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Die Familie Gogo

Charles Paul de Kock: Die Familie Gogo - Kapitel 7
Quellenangabe
pfad/kock/famigogo/famigogo.xml
typefiction
authorPaul de Kock
titleDie Familie Gogo
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunDritte Auflage
year1861
translatorHeinrich Elsner
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091104
projectidf92e4863
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Sechstes Kapitel.

Der Vetter Brouillard

Acht Tage waren verflossen, seit Rosa-Maria nicht mehr in den Wald ging, und während dieser Zeit war das junge Mädchen, beinahe ohne das Haus ihres Vaters zu verlassen, im Dorfs geblieben. Ein einziges Mal hat sie sich nach Fontainebleau begeben, um Stickereien hinzutragen und andere Arbeit zu holen, aber kaum hatte sie sich die Zeit gegönnt, ein wenig in der Stadt auszuruhen; sie war schnell wieder in ihr kleines Zimmer zurückgekehrt, dessen Fenster auf die Landstraße ging, und ihr Vater war erstaunt über ihre baldige Rückkehr.

Indessen glaubte Hieronymus Gogo zu bemerken, daß seine Tochter nicht mehr so oft sang wie früher, daß sie, ohne gerade traurig zu sein, oft nachdenklich und träumerisch schien und zuweilen nicht auf ihn hörte, wenn er mit ihr sprach, oder ihm verkehrte Antworten gab. Den braven Landmann beunruhigten diese Wahrnehmungen, und nachdem er eines Morgens mehrmals um seine Tochter herumgegangen war, ohne daß diese das Kommen und Gehen ihres Vaters beachtet hatte, sagte Hieronymus zu feinem Kinde: »Ei höre, liebe Tochter, ich habe zwar zu Dir gesagt, es freue mich sehr, wenn Du bei mir seiest ... denn es ist wahr, ich habe Dich gerne um mich und sehe es mit Vergnügen, wenn ich Dich bei meinem Heimkommen zu Hause antreffe, damit ich Dir gleich einen Kuß geben kann ... aber das Alles ist kein Grund, daß Du Dich nicht mehr vom Flecke rührest ... daß Du Deine Freundinnen und Bekannten in der Stadt nicht mehr besuchest oder, wenn Du nach Fontainebleau gehst, mit der Rückkehr eilest wie die Briefpost ... und zwar auf die Gefahr hin, Dir eine Anschwellung der Milz oder eine Brustentzündung zuzuziehen ... so habe ich es auch nicht gemeint!«

Rosa-Maria blickte ihren Vater mit erstaunter Miene an und antwortete: »Warum sagt Ihr das zu mir, mein guter Vater? ... Mißfällt es Euch, mich hier arbeiten zu sehen?« – Nein, nein! ... Potzsapperment! Du weißt wohl, daß ich Dich nicht genug sehen kann ... aber ich bin kein Egoist ... die Hauptsache ist mir, daß Du wieder glücklich, heiter und zufrieden sein sollst wie früher ... und seit einiger Zeit bemerke ich, daß Du nicht mehr dieselbe bist, liebes Kind!«

Die Jungfrau wurde verlegen, schlug die Augen nieder und stammelte. »Ich, lieber Vater? ... O, warum nicht gar, Ihr täuschet Euch! ... Was ist denn verändert an mir? ...« – Verändert? ... Mein Gott, Dein Gesicht ist immer dasselbe, das weiß ich wohl; Du bist immer gleich sanft, gleich zuvorkommend gegen mich ... aber, demungeachtet ... Du hast Etwas ... Sieh', in Deinen Augen, in Deinem Blicke liegt Etwas, was? kann ich selbst nicht sagen ... Aber ich wiederhole Dir, Du hast nicht mehr jene heitere Miene, die mich so glücklich machte, weil ich glaubte. Du seiest es auch. Kurz, ich fürchte. Du habest Langeweile seit Du fast nicht mehr in die Stadt gehst. Ich habe Dich ersucht, nicht mehr allein in den Wald zu spazieren das ist aber kein Grund, das Haus gar nicht mehr zu verlassen. – »Aber, lieber Vater, ich versichere Euch, Ihr irrt, wenn Ihr glaubt, ich langweile mich ... Wenn ich Lust hätte, öfter in die Stadt zu gehen, würde ich es Euch sagen, denn ich weiß wohl, daß Ihr nicht böse darüber sein würdet. Es gefällt mir daheim. Ich gehe jetzt allerdings weniger nach Fontainebleau, weil die Damen, für welche ich arbeite, nicht mehr so pressirt sind; aber ich versichere Euch, ich entbehre nichts dadurch ... Ich bin gerne hier ... es gefällt mir ... ich bin glücklich, mein Vater ... o! ich bin sehr glücklich daheim.«

Hieronymus schien mit dieser Antwort zufrieden; dennoch lag selbst in der Art, womit ihn seine Tochter versicherte, sie sei glücklich, Etwas, welches ihn nicht von der Wahrheit ihrer Worte überzeugte, und der Landmann beharrte auf dem Gedanken, seine Tochter langweile sich auf dem Lande und sei zu gescheit und zu unterrichtet, um ihr Leben unter Bauern zuzubringen.

Am folgenden Tage, nach dieser Unterredung, blieb gegen Mittag ein etwa fünfundfünfzigjähriger Herr, der aber noch sehr aufrecht und mit der Schnelligkeit eines Jünglings einherging, vor Hieronymus Gogo's Haus stehen.

Dieser Neuangekommene war ziemlich hoch gewachsen und mit einem anständigen Leibesumfang begabt; in seinen Zügen, die der Feinheit nicht ermangelten, lag Etwas von einem Fuchse; seine Augen waren rothbraun, klein und lebhaft; seine lange, spitzauslaufende Nase bildete mit seinem eingekniffenen Munde und seinem zurückstehenden Kinn eine Art Schnauze, die beständig rings herum zu schnüffeln schien. Sein in der Mitte fast kahler Kopf war oberhalb den Ohren noch ziemlich dicht mit Haaren bewachsen, welche sich an einen Backenbart anschlossen, der zu beiden Seiten des Mundes einen rechten Winkel bildete. Das Gesicht dieses Herrn war beim ersten Anblick ziemlich angenehm, denn er hatte beinahe immer ein halbes Lächeln auf den Lippen und einen gemüthlichen Ton beim Sprechen. Es war ein Fuchs, der ein Schaf vorzustellen suchte.

Sein Anzug war der eines vermöglichen Städters, der sich aber nicht mehr mit einer gesuchten Toilette abgeben will.

»Hier ist es ... ja, hier muß es sein,« sprach der Herr stillstehend und Hieronymus Haus betrachtend. »Es ist mir übrigens, als ob das Gebäude außerhalb nicht so reinlich gewesen wäre ... aber seit den fünf Jahren, die ich nicht da gewesen bin, wird man es geputzt haben ... innerhalb ist es vielleicht desto schmutziger. Aber früher waren am ersten Stock keine Läden, dessen erinnere ich mich genau. Grün angestrichene Läden an einem Bauernhause! ... Welcher Luxus! ... Ist der vielleicht auch reich geworden? Hm! das bezweifle ich! Denn wäre er reich geworden, so würden sich seine Brüder mehr um ihn bekümmern ... ihn zu sich laden und wieder besuchen ... Ich will einmal sehen, ob eine Klingel an der Thüre ist ... Nein, ein Klopfer ... der paßt nicht zu den grünen Läden! ... Ich will anklopfen, denn ich hoffe, daß Jemand zu Hause ist, und ich nicht umsonst hierhergekommen bin.«

Der Herr hat geklopft. Marie, die alte Magd, macht auf und betrachtet mit erstaunter Miene den Herrn, welchen sie noch nie gesehen hat. Seinerseits examinirt der Herr die Bäuerin und macht eine unmerkliche Bewegung mit den Lippen, welche ausdrückt: diese Magd ist aber häßlich.

»Was wünscht der Herr?« – Ich bin, glaub' ich, recht. Hier ist doch die Wohnung von Herrn Hieronymus Gogo? – »Ja, mein Herr. Ihr seid recht!« – Ist er zu Hause? – »Der Herr ist noch auf dem Felde, er wird übrigens bald zum Mittagessen heimkommen ... aber die Mamsell ist da ... Wenn der Herr dem Vater Etwas zu sagen hat, so spreche er nur mit der Mamsell ... es ist kein Unterschied.« – Ah! das Fräulein ist im Stande, Besuche zu empfangen? In der That, seit ich nicht hier gewesen bin, hat sie wachsen können ... Es sind mehr als fünf Jahre her, beinahe sechsthalb Jahre ... Hieronymus Gogo's Töchterchen war damals elf bis zwölf Jahre alt. – »Potz Tausend, mein Herr, wenn unsre Mamsell seither nicht gewachsen wäre, so wäre es ein Unglück!« – Ja, sie muß jetzt ungefähr siebzehn Jahre alt sein ... – »Die Mamsell ist im vorigen Mai siebenzehn Jahre alt gewesen und ist eine schöne Jungfer, Ihr dürft mir es glauben!« – Wirklich ... ist sie hübsch? ... Sie muß sich also sehr verändert haben, denn als Kind hatte sie ein verzerrtes Gesicht, welches nicht viel Ordentliches versprach. – »Nun, mein Herr, ich kann Euch versichern, daß unsere Mamsell jetzt eines der schönsten Mädchen in der Umgegend und sogar von Fontainebleau ist.« – Teufel auch! dann muß sie ihrem Vater nicht ähnlich sehen, denn an Hieronymus war nie etwas Schönes ... – »Ich bin der Ansicht, unser Herr habe auch ein ganz passirliches Gesicht!« – Passirlich? ... hm! ... nun, es ist möglich! ... auf dem Lande passirt etwas leicht ... Ihr behauptet also, Rosa ... denn Rosa heißt sie, glaube ich ... – »Rosa-Maria, mein Herr.« – Ja, das ist auch wieder so eine bäuerische Gewohnheit, die Leute mit zwei aneinander gehefteten Namen zu rufen ... da heißt es immer Johann-Ludwig! Johann-Peter! Maria-Johanna! ... wie wenn man an einem Namen nicht genug hätte ... – »Ei, was hat denn der Herr?« denkt die alte Marie, den Fremden von der Seite anschielend: »Er gönnt den Bauern kein Vergnügen und tadelt Alles ... findet Alles schlecht ... Ist er etwa hergekommen, um uns zu foppen?« Dann versetzt die Bäuerin mit lauter Stimme: »Sagt, Herr, wie würdet Ihr es machen, wenn Ihr in einem Dorfe wohntet, wo fünf bis sechs Peter, ein Dutzend Johann und eben so viele Paul wären, um zu wissen, von welchem die Rede ist, wenn man ihnen nicht zwei Namen zugleich gäbe, um sie von einander zu unterscheiden?«

