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Gutenberg > Josef Ruederer >

Die Fahnenweihe

Josef Ruederer: Die Fahnenweihe - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
booktitleTheaterstücke
authorJosef Ruederer
year1987
publisherSüddeutscher Verlag
addressMünchen
isbn3-7991-6365-4
titleDie Fahnenweihe
pages5-11
created20020607
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1895
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Dritter Akt

Die gleiche Szenerie, wie in den vorhergehenden Akten.

An der Decke ist ein Lüster befestigt, dessen Petroleumlampen angezündet sind. Auch die Wandlichter brennen. An den Wänden, zwischen den weißgedeckten Tischen, sowie rechts und links vom Podium sind Tannenbäume aufgestellt, aber so, daß die kleine, linke Bühnentüre sowohl, als auch der mit Tannenreisern umwundene Bierbanzen, rechts, völlig freibleiben. Auf den Tischen stehen Maßkrüge, Gedecke, Weinflaschen und Gläser, alles wohlgeordnet. Mit Buntpapier umwundene Girlanden sind von den Wänden zur Decke gezogen. Dicht vor dem Podium auf zwei geschmückten Schrägen ruht parallel mit dem Vorhang die zusammengerollte Findelhaus-Vereinsfahne.

Die ganze Stimmung ist festlich und erwartungsvoll.

Beim Aufgehen des Vorhanges stehen Hulda, Flora und Minna, alle mit gebrannten, lang herabhängenden Locken, aber noch in Straßentoilette, vor der Fahne. Hulda, die in der Mitte befindliche, macht einen tiefen Knicks gegen Götzensperger.

Götzensperger der rechts, in die Hände klatschend, von einem Stuhle springt: Bravo, bravo, ganz brillant, Fräulein Hulda!

Hulda Hab ich mei Gedicht schön aufg'sagt?

Götzensperger Feit si nix, feit si nix! Und dann gehen Sie alle drei von der Bühne herunter und schwingen die Palmen über die ganze Gesellschaft. Sehen Sie, so! Er winkt mit beiden Armen feierlich in der Luft herum.

Die Choristinnen machen es lachend nach.

Götzensperger Famos, famos! Ach, es geht ja alles großartig.

Hr. v. Beck der links in seinem Smokingkostüm sitzt: Großartig!

Götzensperger Net wahr, Herr von Beck? Ja, mit Künstlerinnen! Des is a bisserl was anders als mit dene Bauernrammel.

Hulda lachend: Des war a Wirtschaft heut nachmittag mit dem Vertreter vorn Seehansele!

Flora No!

Minna Wie sich der dumm ang'stellt hat!

Hr. v. Beck Der Seehansele ist wohl auf ewig verbannt vom Theater?

Die Choristinnen lachen.

Götzensperger Wir werd'n do' den nimmer mitspiel'n lassen!

Hr. v. Beck lässig: Ich dächte auch.

Götzensperger Nix! Fort mit Schaden! Es geht ohne den Kerl a.

Minna Oh, brillant geht's.

Götzensperger Ein feiner Abend wird's.

Hulda Oh, wir freuen uns.

Flora Wir freuen uns.

Minna Auf die Fahnenweih!

Hr. v. Beck Wenn es nur mit dem Besuch nicht hapert.

Hulda Sie meinen, daß am End nicht viel Leut kommen?

Minna Ah, das wär aber...

Götzensperger Wie denn?

Hr. v. Beck Sind Sie wirklich fest überzeugt, Herr Aktuar, daß die Honoratioren ohne Ausnahme erscheinen werden?

Götzensperger Der Pfarrer muß ja jetzt kommen.

Hr. v. Beck So?

Götzensperger Wo der Posthalter doch die Wiesen definitiv im Besitz hat und die große Schenkung macht! Da kann er nimmer z'rück.

Hr. v. Beck Mir soll's ja recht sein.

Götzensperger Des war a feiner Streich vom Schlegel, des hat er gut ang'fangt, alle hat er s' ins Netz zogen, die Gimpel.

Hulda Da sieht ma' halt wieder, was man mit 'm Geld machen kann.

Flora Das heißt, mit 'm Rettinger sei'm Geld. Die Choristinnen lachen.

Seppl, Burgl, eine Bauerndirne und zwei Burschen treten rechts auf und begeben sich zur Bühnentüre.

Götzensperger schmunzelnd: Des derf ma' net so laut sagen, wenn 's a wahr is. Er dreht sich um. Wollt's ihr euch scho' ferti machen?

Seppl Freili, 's is ja lang scho' siebene vorbei.

Götzensperger Also, nacher geht's 'nein in euern Kasten, wir wollen die Damen jetzt auch nimmer aufhalten, Herr von Beck, sie müssen sich ja umziehen als weißgewaschene – hüstelnd – Jungfrauen, respektive Fahnenschutzengel. Er geht mit Herrn v. Beck zur Verandatür, die Choristinnen begleiten ihn.

Hulda Warten's, Herr Aktuar, Sie sind a Schlimmer!

Flora Ja, a ganz a Schlimmer!

Götzensperger lachend: Adje, adje!

