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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das sechste Kapitel

Am andern Tag, ehe die Sonne aufging, bin ich in aller Stille, damit es kein Feind merkte, mit meinen 13 Reitern, 100 Mann zu Fuß und meinen Indianern aus dem Lager gezogen. Streifend brannten wir zehn Dörfer nieder, davon eins mit mehr denn dreihundert Häusern. Mit den Bewohnern dieses einen Ortes haben wir kämpfen müssen. Die anderen aber sind entweder nicht verteidigt worden oder verlassen gewesen. Dieweil die Fahne mit dem heiligen Kreuze vor uns ging und wir für den Christenglauben im Dienst Eurer Kaiserlichen Majestät fochten, hat uns der liebe Gott so viel Kraft verliehen, daß wir eine gute Anzahl unsrer Feinde erlegten, selber aber keine Verluste erlitten. Obwohl der Gegner großen Zuzug bekam, errangen wir den Sieg und sind noch vor Mittag in unser Lager zurückgekehrt.

Am dritten Tage sind Gesandte zu mir gekommen von den Herren des Landes Tlaskala, die mir vermeldeten, sie wollten Eurer Kaiserlichen Majestät treue Untertanen und meine guten Freunde sein. Zugleich baten sie mich, ich möchte ihnen ihr unrechtes Verhalten gnädiglich verzeihen. Sie brachten uns Lebensmittel und Dinge aus feinem Federwerk, wie es bei ihnen in Gebrauch ist und sehr geschätzt wird. Ich gab ihnen freundlich die Antwort, sie hätten sich zwar übel benommen, gleichwohl aber sei ich gewillt, ihr Freund zu werden und ihnen das Geschehene nicht nachzutragen.

Am vierten Tage sind fünfzig Tlaskalaner in unserm Lager erschienen, darunter offenbar etliche Edelleute. Sie brachten uns Lebensmittel, besahen aber dabei gar fleißig unser Lager, sonderlich wo der Ein- und Ausgang wäre. Auch die Zelte, darinnen wir wohnten, betrachteten sie sich genau. Unsere Cempoallaner warnten mich deshalb, ich solle gut acht geben, denn die Gekommenen hätten Arges im Sinne und wären aus keiner andern Ursache erschienen, als um auszukundschaften, wie sie uns den größten Schaden könnten zufügen. Ich möge gewiß sein, daß sie nichts anderes wollten.

Da ließ ich einen von den fünfzig festnehmen, und zwar so heimlich, daß keiner von seinen Gefährten es merkte. Nachdem ich ihm durch einen Dolmetsch Angst eingejagt hatte, erklärte er, er wolle alles frei bekennen, was ich ihn fragte.

Also erfuhr ich, daß der General des Landes, durch das wir zogen, namens XikotenkatlXikotenkatl der Jüngere, – nicht zu verwechseln mit seinem Vater, dem hundertjährigen Geronten (erwähnt S. 183) – war ein hervorragender Mann, vielleicht der einzige, der den Untergang der vaterländischen Welt klar voraussah. Hätte seine Meinung Boden in seinem Volke gefunden und seine Kühnheit Nacheiferer, so wäre ihm der Ruhm des Cheruskerfürsten Armin gegen die Römer unter Varus zugefallen., hinter dem Berge, gegenüber unserem Lager, mit einem großen Heere von Tlaskalanern in Bereitschaft lag, um uns in der künftigen Nacht zu überfallen. Da man schon drei Tage mit uns gestritten hätte, ohne etwas zu schaffen, so sollte es nun bei Nacht versucht werden, wo unsere Reiter, unser Geschütz und unsere Schwerter den Indianern weniger Schrecken bereiteten. Sie selber seien als Kundschafter ausgeschickt, um das Lager und die Gelegenheiten zu besichtigen, wie man uns am leichtesten angreifen und unsere Zelte in Brand setzen könnte. Sofort ließ ich noch einen von den fünfzig fangen. Er gestand dasselbe wie der erste. Darauf ergriff ich weitere fünf von ihnen und schließlich alle fünfzig, denen ich allensamt die Hände abhauen ließ. Alsdann befahl ich, sie laufen zu lassen, mit der Weisung, sie sollten ihrem General melden, daß er, bei Tag oder Nacht oder wann er wolle, nachsehen könne, was für Kerle wir wären.