Der Herr scheint betroffen über die Bemerkung der Bäuerin; aber wie alle Leute, die nie zugestehen wollen, daß sie eine Dummheit gesagt haben, gibt er der Alten keine Antwort auf ihre Frage, sondern fährt fort: »Also Rosa-Maria ist hübsch? Hat sie also keine Sommersprossen mehr? Ich kann mich erinnern, daß sie in ihrer Kindheit ganz damit übersäet war!« – Die vergehen mit den Jahren, mein Herr ... es ist nicht wie mit den Blatternarben. – »Hm! sie vergehen auch nicht immer! Ich kenne Damen, welche Gott weiß wie viel Schönheitsmittel angewendet haben, um diese Flecken aus ihrem Gesichte zu vertreiben, und nicht dazu gelangt sind. Uebrigens freut es mich, wenn meine Base so hübsch ist, als Ihr sagt ...« – Ach! der Herr ist ein Vetter? – »Ja, ich bin der Vetter Brouillard, ein Schwestersohn .... deßhalb heiße ich nicht Gogo. Es gibt Leute genug welche sich über den Namen Gogo ärgern! ... Ha, ha! ... o, ich kenne mehr als Einen, der ... doch davon ist jetzt nicht die Rede ... Wo ist mein Bäschen?« – Oben in ihrem Zimmer. Will der Herr eintreten, dann hole ich die Mamsell. – »Ja, versteht sich, zeigt mir nur den Weg ... Ihr seid die Magd?« – Ja, mein Herr. – »Ihr seid aber noch nicht lange in Herrn Gogo's Dienst.« – Doch, mein Herr, schon drei und ein halb Jahr. – »Ich meine bei meinem letzten Besuche ... vor fünf Jahren ... sei eine junge nette Magd da gewesen ... ist diese nicht mehr im Hause?« – Da ich jetzt da bin, wüßte ich nicht, wozu man die andere brauchte? – »Ach, das beweist nichts, es könnte Geschäfte geben, wozu man Euch nicht brauchen könnte! Warum hat Hieronymus seine junge Magd fortgeschickt? ... wißt Ihr's? ... Sind vielleicht Schwätzereien vorgekommen ... ist geklatscht worden ... hm? ...« – Was für Schwätzereien, mein Herr? Weßhalb denn? – »O! Ihr wißt ja ... wenn ein Wittwer noch rüstig ist und eine hübsche Magd hat, so ... die Welt ist gar bösartig.« – Ich verstehe Euch nicht, mein Herr. Alles, was ich weiß, ist, daß die Magd, welche vor mir da war, aus dem Hause kam, weil sie sich verheirathet hat; das ist sehr natürlich. – »Ah! sie ist verheirathet? ... O! das Dienen bei einem menschenfreundlichen Herrn hat einer hübschen Magd schon oft zu einer Aussteuer verholfen, ha! ha! ha! ...«

Die alte Marie hatte den Vetter Brouillard in das Speisezimmer geführt, welches bei Hieronymus zugleich das Wohnzimmer war. Der Herr mit der Fuchsschnauze, schaute oder schnüffelte vielmehr um sich her und murmelte: »Ei, aber hier ist es sauber ... fast so reinlich wie bei mir in Paris ... Ich meine vor fünf Jahren sei keine so hübsche Tapete in dieser Stube gewesen ... auch der Fußboden war nicht hübsch gewichst und gebohnt«. – Drum hat die Mamsell Alles so herrichten lassen. Sie hat zu ihrem Vater gesagt, man könne auf dem Lande ebenso gut leben wie in der Stadt. Anfangs haben wir uns freilich dawider aufgehalten, als sie sagte, man müsse alle Tage den Boden frisch aufreiben ... aber ich habe mich daran gewöhnt ... und jetzt finde ich, daß die Mamsell Recht hat, denn es ist schöner bei uns als bei all' unsern Nachbarn. – »Eitelkeit! ... und nichts als Eitelkeit! So viel mir scheint, hält mein Bäschen viel auf Prunk und Glanz, und spielt die Herrin vom Hause ... Führt sie ihren Vater an der Nase herum?« – Wie meinet Ihr das, Herr? – »Hat das junge Mädchen einen guten Charakter? Aergert sie Euch alle Tage? ... Es muß Euch in Eurem Alter widerwärtig sein, den Befehlen eines siebenzehnjährigen Kindes gehorchen zu müssen.« – Und warum sollte mir das widerwärtig sein, mein Herr? Sind die Dienstleute nicht dazu da, ihrer Herrschaft zu gehorchen? oder hat sich die Welt jetzt gedreht? ... Ich will die Mamsell holen. – »Geht, sagt ihr, ihr Vetter Brouillard sei da, vormaliger Beamter beim Finanzministerium, ehemals Schatz genannt, nun zur Ruhe gesetzt und Rentier in Paris, und wolle ihr einen Besuch machen.« – Schon gut, mein Herr, ich will es ausrichten, also der ehemalige Schatz ... nun Rennthier Brüllart ... ich werde es ihr sogleich sagen!« – Und während Herr Brouillard sich mit der Inspektion des Zimmers beschäftigte, in dem er sich befand, jedes Möbel betrachtete, jeden Gegenstand berührte, sogar die Schränke aufmachte und an jeder Schublade zog, um zu sehen, was darin sei, ging die alte Marie zu ihrer jungen Gebieterin hinauf und meldete dieser den Besuch ihres Vetters Brouillard mit den Worten: »Dieser Herr scheint mir ein komischer Heiliger! ... der ist verdammt neugierig und geschwätzig ... er erkundigt sich nach Allem und findet an Allem Etwas auszusetzen ... und zwar mit einer Miene, als ob er eine Höflichkeit sagte! Ich wette aber, der ist nicht gutmüthig!« Rosa-Maria erinnerte sich dieses Herrn, welchen sie in ihrer Kindheit nur selten gesehen, und der sie nie geliebkost hatte, ein Umstand der sich selbst in unserer zartesten Jugend unserem Gedächtnisse eingräbt, nur dunkel. Die alte Marie hatte mit ihrem schlichten Verstande den Neuangekommenen richtig beurtheilt. Herr Brouillard hatte etwas Beißendes, Bösartiges, welches er unter einem Anschein von Verbindlichkeit und Freimütigkeit zu verbergen suchte; gleich der Katze kratzte er Einen, während er that, als ob er ihm schmeicheln wollte. Sein Glück bestand darin, Einem unangenehme Dinge zu sagen und schlechte Neuigkeiten mitzutheilen. Es gibt Leute, die Allem aufbieten und eine Stunde weit laufen würden, um einem Freunde eine gute Nachricht zu verkünden; der Vetter Brouillard gab sich aber dieselbe Mühe, um Jemand etwas Unangenehmes mitzutheilen, und dies zwar mit einem Anstrich von Gutmüthigkeit, wie wenn es nur geschähe, um ihm seine Theilnahme zu bezeigen.

Es gibt viele Menschen vom Schlag des Herrn Brouillard in der Welt; sie kommen euch auf tausenderlei Weise mit tausenderlei Freundschaftserbietungen entgegen, suchen euer Vertrauen zu erlangen, eure innersten Geheimnisse zu erschleichen, bloß um alle Gelegenheiten in Händen zu haben, euch in euren theuersten Neigungen zu verwunden; während sie sich für eure Freunde ausgeben, haben sie nie Anderes als Uebles von euch sagen hören, und beeilen sich, dieses euch zuzutragen; was hingegen das Gute, das Lob anbetrifft, welches man eurem Talent, eurer Person oder eurem Charakter gezollt hat, so haben sie davon nie etwas gehört; ihre Ohren sind für angenehme Dinge verstopft, weit offen aber für die geringste Bösartigkeit.

