in ein Freundesherz niederlegen kann: willst du meine Beichte hören?«

Der Freund erwiderte mit herzlicher Teilnahme: »Daß ein trübes Geheimnis dich bedrückt, war dir stets anzumerken; auch hast du ja manchmal selber deutliche Anspielungen darauf gemacht. Ich habe nie mit einem Worte danach gefragt; willst du mir nun aber freiwillig dein Herz erschließen, und hoffst du, durch diese Mitteilung Trost zu gewinnen, so wird dein Vertrauen bei mir das innigste Mitgefühl und die strengste Verschwiegenheit finden. Ich habe in der langen Zeit unseres Beisammenseins dein edles Herz und deinen geraden Sinn kennen und schätzen gelernt: mag auch eine Schuld dein früheres Leben belasten, so bin ich doch gewiß, daß sie nichts ehrloses enthalten kann. Ihre Kenntnis wird weder meiner Liebe zu dir, noch meiner Hochachtung für dich Eintrag tun können.«

»Ach! Daß es so wäre!« seufzte der Leutnant: »Ehrlos, ja niederträchtig habe ich mich benommen, und du wirst eine ganz andere Meinung von mir bekommen, wenn ich dir mein Geständnis abgelegt habe! Doch – es muß sein! also höre:

»Ich wurde nach landläufiger Meinung sehr gut erzogen: mein Vater war höherer Offizier mit äußerst strengen Ehrbegriffen, der mich in allem kurz hielt und, wenigstens nach meiner Meinung, gar zu hart gegen mich war. Das Schlimme dabei ist gewesen, daß er gegen meinen jüngeren Bruder, seinen Liebling, ganz anders gesinnt schien: bei Otto zog er die Zügel nicht so straff an, ihm begegnete er mit einer Milde und Zärtlichkeit, die ich stets vermißte, und das erzeugte in mir eine wahrhaft gehässige Erbitterung gegen den bevorzugten Bruder.

»Ich habe längst eingesehen, wie ungerecht meine Abneigung war: Otto war eben, ganz im Gegensatz zu mir, eine wahre Sonnennatur. Von Kind auf gewann er alle Herzen, nicht nur durch seine schönen und offenen Gesichtszüge, sondern vor allem durch die herzgewinnende Art, mit der er jedermann entgegenkam, so daß man spüren mußte, welche Lust es ihm war, andern Freude zu machen und Dienste zu erweisen. Er war eine durchaus selbstlose Seele, wie man sie unter den Menschen so selten findet, und darum war es begreiflich, daß er überall und besonders bei meinem Vater der Bevorzugte war. Deshalb konnte ihm aber auch eine solche allgemeine Auszeichnung, die so Manchem zum Verhängnis wird, keinen Schaden bringen: er kannte keinen Stolz, keine Eitelkeit und keine Selbstüberhebung.

»Besonders ich hatte seine Liebe und brüderliche Zuvorkommenheit zu genießen und hätte mich darum umsomehr zu ihm hingezogen fühlen sollen, je schmerzlicher ich ein solches Entgegenkommen von seiten Anderer, namentlich meines Vaters, vermißte.

»Allein die Eifersucht verblendete mich, so daß er mein Herz nicht zu gewinnen vermochte. Er schien das nicht zu merken: gut, wie er war, setzte er auch bei Andern stets das Beste voraus, und wenn ich ihn auch oft geflissentlich kränkte und zurückstieß, so blieb doch seine Liebe gegen mich unverändert. Aber eben das vermehrte meinen Groll, weil es mich beschämte; und wenn es mir manchmal schwer fiel, mich seinem gewinnenden Einfluß zu entziehen, so kämpfte ich um so heftiger gegen meine besseren Gefühle und Einsichten an.

»Bei aller Sanftheit seines Wesens war Otto nicht etwa ein Schwächling, sondern auch in allen körperlichen Übungen tat er es mir und andern zuvor. Er zeigte unerschrockenen Mut, Selbstbeherrschung, Charakterfestigkeit, männliches Auftreten, – nur daß bei ihm alle diese Eigenschaften in den Dienst der Nächstenliebe gestellt wurden.

»O daß ich dies alles damals so klar erkannt hätte, wie es mir später die Reue offenbarte!

