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Die Familie Gogo

Charles Paul de Kock: Die Familie Gogo - Kapitel 2
Quellenangabe
pfad/kock/famigogo/famigogo.xml
typefiction
authorPaul de Kock
titleDie Familie Gogo
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
printrunDritte Auflage
year1861
translatorHeinrich Elsner
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091104
projectidf92e4863
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Erstes Kapitel.

Der Wald von Fontainebleau. Eine Gesellschaft

Kennt ihr den Wald von Fontainebleau? Wahrscheinlich, zumal wenn ihr aus Paris seid. Die Franzosen und hauptsächlich die Pariser, welche im Allgemeinen keine große Touristen sind (vielleicht, weil sie mit Recht nirgends anders so viel Vergnügen erwarten dürfen als daheim), die Pariser, sage ich, reisen wenig; sie fühlen nicht, gleich den Britten und Deutschen, das Bedürfniß, die Reise um die Welt zu machen, um Geist und Sitten der civilisirten Nationen zu studiren; sie suchen nicht gleich den Spaniern neue Länder und Völker zu entdecken und haben nicht gleich den Russen die Gewohnheit, sich Jahre lang in der Fremde aufzuhalten; kurz, sie finden ihr Land schön genug, ihren Boden fruchtbar genug, ihre Frauen reizend genug, ihre Küche gut genug, um damit auszukommen. Es ist auch erwiesen, daß sie Recht haben, da man weit öfter zu ihnen kommt, als sie zu Andern gehen.

Indessen gibt es zwei Dinge, welche gesehen zu haben dem Pariser von großer Wichtigkeit sind, und ohne welche er sich für gar unwissend hält. Diese beiden Dinge sind: das Meer und der Wald von Fontainebleau.

Das Meer hauptsächlich; man muß diesen prachtvollen Anblick genossen haben, denn man muß Abends in einer Gesellschaft von Freunden, von Nachbarn, in seinem Ladenstübchen oder bei seinem Kamine, während man sich die Waden braten läßt (so man hat), im Stande sein, von dem Eindruck sprechen zu können, den der Anblick des Oceans auf Einen gemacht hat, man muß die Wogen, die Ebbe und die Fluth gesehen haben, an der Küste hin und herspaziert, auf den Strandkieseln herumgestolpert sein (was, wenn man nicht daran gewöhnt ist, den Füßen sehr wehe thut) und da und dort einige oft sehr häßliche Muscheln aufgelesen haben, die man mitgebracht hat und voll Stolz zeigt mit den Worten: »Ich habe sie selbst an der Meeresküste aufgelesen.« Wenn man dann gar einen Sturm gesehen hat und Zeuge dieses entsetzlichen und zugleich schönen Schauspieles war, welches die empörten Wogen darbieten, so hat man noch weit mehr zu erzählen, und wenn man endlich gar das Glück gehabt hat, bei stürmischem Wetter selbst auf der See gewesen, während einer kleinen Spazierfahrt in einem Nachen längs der Küste, von den Wellen hin und her geschüttelt, bald in die Höhe gehoben, bald in die Tiefe gesenkt worden zu sein ... o, dann wird man eine wichtige Person! die Nachbarn und Bekannten hören mit achtungsvoller Miene auf die Erzählung eures Uebelbefindens und was darauf gefolgt. Ihr seid für sie ein Cook, ein Lapeyrouse, ein Christoph Columbus. Es gibt sogar darunter, die keine Austern mehr essen wollen, ohne euch um Rath zu fragen ... Bedenkt, welches Glück! ...

Dann muß man einen Wald kennen; einen wirklichen, großen, tiefen, dichten, finstern Wald; einen jener Wälder, worin man sich zu verirren fürchtet. Wenn man sich nicht darin zu verirren fürchtet, so hat man keinen rechten Wald gesehen. Da nun der Fontainebleauer Wald unstreitig einer der schönsten ist, die sich in der Nähe von Paris befinden, so ist er das Hauptziel, nach welchem die Bewohner der Hauptstadt streben. Dahin geht die kleine Reise, die man machen oder gemacht haben will ... Havre und der Wald von Fontainebleau! Wenn die Pariser das erreicht haben, so glauben sie, daß sie weit genug gekommen sind, und fragen sich, was es wohl Schöneres und Merkwürdigeres zu sehen geben könne, als das Meer und einen finstern Wald mit hundertjährigen Bäumen; einen Wald endlich, worin es wirkliche, schwarze, schroffe, drohende Felsen; seltene, wilde, buschige, medicinische und giftige Pflanzen und sogar Schlangen von respektabler Größe gibt, deren Biß zuweilen sehr gefährlich ist. Ihr sehet, daß der Wald von Fontainebleau mit all' jenen kleinen Annehmlichkeiten versehen ist, die ein Reisender nur wünschen kann.

Ich spreche nichts von Räubern, denn solche gibt es überall, und in dieser Hinsicht braucht Paris das Ausland nicht zu beneiden.