Und dieselben Leute nehmen eine Miene an, wie wenn sie das lebhafteste Interesse für Alles hätten, was in Beziehung zu euch steht; aus Freundschaft kommen sie, um euch ganz leise zu sagen, daß eure Frau schon sehr lange in einer Ecke des Saales mit einem jungen Manne spreche, der schon dreimal hintereinander mit ihr getanzt habe, während ihr an einem Spieltische saßet; aus Freundschaft theilen sie euch mit, daß diese oder jene Zeitung, welche ihr nie leset, entsetzlich über euer Talent, wenn ihr Künstler, über eure Werke, wenn ihr Schriftsteller, über eure Gemälde, wenn ihr Maler seid – geschimpft habe; aus Freundschaft rufen sie, wenn sie euch in eine Gesellschaft treten sehen, aus: »Sind Sie krank? ... ich finde Sie verändert! ... nehmen Sie sich in Acht, mein Lieber, Sie haben kein gutes Aussehen, ich bin ganz erschrocken als ich Sie eben eintreten sah.« Aus Freundschaft sagen sie: »Ihr Rock steht Ihnen schlecht, Ihr Schneider hat ihn schändlich verhunzt.« Aus Freundschaft reden sie nachtheilig von dem Quartier, wo ihr wohnt, und von der Gegend, wo ihr ein Landhaus habt; aus Freundschaft rennen sie herbei und sagen euch, daß man an einem Tage, wo ihr nicht im Theater gewesen seid, euer Stück oder einen Schauspieler, der in demselben gespielt, ausgepfiffen habe; aus Freundschaft finden sie Alles, was ihr gekauft habt, zu theuer; aus Freundschaft erzählen sie euch, man habe sich über euern Ball, euer Concert oder eure Abendgesellschaft lustig gemacht; aus Freundschaft endlich bekritteln sie alle eure Leistungen, suchen sie eure geringsten Handlungen ins Lächerliche zu ziehen und schwärzen euch an, sobald ihr den Rücken kehrt. Der Himmel behüte euch vor solchen Freunden, wenn ihr aber je solche habt, so folget mir und schonet sie nicht; erwidert auf die geringste Bosheit, die sie euch sagen, mit etwas Kräftigem, wodurch sie niedergeschmettert und gedemüthigt werden, und einsehen lernen, daß sie an euch ihren Meister gefunden haben; dann werdet ihr sie bald in Lämmer und Tauben verwandelt und eben so zurückhaltend sehen, als sie vorher beißend waren.

Aber es ist nicht Jedem gegeben, rasch in seinen Antworten, treffend in seinen Erwiderungen zu sein, um eine Unverschämtheit oder einen Spott auf der Stelle heimzugeben. Die Leute, welche das meiste Verdienst, Genie und Talent besitzen, sind im Allgemeinen die wenigst satyrischen; es wird ihnen im Gespräche weit leichter sein, etwas Liebenswürdiges zu sagen, als mit einer Unverschämtheit zu antworten, weil das wirkliche Talent, da es auf Niemand eifersüchtig ist, für Jedermann viel Nachsicht zeigt; wählend dagegen jene Vorlauten, welche es nicht dahin bringen können, sich einen Namen zu machen, sich Mühe geben, durch ihr Geschrei wenigstens die Blicke auf sich zu ziehen, und sich unaufhörlich in Erfindung von Unverschämtheiten und pikanten Einfällen erschöpfen, die sie gegen Solche schleudern, welche sie nicht erreichen können, wodurch sie sich in jener Gattung von Geist, die man mit dem Namen Aufschneiderei beehrt hat, eine Art von Überlegenheit erwerben.

Zu dem Bilde, welches wir von Herrn Brouillard geliefert haben, bleibt uns noch beizufügen übrig, daß er bis zur Schaberei geizig war, während er doch reich und freigebig scheinen wollte. Seine Eitelkeit trieb ihn fortwährend an, Einladungen und Anerbieten zu machen, welche zu halten ihn sein Geiz stets verhinderte, wodurch er oft in große Verlegenheit kam.

Rosa-Maria war schnell hinuntergeeilt, um den Vetter zu empfangen, welchen sie schon so lange nicht mehr gesehen hatte.

Herr Brouillard blieb beim Anblick der Jungfrau, welche mit Bescheidenheit und Anmuth eintrat, von Staunen ergriffen stehen. Ihre Schönheit war zu augenscheinlich, als daß er sie hätte bestreiten können, und es gibt Menschen, vor denen selbst der Neid sich beugen muß.

»Wie, Fräulein, Sie sind Hieronymus Tochter ... die ich so klein gesehen habe ... so kindisch ... so ...«

Herr Brouillard stockte, er wagte nicht zu sagen so häßlich.

»Ja, mein Herr,« erwiderte Rosa lächelnd. »Sie sind auch schon lange nicht mehr bei uns gewesen und ...« – Es ist wahr; Sie waren damals noch ein Kind! jetzt sind Sie eine Jungfrau ... ein recht hübsches Fräulein ... Doch trotzdem erinnere ich mich jetzt Ihrer Züge ... Sie haben noch Sommersprossen, aber weit weniger. Und wie geht es Ihrem Vater, dem guten Hieronymus? – »Mein Vater ist recht wohl, Herr Vetter.« – Um so besser! Ah, er war ein kräftiger Bursche ... aber so starke Leute rafft bisweilen das geringste Unwohlsein weg ... Krach! ehe man nur Zeit hat, sich zu besinnen, ob sie krank sind ... sind sie nicht mehr. Trinkt er sich Sonntags immer noch sein Zöpfchen an? ... – »Wie, mein Herr? ... ich verstehe Sie nicht ...« – Ich will sagen, spricht er immer noch dem Gläschen zu ... das war sonst seine Leidenschaft, wenn ich mich nicht irre. Uebrigens muß man sich ein bischen zerstreuen, und in diesem Dorfe, wo ihr lebet wie das liebe Vieh, das heißt, wo ihr nicht wisset, wie ihr euch Unterhaltung verschaffen sollet, ist die Flasche eine Zerstreuung.«

Das junge Mädchen richtete ihre Blicke auf den Vetter Brouillard, deren Unbefangenheit sein Fuchsgesicht in Verlegenheit brachte. Dann antwortete sie ihm mit einer Ungezwungenheit, die er bei der Tochter eines Landmannes nicht gesucht hätte: »Wir leben in diesem Dorfe vielleicht nicht so roh, als Sie zu glauben scheinen, lieber Vetter. Was meinen Vater anbetrifft, so müssen Sie sich im Irrthum befinden, wenn Sie meinen, er habe früher gerne getrunken; ich kenne nur gute Eigenschaften, Tugenden an ihm, und würde Niemand glauben, der mir das Gegentheil sagte.« – »Es ist hübsch bei Ihnen, viel schöner als früher!« sagte Herr Brouillard, der Lust zu haben schien, alle Zimmer des Hauses zu besichtigen; »Sie haben Manches verbessern lassen ... und Ihren Garten müssen Sie mir auch zeigen ... Haben Sie Obst?« – Viel, lieber Vetter. – »Nun, dann machen wir einen Gang durch den Garten. A propos! ich esse mit euch zu Mittag, heißt das, wenn ihr noch nicht gegessen habt, denn ihr Landleute habt andere Gebräuche als wir in der Stadt.« – Wir haben noch nicht gegessen, und mein Vater wird durch die Ehre, die Sie ihm anthun, indem Sie an unserer bescheidenen Mahlzeit Theil nehmen, sehr geschmeichelt sein. – »O! ich lebe ganz einfach, ganz anspruchslos, machen Sie deßhalb auch keine Umstände mit meiner Wenigkeit ... ich bitte Sie! ... Was haben Sie zum Mittagessen?« – Rindfleisch und grüne Erbsen,« versetzt Marie; »der Herr haben es eben gut getroffen; das Rindfleisch ist ganz frisch und Ihr werdet Euch wundern, was Ihr für eine gute Suppe bekommt! – »Nun, das ist genug! ... ich verlange dazu weiter nichts als einen oder zwei junge Hahnen ... einige frisch gelegte hartgesottene Eier, wobei ein wenig Salat allerdings nicht schaden könnte ... und damit basta ... Auf einen Nachtisch verzichte ich gerne, da ihr doch damit nicht umgehen könnet.« – Entschuldigen Sie, lieber Vetter, ich habe bei einer Dame in Fontainebleau Crêmes, Torten und Kuchen machen lernen ... und habe es Marien gezeigt, die das Alles jetzt auch recht gut kann. – »Nun, in diesem Falle will ich euch davon nicht abhalten ... Also in Fontainebleau haben Sie das Kochen gelernt? Wollte Sie Ihr Herr Vater vielleicht zur Köchin erziehen?«

Rosa-Maria erröthete, aber sie erwiderte mit derselben Sanftmuth: »Nein, lieber Vetter, aber mein Vater hat mich Etwas lernen lassen, damit ich Etwas tauge; und wir Bäuerinnen sind der Ansicht, all die kleinen Einzelnheiten einer Haushaltung dürften einem jungen Mädchen nicht fremd sein, sondern müßten einen Theil ihrer Erziehung ausmachen, damit sie, wenn sie sich einmal verheirathet, ihrer Wirtschaft vorstehen kann.« – Wir wollen den Garten besehen!« rief Herr Brouillard aus, indem er eine Glasthüre aufmachte, die hinten hinaus führte.

