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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 91
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Viertes Kapitel

Cortes hatte den Guatemozin und eine Anzahl anderer mexikanischer Edelleute mit ins Feld genommen, damit sie nicht während seiner Abwesenheit die Hauptstadt und das Land in Aufruhr bringen konnten. Auch hatte er 3000 Mexikaner als Diener und Träger beim Heere.

Guatemozin ward der strengen Aufsicht, unter der er lebte, bald überdrüssig, und da es ihm an fürstlichem Ehrgeiz keineswegs fehlte, so kam er auf den Gedanken, sich die eigentümliche Lage der Hispanier zunutze zu machen. Er beschloß, sie zu überfallen, während sie in verschiedene Trupps getrennt dahinzogen, um sich durch ihren Tod an ihnen und besonders an Cortes zu rächen. Sodann gedachte er nach Mexiko zurückzukehren, sein Volk zur Freiheit aufzurufen und den Thron seiner Väter von neuem zu besteigen.

Mit diesem Plan machte er die Edelleute, die am Zuge teilnahmen, bekannt. Auch benachrichtigte er den in Mexiko zurückgebliebenen Adel und forderte ihn auf, daselbst alle Hispanier, deren Zahl nicht mehr denn 200 mit 50 Pferden betrug und die überdies einander immerfort in den Haaren lagen, an ein und demselben Tage umzubringen. Der Gedanke war nicht übel, wenn man es verstand, ihn auch auszuführen. Cortes hatte nur wenige Hispanier um sich. In Mexiko zurückgeblieben waren, wie gesagt, auch nicht viele, überdies im ganzen Lande zerstreut, auch zum Teil mit Alvarado in Guatemala oder mit Las Casas in Honduras. Etliche hielten sich auch in der Landschaft Michoakan bei den Bergwerken auf.

Ein Indianer aus Mexikalzinko, der später, als er Christ wurde, den Namen Christoval erhielt, entdeckte dem Generalkapitän die Verschwörung und eröffnete ihm die Pläne des Guatemozin. Auch gab er ihm eine Liste, darinnen in der Bilderschrift der Mexikaner alle Verschwörer aufgezeichnet waren. Sofort ließ Cortes zehn von ihnen festnehmen, ohne daß es einer von dem anderen wußte.

Die Festgenommenen vernahm er über die Zahl der Mitverschwörer, wobei er jedem einzelnen erklärte, die anderen hätten bereits alles eingestanden. So bekannten sie sämtlich, daß die Urheber des Anschlages Guatemozin, Koanakoch und Tetlepanquetzal wären. Die anderen aber hätten sich, wenngleich ihnen der Gedanke wohl gefallen habe, nicht ernstlich in die Sache eingelassen und auch an den Beratungen nicht teilgenommen. Sie fügten hinzu, daß sie ihrem angestammten Herrn allerdings gehorcht haben würden,wenn er sie zum Kampf um die Befreiung ihres Landes aufgerufen hätte. Das wäre ihre Pflicht und kein Verbrechen.

Nach diesen Geständnissen wurden die Schuldigen einem Kriegsgericht überliefert und das Urteil, das auf Hinrichtung durch den Strang lautete, an ihnen vollzogen. Den übrigen war die ausgestandene Angst Strafe genug. Als sie die drei Fürsten gehängt sahen, dachten sie nicht anders, als daß nun sie an die Reihe kämen. Übrigens erfuhren sie nie, auf welche Weise Cortes hinter ihr Geheimnis gekommen war. Sie blieben bei dem Glauben, der Kompaß habe ihm alles verraten. Seitdem und auch schon seit Cortes durch dies Werkzeug die Richtung nach Huetekpa gefunden hatte, waren sie davon überzeugt, daß man seine Gedanken vor Cortes nicht verbergen könne. Daher kamen sie oft zu ihm und sagten, er möge nur in den Spiegel schauen – so nannten sie den Kompaß –, damit er wisse, wie treugesinnt sie ihm seien. Es ist begreiflich, daß man sie bei ihrem Aberglauben ließ. Die Hinrichtung fand übrigens in der Fastnacht (28. Februar/1. März 1525) statt.

Wie aus dem Laufe seines Lebens erhellt, war Guatemozin ein tapferer Mann, der in all seinem Unglück seinen königlichen Sinn bewiesen hat. Bei seiner Gefangennahme nach der Eroberung der Stadt benahm er sich gefaßt. Bei der Verteidigung vordem und bei den Unterhandlungen war er von hohem Sinn. Und bei seiner Hinrichtung zeigte er sich nicht minder standhaft wie früher bei seiner Folterung, als man ihm das Geständnis abzwingen wollte, wo Montezumas Schatz verborgen sei. Statt der erhofften Reichtümer trugen die Hispanier dazumal nichts als Schande davon. Cortes hätte den Guatemozin am liebsten zum Ruhme seiner Siege aufgespart; allein er und seine Mannschaft hatten zu viel andere Arbeit, als daß sie sich immerdar genügend um die strenge Bewachung dieses Fürsten hätten kümmern können. Wertvoll war der Gefangene, denn die Mexikaner bezeugten ihm die nämliche Ehrfurcht wie ehedem dem Montezuma. Wohl aus diesem Grunde nahm ihn Cortes überall mit, wo er sich zu Pferd oder zu Fuß hinbegab.

Auf Apoxpalon machte die Bestrafung eines so hohen Fürsten einen furchtbaren Eindruck. Er geriet dadurch und auch durch eine Äußerung des Cortes über die Vielgötterei dermaßen in Angst, daß er eine Menge von Götzenbildern verbrennen ließ und vielfach beteuerte, er wolle diese Bilder nie wieder anbeten und überhaupt ein treuer Freund des Cortes und ein gehorsamer Untertan des Kaisers sein.

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