Wenn nun die Reise nach Havre und Fontainebleau früher schon der entfernteste Ausflug war, den sich die Pariser, welche für Touristen gelten wollten, erlaubten, so kann man sich denken, wie sehr es ihnen nun darum zu thun ist, die beiden unerläßlichen Dinge, das Meer und einen Wald zu sehen – nun, wo sie Eisenbahnen haben; wo man sich in wenigen Stunden von einem Orte nach einem andern versetzen kann; wo man, nachdem man an seinem häuslichen Herde gefrühstückt hat, in vier Stunden in Rouen ist, von wo aus man, dem Dampfe sei's gedankt, alsbald nach Havre gelangt und sich, mittelst der gleichen Beförderungsmittel, Abends wieder daheim in Paris an demselben Herde niederlassen kann, den man Morgens verlassen hat. Und nach Fontainebleau braucht man noch kürzere Zeit, obgleich die Eisenbahn noch nicht bis zum Walde führt.

Das Alles ist bewundernswürdig, beinahe zauberhaft, und Derjenige, welcher vor einem oder zwei Jahrhunderten diese Reise in wenigen Stunden zurückgelegt hätte, würde bestimmt für einen Zauberer erster Klasse gehalten worden sein, den man wahrscheinlich angeklagt, festgenommen, abgeurtheilt und verbrannt hätte wie die Marschallin von Ancre, den Prediger Gaufridi zu Marseille, die Johanna von Arc und viele Andere, welche einfach das Unglück hatten, zu bald gekommen und dem Geist und den Fähigkeiten ihrer Zeitgenossen voraus geeilt zu sein.

Der Erste, der es begriff, wie viel sich mit dem Dampf bewirken lasse, der unglückliche Fulton, wurde auch sehr schlecht für seine Entdeckung belohnt. Wir sehen in allen Dingen, daß nicht die Erfinder den Vortheil aus ihren Entdeckungen ziehen: sic vos non vobis ( durch euch, aber nicht für euch) ... der gute Virgil hat immer Recht.

Nun, ihr kennt den Wald von Fontainebleau, daran ist nicht zu zweifeln. Aber habt ihr ihn schon im Monat Juli, während der langen und heißen Tage, die der Sommer in seiner vollsten Kraft, in seinem stärksten Feuer bietet, durchgangen?

Die Einen ziehen den Frühling mit seinem frischen Grün und seiner noch nicht ermattenden Sonnenwärme vor, Andere, besonders die Maler, bewundern einen Wald nur im Herbste, weil dann das Laubwerk mannigfaltiger ist und die gelb- und röthlichen Farben sich mit dem Dunkelgrün der Eichen und dem düstern und strengen Schwarz der Tannen vermischen. Jeder folge seinem Geschmack. Ich bewundere die Natur in ihrer ganzen Kraft, ich liebe beim Laubwerk weder die Kargheit des Frühlings noch das Abwelken des Herbstes; mir gefällt das saftige Grün der breiten und schönen Blätter, die dick belaubten Zweige und das Moos, das noch nicht unter den Füßen kracht. Ei, was liegt mir an der Sonne Glut! ... im Walde ist es nie zu heiß.

Ach! wie schön sind dann diese unabsehbaren Alleen, die man in diesem herrlichen Walde für die Spaziergänger, welche sich nicht in das Dickicht wagen, eröffnet hat! Mit welchem Vergnügen ruht das Auge auf jenen majestätischen Bäumen, deren Stamm mit dichtem Moos bewachsen ist! auf allen Seiten Zweige, die sich zu Lauben wölben; ein Rasen, der zum Sitzen einladet; Gehäge von Laubwerk, die noch zu viel Süßerem einzuladen scheinen. Es ist unmöglich, daß der Anblick dieser kräftigen Natur eure Einbildungskraft nicht erhitze.

Den Parisern, welche unter diesem dichten Laubwerk spazieren gehen, bietet der Wald tausend Reize dar; der Eine sieht ihn für einen zum Lesen, Nachdenken, Arbeiten wie geschaffenen Ort an; der Andere findet hübsche Plätzchen darin, um ungestört zu essen und zu trinken; Jener denkt, dort lasse es sich köstlich schlafen; Viele finden, es sei ein zur Liebe einladender Aufenthalt! ... Jeder denkt und sieht nach seinen Empfindungen; so geht es immer im Leben. Die Dinge werden nicht, wie sie wirklich sind, von uns beurtheilt, sondern, wie wir sie nach unserem Alter, nach unseren Leidenschaften und nach unserem Standpunkt ansehen, begreifen und empfinden.

Eine Gesellschaft kam aus einem Wege, der nach Moret führt, heraus und lenkte ihre Schritte nach einem nach Fontainebleau zurückführenden Wege ein. Diese Gesellschaft bestand aus fünf Personen, zwei Damen und drei Herren. Die Damen hatten sich jede auf einen Esel gesetzt und die Herren gingen zu Fuße. Ein etwas geübtes Auge mußte sogleich Einwohner von Paris in ihnen erkennen, welche den Wald von Fontainebleau besucht hatten.