Ich verstärkte unser Lager, so gut es ging, und stellte mein Kriegsvolk an den nötigen Orten auf. So warteten wir, bis es zu dunkeln anfing. Da rückten die Feinde in zwei Schluchten gegen uns an, heimlich, wie sie vermeinten, um uns dann in der Nacht unversehens zu überfallen. Ich aber erfuhr alles und war der Meinung, sie gar nicht erst heranlassen zu dürfen, da mir dies gefährlich dünkte. Bei Nacht nämlich, wo sie wenig sahen, hätten die Angreifer weniger Furcht vor uns gehabt, während mein spanisch Kriegsvolk in der völligen Dunkelheit wohl mit weniger Mut und Zuversicht gefochten hätte. Auch war ich besorgt, die Feinde könnten unsere Zelte anzünden. Deshalb hab ich den Entschluß gefaßt, sie sofort durch meine Reiterei zu erschrecken und auseinander zu sprengen. Solches ist mir auch gut gelungen. Denn sobald sie sahen, daß meine Reiter mit Kriegsgeschrei und ohn alles Zagen wider sie ritten und einen Angriff auf sie begannen, da machten sie kehrt und liefen den Hang des Berges hinab. Dabei sind viele von ihnen gefallen. In der Flucht warfen sie auch die Lebensmittel von sich, die sie bei sich gehabt hatten, wohl um einen Schmaus abzuhalten, nachdem sie uns besiegt und erledigt hatten.

In den nächsten Tagen verblieb ich im Lager und bin nur ausgezogen, um etliche Ausfälle gegen Scharen von Indianern zu machen, die unter Kriegsgeheul mit uns scharmützelten.

Hernach aber in einer Nacht Hab ich all meine Reiter, 100 Fußknechte und mein indianisches Hilfsvolk genommen und bin nach der ersten Wache aus dem Lager gezogen. Etwa eine Meile vorwärts sind mir fünf Rosse gestürzt, und da sie nun lahm waren, Hab ich die fünf Reiter in das Lager zurückgeschickt. Wiewohl mich etliche Kameraden ermahnten, mit all meinem Volk kehrtzumachen, dieweil dies ein unglücklich Zeichen wäre, bin ich doch bei meinem Vorhaben geblieben, denn ich vermeine, daß Gott über der Natur steht.

Eh es Tag ward, überfiel ich zwei Dörfer, darinnen ich viele Indianer umbrachte, aber ich setzte die Orte nicht in Brand, damit man in den nächsten Dörfern meinen Anmarsch nicht durch das Feuer bemerkte. Und als es Tag ward, erstürmte ich ein drittes Dorf, das, wie ich später erfuhr, mehrere tausend Einwohner hatte. Das Volk darin lief ohne Wehr und Waffen aus den Häusern heraus, die Weiber und Kinder nackt, alles durcheinander. Anfangs machten wir viele nieder, – als ich aber sah, daß sie keinen Widerstand leisteten, kamen auch schon etliche der Ältesten des Dorfes zu mir und baten mich demütiglich, ich solle ihnen keinen Schaden mehr antun. Sie wollten sich Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben und meine guten Freunde sein, denn sie sähen jetzt wohl ein, daß sie an ihrem Unheil selber schuld wären, dieweil sie meinen Worten nicht hätten wollen glauben. Ich nahm sie in Gnaden an. Nun brachten mir 4000 Mann ihre Waffen und allerlei Lebensmittel an den Brunnen vor dem Dorfe. Sodann ließ ich sie in Frieden und zog wieder in mein Lager, wo ich die Zurückgebliebenen arg in Angst und Trübsal fand, denn sie hatten gefürchtet, es wäre uns übel ergangen, dieweil die fünf Rosse zurückgekommen waren. Als sie aber erfuhren, daß wir mit Gottes Hilfe einen Sieg errungen und ein großes Dorf zur Freundschaft gewonnen hatten, da war ihre Freude groß.

Und ich will Eurer Kaiserlichen Majestät nicht verhehlen, daß damals keiner unter uns gewesen ist, der nicht viel Furcht gehabt hätte, dieweil wir so weit in dies volkreiche Land eingedrungen waren, ohne Hoffnung auf irgendwelchen Beistand. Schon hatte ich mit meinen eigenen Ohren hören müssen, ich sei der leibhaftige Teufel, der seine Leute an einen Ort geführt, von wo sie nimmermehr könnten entrinnen. Heimlich hat man sich gesagt, ich sei ein Narr, daß ich immer weiter marschiere, derweil es das einzig Ratsame sei, an das Meer zurückzukehren. Täte ich dies nicht, so sei man gewillt, mich zu verlassen. Als man mich schließlich offen bat, vom Vormarsch abzulassen, da hab ich sie alle ermahnt, tapfer und guten Mutes zu sein und zu bedenken, daß sie Eurer Kaiserlichen Majestät Soldaten wären, und daß die Hispanier allerorts zu Wasser und zu Lande nimmer kleinmütig und verzagt gewesen, und daß wir vor dem Glücke stünden, Eurer Kaiserlichen Majestät ein großes Reich zu erobern, wie in der ganzen Welt kein zweites wäre zu finden. Auch sollten sie Gott dem Allmächtigen vertrauen, dem nichts unmöglich sei. Seine Güte und Gnade müßten sie schon daraus ersehen, daß so viele Feinde tot auf der Walstatt lägen, von uns aber kein einziger. Dies und noch viel mehr hielt ich ihnen immer wieder vor, bis sie neuen Mut gewannen für das, was ich mir vorgenommen hatte, nämlich das große Werk zu Ende zu führen, das ich begonnen.

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