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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 96
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Neuntes Kapitel

Wie nun täglich neue Gerüchte kamen, Cortes wäre nicht mehr am Leben, da beschloß die Königliche Audiencia, sich hierüber Gewißheit zu verschaffen, und gab einem Schiffe, das mit mehreren Handelsleuten, 32 Pferden, Sattelzeug und vielen anderen Waren nach Neu-Hispanien ging, den Auftrag, sich genau zu erkundigen.

Als dieses Schiff durch die Brigantine erfuhr, daß der Generalkapitän noch am Leben war und sich an der Küste von Honduras aufhielt, änderte es seine Fahrtrichtung und fuhr nach Truxillo, wo es einen besseren Absatz seiner Ladung erhoffte. Durch diese Gelegenheit sandte der Rat Alonso Zuazo einen Brief an Cortes, worin er ihm die große Unordnung vermeldete, die in Mexiko vorging, und daß das Gerücht, er wäre tot, allgemein verbreitet und von gewissen Leuten mit Behagen aufgenommen worden sei. Alonso von Estrada und Rodrigö von Albornoz lägen im Gefängnis, Rodrigo von La Paz wäre gehängt worden. Sodann habe man andere Richter und Beamte eingesetzt, ihn selbst aber festgenommen und nach Kuba gebracht.

Dieses Schreiben schlug den Cortes fast zu Boden. »So geht's, wenn der Bauer aufs Roß kommt!« rief er aus. »Es ist mir recht geschehen. Ich habe Leuten ohne Verdienst zu Ehren verholfen und andere übergangen, die ihr Leben lang nicht von mir gewichen sind!«

Er zog sich in sein Gemach zurück, um sich die Sache zu überlegen und seinen Tränen freien Lauf zu lassen, vermochte aber zu keinem Entschluß zu kommen, indem er sich unklar war, ob er in Person nach Mexiko gehen oder jemanden hinschicken sollte. Er wollte das schöne Land, in dem er sich befand, nicht gern im Stiche lassen. Endlich entschied er sich aber dahin, daß die Erhaltung von Mexiko über alles andere gehe und daß er persönlich dort erscheinen müsse, um dem Unfug daselbst ein Ende zu machen.

Nunmehr bestimmte er, daß sein Vetter Hernando von Saavedra mit 50 hispanischen Schützen und 35 Rettern in Truxillo zurückbleiben und Gonzalo von Sandoval mit seiner Mannschaft von Nako über Guatemala nach Neu-Hispanien marschieren solle. Er selbst begab sich an Bord des Schiffes, das die Unglücksbotschaft gebracht hatte, um nach Medellin zu segeln. Aber gerade als man den letzten Anker lichten wollte, schlug das Wetter plötzlich um, so daß man nicht unter Segel gehen konnte. Nach zwei Tagen ging Cortes abermals zu Schiff, worauf die Anker gelichtet wurden und die Abreise unter dem prächtigsten Wetter vonstatten ging. Man war aber noch keine zwei Stunden weit, da zerbrach die große Segelstange, und man mußte wieder umkehren. Um den Schaden auszubessern, brauchte man drei Tage. Danach lief das Schiff bei gutem Wind aufs neue aus. Als es in zwei Nächten und einem Tage 50 Stunden zurückgelegt hatte, brach ein starker Gegenwind aus, und der Fockmast ging entzwei. Nicht ohne Mühe erreichte man Truxillo wieder.

Cortes vermeinte in der dreimal vereitelten Ausreise eine Weisung Gottes sehen zu müssen, und so glaubte er, dieses Land nicht mehr verlassen zu sollen. Er entschloß sich, mit dem Schiffe, auf dem ihm die Abreise nicht vergönnt war, einen seiner Diener namens Martin Dorantes nach Panuko zu schicken, mit Briefen an Getreue daselbst, zugleich mit einer Vollmacht für Franz von Las Casas, kraft deren er alles widerrufen sollte, was Cortes zugunsten anderer in der Statthalterschaft angeordnet hatte.

Mit diesem Schiffe gingen auch mehrere Kavaliere und angesehene Leute ab, die der Versicherung des Boten, Cortes sei noch am Leben, Nachdruck verleihen sollten. Dorantes entledigte sich, nicht ohne Gefahr, seines Auftrages. Ungeachtet, daß Las Casas inzwischen nach Hispanlen abgesegelt war, brachte er es doch zuwege, daß man seiner Nachricht vollen Glauben beimaß.

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