Die eine dieser Damen, welche sieben- bis achtundzwanzig Jahre alt zu sein schien, war wohlgestaltet. Ihrer Haltung, der man vielleicht etwas zu viel Nachlässigkeit und Sorglosigkeit vorwerfen konnte, fehlte es deßhalb doch nicht an Reiz und Anmuth; überdies war diese Dame hübsch; sie war eine Vollblutblondine oder, wenn es euch lieber ist, ein Frauenzimmer von entschiedener Farbe; denn man sieht viele Leute, die man blond heißt, deren Haare aber ins Rothe oder Röthliche stechen, oder einen braunen oder gelben Schein haben; dann gibt es auch kastanienbraune Schattirungen, die man noch zu den blonden rechnet; aber die Person, deren Bild wir entwerfen, hatte jene schönen Haare, deren reine, ausgesprochene Farbe sich durchaus von den eben genannten unterschied.

Gewöhnlich hat ein wahrhaft blondes Frauenzimmer eine sehr weiße Haut, hellblaue Augen, einen blassen oder rosigen Teint, kaum wahrnehmbare Augbrauen und der Ausdruck ihres Blickes so wie ihres Lächelns ist sanft und zärtlich. Madame Mondigo hatte alles dieses und dazu noch wunderschöne Zähne, die ihres etwas großen Mundes wegen häufig sichtbar wurden. Sie war also eine recht schöne Frau und deßhalb fand man sogar noch Reiz in ihrem nachlässigen Gange, während man, wenn sie häßlich gewesen wäre, sicher gesagt hätte, sie halte sich entsetzlich schlecht und könne nicht einmal ordentlich gehen.

Die andere Dame war ungefähr von demselben Alter wie die Blondine; aber es war eine ganz andere Art von Frauenzimmer, obwohl hübsch oder vielmehr angenehm. Es war eine kleine, mit mäßiger Beleibtheit versehene Person, wodurch ihre Taille, die sich nicht gerade mit zwei Händen umspannen ließ (ein Vorzug, worauf die Männer weniger halten als die Damen glauben), mehr herausgehoben wurde; diese drückte sich übrigens hinlänglich aus, um alle benachbarten Formen im gehörigen Lichte erscheinen zu lassen. Beim Walzen hätte zum Beispiel ein Herr nicht zu fürchten gehabt, daß sie ihm unter den Händen zusammenbreche, er hätte nicht im Stillen geseufzt über die Qual, welche ihr das Athemholen verursachen müsse, was Einem leicht begegnet, wenn man eine jener Damen oder Fräulein umfassen und mit ihr tanzen und galoppiren muß, deren Taille manchmal dünner ist als die einer Puppe. Statt ihre Körperschönheit zu bewundern, hat man Mitleid mit der Pein, welche sie in ihren Schnürleibern ausstehen müssen; und ein altes Lied sagt:

»Das Mitleid ist noch keine Liebe.«

Diese Dame schien also nicht in ihr Corsett eingezwängt, man sah es ihrer Haltung an. Sie war beweglich, lebhaft, ungezwungen heiter und entsprach vollkommen dem schelmischen, lächelnden Ausdruck ihres Gesichts, das in einer etwas gewölbten Stirne, braunen, nicht sehr großen Augen, einem Näschen von unentschiedener Gattung, einem frischen, stets lächelnden Munde und dunkelbraunen Haaren bestand; kurz, in ihrer Miene drückte sich eine Munterkeit und Lebhaftigkeit aus, die ihrem ganzen Wesen Reiz verliehen.

So war Madame Marmodin beschaffen, welche keinen Augenblick ruhig auf ihrem Esel bleiben konnte und ihn jeden Augenblick schlug, anspornte und drangsalirte, was das arme Thier zuweilen in sehr üblen Humor versetzte; da erlaubte es sich alsdann hinten auszuschlagen, machte Sprünge, oder machte Miene, sich auf den Boden zu legen, worüber das kleine Frauchen oft mitten unter ihrem Gelächter einen gellenden Schrei ausstieß, was den Esel vollends betäubte und die Gesellschaft in Schrecken setzte.

Herr Marmodin, der Gemahl der kleinen Dame, war ein Mann, welcher seine fünfundvierzig Jahre gut auf dem Rücken hatte. Er war groß, gelb und sehr mager; sein Gesicht eckig und seine Nase bildete drei deutlich zu unterscheidende Bögen, weßhalb natürlich der unterste einwärts ging, was dieser Person eine außerordentliche Aehnlichkeit mit einem Raubvogel oder wenigstens mit einem Kernbeißer (die man in der Gegend von Paris häufig sieht) gab. Runde, grünliche, von dicken Augbrauen beschattete Augen, dünne Lippen, ein eingekniffener Mund und sehr hervorragende Backenknochen machten zusammengenommen aus Herrn Marmodin einen völlig häßlichen Menschen. Man konnte ihm allerdings etwas Ausgezeichnetes nicht absprechen, denn seine Häßlichkeit war zu einem ungewöhnlichen Grade gediehen.