»Mamsell! ich habe keine Lust, diesem Manne einen Kuchen zu backen!« sagte die alte Marie leise, »denn der taugt so wenig wie ein rother Esel! ...« – Das ist gleich, Marie, es ist ein Verwandter, welcher uns besucht, den müssen wir gut aufnehmen ... mache einen Kuchen und gib Dir im Gegentheil Mühe, daß er recht gut wird, um ihm zu beweisen, daß Du einer Pariser Köchin nichts nachgibst. – »Ach was! und wenn ich ihn noch so vortrefflich mache, so wette ich, hat er doch etwas daran auszusetzen.«

Der Garten hinter Hieronymus' Haus mochte etwa einen halben Morgen groß sein. Er war voller Bäume, Blumen und Gemüse; kein Zoll Landes war unbenutzt. Alles eingetheilt, und da er sehr sorgfältig unterhalten wurde, so waren die Blumen schön, das Obst groß und die Gemüse gut. Ueberall weidete sich das Auge an einer kräftigen, üppigen Vegetation und an all' den Gaben, womit die Erde Diejenigen belohnt, welche sie zu bebauen wissen.

Rosa-Maria fand ihren Garten wunderhübsch, denn er enthielt Schatten, Blumen und Früchte; aber der Vetter Brouillard ging darin auf und ab und sagte: »Das ist ein Baumgut, ein Gemüseacker ... aber kein Garten ... diese Benennung paßt nicht dafür ... er ist schlecht angelegt ... Ach, wenn Sie den Garten bei meinem Landhause in Auteuil sehen würden ... der ist schön, der ist mit Geschmack angeordnet!« – Aber, lieber Vetter, betrachten Sie doch jene Syringen- und Gaisblattlaube, wie das Alles dicht ist und wie es so herrlich darin duftet. – »Ich habe eine Laube von wilden Rosen, das ist etwas Anderes ... Ah! schon Birnen? ... die lassen sich lange aufheben ... sie müssen reif sein.«

Und Herr Brouillard brach eine Birne und aß sie, um sich zu überzeugen, daß sie reif war.

»Wie finden Sie sie?« fragte Rosa. – »Hm! das ist eine traurige Birne, sehen wir einmal nach den Pflaumen.« Und Herr Brouillard pflückte eine Pflaume herunter, dann eine zweite und aß auf diese Weise ein halbes Dutzend; endlich sagte er: »Da sollten Sie meine Monsieur-Pflaumen sehen ... die sind zweimal so groß wie diese ... und meine Birnen! ich habe von der allerschönsten Sorte ... O! wenn Sie einmal nach Auteuil kommen, so müssen Sie dieselben versuchen, und dann können Sie erst sagen: ich habe Birnen gegessen. Ihre Aprikosen sind noch nicht reif; das ist ärgerlich!« Und um sich zu entschädigen, pflückte Herr Brouillard die schönsten Herzkirschen, die er verschluckte, während er unaufhörlich eine andere Sorte rühmte, welche er in seinem Garten hatte.

Das junge Mädchen wagte nicht mehr, ihre schönen Blumen und ihre schönen Rebgelände zu zeigen, weil sie befürchtete, der Herr möchte auch etwas daran tadeln, und sie dachte bei sich: »Ich glaube nun selbst, daß Marie Recht hatte! ... und wenn der Kuchen auch ganz gut ist, wird ihn unser Vetter doch schlecht finden.«

Hieronymus' Ankunft befreite Rosa-Maria von der Langweile, die man immer in der Nähe von Leuten empfindet, welche Alles, was uns lieb ist, bekritteln und welche, während sie uns beizubringen suchen, daß wir einen schlechten Geschmack haben und nichts verstehen, nicht bemerken, daß sie selbst sich gegen die ersten Regeln der Höflichkeit und der Lebensart verfehlen, sich wie Dummköpfe betragen, und ihren Neid und ihre Eitelkeit auf der Stelle bloßgeben.

»Was habe ich vernommen,« rief der Landmann, mit freudiger Miene herbeieilend, aus: »Wie, mein Vetter Brouillard ist da? ... Ah, Sapperment! das ist eine angenehme Ueberraschung. Guten Tag, Vetter! wie geht es? ... Sie haben sich also meiner erinnert? ... Das ist schön, nur denken Sie nicht oft genug an uns! ... Doch einerlei ... geben Sie mir die Hand ... Sie sind stets willkommen.«

Mit diesen Worten hatte Hieronymus Herrn Brouillards Hand ergriffen und drückte sie so heftig, daß dieser sie lebhaft zurückzog und erwiderte: »He! mein lieber Gogo! nehmen Sie sich in Acht! ich bin kein Ochse! drücken Sie mich nicht so fest, wenn's gefällig ist. Ei, ei, mein Lieber, Sie haben sich ein Bischen alt gemacht, seit ich Sie nicht mehr gesehen habe!« – Potz Kuckuk! das will ich wohl glauben, wir haben auch Beide etwa fünf Jahre mehr auf dem Rücken. – »Ja, aber es gibt Leute, bei welchen die Zeit nicht so sichtlich einwirke ...« – Sie haben meine Tochter Rosa gesehen? ... Ah! das ist eine ... diese werden Sie verändert gefunden haben? – »Ganz gewiß, denn als Kind war sie nicht hübsch ...« – Nicht hübsch? ... Meiner Treu', mir hat sie immer gefallen. – »Niemand hat blödere Augen als ein Vater, mein guter Hieronymus!« – Glauben Sie? ... Ich bin übrigens fest überzeugt, daß ich mich jetzt nicht täusche, wenn ich sie für eine der Schönsten in der Umgegend halte. – »Jetzt ist sie recht hübsch ... Sie sieht Ihnen übrigens gar nicht ähnlich!« – Sonderbar! es haben mir schon viele Leute das Gegentheil gesagt. – »Aus Artigkeit, um Ihnen ein Vergnügen zu machen; ich bin aber immer aufrichtig. Ich bin der Ansicht, daß man es gegenüber von seinen Freunden stets sein muß.« – Unser lieber Vetter Brouillard! ... ich dachte wahrhaftig nach so langer Zeit nicht an Ihren Besuch! A propos! Sie werden mir Nachricht über meine Brüder geben können, denn Sie kommen hoffentlich mit denselben zusammen, da Sie in Paris wohnen? – »Ja allerdings, ich sehe sie ... zwar nicht oft, aber doch bisweilen. Verkehren Sie denn nicht mit ihnen? ... Machen sie nicht manchmal einen Besuch bei Ihnen?«

Hieronymus seufzte ein wenig und seine Züge wurden ernster, während er erwiderte: »Nein, meine Brüder haben mich ganz und gar vergessen, denn sie lassen nie etwas von sich hören ... und doch habe ich ihnen mehrmals geschrieben oder durch meine Tochter schreiben lassen ... meine Rosa schreibt nämlich prächtig ... aber ich habe weder von Nikolaus noch von Eustachius Antwort erhalten!«

Der Vetter Brouillard machte ein langes Gesicht und sagte: »Ah! das kommt daher, weil sich Ihre Brüder in die große Welt geworfen haben ... der Eine ist reich, der Andere ist ein Schriftsteller ... und Sie sind Bauer geblieben ... Die Herren meinen, es trenne sie jetzt ein ungeheurer Zwischenraum von Ihnen! ...« – Glauben Sie?« fragte Hieronymus naiv; »sind wir deßhalb weniger Brüder? ... Was liegt mir daran, ob sie reich sind oder in hohen Ehren stehen? Ich verlange nichts als ihre Freundschaft ... und ein freundliches Andenken ... Weil ich im Dorfe geblieben bin, und meinen Beruf darin fand, Bäume zu pflanzen und Gemüse zu bauen, während sie Kenntnisse sammelten und sich in der Stadt niederließen, ist das ein Grund für sie, mich nicht mehr zu lieben?«

Rosa-Maria, die einige Schritte davon entfernt war und den Schluß des Gespräches mit angehört hatte, eilte auf ihren Vater zu und sagte zu ihm: »Aber, gutes Väterchen, warum wollt Ihr Euch einbilden, daß Euch Eure Brüder nicht mehr lieben? Warum Euch mit einem Gedanken quälen, der Euch Kummer macht? Wenn meine Onkel nicht kommen, Euch zu besuchen, so liegt der Grund wahrscheinlich darin, daß sie keine Zeit haben ... Man sagt, daß man in Paris nie Zeit habe, sich um seine Verwandten zu bekümmern ... Sie werden unsere Briefe nicht beantwortet haben, weil sie durch ihre Geschäfte auch davon abgehalten worden sind; und dann, wer weiß, ob ihnen überhaupt unsere Briefe zugekommen sind ... ob die Adressen richtig geschrieben waren? ... es geht ja in einer großen Stadt so viel verloren. O! ich bin sicher, daß Euch Eure Brüder immer noch lieben, an Euch denken, sich sogar, wenn sie Personen aus dieser Gegend treffen, nach Euch erkundigen und eines Tages, wenn Ihr am wenigsten daran denket, bei uns ankommen werden, wie unser Herr Vetter heute angekommen ist.«

Hieronymus küßte seine Tochter, Heiterkeit strahlte wieder auf seinem Gesichte und er rief aus: »Du hast Recht, Kleine; ja, es ist besser, wenn man das Gute glaubt, als das Schlimme, wenigstens macht es Einen glücklicher, und ich will lieber annehmen, daß mich meine Brüder immer noch lieben, als daß sie gleichgültig gegen mich geworden und mich vergessen hätten.«

Herr Brouillard, der seinen Mund, während Rosa sprach, auf eine spöttische Weise verzog, schien eben im Begriff, irgend eine hinterlistige Bemerkung vom Stapel zu lassen, als die alte Marie an der Thüre des Speisezimmers erschien und herausrief: »He! die Suppe steht auf dem Tische!« – Kommt zum Essen,« sagte Hieronymus. »Hören Sie, Vetter, setzen Sie sich einstweilen mit meiner Tochter zu Tische; ich komme gleich nach; ich will nur zu unserem Nachtische eine alte Flasche holen, von denen, wo der Staub darauf liegt, wie man sagt! ... Potz Kuckuk! ich erhalte nicht oft Besuche von meinen Anverwandten, daher ist es auch natürlich, daß ich sie auf's Beste bewirthen will.«