»Ich muß dir hier etwas Merkwürdiges mitteilen: wenn ich mich von Anfang unserer Bekanntschaft an so seltsam zu dir hingezogen fühlte, so magst du darin die Liebe betrachten, die in mir zu meinem armen Bruder Otto erwachte, als es leider zu spät war. Es ist eines der unerklärlichen Rätsel der Natur, daß manche Menschen einen sogenannten Doppelgänger haben, der ihnen so auffallend ähnlich sieht, daß er stets mit ihnen verwechselt wird, obgleich er oft in gar keinen verwandtschaftlichen Beziehungen zu ihm steht. Die alten Griechen und auch Shakespeare haben diesen Umstand häufig in ihren Lustspielen verwendet. Nun, ein solcher Doppelgänger meines Bruders bist du: ohne deinen Bart könnte man dich für Otto selber halten. Aber nicht bloß äußerlich, auch in deinem ganzen edlen, selbstlosen und herzgewinnenden Wesen gleichst du ihm.«

»Halt, halt!« unterbrach Sieger den Freund: »Da geht deine Freundschaft für mich zu weit: du wirst ein Schmeichler, und das darf ein aufrichtiger Freund nicht sein. Übrigens war dein Bruderhaß offenbar nur Selbsttäuschung: du mußt ihn im Innersten mit aller Wärme geliebt haben, sonst könntest du seine trefflichen Eigenschaften unmöglich so begeistert schildern.«

»Zu spät, zu spät!« klagte der Leutnant: »O daß du recht hättest: aber diese Liebe ist erst in mir erwacht, seit mir die Schuld, die ich ihm gegenüber auf mich lud, zum klaren Bewußtsein kam, und die bittere Reue mir die Augen öffnete!

»Doch laß mich fortfahren: unser Vater forderte von uns unbedingten und widerspruchslosen Gehorsam. Für Otto war das kein Zwang und kein Druck, weil er aus kindlicher Liebe so wie so alles tat, was er ihm an den Augen ablesen konnte. Für meine widerspenstige Natur hingegen war es eine harte Fessel, und doch hätte ich es nie gewagt, Widerspruch oder gar Ungehorsam zu zeigen. Auch hierin sah ich mich ungerechterweise als den Zurückgesetzten an, weil des Vaters oft scharfe Gebote und Verbote sich meist nur an mich wendeten. Ich erkannte nicht und wollte nicht erkennen, daß der ganze Unterschied nur daher rührte, daß mein Bruder eben der Befehle nicht bedurfte, weil er schon von selber tat, was nach des Vaters Sinn war.

»Die Folge des Zwangs, den ich mir antun muhte, war die, daß ich umso unbändiger und zügelloser wurde, wenn ich mich, nicht unter der unmittelbaren väterlichen Aussicht befand.

»Als mein Oheim, der älteste Bruder meines Vaters, starb, fiel diesem die umfangreiche Majoratsherrschaft zu, und er nahm frühzeitig seinen Abschied, um das Gut zu bewirtschaften und wieder auf die Höhe zu bringen; denn es war infolge der Mißwirtschaft stark verschuldet.

»Allein mein Vater, so tüchtig er als Offizier gewesen war, eignete sich wenig zum Landwirt und kam in seinen Vermögensverhältnissen rasch zurück. Die Folge davon war, daß wir Brüder, die wir beide die Offizierslaufbahn ergriffen hatten, uns stark einschränken mußten. Otto fiel das leicht, mir umso schwerer.

»Ich hatte mir zum Busenfreund just den schlimmsten Kameraden ausgewählt, den Sohn eines nachbarlichen Gutsbesitzers, namens Geiger. Der Vater war ein steinreicher Metzger, der sich den Ankauf eines Ritterguts hatte leisten können, im übrigen ein Geldprotz und ein roher, völlig ungebildeter Mensch. Der Sohn Emil hatte auch nicht viel gelernt, obgleich er ein gescheiter Kopf war, oder sagen wir lieber: ein geriebener Bursche. Von Kind auf zeigte er rohe, grausame Triebe und namentlich war Tierquälerei seine Lust. Da sein Vater nur dazu lachte, wenn er Vögel oder Insekten mißhandelte und verstümmelte, so entwickelte sich dieser Trieb ungehindert.

»Der reiche Erbe kam in die Residenz, in der Otto und ich in Garnison standen. Angeblich sollte er hier seine nicht vorhandene Bildung erweitern und als Gast Vorlesungen der Hochschule besuchen. In Wirklichkeit trieb er sich in den Tanzlokalen und Spielsälen herum. Er hat auch mich zum Spiel verführt und zu manchem häßlichen Bubenstreich, dessen ich mich heute noch schäme.