Herr Mondigo, der Gatte der hübschen Blondine, war einer von den Menschen, über welche man nichts sagt. Er war neununddreißig Jahre alt und bekam bereits einen Bauch, was ihn höchlich ärgerte. Er war in seinem zwanzigsten Jahre ziemlich hübsch gewesen und noch nicht übel, so weit man über sein Gesicht urtheilen konnte, das hinter einem enormen Backen-, Schnurr- und Knebelbart und einem natürlichen Haarwald, der einer Perrücke aus dem Zeitalter Ludwigs XIV. glich, versteckt war. Es war daher fast unmöglich, menschliche Züge herauszufinden, wo einem überall drohende Haarspitzen und kolossale Locken entgegenstarrten. Zum Glück war dieses behaarte, bärtige Wesen blond, wodurch das Düstere seines Aussehens gemildert wurde.

Ein dritter Herr gehörte noch zu der Gesellschaft der fünf Personen, welche im Wald von Fontainebleau spazieren gingen. Es war einer von jenen Männern, von welchen man gewöhnlich sagt, sie seien im mittleren Alter, das heißt eher alt als jung. Er war klein und sein Schafsgesicht hätte angenehm scheinen können, wenn seine Augen unter sich einig gewesen wären, das passirte ihnen aber nie; wenn das eine rechts sah, blickte das andere hartnäckig links; wenn er auf der einen Seite nach dem Himmel schaute, so schien er mit der andern Etwas auf dem Boden zu suchen. Kurz, Herr Roquet schielte so stark, als es überhaupt Jemand erlaubt sein kann; vergeblich trug dieser Herr, um die Abschweifungen seines Blickes zu verbergen, unaufhörlich Augengläser: seine Augen überließen sich auch unter der Brille den gleichen Abirrungen.

All' Das hinderte indeß Herrn Roquet nicht, große Freude an seiner Person zu haben und sich für fähig zu halten, Leidenschaften zu erwecken; an seiner langsamen und honigsüßen Sprache, an der Art, wie er sich selbst gerne sublime Redensarten drechseln hörte, erkannte man leicht, daß in diesem Subjekte ein großes Kapital von Ansprüchen und ein lebhaftes Verlangen, Eroberungen zu machen, angelegt war. Sein Anzug war stets gesucht; er bemühte sich, immer die neuesten Moden nicht nur nachzuahmen, sondern sogar zu übertreiben, vielleicht aus Furcht, man könnte dieselben an ihm übersehen; allein trotz seiner neumodischen Toilette, seiner gefirnißten Stiefeln und seiner allzeit frischen Glacé-Handschuhe sah Herr Roquet doch gar schwerfällig und linkisch aus, so zwar, daß man sich oft in Gesellschaft über diesen Herrn lustig machte, sowohl bezüglich seines Augengebrechens, als seines Anzugs und seiner Ansprüche.

Machen wir jetzt mit dieser Gesellschaft einen Spaziergang, um die fünf Personen, aus welchen sie besteht, vollends kennen zu lernen.

Man hat einen Schrei ertönen hören; Herr Roquet, der etwas voraus war, fuhr zusammen und wendete sich dann um, indem er stammelte: »Was gibt es?«

Ein schallendes Gelächter, das sogleich auf diesen Schrei folgte, bewies ihm, daß seine Angst unnöthig war.

In der That war es der Esel der Frau Marmodin, welcher abermals Miene machte, sich niederzulassen, und das Frauchen hatte ihrer Gewohnheit gemäß erst geschrieen und dann gelacht.

»Mein Gott, Fränzchen, wie peinigend bist Du mit Deinem Schreien!« sagte zu seiner Frau tretend der Herr, welcher einem Nußknacker gleichsah. »Ich hielt Dich für muthiger als so! Du verlangst immer von mir, ich soll Dich zu Pferd ausreiten lassen, und kannst Dich nicht einmal auf einem Esel halten.«

»Ei, wie artig! ich soll mich nicht halten können! Ich möchte Sie einmal auf diesem abscheulichen Starrkopf sehen, mein Herr, der mir nicht folgen will, der ausschlägt, der hält, wenn ich vorwärts will, rechts geht, wenn ich ihn links leite. Da, sehen Sie, was er jetzt eben macht und auf dem Boden sucht; könnte man nicht glauben, er wolle eine Stecknadel mit seinen Zähnen auflesen? Ja, ich wiederhole es, ein Pferd ist viel leichter zu lenken.«

»Betrachten Sie Madame Mondigo! wie gut diese ihren Esel regiert, wie gelehrig er bei ihr ist.«

»Es ist wahr!« versetzt der Herr mit den langen Haaren, »meine Frau sieht auf ihrem Esel beinahe wie eine Kunstreiterin Franconi's aus! sie beugt sich hin und her, legt sich darauf, als ob sie in einem Lehnstuhl säße. Höre, Clementine, Du befindest Dich, wie es scheint, gut auf Deinem Esel?« Die blonde Dame kehrte sich zur Hälfte um und erwiderte lächelnd: »Ja, nicht übel; das Thier ist so sanft ... es scheint recht gutmüthig.«