Hr. v. Beck Meine Damen!

Minna Also, adje, meine Herren!

Flora Auf Wiedersehen!

Götzensperger und Beck ab.

Hulda mit Pathos: Auf dem Schlachtfeld! Stürmt lachend nach vorne. Ha, ha, ha, ha! Des kann lusti wer'n! Paßt's auf, wie i heut abend dem hochnäsigen Amtsrichter 'n Kopf verdreh, bal er kommt.

Minna Da hast recht, i hilf dir dabei.

Flora Ja, und i schaug 'n Hochwürden recht schmachtend an. Siehst, – sie macht eine kokette Bewegung – a so!

Hulda Ha, ha, ha, ha! Und die Minna, die soll 'n Rettinger abfangen.

Minna Nacher ärgert si' d' Posthalterin recht.

Flora Da hilft 's ihm nix, da muß er 'n Champagner zahlen!

Hulda faßt beide an den Armen: No, du! Unser Premierleutnant in München, der tat lachen, wenn er die versimpelte G'sellschaft hier sehen könnt!

Flora I, hi! Der leget si' auf'n Boden!

Hulda Wenn er d' Frau – Rentbeamte sehet, ha, ha, ha!

Flora Und d' Frau – Spezialkassier, ha, ha!

Minna Und 'n Herrn Assessor erst. Alle drei lachen unbändig.

Hulda Ha, ha, der lachet si' schief.

Wallys Kopf erscheint, von Flora bemerkt, an der linken Türe und verschwindet sofort wieder.

Flora Psst! Da war eine von der G'sellschaft.

Hulda Wer denn?

Minna Wer denn?

Flora Die Rentbeamtenstochter.

Hulda Du, die holen wir 'rein. Des gibt a Viecherei.

Minna Aber wir sollen uns eigentlich anziehn.

Flora Das hat scho' no' Zeit.

Hulda Freilich. Man kann auf uns warten. Sie eilt mit Flora zur linken Türe und öffnet. Oh, bitte, gnädiges Fräulein, kommen S' doch ungeniert herein!

Flora Wir tun Ihnen ja nix.

Wally in Haustoilette, tritt verlegen ein und blickt erstaunt herum, kleine Pause.

Minna mehr neckend als höhnisch: Sie hätten sich fast nicht 'reingetraut?

Flora mit Betonung: Zu »Choristinnen«, wie man uns hier zu nennen beliebt.

Wally sehr verlegen: Ich hab nur den Saal anschauen wollen!

Hulda Den sehen Sie aber heut abend ja noch lang genug!

Wally sehr nahe dem Weinen: Ich?... Ich darf ja net kommen.

Flora leise zu Minna: Hörst du's?

Hulda Is mögli, erlaubt's die Frau Mama net?

Wally nickt: Und d' Frau Spezialkassier?

Minna Weshalb denn?

Wally Ja, wenn i des wüßt!

Minna nach einer kleinen Pause, halblaut: So unschuldig noch!

Flora leise: Ja oder was!

Hulda Sie wissen wohl auf der Welt überhaupt noch gar nix?

Wally blickt sie groß an: Was soll ich denn wissen?

Hulda Ich mein' ja nur, weil Sie noch so ganz naiv sind.

Flora So jung!

Minna Und so schön. Alle drei lachen.

Wally fängt zu weinen an.

Hulda Aber was haben S' denn?

Wally schluchzend: Lassen S' mich wieder 'naus!

Rettinger erscheint links, er trägt schwarzen Salonanzug.

Flora Aber Sie können ja gehen.

Minna Es halt Sie ja niemand.

Hulda Höchstens vielleicht der Herr Rettinger!

Wally fährt zusammen und bewegt sich hin und her, immer das Tuch vor den Augen.

Rettinger eilt, als er Wally erblickt, hastig nach vorne: Ja., was seh' ich denn? Fräulein Wally, Sie weinen ja! Wer hat denn Ihnen was getan?

Wally weint fort.

Rettinger Wer denn? Die drei da vielleicht?

Flora laut und entrüstet: Die drei da!

Minna Jee!

Hulda frech: Die drei da haben dem Fräulein gar nix getan, Herr Rettinger.

Rettinger Bitte, lassen Sie Ihre Bemerkungen und schauen Sie, daß Sie sich empfehlen.

Flora Schau, schau! Kleine Pause.

Hulda Immer galant, halt.

Minna Galant wie ein Ritter.

Flora Gegen eine verfolgte Unschuld!

Rettinger Gehen Sie jetzt oder nicht?

Hulda Wir wollen nicht mehr stören!

Flora Müssen uns sowieso umkleiden.

Minna Ins Gewand der Unschuld!

Alle drei lachen übermütig und stürmen durch die Bühnentüre ab, die sie offen lassen.

Rettinger eilt ihnen nach, haut die Türe krachend zu: Bagage, verdammte!

Wally Was haben S' g'sagt, Herr Rettinger?

Rettinger kommt nach vorne: Ach, nix... Ärgern Sie sich nicht mehr über diese nichtsnutzigen Frauenzimmer, Fräulein Wally, geh, schauen Sie mich an. Sie sind ja so ein reizendes Mädchen!