»Emil Geiger teilte meinen Haß gegen meinen Bruder, zunächst wohl aus ähnlichen Gründen: er hatte ein abstoßendes Antlitz, das durch den Ausdruck von Roheit und Bosheit noch häßlicher wurde. Sein Reichtum und seine Verschwendung verschafften ihm zwar manchen Genossen, selbst aus besseren Kreisen, aber keinen wirklichen Freund. Er ärgerte sich, daß Otto überall Eingang fand, wo er sich vergeblich abmühte, Aufnahme zu finden. Dazu kam der Neid des Emporkömmlings dem Edelgeborenen gegenüber. Er hat auch mich jedenfalls aus diesem Grunde gehaßt, wenn er sich auch stets als mein bester Freund aufspielte. Ich glaube jetzt, daß er mich zu allen Schlechtigkeiten verleitete, nur um mich zu verderben.

»Es kam noch etwas dazu, das Emils Haß gegen Otto ins Maßlose steigerte. Geiger bewarb sich um ein junges Mädchen von ausnehmender Schönheit und edler Gesinnung und hoffte, es durch seinen Reichtum zu gewinnen. Als er jedoch in nicht mißzuverstehender Weise abgewiesen wurde, glaubte er, Otto die Schuld daran zuschreiben zu müssen, als dem begünstigten Nebenbuhler. Hierin täuschte er sich, denn Otto war zwar im Hause Ellas gut ausgenommen, wie überall, er dachte aber nicht an eine Verbindung mit ihr, zumal ihm bekannt war, daß sie bereits in der Stille mit einem jungen Ingenieur verlobt war, und das warst du!«

»Was?« rief Sieger erstaunt: »Aber ja, ich entsinne mich, sie hat mir einigemal von Otto von Helling als einem lieben Bekannten gesprochen, und als du in Khartum in unser Haus kamst, fragten wir dich, ob du mit ihm verwandt seist, du aber hast getan, als ob er dir völlig fremd und nur ein unbekannter Namensvetter sei.«

»Ja! Das eben ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Ich leugnete, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, und meine Schuld verbergen wollte. Ich selber hatte nie im Elternhause deiner Frau verkehrt und kannte sie nicht persönlich, so daß es mir möglich wurde, ihr gegenüber meinen Bruder zu verleugnen. Und nichts beweist besser, wie wenig nahe ihr Otto stand, als daß sie von ihm nicht einmal erfahren hatte, daß er noch einen Bruder habe.

»Emil war jedoch der Überzeugung, daß Ella ihn Ottos wegen abgewiesen habe, und sann nur darauf, sich an meinem Bruder zu rächen. Er kannte meinen stillen Haß und nährte ihn geflissentlich durch allerlei Verleumdungen, denen ich nur zu willig Glauben schenkte, denn nichts ist wahrer, als daß der Haß blind macht.

»Zweimal hatte mein Vater meine Spielschulden bezahlt, dann aber erklärt, er werde unter keinen Umständen ein drittesmal dafür auskommen. Ich hatte ihm auf Ehrenwort versprochen, nie mehr zu spielen: wer diese unselige Leidenschaft kennt, wird sich nicht zu sehr wundern, daß ich mich trotzdem durch Emil wieder in eine Spielergesellschaft führen ließ. Bald drückte mich wieder eine Ehrenschuld und Emils teuflische Überredungskunst verstand es, mich für einen Plan zu gewinnen, Otto zu verderben. Ich klagte dem Bruder meine Notlage. Er machte mir natürlich ernste, doch liebevolle Vorstellungen, war aber sofort bereit, mir zu helfen. Er begleitete mich zu meinem Gläubiger und versprach diesem auf Ehrenwort, die Summe innerhalb dreier Tage zu bezahlen; denn er durfte gewiß sein, daß unser Vater, so schwer es ihm fallen würde, ihm das Geld senden werde, falls er schrieb, er sei eine Ehrenschuld eingegangen, wie es ja jetzt tatsächlich der Fall war.

»Der Gläubiger, den Emil in die Verschwörung gezogen hatte, ließ sich Ottos Versprechen schriftlich geben. Mein Bruder schrieb sofort dem Vater und ich erbot mich, das Schreiben zur Post zu bringen: es ist niemals abgegangen! O über den Schurkenstreich, den ich da an meinem edlen Bruder verübte!