»O, Madame Mondigo ist glücklich!« versetzt die kleine Frau wieder in spöttischem Tone. »Man könnte glauben, die Thiere werden eigens für sie gemacht. So stürzte, als wir letzthin nach Montmorency gingen, mein Pferd im Galoppiren zweimal unter mir, während das ihrige nicht einmal strauchelte; allerdings ritt sie nur im Schritt und ich habe es gerne, wenn es schnell geht. Vorwärts, Grauchen, vorwärts, mein Freund, ein wenig Feuer; der Weg ist doch hübsch genug, daß man ein bischen traben oder galoppiren kann! ... O, das Ausschlagen hilft Dir nichts; ich werde Stecknadeln anwenden, ich mache Dich darauf aufmerksam, und Dich an einem sehr empfindlichen Orte angreifen! ... ha, ha, ha! ... So, jetzt rennt er mit mir in das Dickicht!«

»Ein schöner Wald! ein herrlicher Wald,« rief Herr Mondigo um sich blickend aus. »Wenn ich in Fontainebleau wohnte, würde ich oft hier arbeiten!«

»Ach, ihr Dichter und Romanschreiber, ihr könnt überall arbeiten!« sagte Herr Marmodin; »mit einem Buch Papier und einem Schreibzeug in der Tasche laßt ihr euch nieder, wo es euch gefällt; der Rasen, das Moos, die Ufer eines Baches dienen euch als Schreibtisch, das ist sehr bequem. Ich, der ich mich mit wissenschaftlichen Werken beschäftige und oft in einer Masse Bände nachschlagen muß, kann, da ich nicht im Stande bin, meine ganze Bibliothek nachzuschleppen, nur in meinem Studirzimmer arbeiten.«

Der Herr mit der langen Mähne entgegnete, indem ihm bei Herrn Marmodins Behauptung: er beschäftige sich mit wissenschaftlichen Werken, ein zweideutiges Lächeln entschlüpfte, mit selbstzufriedener Miene: »Ja, ich habe zwei meiner Dramen auf dem Grase im Park von St. Cloud geschrieben; wir hatten damals ein kleines Absteigequartier in Bellevue gemiethet.«

»Wie machen Sie's? um auf dem Boden zu schreiben?« fragte Herr Rouquet, der sich dem Schriftsteller genähert hatte. »Mir scheint das Ding schwierig.«

»O nein, ich lege mich der Länge nach auf den Bauch, stütze mich, mein Papier vor mir, auf meine beiden Ellbogen und kann Sie versichern, daß das zum Schreiben und Dichten eine sehr geeignete Lage ist.«

»Ah bah! auf den Bauch ... das ist komisch ... Und Sie haben mehrere Stücke auf dem Bauche gemacht? Das hat Sie wohl begeistert?«

»Ich sage nicht gerade, daß diese Lage mich begeistert hat, ich sage nur, es sei auf diese Weise angenehm, im Freien zu schreiben.«

»Der Teufel! und Sie breiten nichts über das Gras aus, um sich darauf zu legen?«

»O! Gott, nein!«

Hierauf versetzte Herr Marmodin, nachdem er sich geschneuzt und eine Prise Tabak genommen hatte, im Tone eines Professors, der eine Vorlesung hält: »Die Römer hatten, glaube ich, nicht die Gewohnheit, auf dem Bauche ausgestreckt zu schreiben, obgleich sie ihre Mahlzeiten beinahe liegend einnahmen; wenn sie diese gehabt hätten, würden sie meiner Ansicht nach ihr Pallium, einen langen, dem der Griechen ähnlichen Mantel, den hauptsächlich die Philosophen trugen, auf dem Boden ausgebreitet haben ... Das Palliolum, das viel kleiner war, glich dem, was unsere Damen jetzt Crispinchen nennen. Die Römerinnen trugen eine Palla, einen, dem der Gallier nachgeahmten ganz kurzen Mantel; außerdem gab es noch eine Tarentina, die ...«

»Ach, um Gotteswillen, Herr Gemahl, hören Sie auf! Sie machen meinen Esel noch scheu!« unterbrach ihn Madame Marmodin, ihr Langohr antreibend. »Wenn Sie in Ihre Römer hineinkommen, kommen Sie nicht mehr heraus ... ich kenne Sie! Wir haben ausgemacht, uns zu unterhalten ... und Ihre Gelehrsamkeit erschreckt mich; das ist viel zu ernst für mich.«

»Aber, Fränzchen, ich sprach ja von den Kostümen der Römer und glaubte, daß Alles, was die Toilette betreffe, den Damen interessant sei.«