Wally geniert, ein bißchen läppisch: Gehen S', Herr Rettinger, so was darf man net anhören.

Rettinger auf dem immer der Druck der Ereignisse lastet: Fräulein Wally... Fräulein Wally... Sie täten mir einen großen Gefallen, wenn Sie sich weiter keine Gedanken machten über mich, weil ich hier mit solchen Leuten verkehre.

Wally mit blödem Ausdruck: Ach, ich mach mir überhaupt nie 'n Gedanken.

Rettinger Wirklich nicht? Das ist sehr lieb von Ihnen.

Wally Die Mama sagt immer, die jungen Mädeln sollen net soviel denken.

Rettinger Da hat Ihre Frau Mama aber sehr recht, das imponiert mir.

Wally schaut ihn groß an: So?

Rettinger Is wahr! Das zeigt, daß Ihre Frau Mama eine sehr gescheite Frau ist, die nichts auf das Geschwätz der Leute gibt.

Wally lacht dumm.

Rettinger forschend: Und so darf ich wohl hoffen, daß sie heute abend die Fahnenweihe besuchen wird? Nicht?

Wally sofort wieder mit Tränen kämpfend: Nein, eben net.

Rettinger einen Schritt zurücktretend: Faktisch nicht?

Wally D' Frau Spezialkassier und d' Fräul'n Marie erlauben 's ja net.

Rettinger D' Fräulein Marie? Wer ist das?

Wally D' Schwester vom Herrn Pfarrer!

Rettinger ärgerlich: A die! Forschend: Also kommt der Herr Pfarrer wohl auch nicht?

Wally Des weiß i net, aber auf d' Fräul'n Marie dürfen Sie sicher net rechnen!

Rettinger wütend: Ach, ich pfeif auf das alte... ah, pardon, ich bin eben ganz außer mir, weil... weil... weil Sie nicht kommen, Fräulein Wally, ich hatte mich schon so gefreut.

Wally Ich auch.

Rettinger Sehen Sie: Ich habe gewollt, Sie sollen was recht Gutes von mir denken, denn... wenn Sie auch sonst nichts denken... über mich haben Sie sich doch vielleicht schon ein paar Gedanken gemacht. Nicht?

Wally lacht dumm: Herr Rettinger!

Rettinger Ohne Übertreibung! Ich bin besser, als es Ihnen und Ihrer Frau Mama vielleicht vorkommt, ich bin gar kein solcher... wie soll ich denn sagen? Nun, Sie verstehen mich schon, denn ich kann Sie versichern, ich habe Ehre im Leib, ich... ich muß schon eine haben, ich bin ja Reserveoffizier!

Wally gedehnt: Ja.

Rettinger leichthin, als wollte er nicht damit protzen: Bei der Kavallerie! Nun können Sie sich doch denken, daß mir alles d'ran liegen muß, tadellos dazustehen und deshalb möchte ich...

Fr. Wanninger kommt mit Frau Specht von links, beide in Haustoilette: So, Wally, da bist endlich, wir suchen dich ja wie a Stecknadel im ganzen Haus.

Fr. Specht Allerdings, da herin hätten wir d' Fräulein Wally nicht vermutet.

Fr. Wanninger mit fragendem Blick auf Rettinger: Geh' Wally, komm 'rauf ins Zimmer!

Wally fängt laut zu heulen an und rührt sich nicht vom Platze.

Fr. Specht Hat Ihnen vielleicht jemand was Unschickliches gesagt?

Rettinger Bitte, Frau Spezialkassier, das Fräulein war in meiner Gesellschaft.

Fr. Specht Ja eben, das scheint sie immer zu sein.

Rettinger Ob sie das darf, das hat soviel ich glaube, – er deutet auf Frau Wanninger – die gnädige Frau zu entscheiden.

Fr. Specht Im Punkte der Moral haben alle anständigen Leute ein Wort mitzureden.

Rettinger Moral?

Fr. Specht Jawohl, Moral.

Fr. Wanninger Ich bitt' Sie, Frau Spezialkassier, werden S' net so heftig.

Fr. Specht Oh, Frau Rentbeamte, wenn Ihnen das paßt, daß Ihre Tochter hier so ungeniert und unbewacht aus und ein geht, dann brauch ich nix mehr zu reden.

Fr. Wanninger Es war' mir schon lieber, Sie täten nix mehr sagen, was meine Tochter angeht.

Fr. Specht Gut, gut, ich misch' mich nicht mehr hinein, aber i bin so frei und denk' mir mein' Teil. An der linken Türe kurz vor dem Hinausgehen: Wünsch' Ihnen vergnügten Abend, Frau Rentbeamte. Ab. Pause.

Rettinger Gnädige Frau! Es ist mir sehr peinlich, daß die Dame so fortgeht, aber ich bin unschuldig daran, ich habe mich Ihrer Tochter in aller Ehrerbietung genähert.

Fr. Wanninger spricht erst eigentlich mehr für sich selbst: Die Frau Spezialkassier ist halt gleich so hitzig, aber... aber sie hat recht, wir dürfen hier net bleiben.