»Otto war nun nicht in der Lage, seine Zusage einzuhalten. Er wartete bis zur letzten Stunde, immer gewiß, das Geld müsse noch eintreffen. Dann suchte er, es aufzutreiben. Allein es handelte sich um eine namhafte Summe. Dennoch hätte er sie wohl noch beschafft, wenn ihm nur Zeit gelassen worden wäre. Doch das lag nicht in unserm schwarzen Plan: er wurde sofort als ehrenwortbrüchig beim Regiment angezeigt, zwar nur durch ein anonymes Schreiben; da er jedoch, wie wir richtig gerechnet hatten, nicht leugnete, war ihm nicht zu helfen. Unsere vielleicht übertrieben strengen Ehrbegriffe machten seine Verabschiedung unumgänglich.

»Ich sah und sprach ihn noch, hatte aber nicht den Mut, ihm meinen Anteil an dem Schurkenstreich einzugestehen. Auch so war meine Schuld noch groß genug, denn nur mein Ehrenwortbruch meinem Vater gegenüber hatte ihn ja ins Unglück gebracht. Die Reue begann nun schon, mein Herz zu zerfleischen: es kam mir der Verdacht, daß alles, was Emil mir von Ottos Umtrieben gegen mich vorgeredet hatte, erlogen sei, namentlich, daß er dem Vater über meinen schlechten Lebenswandel berichtet und ihn so gegen mich eingenommen habe. Durch einige vorsichtige Fragen erfuhr ich auch, daß Otto nie an dergleichen gedacht hatte, obgleich ich es ihm im Grunde gar nicht hätte verübeln dürfen.

Tief zerknirscht verließ ich meinen unglücklichen Bruder. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Von dem Tage an war er spurlos verschwunden. Obgleich man nie seine Leiche auffand, zweifelte ich nicht, daß er freiwillig in den Tod gegangen sei, nachdem er so jäh aus seiner Laufbahn geschleudert worden war. Ich habe seinen Tod auf dem Gewissen!«

»Armer Freund!« sagte Sieger tief ergriffen: »Du hast schwer gefehlt, wer wollte das leugnen? Aber du hast auch schwer gebüßt! Allein, muß denn dein Bruder tot sein? So wie du ihn geschildert hast, kann ich nicht glauben, daß er eines Selbstmords fähig war: es gibt noch andre Wege, spurlos zu verschwinden. Man hätte doch sonst gewiß seine Leiche oder sonstwelche Anzeichen gefunden.«

Helling erwiderte trübe: »Ich habe oft versucht, mich mit solchen Gedanken zu trösten. Sie wollen jedoch nicht recht verfangen, und im Grunde bleibt meine Schuld sich gleich: ich bin und bleibe ein verabscheuungswürdiger Verbrecher.

»Nach Ottos Verschwinden ergriff mich eine grenzenlose Wut gegen Emil, den geistigen Urheber der Schandtat. Um so glühender grollte ich ihm, als ich nun überzeugt war, daß er durch boshafte Verleumdungen meinen Haß gegen Otto geschürt hatte, um mich zum Vollzieher seiner feigen Rache zu machen.

»Ich ging hin und forderte den Schurken auf Säbel, da er ein schlechter Schütze war und ich ihn doch nicht geradezu morden wollte, Ich war ein Narr: ich hätte wissen sollen, daß sich ein solcher Mensch nicht schlägt; er lachte mir höhnisch ins Gesicht und versicherte mich, daß er mich ebenso hasse, wie meinen Bruder, und hoffe, sich auch an mir einmal rächen zu können.

»Sinnlos vor Wut zog ich ihm mit der blanken Waffe eins übers Gesicht. Er stürzte zu Boden, brüllend vor Schmerz. Ich aber entfernte mich, ohne mich nach ihm umzusehen: lebensgefährlich konnte ja die Verwundung keineswegs sein. Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er sein Schlemmerleben nicht mehr fortsetzen können, da seine Verschwendung schon damals seinen Vater um Hab und Gut gebracht hatte.

»Mein Vater überlebte das Verschwinden meines Bruders nicht lange. Ich nahm meinen Abschied und ging nach Khartum, einen ehrenvollen Soldatentod zu suchen, der mir leider nicht zuteil wurde.«

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