»Die moderne Toilette, die neue Mode, das lasse ich mir gefallen; aber was liegt mir daran, ob Ihre Römer lange oder kurze Mäntel getragen haben? ... Es ist doch sonderbar, daß Herr Friedrich noch nicht nachgekommen ist, wie er es versprochen hat; allein er sucht uns vielleicht in einem andern Theile des Waldes, während wir hier sind.«

Madame Mondigo, welche ihren Esel angehalten hatte, sagte ebenfalls: »Es ist wahr. Friedrich hatte versprochen, heute Morgen sehr bald in Fontainebleau zu sein; er sollte sich mit Herrn Dernesty einfinden, so war es ausgemacht.«

»Ach, der Kuckuk, Madame!« fuhr der Schriftsteller fort, »wenn Sie sich auf das Gerede dieser Herren verlassen, sind Sie sehr gutmüthig. Mein Neffe erstens hat immer so Vielerlei zu thun, ist zu so vielen Lustpartien engagirt, daß er eigentlich am Abend vorher nie genau wissen kann, was er am andern Tage beginnen wird. Friedrich ist der leichtsinnigste Mensch von der Welt! Er verspricht Ihnen Etwas, wenn Sie ihn aber einen Augenblick darauf fragen, was er gesagt habe, so wird er mit der Antwort sehr in Verlegenheit sein.«

»Wenn er in Allem so ist,« rief Madame Marmodin aus, »so ist das eine schlechte Garantie für die Frauenzimmer, denen er Liebe schwört.«

Der Herr mit der dreischläferigen Nase verzog bei dieser Bemerkung seiner Frau sehr auffallend das Gesicht. Der Schriftsteller fuhr fort: »Und was Herrn Dernesty betrifft, so halte ich ihn, obgleich er älter ist als mein Neffe, doch nicht für vernünftiger. Er ist auch nichts als ein Müßiggänger, ein Spieler und ein Lebemann.«

»Ach, ach, Herr Mondigo! wie gehen Sie mit diesen armen jungen Leuten um!« sagte lachend die kleine Dame. »Halt, Eselchen, sei ruhig! ... Jetzt will er vorwärts, weil ich ihn anhalten will. Clementine, wollen wir unsere Esel vertauschen?«

Die schöne Blondine kehrte sich lachend gegen das kleine Frauchen und antwortete, nachdem sie einen vielsagenden Blick auf sie geworfen hatte: »O! es ist nicht der Mühe werth! ich glaube, daß in der Hauptsache einer so wenig taugt, wie der andere.«

»Behalten wir also in Gottes Namen jede ihren Esel!« erwiderte das lebhafte Fränzchen, einen komisch ernsthaften Seufzer ausstoßend.

»Meine Damen!« nahm Herr Mondigo wieder das Wort; »ich versichere Sie, daß ich durchaus nicht die Absicht habe, das Betragen meines Neffen und seines Freundes zu rügen. Ei, mein Gott! sie machen sich lustig, das liegt in ihrem Alter, das liegt eigentlich in jedem Alter, und ich glaube sogar, daß, wenn man es nicht mehr thut, es weit weniger aus Solidität, als ans Rücksicht für die Gesundheit geschieht ... Hier sind Felsen, meine Damen, sehr schöne Felsen! von diesen erhält Paris einen Theil seiner Pflastersteine; man versichert, dieser Wald liefere jährlich ungefähr achtmalhunderttausend ...«

»Wie wäre es, wenn wir hier hinauf auf diese schroffen Felsen kletterten?« sagte die muntere Franziska, ihren Esel am Ohre zurückziehend. »Hören Sie, Herr Roquet, was halten Sie von meinem Vorschlag? Wollen Sie mit hinaufklettern?«

Herr Roquet blickte mit dem einen Auge die Felsen und mit dem andern Madame Marmodin an, indem er entgegnete: »Wir sind heute Morgen, während wir nach Moret gingen, schon über viele Dinge geklettert; ich sehe die Notwendigkeit nicht ein, uns noch weiter zu ermüden; außerdem verspäten wir uns dadurch und wir wollen vorher in Fontainebleau zu Mittag essen, ehe wir in einen der, Omnibus vorstellenden, Rumpelkästen steigen, um nach Corbeil zurückzufahren.«

»Ach, das ist es! Sie denken an das Essen. Die schleckerhaften Männer denken doch nur an die Tafelfreuden.«

»Ich versichere Sie, schöne Dame, in Ihrer Nähe denke ich auch noch an etwas Anderes!«

Herr Rouquet hat diese letzten Worte halbleise ausgesprochen, damit sie Herr Marmodin nicht höre, denn Fränzchens Gatte war für außerordentlich eifersüchtig bekannt.