Rettinger nach einer Pause: Schade!... Sehr schade... Beklage es... Beklage es ungemein! Jedenfalls wollen Sie überzeugt sein, daß ich nur die besten Absichten hatte.

Wally weinend: Mama!

Fr. Wanninger mit erlöschender Stimme: Oh, Herr Rettinger... mir is ja selbst der größte Kummer, aber... meine Bekannten... ich darf net reden, wie i will... ich bin eine Witwe...

Rettinger teilnehmend: Hm, hm.

Fr. Wanninger Schauen S' Herr Rettinger, Sie sind hier in Verhältniss' drin...

Rettinger Wenn Sie mir Zutrauen schenken möchten...

Fr. Wanninger fast weinend: In schreckliche Verhältniss'. Und wie froh... wie froh war oft a jungs Mädel, wenn s' so a gute Partie machen könnt!

Rettinger Beurteilen Sie mich nicht nach dem, was Sie hier sehen. Mit einem Anstrich von Wichtigtuerei: Ich bin eben ein Lebemann, der die Welt bereist hat, ich war ein halbes Jahr in Wien, zwei Monat in Berlin, und auf der Durchreise nach London auch acht Tage in Paris... natürlich war ich leichtsinnig, ich mach kein Geheimnis draus, ich hab gelebt... aber zu meiner, und auch zu... zu Ihrer Beruhigung muß ich doch sagen, daß solche Leute in der Regel noch die besten Ehemänner werden.

Fr. Wanninger fast gerührt: Wenn ich Sie so schön reden hör, nacher können Sie mir fast leid tun.

Rettinger stutzig: Was? Leid tun?

Fr. Wanninger Ja, leid tun! So a hoffnungsvoller, junger Mann!

Rettinger Ah, jetzt versteh ich! Fassen Sie es nicht zu schroff auf, gnädige Frau. Er ergreift ihre Hand. Vertrauen Sie mir und der Zukunft. Kommen Sie heute abend.

Posthalterin erscheint an der linken Türe. Sie trägt ein schweres Festkleid aus rotem Plüsch mit weißem Atlaseinsatz im Rock. Hohe Ärmel. Elegante Frisur. Fächer. Brillantenkollier: Entschuldigen Sie, daß ich hier eine zärtliche Szene unterbreche.

Fr. Wanninger in gänzlich verändertem Tone und in diesem Augenblick doppelt gereizt auf die Eintretende: Nein, Frau Posthalter. Wir müssen uns entschuldigen, daß wir Sie stören.

Posthalterin Wieso?

Fr. Wanninger Weil wir durch 'n Zufall in ein Lokal geraten sind, wo wir nicht hingehören.

Rettinger begütigend: Gnädige Frau!

Fr. Wanninger Wally, wir gehen jetzt.

Posthalterin bissig: Das wird der Herr Rettinger am meisten bedauern, der wird Sie mehr vermissen, als alle anderen Leut'.

Rettinger geht wütend im Hintergrunde auf und ab.

Fr. Wanninger Frau Posthalterin! Solche Anzüglichkeiten stehen Ihnen lang net so gut, wie das auffallende Kleid, was Sie tragen!

Posthalterin Hab' ich Ihnen eine Bemerkung gemacht über Ihren Verzug?

Fr. Wanninger Verzug?... Freilich, so kostbar ist er nicht, aber er hat den Vorteil, daß ich ihn selbst bezahlt hab'.

Posthalterin Nun, wenn Sie amal 'n recht reichen Schwiegersohn bekommen –

Fr. Wanninger Dann laß ich mir kein'n Anzug schenken. Mit Wally nach links zur Türe gehend. Übrigens hab' ich noch kein'n Schwiegersohn.

Posthalterin Wird schon kommen. Schwere Mühen finden immer ihren Lohn, ha, ha, ha, ha!

Fr. Wanninger Aus Ihnen spricht nur die roheste Eifersucht.

Posthalterin lachend: Möcht' wissen auf wen?

Fr. Wanninger Nichts weiter! Und damit Adieu! Komm Wally! Beide ab.

Posthalterin Guten Abend, Frau Rentbeamte! Guten Abend! Geht erhitzt vorne auf und ab und fächelt sich.

Rettinger kommt wütend nach vorne: So! Jetzt hast du's glücklich erreicht, daß die letzten, anständigen Menschen, die vielleicht noch gekommen wären, auch nimmer 'reingehen.

Posthalterin Die »anständigen Menschen«! Des is sehr gut! Ha, ha, ha!

Rettinger Du hast Grund zum Lachen nach deiner heutigen Aufführung mit dem Lorenz da!

Posthalterin ganz leichthin: Geh', verschon' mi mit einer Predigt.

Rettinger Du! Weißt! Bring mich net zum Äußersten, du kennst mich noch net.

Posthalterin lachend: Dich kenn ich!

Rettinger Lach net! Ich sag dir, wenn ich einmal an die Grenze komm, da bin ich zu allem fähig.

Posthalterin Da muaßt di guat ausnehmen.

