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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 89
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Zweites Kapitel

Von Iztapa marschierte Cortes nach Tatahuitlapa. Hier fand er nur zwanzig Priester vor, in einem großen und reichgeschmückten Tempel auf dem jenseitigen Ufer. Sie erklärten ihm, sie seien hier verblieben, um mit ihren Göttern unterzugehen. Sie wären ihres Schicksals gewiß. Dies kam daher, daß den Hispaniern die Nachricht vorauszog, sie verbrennten alle Tempel. In Wahrheit ward das Kreuz der Christen aufgerichtet.

Und als die Priester Schmuckstücke aus Götzentempeln in den Händen der Soldaten sahen, riefen sie weinend aus, sie wollten nicht länger leben, denn ihre Götter seien tot.

Cortes und die Franziskanerbrüder machten ihnen hierauf die nämlichen Vorstellungen wie dem Häuptlinge von Iztapa und forderten sie auf, ihren heidnischen und törichten Glauben zu lassen. Aber sie erklärten einmütig, sie wollten sterben, den Gesetzen ihrer Väter und Ahnen treu.

Einer von den Priestern, anscheinend der Oberpriester, zeigte dem Generalkapitän auf der Karte den Ort Huatekpa und sagte dazu, dorthin könne man nicht zu Lande kommen.

In einiger Entfernung von Tatahuitlapa gelangte man an einen Sumpf, eine halbe Meile lang, sowie an ein Haff, das ohne Brücke nicht zu überschreiten war. Weiterhin ging es wieder eine Wegstunde weit durch einen Sumpf. Indes kamen hier die Pferde leichter durch, weil der Grund fest war, wenngleich ihnen das Wasser überall bis an die Knie und manchmal bis an den Gurt reichte.

Der Marsch führte nunmehr in ein Gebirge durch ein Tal, das sich so eng zusammenschloß, daß man vom Himmel nichts mehr sah als die Stelle, unter der man gerade hinzog. Dabei hatten die Bäume eine solche Höhe, daß man sie gar nicht ersteigen konnte. Ein Ausblick in das Land war darum nicht möglich. Zwei Tage ging es so beinahe auf das Geratewohl fort. Am Rand eines Tümpels, um den einiges Gras als Weide für die Pferde stand, ward haltgemacht und biwakiert, ohne daß man sich sättigen konnte. Viele meinten bereits, sie müßten allesamt elendiglich zugrunde gehen, ehe man wieder in eine bewohnte Gegend gelange.

In dieser mißlichen Lage holte Cortes seinen Kompaß und die Karte hervor, die er immer bei sich hatte. Er rechnete sich aus, in welcher Richtung der Ort lag, den ihm der Priester in Tatahuitlapa auf der Karte bezeichnet hatte, und fand, daß er nach Nordosten marschieren müsse, um nach Huatekpa zu gelangen. Nun zog man durch dick und dünn in besagter Richtung und kam nach unsäglichen Mühsalen wirklich genau dorthin, wo man hin wollte.

In Huatekpa (bei Bernal Diaz: Ciguatepek) tat man sich bei Früchten und allerlei Lebensmitteln gütlich. Auch die Pferde hatten grünen Mais in Menge, dazu vortreffliches Gras am Ufer. Der Ort selbst war leer. Cortes konnte also nicht erfahren, was aus den drei Zillen und den Hispaniern geworden war, die er den Fluß stromauf geschickt hatte. Man fand aber eine Armbrustsehne im Dorfe, – ein Zeichen, daß sie hier verweilt hatten, wenn nicht gar umgebracht worden waren.

Etliche Hispanier wurden beordert, über den Strom zu setzen und drüben die Gärten und Felder abzusuchen. Auf ihrer Suche kamen sie an einen großen See, wo sämtliche Bewohner des verödeten Ortes auf Inseln und in Kähnen lagen. Lachend und freundlich gingen sie den Hispaniern entgegen. Vierzig von ihnen wurden vor Cortes gebracht. Sie sagten, sie wären geflohen, weil ihnen der Häuptling von Iztapa Angst vor den Fremdlingen gemacht hätte. Indessen wären sie durch etliche bärtige Männer, die zusammen mit Leuten aus Civatla den Fluß herauf gekommen wären, bereits beruhigt worden. Auch habe ein Bruder ihres Häuptllngs jene Männer mit vier Kähnen voll Kriegern begleitet, damit ihnen in einer gewissen Ortschaft weiter stromauf kein Leid geschähe.

Cortes sandte sofort Leute aus, die diese Mannschaft zurückholen sollten. Tags darauf trafen sie glücklich ein und brachten eine Menge Mais, Kakao und Honig mit, dazu ein wenig Gold, worüber allgemeine Freude herrschte.

Auch aus vier oder fünf anderen Orten brachte man uns Lebensmittel, lediglich um die Fremdlinge zu sehen, von denen im ganzen Lande viel die Rede war. Zum Zeichen der Freundschaft überreichte man uns Gold, aber leider nur recht wenig. Cortes war sehr freundlich mit den Leuten und ersuchte sie, Christen zu werden. Dies versprachen sie, und nach Rückkehr in ihre Dörfer verbrannten sie ihre Götzenbilder.

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