Das kleine Frauchen stellte sich, als ob sie Herrn Roquets Worte nicht verstanden hätte und fuhr fort: »Ach, wenn Herr Friedrich bei uns wäre, so würde er sicher schon oben auf diesen Felsen sein. Ich hätte ihm nur sagen dürfen: ich wünschte eine dieser kleinen gelben Blumen, die ich dort oben an jenen Gesträuchen sehe ... dann wäre er geflogen, sie mir zu holen; aber Sie, meine Herren, ach, Sie sind gar nicht galant!«

»Meine liebe Freundin!« spricht Herr Marmodin, »um dort hinaufzusteigen, müßte man eine ganz eigens dazu gemachte Fußbekleidung haben. Die Römer hatten besondere Fußbekleidungen, welche ihren Rang, ihren Stand und ihre Stellung in der Welt anzeigten; wir Franzosen kennen nur Schuhe und Stiefeln; wir bedienen uns weder der Caliga, noch der Crepida, noch der Gallica, noch der Barea; wir ziehen bisweilen den Calceus und manchmal den Soccus an, aber ...«

»O, genug, genug, mein Herr, ich bitte Sie ... ich will ja lieber nicht auf diese Felsen klettern ... nur quälen Sie mich nicht eine Stunde lang mit Ihren Römern ... Ach, es wäre doch hübsch gewesen, wenn mein Esel da hinaufzubringen gewesen wäre!«

Damit suchte das Frauchen ihren Esel in die Nähe des Fels der schönen Blondine zu bringen und fuhr, aber so, daß sie nur von dieser gehört werden konnte, fort: »Sagen Sie, Clementine, nennen Sie das eine Lustpartie? wenn man immer durch gerade Alleen gehen soll, damit man sich nicht verliere; nur halten darf, wenn es diesen Herren gefällig ist; nicht springen, nicht hüpfen und keine Tollheiten machen darf? Ich dachte mir doch gleich, so werde es sein, wenn man auf's Land geht! Unsere Männer sind sonderbar; weil sie lieber gravitätisch einherschreiten, sollen wir es auch so machen und uns das ebenfalls recht sein! Ach, wie despotisch sind die Männer! Wenn übrigens Ihr Neffe und sein Freund mitgegangen wären, wie sie es versprochen hatten, so wäre es viel munterer geworden. Sind Sie nicht auch meiner Ansicht?«

»Ohne Zweifel! Mein Mann ist daran Schuld. Er hat es seinem Neffen erst gestern Abend gesagt, daß wir mit der Eisenbahn nach Corbeil und von da nach Fontainebleau gehen wollten.«

»Ach, wie gescheidt! es Einem erst an dem Tage zu sagen, wo die Partie gemacht werden soll.«

»Friedrich erwiderte: »›Ich kann Sie nicht im Augenblick begleiten, aber morgen werde ich in aller Frühe mit Dernesty abreisen. Hinterlassen Sie nur, an dem Orte im Walde, wo man gewöhnlich aussteigt, welchen Weg Sie einschlagen werden, und dann kommen wir nach.‹«

»Wenn man eine Partie macht und nicht miteinander geht, kommt man nie wieder zusammen. Die Herren sind vielleicht abgehalten worden, und so bleibt uns zur Unterhaltung nur Herr Roquet übrig, der langweiligste Mensch von Paris, der beständig um mich herumschmachtet und dabei schielt, daß es ein Graus ist.«

»Vielleicht schmachtet er nach Ihrem Esel.«

»O, wenn ich das wüßte, so ließe ich ihn augenblicklich aufsteigen, denn dann hätte ich das Vergnügen, ihn in wenigen Minuten auf dem Boden zu sehen.«

»Sie sind recht schlimm!«

»Der Mann ist auch so dumm und betrachtet einen immer von hinten und von vornen zugleich, das ist unschicklich! ... Ach! wenn unsere jungen Herren gekommen wären, hätte ich mit ihnen gelacht und mich mit ihnen herumgetummelt, ohne auf meinen Mann zu hören, ich versichere Sie.«

»Herr Marmodin soll aber, so viel man sagt, sehr eifersüchtig sein.«

»Das ist mir höchst gleichgültig; es ist im Gegentheil ein Grund mehr, ihn aufzubringen ... Sie sind glücklich, Herr Mondigo ist nicht eifersüchtig.«

»O, er denkt nicht daran! aber ich habe ihm auch nie Veranlassung dazu gegeben.«

»Wirklich? Ihre Reflexion ist köstlich! Sie meinen also, ich betrage mich auf eine Weise, daß mein Mann Grund zur Eifersucht habe?«

»Mein Gott! dies wollte ich nicht damit sagen. Nur könnten, da Sie sehr heiter sind, manche Leute meinen, es gefalle Ihnen, wenn ... wenn man Ihnen die Cour macht.«

»Diese Leute hätten Recht, ich lasse mir außerordentlich gerne den Hof machen und wünschte, daß alle Männer in mich verliebt wären! O! das würde mir unendlich viel Spaß machen! um so mehr, als so viele andere Frauen darüber rasend werden würden ... Nun, Grauer, willst du wohl den Kopf in die Höhe halten? oder bist du etwa ein gelehrter Esel, der den Stein der Weisen sucht, deßhalb kannst du doch deinen Kopf so aufrecht tragen, wie deine zweibeinigen Kollegen.«

»Dieser Wald ist entsetzlich groß!« sagte Herr Roquet, mit banger Miene um sich blickend; »wissen Sie, daß man sich darin verirren könnte?«

»Das dürfen Sie ohne sich zu geniren!« erwiderte lachend Madame Marmodin.