Rettinger Du!

Posthalterin I mag mi jetzt net ärgern, weil alle Augenblick die Gast kommen können, also laß mir mei Ruh!

Rettinger Gut! Aber morgen früh, da stell' ich dich zur Red' für alles! Mei' Geduld is erschöpft.

Posthalterin Schön. Morgen! Hab jetzt schon a schreckliche Angst davor, ha, ha, ha!

Rettinger geht in furchtbarer Erbitterung im Saal herum und pfeift eine Melodie.

Posthalter von links. Er tragt schwarzen Gehrock, den er offen läßt und hellgraue Beinkleider: So! 's letzte is besorgt! Jetzt kann's losgehen! Geht zweimal auf und ab, betrachtet die Dekorationen und schiebt ein wenig an der Fahne herum. Endlich fällt ihm die Stille der anderen auf. Er fixiert sie: Was habt's denn!

Posthalterin setzt sich vorne rechts: Ach, der war wieder amal narrisch!

Rettinger Was war ich?

Posthalter Tut's mir den G'fallen und vertragt's euch jetzt, es ist scho' halb achte, der Findelhausverein muß alle Augenblick aufziehen und die anderen Gäst' werd'n auch gleich kommen.

Rettinger immer herumgehend, sehr gereizt: Wenn s' kommen!

Posthalter Brauchst kei' Sorg net haben. Heut woll'n wir amal sehn, wer den andern nunterzieht. Der Pfarrer mi, oder i 'n Pfarrer.

Rettinger Das woll'n wir seh'n.

Posthalter Ich weiß scho, ich zieh' 'n nunter, denn so 'm Geld kann er net standhalten.

Rettinger immer auf und abgehend: Dem Geld, ha, ha, ha! zweitausend Mark für die Wiesen, die fast 's Vierfache wert is.

Posthalter will etwas sagen.

Posthalterin winkt ihm heftig ab, leise: Jetzt net!

Rettinger Wollen 's abwarten, was geschieht!

Posthalter Wollen 's abwarten! Nach einer Pause zu seiner Frau: Du, deine Brillanten sitzen schlecht. Wart', i richt' dir's. Jetzt stimmt's... Zieht die Uhr. Fünf Minuten nach halb acht. Jetzt kann 's losgehen. Horch, da kommen die ersten schon!

Götzensperger und Hr. v. Beck treten rechts ein.

Posthalter Ihr seid's es!

Götzensperger Gut'n Abend, Frau Posthalterin!

Hr. v. Beck Guten Abend.

Götzensperger Is no' kei' Mensch da?

Rettinger geht immer parallel der Bühne spazieren: Keine Seele.

Posthalter Wer'n scho' kommen, läßt's euch nur Zeit. Pause.

Posthalterin Is alles in Ordnung drin im Theater, Herr Aktuar?

Götzensperger setzt sich vorn links mit Herrn von Beck: Alles, die Damen warten bloß auf die Gäst.

Posthalter Brauchen nimmer lang z' warten, müssen ja alle Augenblick eintreffen. Ah, jetzt hör i die ersten auf der Veranda.

Lorenz, Rosl und Hies treten festlich gekleidet von rechts auf. Hies trägt einen Holzhammer und Bierwechsel.

Posthalter etwas ärgerlich: Was wollt's denn?

Lorenz 'n Banzen anstechen, 's ja scho' höchste Zeit.

Posthalter Wann 's Zeit is, des sag' i, da braucht 's euch net z' kümmern, jetzt gibt 's no kei' Bier.

Götzensperger Ah, ja, Posthalter! Laß anstechen! I hab' Durst.

Posthalter Bringt's 'm Herrn Aktuar a Maß von der Bauernstuben, wenn er gar so Durst hat.

Hies, Lorenz, Rosl rechts ab.

Posthalter muckt ihnen nach: Dumme G'sellschaft. Ziemliche Pause.

Hr. v. Beck Es dauert aber sehr lang, bis die Leute kommen.

Götzensperger Auffallend lang.

Posthalter No ja, no ja, seid's nur net so ungeduldig.

Posthalterin Die Leut' sind hier immer so unpünktlich.

Götzensperger Auch nacher, wenn 's a Freibier gibt? Da san s' in München scho' a Stund' zuvor am Platz.

Posthalter mit zunehmender Ungeduld: Pressiert's euch denn gar so?

Hr. v. Beck lässig: Uns durchaus nicht.

Götzensperger lachend: Absolut net.

Posthalter Horch! Jetzt hör' i wieder was!

Rosl bringt die Maß von rechts.

Götzensperger Ha, ha! Des is ja mei Rosl. Da geh her, Mädel, trink an, laß dir 's schmecken!

Rosl G'sundheit, Herr Aktuar! Trinkt.

Götzensperger Sollst scho' leben a!

Rosl Dank schön, Herr Aktuar!

Posthalter der während dieser Szene lebhafte Zeichen der Ungeduld von sich gab: Ja, ja, wir glauben 's dir scho'! Rosl rechts ab. Schwatzt dir die Person was z'samm.

Posthalterin Sie hat halt »G'sundheit« g'sagt.

