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Die ersten Menschen im Mond

Herbert George Wells: Die ersten Menschen im Mond - Kapitel 27
Quellenangabe
authorHerbert George Wells
titleDie ersten Menschen im Mond
publisherJ. C. C. Bruns' Verlag
year1925
firstpub1905
translatorFelix Paul Greve
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161107
projectid27726c6c
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26
Die letzte Botschaft, die Cavor zur Erde sandte

In dieser unbefriedigenden Weise stirbt Cavors vorletzte Botschaft hin. Man meint ihn dort oben im blauen Dunkel unter seinen Apparaten zu sehen, wie er uns bis zum Schluß eifrig signalisiert, ohne von dem Vorhange der Verwirrung zu wissen, der zwischen uns sinkt; ohne auch von den endgiltigen Gefahren zu wissen, die schon da auf ihn zuschleichen mußten.

Sein unseliger Mangel am gewöhnlichsten Menschenverstand spielte den Verräter.

Er hatte vom Krieg geredet, er hatte von all der Kraft und der unvernünftigen Gewalttätigkeit der Menschen, von ihren unersättlichen Angriffen, der unermüdlichen Nichtigkeit ihres Kampfes geredet. Er hatte die ganze Mondwelt mit diesem Eindruck von unserer Rasse erfüllt, und dann meine ich, ist es klar, daß er das verhängnisvollste Geständnis ablegte, daß an ihm allein – wenigstens auf lange Zeit hinaus – die Möglichkeit hing, daß weitere Menschen den Mond erreichten.

Der Weg, den die kalte unmenschliche Vernunft des Mondes einschlagen mußte, scheint mir klar genug, und ein Argwohn und dann vielleicht eine plötzliche scharfe Klarheit darüber muß auch ihm gekommen sein. Man stellt sich vor, wie er mit dem in seinem Geiste wachsenden Gewissensbiß über diese verhängnisvolle Unvorsichtigkeit im Monde umhergeht.

Eine gewisse Zeit, bin ich zu glauben geneigt, erwog der Mondbeherrscher die neue Situation, und all die Zeit ist Cavor vielleicht so frei umhergegangen wie nur je. Aber Hindernisse irgendwelcher Art hinderten ihn, nach der Botschaft, die ich eben gegeben habe, wieder an seinen elektro-magnetischen Apparat zu kommen. Einige Tage lang erhielten wir nichts. Vielleicht hatte er neue Audienzen und versuchte seinen früheren Zugeständnissen auszuweichen. Wer kann das zu erraten hoffen?

Und dann plötzlich kam, wie ein Schrei in der Nacht, dem die Stille folgt, die letzte Botschaft. Es ist ein kurzes Fragment, die gebrochenen Anfänge zweier Sätze:

Der erste war: »Ich war wahnsinnig, den Mondbeherrscher wissen zu lassen – –«

Es folgte eine Pause von vielleicht einer Minute. Man denkt sich eine Unterbrechung von draußen. Einen Schritt von dem Instrument fort – ein furchtbares Zögern unter den ragenden Masten des Apparates in jener dunklen, blau erleuchteten Höhle – ein plötzlicher Sprung zu ihm zurück, voll einem Entschluß, der zu spät kam.

Dann folgte, wie als wäre es eilig aufgegeben: »Cavorit gemacht, wie folgt: nimm – –«

Es folgt ein Wort, ein ganz sinnloses Wort, wie es dasteht: »nutos«.

Und das ist alles.

Vielleicht machte er einen raschen Versuch, »nutzlos« zu buchstabieren, als sein Schicksal über ihm hing. Was dort um jenen Apparat geschah, können wir nicht sagen. Was es auch war, ich weiß, wir werden nie wieder eine Botschaft vom Mond erhalten.

Mir meinerseits ist ein lebhafter Traum zu Hilfe gekommen, und ich sehe, fast so deutlich, als hätte ich ihn tatsächlich gesehen, einen blauerleuchteten und schattenhaften zerzausten Cavor im Griff dieser Insektenseleniten ringen, immer verzweifelter und hoffnungsloser ringen, wie sie auf ihn eindringen, höre ihn schreien, protestieren, sehe ihn zuletzt vielleicht sogar kämpfen, und sehe, wie er Schritt für Schritt von jeder Sprache und jedem Zeichen für seine Mitmenschen zurückgezwungen wird, auf ewig in das Unbekannte hinein – in das Dunkel – in jenes Schweigen, das kein Ende hat ...

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