»Das war früher der Wald von Bière;« versetzte der Herr mit der dreihökerigen Nase; »er ist ungefähr dreiunddreißigtausend Morgen groß. Wenn die Römer in geheiligte Wälder kamen, so ...«

»Ach, mein lieber Freund! Sie hatten mir so bestimmt versprochen, mich auf dieser Landpartie mit den Römern zu verschonen ... bemühen Sie sich doch einmal ausnahmsweise, artig zu sein! ... Wisset Ihr, meine Herren, an wen mich dieser Wald erinnert? An den Freischütz. Ach, hier meine ich, müßte seine Residenz sein.«

»Wie, der wilde Jäger?« sagte Roquet, fast wehmüthig lächelnd, indem er kreuzweise laufende Blicke bis in die Tiefe des Waldes sandte. »Ach, welcher Gedanke! Der Weg scheint mir sehr lange zu dauern; ich fürchte, daß wir nicht den rechten eingeschlagen haben. Es bleibt uns am Ende keine Zeit mehr zum Mittagessen.«

»Ach, Madame Marmodin, Sie möchten den wilden Jäger sehen!« ruft Herr Mondigo, sich der kleinen Dame nähernd, aus. »Ei! Sie glauben zu scherzen, und ich versichere Sie, daß es noch nicht lange her ist, daß die Bewohner von Fontainebleau an die Jagd des wilden Jägers glaubten, der, wie man sich erzählt, ein großes schwarzes Gespenst war. Wenn er im Walde jagte, machte er einen abscheulichen Lärm; man hörte ihn oft, aber man sah ihn nie. Wollen Sie übrigens, daß ich Ihnen erzähle, was ein alter Geschichtschreiber, Peter Mathieu, hierüber mittheilt?«

»Ja, ja, erzählen Sie!« antwortet Fränzchen, ihren Esel anhaltend; »Geschichten, die Einem Furcht einjagen, sind so unterhaltend, und in einem Walde erschrickt man so leicht!«

Herr Roquet murmelte zwischen seinen Zähnen: »Statt lächerliche Geschichten zu erzählen, sollten wir uns nach dem rechten Wege umsehen; es wäre gar nicht unterhaltend, sich von dem Orte des Mittagessens zu entfernen, statt sich ihm zu nähern.« Der Schriftsteller stützte seine Hand auf den Rücken des widerspenstigen Esels und begann seine Erzählung: »So vernehmen Sie denn, schöne Dame, daß der König Heinrich IV., als er eines Tages in dem Wald von Fontainebleau jagte, Hörnerklang, Jagdgeschrei und Rüdengebell vernahm. Der Lärm, der Anfangs ziemlich entfernt war, kam allmählig näher und wurde deutlicher. Da der König den Grund desselben zu erfahren wünschte, bat er den Grafen von Soissons, welcher in seiner Begleitung war, nach der Sache zu sehen. Der Graf durchstreifte einige Zeit den Wald, und da er nichts sah, war er eben im Begriff, zum König zurückzukehren, als ihm ein großer schwarzer Mann – der sich plötzlich im dichten Gebüsche zeigte – laut zurief: Hört ihr mich? und eben so schnell wieder verschwand. Von Schrecken ergriffen, entfloh der Graf, und die Hirten in der Umgegend behaupteten, daß dieses die Jagd des heiligen Hubertus oder des Königs Arthur gewesen sei, welche den Wald durchzogen habe.«

»O, Ihre Erzählung ist sehr unterhaltend, denn sie flößt Furcht ein. Vorwärts, Eselchen, vorwärts! O ich will Dich ordentlich spornen, denn ich meine, der große schwarze Mann sei mir auf der Ferse.«

Madame Marmodin trieb ihr Thier an und dieses Mal zwar mit solcher Heftigkeit, daß es sich entschloß, sich in Galopp zu setzen und mit seiner Reiterin durchzugehen; diese stieß zuerst Freudenschreie aus, bald aber erschrack sie über die Schnelligkeit, mit der sie vorwärts kam, und fürchtete sich, da sie ihren Esel nicht mehr zurückhalten konnte, herunterzufallen; und während sie sich mit der einen Hand an der Mähne und mit der andern an dem Schweife des Thieres hielt, rief sie die hinter ihr zurückgebliebenen Personen zu Hülfe.

Madame Mondigo stachelte ihren Esel gleichfalls an, um ihre Freundin einzuholen. Die beiden Gatten setzten sich in Marsch, um ihre Frauen zu erreichen; und Herr Roquet, der gerade einer sehr natürlichen Ursache wegen bei einem Baums stehen geblieben war, stand starr vor Staunen, als er, beim Umwenden, Niemand mehr am Ende des Fußpfades bemerkte, der in eine Art Kreuzweg einmündete, wo mehrere Straßen zusammenstießen.

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