Götzensperger Und »Dank schön«, des werd s' wohl no' sagen dürfen.

Posthalter I kann das Frauenzimmer net leid'n.

Götzensperger Warum denn?

Posthalter Weil ich's halt net leiden kann.

Götzensperger Du bist aber schlecht aufg'legt.

Hr. v. Beck Für eine Fahnenweihe sehr schlecht.

Posthalter Ah, das Warten is so z'wider. Pause.

Hulda hat langsam die Bühnentüre geöffnet. Sie ist ganz weiß gekleidet: Herr Aktuar!

Götzensperger Ha, der erste Engel!

Hulda Wann geht's denn los?

Götzensperger geht zu ihr: Es ist ja noch niemand da. Kommen S' nur 'raus, meine Damen!

Hulda und Flora diese ebenfalls in Weiß, wollen in den Saal treten.

Posthalter eilt ihnen entgegen: Gehen die Damen doch wieder 'nein, bitte!

Götzensperger Warum denn? 's pressiert ja net.

Posthalter So? Alle Augenblick wer'n die Gäst' kommen!

Hr. v. Beck vorne den Krug hebend: Wollen die Damen kein Bier?

Hulda Oh, ja!

Posthalter Bitte, bitte, gehen Sie hinein! Er schiebt sie zurück.

Flora Aber da herinnen is gar net schön.

Posthalter haut die Türe zu: Is mir gleich!

Götzensperger Aber i begreif di net.

Posthalter sehr gereizt: Wo jetzt die Leut glei' kommen!

Götzensperger Es kommt ja kei' Mensch!

Posthalter wütend: Wer sagt denn dir das?

Posthalterin erregt: Glauben S' wirklich net, Herr Aktuar?

Posthalter Ah, was weiß denn der? Die Leut sind eing'laden. Abg'sagt hat keiner. Sie müssen ja kommen!

Posthalterin Daß aber der Bürgermeister no' net amal da is!

Götzensperger Und der Nusser!

Hr. v. Beck Unfaßlich!

Rettinger kommt mit wütendem Gesichte nach vorne: Unfaßlich? Ha, ha, ha! Ich weiß es besser, kein Mensch kommt!

Posthalterin Hat dir das vielleicht dei geliebte Frau Rentbeamte g'sagt, ha?

Posthalter D' Rentbeamte?

Posthalterin Mit der ihrer Tochter hat er vorhin 'rumcharmiert, und jetzt sitzt die Person auf ihrem Zimmer und find't 's net der Müh' wert, 'runter z' kommen.

Posthalter So? Du steckst mit derer G'sellschaft unter einer Decken?

Rettinger auffahrend: Ich...

Posthalter plötzlich heftig winkend: Pst... Pst... Pst... Jetzt kommt jemand! Fährt wütend auf die rechts eintretende Rosl. Was willst denn du scho' wieder?

Rosl I hab' bloß nach 'm Bier vom Herrn Aktuar schaug'n woll'n.

Posthalter Fahr ab! Rosl durch die Verandatüre ab. 'n Maßkrug könnt' ich der Person nachschmeißen.

Götzensperger No, no, no, no!

Posthalter sehr böse: Und dir möcht' ich 's grad so machen.

Götzensperger ergreift seinen Krug ganz ruhig: Mein Lieber! Du wirst mir z' ungemütli', da mach' i, daß i 'naus komm' und mei' Bier in Frieden trink'. In der Bauernstub' is 's mir lieber, da san d' Leut' net so grob. Gehen S' mit, Herr von Beck?

Hr. v. Beck Ich begleite Sie.

Götzensperger Is recht. Wir warten da draußen bis 's losgeht. Adje derweil, Posthalter, du holst mi' scho' wieder. Beide rechts ab.

Posthalter schreit ihnen nach: Kannst lang warten! Pause.

Posthalterin Nun sind die letzten no' draußen, die no' da war'n.

Rettinger Die allerletzten, das is recht!

Posthalter der durch den ganzen Saal wanderte, kommt nach vorne. Grimmig: Und wir drei san allein beieinander, ganz gemütlich und lustig, und wir bleiben beieinander bis in alle Ewigkeit.

Rettinger zum Äußersten bereit: So? Bild'st du dir das ein?

Posthalter Ja, des is mei' Glauben und mei' feste Überzeugung.

Rettinger Dann sag' ich dir jetzt: Ich mach' mich los, ich geh' fort und lass' euch elend sitzen.

Posthalterin Du gehst fort? Wohin denn?

Posthalter Nach München? Da können wir di scho' no' derfragen.

Rettinger Du wirst dich wundern! Ich bleib kein'n Tag länger, sonst riskier' ich mit euch noch mei Stellung.

Posthalter Dei Stellung? Was bist denn du?

Rettinger Was ich bin?

Posthalter Du hast a Masse Geld von dei'm Vater g'erbt, so was kann der dümmste Esel a.

Rettinger So?

Posthalter mit Nachdruck: Jawohl, das hätt' i a ferti bracht!

Rettinger Aber des Geld war dir gut genug zum Nausschmeißen? net?