Herr Brouillard ergriff die Hand des jungen Mädchens, welche ihm diese anmuthig reichte, und begab sich mit ihr in das Speisezimmer, wo der Tisch gedeckt war. Der Vetter betrachtete neugierig die Teller, das Tischzeug, die Messer und besonders die Löffel und Gabeln, die er an einander schlug, um sich zu überzeugen, ob sie auch wirklich von Silber seien, dann setzte er sich neben Rosa-Maria, welche ihm mit einem Anstande servirte, der einen Andern bei einem Landmädchen angenehm überrascht hätte; aber Herr Brouillard beschäftigte sich bloß mit dem Gedanken: »Wo Teufels hat dieses Mädchen sich in einer Gesellschaft zu benehmen gelernt? sie muß nothwendigerweise noch mit andern Leuten umgehen als mit ihrem Vater!«

Hieronymus kam mit einer dickbestaubten Flasche in der Hand zurück; er stellte sie behutsam auf ein Möbel, während ihm Vetter Brouillard, listig lächelnd, mit den Blicken folgte. Der Landmann setzte sich zu Tische und beschäftigte sich hauptsächlich damit, seinem Gaste aufzuwarten, welcher für vier aß und trank, aber doch sagte: »Ihre Fleischbrühe ist sehr schwach! ... Sie kaufen ohne Zweifel geringes Fleisch?« – Nein, Vetter, vom besten, welches zu bekommen ist. – »Ach! ich dachte, nur zuweilen ... weil es billiger ist!« – Trinken Sie doch, Vetter. – »Ist das eigenes Gewächs?« – Nein, guter Tischwein aus der Umgegend. – »Ach ja! neuer ... der kratzt Einen teufelsmäßig im Halse.« – Eure verweichlichten Stadtkehlen vielleicht, mich nicht ... er ist gut, er erfrischt! – »O! ich fürchte sogar, er möchte nur zu sehr erfrischen.« – Bleiben Sie hier über Nacht, Vetter? Es steht Ihnen ein recht ordentliches Bett zu Dienst! – »Ich danke Ihnen, aber ich kann mich nicht aufhalten; ich muß nach dem Mittagessen wieder nach Fontainebleau zurück. Dort logire ich bei einem Freunde, einem sehr wohlhabenden Manne; er erwartet mich heute Abend; ich habe ihm versprochen, auf diese Zeit zurückzukommen, und morgen frühe reise ich wieder nach Paris.«

Ein leichter Ausdruck des Vergnügens flog über die Züge des jungen Mädchens, als sie Herrn Brouillard die trostreichen Worte aussprechen hörte, er könne sich nicht aufhalten, und die alte Magd murmelte zwischen den Zähnen: »Ach, Gott sei Dank! wir werden ihn bald wieder los! Wenn wir ihn hier hätten über Nacht behalten müssen, hätte er das Bett jedenfalls zu hart gefunden!«

»Essen Sie doch, Vetter,« sagte der Landmann, Brouillards Teller füllend, der es geschehen ließ, während er sich stellte, als blicke er anderswohin; »das ist ein Hühner-Fricassée, welches Marie zubereitet hat ... Ah, sie kann damit umgehen! Sehen Sie, diese Speise ist ihr Meisterstück!«

Herr Brouillard verschlang Alles, was man ihm vorgelegt hatte, ohne ein Wort zu sprechen; erst als sein Teller leer war, entgegnete er: »Und Sie halten das für ein Hühner-Fricassée?« – Ei freilich! was soll es denn sein? – »Das ist so wenig ein Hühner-Fricassée, als ich ein Kalb. Ah! wenn Sie einmal bei mir auf meinem Landgut in Auteuil speisen, will ich Ihnen ein wirkliches Hühner-Fricassée vorsetzen ... da werden Sie den Unterschied finden ...« – Glaubt der Herr vielleicht, ich habe eine Katze fricassirt?« fragte Marie ärgerlich. – »Seid doch nicht kindisch; läugne ich denn, daß das in dieser Brühe schwimmende Thier ein Huhn ist ... allerdings ein etwas mageres ... allein ich spreche von der Art, wie es zubereitet ist ... Das ist ein Ragout ... ein Salmis ... eine Matelote von Hühnern, Alles, nur kein Fricassée.« – Dieser Mensch könnte mich noch eselsdumm schwatzen,« brummte die alte Magd. Rosa-Maria trug schnell grüne Erbsen auf, damit das Fricassée vergessen werden sollte, das übrigens gut war, und Hieronymus füllte Brouillards Glas mit den Worten: »Trinken Sie doch ... das heißt man nicht trinken.« – Ach, ich fürchte Ihren Krätzer, man muß sich nach Tische in Acht nehmen, wenn man davon trinkt. – »Das sind Erbsen aus meinem Garten, wie schmecken sie Ihnen?«

Die Erbsen waren vortrefflich, aber Herr Brouillard, der sich nicht entschließen konnte, es zuzugeben, begnügt sich mit der Antwort: »Ich esse lieber Bohnen.« Deßhalb nahm er aber doch zweimal Erbsen heraus.

»Ich glaube, es ist jetzt Zeit, mit der feinen Flasche ein Wörtchen zu sprechen!« rief Hieronymus aus, indem er den von ihm aus dem Keller herauf geholten Wein aufstellte. »Ha, beim Kuckuk! das ist ein köstliches Getränke ... den muß ich mit Vorsicht aufmachen ... Ich muß Ihnen die Geschichte dieses Weines erzählen, Vetter, er ist nämlich aus einer Viertels-Tonne Beaune, den ein Freund vertheilt hat ... dann ...« – Ich mache mir nicht viel aus seiner Geschichte ... übrigens versteht Niemand den Wein besser als ich; ich habe einen ausgesuchten Keller ... ich bin ein feiner Weinkenner.«

Während Hieronymus mit aller möglichen Vorsicht die Flasche aufpfropfte, stand Marie mit einem prächtigen goldgelben Kuchen, den sie selbst mit innerem Behagen betrachtete, auf der Schwelle ihrer Küchenthüre und murmelte: »Ich wette, der Kuchen erfreut sich auch seines hohen Beifalls nicht ... Hm, geschähe es nicht aus Gehorsam gegen die Mamsell, so würde ich ihn jetzt gar nicht auftragen, sondern bis auf den Abend zurückstellen. Es lohnt sich schon, Leuten aufzuwarten, die Alles schlecht finden ... ich wette, daß sich das alte Schleckermaul bei sich zu Hause nicht so voll stopft!«

Endlich hatte Hieronymus die Flasche entpfropft, er schenkte seinem Gaste ein, dann sich, trank und beobachtete Herrn Brouillard beim Trinken, der, nachdem er sein Glas geleert, dasselbe ohne ein Wort zu sagen, wieder auf den Tisch stellte und aufmerksam den Kuchen betrachtete, den Marie sich endlich doch entschlossen hatte, aufzutragen.

Diese Gleichgültigkeit gegen einen Wein, über welchen er von seinem Gaste Complimente erwartet hatte, ärgerte den Landmann, der ausrief: »Ei, aber ... Sie sagen mir gar nichts über ihn? ... Finden Sie ihn nicht gut?« – »Wen denn?« fragte Herr Brouillard, sich umsehend. – »Wie wen? ... den Wein, den Sie getrunken haben ... meinen alten Beaune, der schon seit mehr als zwölf Jahren in Flaschen gefüllt ist ...« – »Ah so! Ihren Wein ... den habe ich noch nicht recht versucht ... schenken Sie mir doch noch einmal ein!«

Hieronymus füllte wieder eiligst das Glas seines Vetters. Dieser schnüffelte daran, trank bedächtlich, schüttelte ein wenig mit dem Kopfe und sagte: »Das ist kein Beaune ...« – »Wie, was sagen Sie?« – »Ich sage, daß das kein Beaune ist.« – »Sie kommen mir recht! Jedermann, der davon getrunken, hat mich versichert, es sei ächter; sogar unser Maire, welcher ein famoser Weinkenner ist.« – »Ihr Maire versteht nichts!« – »Was soll es denn sein?« – » Macon ... es gibt sehr viele Sorten Macon ... aber was Beaune betrifft, mein lieber Hieronymus, den müssen Sie bei mir trinken; ah! ich habe ächten!« – »Bei Ihnen! bei Ihnen! ich war aber nie bei Ihnen; Sie haben mich nie eingeladen.« – »Sie haben es wahrscheinlich vergessen. Ah! ich sage nicht, Sie sollen zu mir nach Paris zum Essen kommen, dort habe ich nur ein kleines Absteigequartier; aber in meinem Landhause in Auteuil will ich Ihnen eine gute Kost vorsetzen. Ich habe eine junge Köchin ... einen wahren Blaustrumpf von Köchin ... Ei, was ist's mit diesem Kuchen? Schneiden wir ihn nicht an?« – Mein Gott, lieber Vetter,« entgegnet Rosa. mit einem spöttischen Lächeln, »drum fürchte ich, er möchte Ihnen auch nicht schmecken, wie das ganze bisherige Essen, und es thäte mir leid, wenn Sie noch einmal etwas Schlechtes bekämen. – »Versuchen wir ihn immerhin,« versetzte Herr Brouillard, seinen Teller hinbietend. Drauf legte die Jungfrau ihrem Vetter ein außerordentlich kleines Stückchen Kuchen auf den Teller, indeß Hieronymus über die ungünstige Aufnahme, die sein Wein gefunden, geärgert, sich sein Glas wieder füllte, ohne seinem Gast nochmals einzuschenken, und die Flasche dann neben sich, von Brouillard entfernt, niederstellte. Der Herr mit der Fuchsschnauze bemerkte dieses Manöver, und nachdem er sein Endchen Kuchen rasch verschluckt hatte, entschloß er sich, Hieronymus sein Glas hinzubieten, indem er sagte:

»Schenken Sie doch ein, Vetter Gogo, wenn es auch kein Beaune ist, so laßt sich dieser Wein doch trinken.« – Ah! das ist etwas Anderes, Vetter! Drum dachte ich, Sie wollten keinen mehr.«

Zum Nachtische servirte Marie die schönsten Früchte des Gartens; hierauf füllte Hieronymus Herrn Brouillards Glas abermals und rief aus: »Potz Sapperment! Lassen Sie uns ein wenig von meinen Brüdern sprechen. Wenn ich sie auch nicht sehe, so macht es mir doch Vergnügen, mich von ihnen zu unterhalten und hauptsächlich zu erfahren, ob es ihnen gut geht. Wir sind schon so lange auseinander ... bald vierundzwanzig Jahre. Es war nach dem Tode unseres Vaters, sie nahmen die Theilung vor ... das heißt, Nicolaus besorgte Alles ... er war der Aelteste ... das war in Ordnung. Er gab Jedem seinen Theil; ich verließ mich vollkommen auf ihn. Unsere Schwester war schon verheirathet und wohnte in Paris.« – Ach! ja, die Schwester Therese! ihr Mann war nicht glücklich in seinen Geschäften – »Er starb und hinterließ meiner Schwester einen Sohn; meine arme Therese starb vor etwa zwölf Jahren auch; aber ich muß meinen Brüdern Gerechtigkeit widerfahren lassen, sie nahmen sich ihres Neffen an ... und Friedrich Reyral muß jetzt ein hübscher Junge sein.« – Er besucht Sie also auch nicht? dieser da. – »Nein, aber ich entschuldige ihn: der Junge kennt mich nicht, er hat mich nie gesehen; man wird ihm auch nicht zu oft von feinem Oheim Hieronymus gesprochen haben! Als jedoch meine Schwester gestorben war, ohne ihrem Sohne Vermögen zu hinterlassen, da hat man mir doch geschrieben. Nicolaus schickte mir einen Mann mit einem Brief, worin er mir mittheilte, daß unser Neffe ihnen zugefallen sei, daß es aber nicht recht wäre, wenn sie Alles thäten und ich gar nichts ... kurz, er schloß mit den Worten, ich möchte dem Ueberbringer eine Summe von sechs- bis achthundert Franken zustellen. Der Teufel! es genirte mich ein bischen; aber einerlei, ich übergab ihm siebenhundertundfünfzig Franken.« – Ah! Sie haben zu der Erziehung Ihres Neffen Geld hergegeben? Schau'! schau! davon haben mir Ihre Brüder nie etwas gesagt. – »Sie werden gedacht haben, das verstehe sich von selbst.« – Ich glaube aber nicht, daß sie dieser junge Mann viel gekostet hat. Ihr Bruder Nicolaus, welcher damals schon große Geschäfte machte, nahm ihn ganz jung in sein Bureau, wo er ihn verwendete; erst seit etwa zwei Jahren ist der junge Mann aus dem Haufe seines Onkels ausgetreten, um Geschäfte für eigene Rechnung zu machen ... Sensarie- oder vielmehr Winkelmaklersgeschäfte ... denn er ist kein wirklicher Sensal. Ich weiß nicht, ob er viel Geld verdient, aber ich weiß, daß er viel Geld springen läßt. O, er ist ein Stutzer, ein Löwe, wie man sie jetzt heißt, und überdies ein Lebemann, ein Schwelger! Er ist unaufhörlich bei Lustpartien, Spielpartien, Freßpartien! ... ich kann mir nicht denken, wo er die Zeit zu seinen Geschäften hernimmt. – »Wäre es möglich? Der junge Mann ruinirte sich selbst?« – Ich sage nicht, er ruinire sich, ich sage nur, er belustige sich in einem fort; er ist auch sehr beliebt in den Gesellschaften, besonders bei den Damen! ... Man findet ihn sehr liebenswürdig, weil er ein Erzwindbeutel, das heißt ein Erzspötter ist ... der Niemand ungeschoren läßt ... was bei mir aber noch nicht für einen Beweis von Geist gilt. – »Ei! ei! aber ich habe noch einen Neffen. Nicolaus hat sich in Paris verheirathet, ich habe seine Frau ein einziges Mal gesehen, als ich ihn ganz im Anfang seines Ehestandes besuchte: es sind jetzt mehr als zwanzig Jahre her; ich habe sie zwar nicht sehr liebenswürdig gefunden ... wie ganz anders war meine gute Suzette, die ich so früh verloren habe! Ich habe Bruder und Schwägerin eingeladen, uns zu besuchen, sie sind aber nicht gekommen.« – Ach ja, und ich meine sogar, sie hatten Sie nicht einmal zu ihrer Hochzeit geladen. – »Nein, und Eustachius auch nicht!« – Ach, Eustachius! der ist erst seit ungefähr sieben Jahren verheirathet. Er hat eine hübsche Frau ... das heißt, es gibt schönere! ... aber eine sehr eitle Frau, eine Blondine, die etwas fade und viel jünger ist als er; sie muß verteufelt viel Geld für ihre Toilette verschwenden, dieses Weib! – »Und Nikolaus' Sohn ... ist das ein braver Junge?« – Der Sohn des ältern Gogo? Ach ... er heißt Julian ... der ist sehr von Friedrich verschieden, er rennt dem Vergnügen nicht nach, ist gesittet und geordnet, wie man wenigstens sagt; man darf sich übrigens nicht auf den Schein verlassen, denn Sie kennen das Sprüchwort: Stille Wasser sind tief! Julian ist aber nicht schön, sogar häßlich, er hat eine platte Nase, einen eingekniffenen Mund, kurz, er ist der ähnliche Nikolaus, und dieser ist häßlich, sein Reichthum hat ihn nicht verschönert ... Schenken Sie doch ein, Vetter Hieronymus.«

Der Landmann füllte Brouillards Glas; dieser trank sehr behende den Wein, den er seines Lobes nicht für würdig erachtet hatte, und aß die schönsten Früchte, die auf dem Tische standen, indem er dabei unaufhörlich ausrief: »Ich habe Pflaumen und Kirschen! ... ach, das ist etwas Anderes! Aber wie steht es mit den Feldern, mit dem Landbau, Hieronymus? Dehnen Sie sich etwas aus? – »O! ich habe nicht viel Abwechslung in meinen Geschäften, Vetter, ich treibe keinen Handel; übrigens beklage ich mich nicht; durch tägliche, fleißige Arbeit ist es mir gelungen, ein kleines Vermögen anzusammeln, welches zum Heirathsgut meiner Rosa bestimmt ist.« – Ah! Sie haben eine Summe erworben ... ist sie beträchtlich? ... kann man sie schon ein Heirathsgut nennen? – »Noch nicht so groß als ich wünschte; doch kann man sich damit niederlassen.« – Und haben Sie das Geld auf Interessen angelegt ... zu zehn, zwölf, fünfzehn Procent? ...«

Hieronymus lächelte und versetzte: »Wenn ich nur zufrieden bin, Vetter, und das Geld in guten Händen ruht, um das Weitere braucht sich, glaube ich, Niemand zu bekümmern.«

Herr Brouillard zog seine Lippen bis zur Nasenspitze hinauf, indem er murmelte: »Gewiß nicht, ich sagte das auch nur in Ihrem Interesse, weil ich Leute kenne, welche Geld zu sehr hohen Zinsen aufnehmen.« – Meiner Treu',« rief Hieronymus aus, nachdem er mit seinem Vetter angestoßen hatte; »es freut mich recht, zu vernehmen, daß meine Brüder in Paris ihr Glück gemacht haben. Nicolaus ist also sehr reich?«

Herr Brouillard schnitt verschiedene Gesichter und suchte das gutmüthige festzuhalten, indem er erwiderte: »O, ich weiß es so genau nicht ... denn ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich um die Geschäfte Anderer bekümmern ... ich bin durchaus nicht neugierig ... Was liegt mir daran, ob die Einen viel haben, die Andern Schulden machen, um den Leuten Sand in die Augen zu streuen, und die Dritten, wenn Alles verthan ist, die Zunge herausstrecken? Das ist mir gleichgültig; ich verlange von Niemand Etwas, ich habe, was ich brauche, lebe sorglos, kann einem Freunde, der mich besucht, ein Mittagessen und eine Flasche ächten Beaune vorsetzen, und nun, was will man weiter?«