Posthalter zuckt die Achseln.

Rettinger wütend: Fünf Hypotheken hab ich auf die elende Baracken da, dreimal hab ich euch vom Gerichtsvollzieher loskauft, Brillanten hab ich deiner Frau schenken müssen, blamieren hab ich mich lassen für euch und was hab ich dafür bekommen? Nix, nix, nix, gar nix!

Posthalter gereizt: Geh, geh, geh, geh! Sei so freundli und b'sinn di a bissel.

Posthalterin sehr geniert: Geh, Mann, hör auf!

Posthalter No ja, weil der redt, als ob man gar nix tan hätt! Wart nur, mei Lieber, wenn i amal d' Augen aufmachen wollt!

Rettinger schlägt eine gellende Lache an.

Posthalterin immer unruhiger: So ein Diskurs! Seid's jetzt net glei still?

Posthalter Geh, tu net so g'schami, du bist den wert, und wenn du net ang'fangt hätt'st, war's nie so weit kommen.

Posthalterin ganz überwältigt: Ja... ja... i find ja keine Worte mehr, schämst di net, mir so was ins G'sicht z' sagen?

Posthalter Mir is jetzt alles wurscht: Halten wir amal Abrechnung mitanander, alle drei, wie wir da sind.

Rettinger Da fang nur bei dir selber an!

Posthalter Bei mir? Na, Freunderl! Bei dir fang i an. Du bist jeden Tag in München drin in unser Café kommen, du hast meiner Frau 'n Hof g'macht, du hast net g'ruht, bis wir in das Nest 'zogen sind...

Rettinger Ich will nix mehr hören.

Posthalter Glaub's, glaub's. Aber i sag's trotzdem: Du hast in mei häusliche Ruh eingriffen, du hast mich kompromittiert...

Rettinger Wa – Was? Was? Kompromittiert? Schau du, daß dich andere net mehr kompromittieren, wie ich.

Posthalter Was soll das heißen?

Posthalterin in größter Angst: 'n Fried gebt's alle zwei.

Posthalter Nein, i will wissen, was er damit will.

In der Ferne hört man einen immer mehr anschwellenden Spektakel.

Rettinger in sehr provozierender Haltung: Frag'n Wehrmüller Lorenz, der gibt dir Antwort.

Posthalter Was?

Posthalterin Oh, des is g'logen, niederträchtig g'logen!

Posthalter ganz rasend zu seiner Frau: Wenn's wahr is und du hast mein' guten Namen befleckt, nachher is dei' End!

Posthalterin 's is net wahr!

Rettinger So?

Posthalter Mei Haus is a anständig's Haus und wer mir da...

Posthalterin Mit aufgehobene Händ bitt' ich dich, sei still.

Posthalter Nein, nein, nein! ich will...

Götzensperger und Hr. v. Beck stürzen zur Verandatür herein.

Götzensperger freudig eregt: Sie kommen, sie kommen!

Hr. v. Beck Sie kommen!

Götzensperger Hurra, hurra!

Posthalter hat sich wütend umgedreht: Wer kommt?

Götzensperger No, wer denn? Der Findelhausverein rückt an. Hörst 'n net?

Alle horchen in den zunehmenden Lärm. Pause.

Posthalterin halblaut: Herr meines Lebens, i dank dir, was i ausg'standen hab'!

Posthalter noch ganz betäubt, ob des jähen Umschlags: Sie... Sie... Sie kommen?

Rettinger ungläubig: Kommen s' wirklich?

Götzensperger an der halboffenen Verandatüre: Freili, de Kerl schrei'n ja wie b'sessen. Die haben Durst.

Hr. v. Beck neben Götzensperger: Durst für tausend!

Posthalterin Ach, des Glück!

Posthalter zu seiner Frau noch immer ganz verwirrt: No, nachher tu di a bissel abkühl'n, du schaust ja schreckli aus.

Posthalterin vorwurfsvoll: Wenn du mi so b'handelst!

Götzensperger stürzt zur Bühnentüre: Meine Damen! Bereit halten.

Posthalter hat sich jetzt wieder gefunden und schreit zu Götzensperger: D' Flügeltür weit aufg'rissen, daß s' alle reinkönnen. Eilt selbst mit zur Verandatüre und öffnet. G'schwind, g'schwind!

Hr. v. Beck Da kommen schon die ersten.

Posthalter So? Wer is 's denn?

Götzensperger Der Herr Bürgermeister und der Herr Hoflieferant!

Posthalter Hurra!

Foitenleitner und Nusser erscheinen auf der Schwelle rechts, hastig und aufgeregt, Foitenleitner hat den Hut schief auf, Nusser, ohne Hut, hat einen braunen Lodenmantel übergeworfen. Beim Anblick der beiden, todbleichen Ankömmlinge fahren die Versammelten zusammen.

So schnell, wie möglich:

Posthalter der eben noch einmal Hurra rufen wollte, tritt zurück: Herr Bürgermeister! Ja was is denn?

Götzensperger Wie schauen S' denn aus?

Posthalterin Und der Herr Hoflieferant!