Es wäre Hieronymus lieb gewesen, wenn Herr Brouillard nicht immer auf sich selbst zu sprechen gekommen wäre, wenn man von Andern redete, und er rief aus: »Ei, mein Gott, ich bin auch nicht neugierig, aber wenn es sich um seine Familie, um seine Brüder handelt, so scheint es mir sehr natürlich, daß man die Lage derselben kennen zu lernen wünscht; das ist keine Neugierde.« – Ich tadle Sie nicht, mein lieber Gogo; o, ich bin weit davon entfernt. Uebrigens kann ich Ihnen die Verhältnisse Ihres Bruders Nicolaus ungefähr schildern: Er hat Börsenspekulationen und Wechselgeschäfte mit dem Gelde gemacht, das ihm seine Frau als Heirathsgut zugebracht hatte. O, das wollte eben nicht viel bedeuten! ... bloß zwölftausend Franken, wovon er jedoch nur achttausend in baarem Gelde empfing, das Uebrige wurde ihm in wollenen Strümpfen, Flanelljacken, gestrickten Unterhosen und andern Strumpfstrickerwaaren (seine Frau war die Tochter eines Strumpfstrickers) übergeben, die er indeß sehr gut anbrachte. Ich weiß sogar, daß ihm Jemand sechzehn Franken für eine Flanelljacke bezahlt hat, die keine zehn werth war ... Nicolaus schenkt aber auch nichts her, er ist im Gegentheil ein rechter Jude in seinen Geschäften ... wenigstens steht er in diesem Rufe.« – Aber hören Sie, Vetter! wie wissen Sie das Alles so genau, da Sie sich doch nicht um anderer Leute Angelegenheiten bekümmern? – »Vom Hörensagen; ich kann doch nicht verhindern, daß man mir die Ohren voll schwatzt. Gogo sen. war glücklich in seinen Spekulationen, nun fing er andere Geschäfte an; er discontirte, lieh Geld zu sehr hohen Procenten aus. Ich glaube sogar, daß er sich Versätze geben ließ, und auf Effekten, Juwelen, kurz, auf Pfänder lieh ... ich kann es zwar nicht mit Bestimmtheit behaupten, aber man hat es gesagt. Die Welt ist übrigens so schlimm! ... kurz, er hat viel Geld verdient, und jetzt muß er ungefähr zwanzigtausend Franken Rente haben, vielleicht mehr, vielleicht weniger, ich weiß es nicht, und brauche mich auch nicht darnach zu erkundigen! Was liegt mir daran? Ich will nichts von ihm!« – Zwanzigtausend Franken Rente!« schrie Hieronymus; »Sapperment, das ist ein großes Vermögen! – »Ein Vermögen! ... das kommt darauf an ... je nachdem man Geld braucht. Aber Nicolaus bildet sich Wunder was ein; er geberdet sich, daß es zum Todtlachen ist ... Ach, so sind die Emporkömmlinge immer; sie glauben ihre Herkunft unter einem unverschämten Wesen zu verbergen! Ha, ha! das ist zu lustig! Allein man muß den Leuten ihre kleinen Lächerlichkeiten lassen; es hat Jedermann seine Eigenthümlichkeiten.« – Und ist Eustachius auch reich geworden? – »Ach, Eustachius, mit dem ist's etwas Anderes, der ist ein Genie geworden! Wer hätte das vermuthet, hm? und doch ist es so, mein guter Hieronymus, Sie wußten nicht, daß Sie einen großen Geist in Ihrer Familie haben!« – Einen Geist?« wiederholte Hieronymus, große Augen machend ... »Ich habe nie von einem Geist in unserer Familie gehört? – »Ich will damit sagen, eine Person, welche nach der Unsterblichkeit trachtet; damit ist jedoch noch nicht gesagt, daß er sie erlangen wird. Kurz, Ihr Bruder Eustachius ist Dichter oder Schriftsteller geworden, wenn Sie lieber wollen.« – Dichter ... ach, ja ... Schriftsteller, davon habe ich schon gehört ... Was ist denn das für ein Gewerbe? – »Das ist kein Gewerbe, das ist ... ich weiß selbst nicht, wie ich es Ihnen erklären soll ...« – Ist das nicht ein Mann, welcher Theaterstücke schreibt?« fragte Rosa-Maria mit gesenkten Blicken. – »Getroffen, Bäschen, das ist es. Der Teufel! Ihnen ist ja nichts unbekannt, wie ich merke! Vetter Gogo, Sie haben Ihrer Tochter also eine sorgfältige Erziehung geben lassen, da sie weiß, was Theaterstücke sind?« – Potz Kuckuk! haben Sie noch nicht gemerkt, daß meine Rosa gut spricht, Manieren und Façon, kurz, nicht das Wesen einer Bäuerin hat? – »Ich habe nicht Acht darauf gegeben; Sie wollen also auch eine Dame aus Ihrer Tochter machen? Sie haben demnach große Pläne mit ihr vor? Ah! ha! Hieronymus, ich sehe, die Eitelkeit kitzelt Sie auch, wie die Andern.« – Eitelkeit? Ehrgeiz? O, meiner Treu', nein! aber ich habe gedacht, es könne meinem Kinde nichts schaden, wenn es besser unterrichtet sei als sein Vater, es könne vielleicht einmal dazu beitragen, daß das Mädchen eine gute Partie mache. – »Hm! mein lieber Freund, so bereitet man sich Kummer und Demüthigungen! Wenn unsere Kinder mehr wissen als wir, und in der Welt eine etwas angesehenere Stellung einnehmen, so haben sie uns bald vergessen, ärgern sich, wenn sie uns sehen, und erröthen, wenn man von uns mit ihnen spricht.«

Rosa-Maria steht lebhaft von ihrem Sitze auf, eilt auf ihren Vater zu, umschlingt ihn mit ihren Armen und ruft mit einer, von der sie durchdringenden Empfindung, ergriffenen Stimme aus: »Was sagen Sie da, mein Herr? ich sollte je über meinen Vater erröthen, ihn vergessen, aufhören ihn zu lieben, weil er so gütig war, mir einigen Unterricht geben zu lassen? ... O, das wäre abscheulich! ... das wäre schändlich! ... Kann es je Kinder geben, welche aufhören, ihren Vater zu lieben, zu ehren, sich seiner mit Freude und Dankbarkeit zu erinnern? ... O! nein, das ist nicht möglich; nicht wahr, guter Vater, Du glaubst nicht, daß ich undankbar sein ... und, selbst wenn mir der Himmel ein großes Glück zu Theil werden ließe, je aufhören würde, Dich zu lieben?« – Nein, nein, mein liebes Kind! ... O, ich bin fest vom Gegentheil überzeugt!« erwiderte der Landmann, den die zärtliche Regung seiner Tochter so sehr gerührt hatte, daß ihm Thränen in den Augen standen. »Ich kenne Dich, Rosa, ich kann mich auf Dein Herz verlassen; der Vetter hat das nicht in Beziehung auf Dich gesagt.«

Herr Brouillard, welcher ein solches Benehmen des jungen Mädchens nicht erwartet hatte, stotterte, indem er mit seinem Messer spielte: »Nein, gewiß nicht ... ich bemerkte dieses ohne Beziehung ... außerdem gibt es keine Regel ohne Ausnahme. Sehen wir noch einmal nach Ihrem alten Wein, Vetter; er ist ziemlich trinkbar ... es könnte am Ende doch Beaune dritter Qualität sein.«

Rosa-Maria, nachdem sie ihren Vater noch einmal geküßt hatte, setzte sich zum Nähen an ein Fenster; die beiden Männer blieben bei Tische und Hieronymus brachte das Gespräch wieder auf seinen Bruder Eustachius.

»Sie sagen also, Vetter, daß mein jüngster Bruder ein Mann ist, der Bücher, Werke und Sachen macht, die gedruckt werden?« – Ja, so ist es; er hat einige Stücke geschrieben, die Beifall fanden, was übrigens kein Beweis ist, daß sie gut waren; er hat auch einige geschrieben, die durchgefallen sind! – »Das ist vielleicht auch kein Beweis, daß sie schlecht waren?« – Doch, denn das Nachteilige, was man hört, ist stets zehnmal eher wahr, als das Vortheilhafte; dann liefert er bisweilen Artikel in Journale, schreibt Novellen und kleine Romane für die Feuilletons ... das nennt man heutzutage Literatur; ehemals mußte man andere Produkte zu Stande bringen, um sich einen Gelehrten nennen zu dürfen. Doch andere Zeiten, andere Sitten. – »Und verdient man viel Geld mit diesem Geistesproduktenhandel?« – Wenn man wirklich nur Geist verkaufte, so würde man sicher viel verdienen, da aber diese Waare immer gemischt und verdünnt wird, so sinkt sie zuweilen im Preise. Uebrigens hält sich Eustachius für einen Voltaire, einen Molière ... ha, ha! es ist zum Todtlachen! ... wenn er hie und da einen Erfolg hat, so bläht er sich auf und schwillt an, daß ihm die Boulevards nicht breit genug sind! – »Der arme Eustachius ist also sehr dick geworden?« – Keineswegs! damit will ich nur sagen, daß die Eitelkeit den Poeten aufbläht; wenn es ihm nur nicht geht, wie dem Frosch in der Fabel. – »Ist mein Bruder, der Büchermacher, glücklich in seinem Ehestand?« – Ja, hm! hm! ... Sie wissen, über solche Dinge ist es am klügsten, nicht zu sprechen ... dem äußern Anschein nach ist Alles in gehöriger Ordnung, aber das innere Hauswesen sollte man sehen ... Ihr Bruder Eustachius ist über die Vierzig hinaus ... seine Frau ist noch nicht dreißig Jahre alt ... hm! das ist gefährlich! ... Man sagt, sie sei gefallsüchtig! ... aber ich sage nichts, ich verabscheue das Klatschen; selbst wenn ich tadelnswürdige Sachen gesehen hätte, würde ich schweigen und sie für mich behalten. Aber, in Wahrheit, mein lieber Hieronymus, da Sie so viele Freundschaft für Ihre Brüder empfinden, warum besuchen Sie sie nicht in Paris und überraschen sie eines schönen Morgens? – »Ach, ich hatte mehr als einmal Lust dazu,« entgegnet der Ackersmann kopfschüttelnd; »aber ich habe es nicht gewagt, denn ich dachte: da mir meine Brüder nie Nachricht von sich geben, mir nicht einmal meine Briefe beantwortet haben, so wollen sie mich wahrscheinlich nicht mehr sehen, nichts mehr von mir wissen, und wenn ich sie aufsuchte, würde ich ihnen vielleicht zuwider sein, statt ihnen Freude zu machen; deßhalb bin ich nicht zu ihnen nach Paris gegangen.«

Herr Brouillard leerte sein Glas, suchte seinen Zügen einen ganz milden Ausdruck zu geben, und sagte alsdann mit süßer Flötenstimme: »O! so etwas müssen Sie nicht voraussetzen! ich bin jetzt auch der Ansicht Ihrer Tochter; ohne Zweifel haben Geschäfte Ihre Brüder abgehalten, Ihnen zu antworten; in Paris hat man immer so viel zu thun ... Sie müssen es ihnen nicht übel nehmen.« – Ich nehme es ihnen auch nicht übel; aber kaum vorhin haben Sie selbst zu mir gesagt, das Glück habe sie stolz gemacht. – »Hm! stolz ist nicht der rechte Ausdruck! ... Der Grund des Herzens ist gut ... ich bin überzeugt, daß Ihre Anwesenheit sie entzücken und eine erstaunliche Wirkung hervorbringen wird.« – Wirklich? Nun gut, meiner Treu', ich will sie dieser Tage besuchen und überraschen. – »Soll ich Ihnen sagen, wo sie wohnen?« – Ach! ja, denn ich weiß nicht, wo sie gegenwärtig logiren, und wenn man das nicht genau weiß, so findet man in Paris Niemand. – »Ihr älterer Bruder Nicolaus wohnt in der St. Lazarusstraße Nr. 62.« – Schreibe das auf, liebes Röschen, damit wir die Adressen Deiner Onkel genau wissen.«

Das junge Mädchen schrieb, was der Vetter gesagt hatte. Brouillard streichelte sich das Kinn und fuhr fort: »Haben Sie geschrieben: Nicolaus Gogo, St. Lazarusstraße Nr. 62?« – Ja, lieber Vetter. – »Gut. Was Eustachius betrifft, so wohnt dieser in einem andern Quartiere, in der Vendômestraße Nr. 14 Haben Sie es?« – Ja, lieber Vetter. – »Jetzt, glaubet mir, besuchet sie, ladet euch ohne alle Umstände, wie ich heute bei meiner Ankunft, zum Essen bei ihnen ein, und ich stehe euch dafür, sie werden euch vorzüglich aufnehmen.« – Das wollen wir thun, Vetter, und da wir einmal auf dem Wege sind, so wollen wir unsern Ausflug sogar bis Auteuil ausdehnen und einen Tag bei Ihnen zubringen; nur müssen Sie uns auch Ihre Adresse angeben.«

Herr Brouillard machte ein sonderbares Gesicht und antwortete, während er aufstand, um Hut und Stock zu nehmen: »Ach ja, ach ja ... gewiß, das wird mich ... Ei! aber ich habe doch einen Stock mitgebracht ...« – Sie haben ihn in der Hand, Vetter. – »O! es ist beim Kuckuk wahr! ... und ich suchte ihn. Ich bin zu gewissen Zeiten sehr zerstreut.« – Und Ihre Adresse in Auteuil? – »Jedermann kann sie Ihnen sagen; ich bin sehr bekannt. Fragen Sie in dem ersten besten Hause nach Herrn Brouillard, dann wird man Ihnen sagen: »dort ist sein Haus.« Aber entschuldigen Sie, ich muß mich verabschieden, ich will noch vor Einbruch der Nacht nach Fontainebleau kommen.« – Potz Kuckuk! Vetter, Sie haben noch Zeit genug: es ist noch nicht einmal sechs Uhr. – »Thut nichts, ich gehe sehr langsam, und bleibe oft stehen, um eine schöne Aussicht zu betrachten.« – Falls Ihnen der Weg nicht gut bekannt ist, will ich Sie bis in die Stadt begleiten. – »Sie brauchen sich nicht zu bemühen, mein guter Hieronymus. es ist überflüssig: ich kenne den Weg ganz genau, er ist überdies sehr leicht zu finden. Adieu denn, mein lieber Freund; ich bin entzückt, Sie bei so herrlicher Gesundheit und in so angenehmer Lage gefunden zu haben! Leben Sie wohl, mein liebenswürdiges Bäschen ... erlauben Sie mir wohl! ...«

Damit näherte sich Herr Brouillard der schönen Jungfrau, um sie zu küssen. Dieselbe fühlte sich durch diese Artigkeit nichts weniger als geschmeichelt, aber sie wagte nicht, sich zu sträuben, und des Vetters Schnautze berührte den Sammet ihrer frischen rosigen Wange. Der Fuchs, wahrscheinlich angelockt durch das eben Genossene, schickte sich an, einen zweiten Kuß auf die andere Wange zu drücken; allein das junge Mädchen drehte sich mit einer leichten Wendung nach der Thüre und rief aus: »Beeilen Sie sich, lieber Vetter, es sieht aus, wie wenn sich das Wetter ändern wollte und wir ein Gewitter bekämen!« – Wirklich? Dann gehe ich schnell! – »Adieu, Vetter, wir besuchen Sie bald in Auteuil.« – Ja, meine Freunde ... und ich habe keinen Regenschirm bei mir ... lebt wohl, bleibt gesund; besucht die Gogos in Paris, besucht sie, es wird sie sicher freuen.«

Herr Brouillard war bereits hinaus und bald hatte man ihn aus dem Gesicht verloren; Hieronymus kehrte wieder mit Rosa in die Stube zurück und sagte zu ihr: »Wo Teufels, mein Kind, hast Du gesehen, daß sich das Wetter ändern wird und wir ein Gewitter bekommen werden? ... es gab nie einen schöneren Abend!«

Das junge Mädchen konnte sich des Lachens nicht enthalten, während sie erwiderte: »Seht, Vater, ich fürchtete noch einen Kuß von unserem Vetter Brouillard zu bekommen, und ich muß Euch gestehen, das war mir zuwider, denn ich kann diesen Mann gar nicht leiden.« – O! und mir geht es wie der Mamsell!« schrie die alte Magd, welche, sobald der Pariser Herr fort war, ihren alten guten Humor wieder bekam. »Wisset Ihr auch, Herr, daß er bei Euch nichts schön, nichts gut und nichts recht gefunden hat; Eure Früchte, Eure Blumen, Euern Garten, Euer Mittagessen, sogar Euern alten Wein ... Alles hat er getadelt. – »Das ist wahr,« sagte Hieronymus lächelnd; »aber ich habe mit Vergnügen gesehen, daß ihn das weder am Essen noch am Trinken gehindert hat!« – Potz Kuckuk! meint Ihr, ich glaube an seine Aufschneidereien? Er hat daheim Alles schöner und besser, wenn man ihn hört. Man weiß aber, was man davon zu halten hat. Die Leute, welche bei Andern so schwierig und anspruchsvoll sind, begnügen sich zu Hause mit altbackenem Brode und ungeschmälzten Bohnen; sie sagen immer: »›Ach, wenn Sie zu mir kommen, werden Sie sehen, wie ich Ihnen auftischen und was ich Ihnen für gute Sachen vorsetzen werde;‹« aber entweder wissen sie es so einzurichten, daß sie nie zu Hause sind, wenn man sie besucht, oder bewirthen sie, wenn sie je zufällig gezwungen sind. Einen aufzunehmen, ihren Gast so schlecht, daß er sich heilig vornimmt, nie wieder zu ihnen zu gehen. Ja, Herr, ich habe es hundertmal sagen hören: »›Leute, die bei Andern so anmaßend thun und denen nichts gut genug ist, sind daheim Schaber und Hungerleider.‹«

Hieronymus konnte sich bei Mariens Zorn über die Aeußerungen seines Vetters des Lachens nicht erwehren und Rosa-Maria versetzte: »Ich wollte dem Herrn seine mißfälligen Aeußerungen über unsern Garten und unser Mittagessen noch gerne hingehen lassen, aber ich grolle ihm über das, was er gesagt hat, als er erfuhr, daß mir mein Vater eine bessere Erziehung hat geben lassen, als man gewöhnlich auf dem Lande erhält. Um bei Andern Undankbarkeit und ein schlechtes Herz vorauszusetzen, muß man, meiner Ansicht nach, selbst bösartig sein!« – Nun, ich sehe deutlich, daß der Vetter Brouillard weder Deine noch Mariens Eroberung gemacht hat. Ich gestehe, ich finde ihn auch kurios spöttisch und verdammt schwer zu befriedigen ... gerade, aufrichtige Leute sind mir weit lieber. Doch er gehört einmal zur Familie und wir sind ihm jedenfalls Dank schuldig, daß er uns besucht und uns nicht ganz vergessen hat. – »Ja,« brummte Marie, indem sie wieder in ihre Küche ging, »aber ich bin fest überzeugt, daß er nur gekommen ist, um uns Widerwärtigkeiten zu sagen und zu machen.«

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