Hr. v. Beck Was hat 's denn gegeben?

Posthalter Warum sind S' denn so g'laufen?

Foitenleitner läßt sich rechts, Nusser links auf einen Stuhl fallen.

Foitenleitner Aus is, aus is!

Nusser Alles is aus.

Posthalter Was denn?

Götzensperger Was is aus?

Hr. v. Beck Die zwei sind verrückt.

Posthalterin So reden S' doch!

Foitenleitner La... Lassen S' uns ein' Augenblick aus... ausschnaufen.

Nusser Wir sind noch ganz dumm.

Posthalter Warum denn?

Foitenleitner Weil... weil wir selber bald 'nein kommen wär'n in die G'sellschaft.

Posthalter In was für a G'sellschaft denn?

Foitenleitner laut schreiend: In d' Haberer!

Alle mit Ausnahme von Nusser: In d' Haberer, in d' Haberer?

Posthalter Wo sind denn nur Haberer?

Nusser Hier! Da, dort! Überall!

Foitenleitner Wie d' Ratzen.

Nusser Fünfhundert Mann stark.

Posthalter Ja, is denn des net der Findelhausverein, den ma da hört?

Foitenleitner O na, des san d' Haberer.

Posthalter Des... sind... d' Haberer?

Nusser sehr eindringlich: Ja., ja., das sind die Haberer.

Foitenleitner Z'erst da waren s' drunten im Dorf, uns zwoa haben s' a scheußliche Katzenmusi' bracht, und jetzt ziehen s' alle da 'nüber zu der Gregoriwiesen.

Posthalter Zu der Gregoriwiesen?

Posthalterin in größter Angst: Was wollen s' denn dort?

Foitenleitner Treiben wollen s' Ihnen.

Nusser zu Posthalter und Posthalterin: Ja, jetzt kommen Sie an die Reihe.

Posthalterin schreit entsetzt: Wer?

Das Geschrei draußen wird stärker.

Nusser Hören Sie 's?

Posthalterin fällt vorn rechts auf einen Stuhl: Gott, o Gott!

Rettinger mit stierem Blick am Tisch links: Die Haberer sind da? Die Haberer?

Hr. v. Beck Jetzt haben wir die Bescherung!

Götzensperger Recht sauber!

Größere Pause. Der Lärm dringt fortwährend herein, einmal stärker, dann wieder schwächer, aber immer so, daß man die Konversation im Saale gut verstehen kann. Die Entfernung der Gregoriwiese ist etwa auf zweihundert Meter gedacht.

Posthalter geht auf und ab. Endlich beginnt er in heftiger Bewegung: Und der Pfarrer? Der Amtsrichter? Die zwei hochmögenden Herrn! Is dene net a trieben wor'n? Ang'sagt hat man 's ihna doch a so halb und halb? Ha?

Foitenleitner ganz vernichtet: Bloß zu uns is die Bande kommen.

Posthalter Natürli'! Weil die Herren no' zur rechten Zeit von mir abg'fallen san. Des is nacher die Moral von de verkommenen Bauernkerl.

Nusser Furchtbar! Furchtbar!

Posthalter Also kommt niemand?

Foitenleitner Kei' Mensch kommt! Der Pfarrer hat 's 'm Findelhausverein heut' nachmittag ausdrückli' verbieten lassen, und wir zwei, i und der Nusser, san auf morgen um neune ins Pfarrhaus vorg'laden. Die Hände verkrampfend: Da kann's was geben!

Posthalter Warum? warum?

Nusser Weil wir Ihnen die Wiesen doch verkauft haben.

Foitenleitner Der Pfarrer hat 's gleich erfahr'n.

Nusser Und soll ganz rasend gewesen sein.

Foitenleitner Jetz' samma unmögli' im Dorf.

Nusser steht auf: Herr Posthalter, seien Sie vernünftig und redressieren Sie den Kauf, wir geben Ihnen Ihr Wort zurück.

Foitenleitner So is vielleicht noch eine Rettung für uns.

Nusser Der Preis war ja sowieso ein Wahnsinn.

Rettinger wird aufmerksam.

Foitenleitner Zwölftausend Mark!

Rettinger hüpft in die Höhe: Was? Wer hat Zwölftausend Mark boten?

Nusser Der Posthalter.

Rettinger Du? Du? So hast du über mei' Geld verfügt?

Posthalter Ach, lass' mir meine Ruh!

Rettinger Herr Bürgermeister, ich erkläre hiemit, daß ich kein' Pfennig bezahl', also ist der Kauf hinfällig.

Foitenleitner Lassen Sie 's sein, Herr Posthalter.

Nusser Treten Sie zurück!

Posthalter Wer hat 's Geld boten, der oder i? I hab 's boten und übermorgen liegt 's am Tisch, dafür steh i ein.

Rettinger Dann pump 's von 'm andern, ich geb kein Pfennig her! Er läuft in höchster Erregung hin und her und zupft an seinem Bärtchen.

Posthalter Übermorgen, sag i, liegt das Geld am Tisch! Jetzt will i die Wiesen erst recht haben! Wart! Wart! Wart!

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