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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 88
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Erstes Kapitel

Nachdem Cortes den Gonzalo Salazar und den Peralmindez mit den nötigen Vollmachten für die Übernahme der Statthalterschaft von Neu-Hispanien während seiner Abwesenheit durch Alonso von Estrada und Rodrigo von Albornoz von Espiritu Santo nach der Hauptstadt zurückgeschickt hatte, ließ er den Fürsten von Tabasko und Xikalanko ansagen, daß er sich in ihrer Nähe befände und einen großen Marsch vorhabe. Sie sollten ihm etliche Leute senden, die der Küste und des Hinterlandes kundig wären. Die Fürsten schickten ihm hierauf zehn angesehene Handelsleute. Nachdem sich Cortes mit ihnen über das, was er vorhatte, verständigt hatte, überreichten sie ihm eine Karte auf Baumwollenstoff, die den ganzen Weg von Xikalanko bis Nako, einer hispanischen Niederlassung in Honduras, und sogar bis Nikaragua an der Südsee und bis zur Hauptstadt des Pedrarias, des Statthalters von Tierra-firme, aufgezeichnet war. Diese Karte war bewundernswürdig, denn sie gab alle Flüsse und Gebirge an, die zu überschreiten waren, sämtliche größere Orte und sogar die Ventas (Gasthöfe), wo die Kaufleute, wenn sie auf die Märkte ziehen, Unterkommen finden. Übrigens bemerkten die Überbringer, daß die Hispanier eine Menge von den darauf aufgezeichneten Ortschaften inzwischen niedergebrannt hätten. Ihre Einwohner wären in die Berge geflohen, weshalb die Märkte an den betreffenden Orten nicht mehr stattfänden.

Cortes war nicht wenig verwundert über die genaue Kenntnis, die diese Leute von so weit entfernten Landschaften hatten. Er dankte ihnen für ihre Auskünfte und machte ihnen ein kleines Geschenk. Nachdem er sich mit Wegeführern und Dolmetschern versehen hatte, hielt er eine Truppenschau ab, aus der sich ergab, daß er über 150 Reiter und 150 wohlausgerüstete Mann zu Fuß verfügte. Dazu kamen 3000 Indianer, einschließlich der Weiber. Auch eine Herde Schweine ward mitgenommen.

Diese Tiere halten nämlich lange Märsche und große Mühsale sehr gut aus. Vier Geschütze, die aus der Hauptstadt angelangt waren, ein großer Vorrat von Mais, Gemüse, gedörrten Fischen, Pökelfleisch und anderen Lebensmitteln, sowie Waffen, Pulver und allerlei Kriegsgerät, schließlich Öl, Wein und Essig, – meist aus Verakruz und Medellin – ward in drei Karavellen geladen. Diese Schiffe erhielten den Auftrag, entlang der Küste nach der Mündung des Tabasko zu segeln. Cortes selber trat den Marsch zu Land an, mit der Absicht, sich nicht weit von der See zu entfernen.

Neun Wegstunden (50 km) entfernt von Espiritu Santo ging das Heer auf Barken über einen Fluß und betrat die Landschaft Tunala. Abermals nach neun Meilen (50 km) überschritt man den Aquivalko, wobei die Pferde schwimmen mußten. Der nächste Strom (der Rio Seco) hatte ein zu steiles und tiefes Bett, als daß dies wiederum geschehen konnte. Cortes ließ daher, eine halbe Wegstunde von der Meeresküste entfernt, eine Brücke aus Holz schlagen, die 934 Schritt (3OO m) lang war. Die Indianer, die an und für sich nicht erfreut darüber waren, bewunderten sie dennoch.

Nun gelangte Cortes nach Kopilko (das heutige Cupilco), der Hauptstadt der Landschaft. Auf dem Marsche bis dahin hatte man 35 Meilen (rund 200 km) zurückgelegt, dabei über 50 Flüsse und Wassergräben überschritten und fast ebenso viele Brücken geschlagen, da man auf andere Weise nicht hinüber kam. Das Land, durch das man gezogen war, hatte eine starke Bevölkerung. Sehr niedrig gelegen, umfaßt es eine Menge Haffs und Sümpfe, die dadurch entstehen, daß vom Meere Wasser überströmt und nicht wieder abfließen kann. Man hat daher überall Kähne. Der Boden bringt reichlich Kakao, Mais und manches andere hervor. An Fischen ist Überfluß. Kurzum, es fehlte dem Heere dort an nichts. Das Gebiet war immer in guten Beziehungen mit Espiritu Santo gewesen und wurde deshalb auch von da aus verwaltet.

Von Anaxaxuka (Nacajuca), der letzten Ortschaft des Gebiets von Kopilko, auf dem Wege nach Givatla, marschierte Cortes über ein Gebirge, durch sehr enge Schluchten, sowie über einen Strom namens Quezatlapan, einen Nebenfluß des Tabasko. Hier versah er sich mit Lebensmitteln aus den inzwischen angelangten Karavellen, mit Hilfe von 20 Zillen, die mit 200 Mann von der Mündung des Tabasko stromauf fuhren.

Der Tabasko ward übrigens auch überschritten, wobei ein Neger ertrank. Er versank mit seiner Last, einem Zentner Hufeisen, die in der Folge arg vermißt worden sind. Wenn ich nicht irre, so war es hier, wo sich Juan Xamarillo in der Trunkenheit mit Marina verheiratete, was Cortes nicht hätte zulassen dürfen, weil er doch Kinder von ihr hatte.

Während der zwanzig Tage, die Cortes in Civatla verweilte, ließ sich kein Eingeborener auftreiben, den man hätte als Wegeführer nehmen können. Man fand nur zwei Männer und etliche Weiber, nach deren Aussage alle übrigen Einwohner in die Berge und in die Sümpfe geflohen waren. Auf die Frage, ob sie etwas von Chilapa wüßten, das auf der Karte angegeben war, deuteten sie auf ferne Berge.

Cortes ließ eine 300 Schritt (etwa 100 m) lange Brücke schlagen, denn anders war aus diesem sumpfigen Ort nicht herauszukommen. Die Nacht darauf lagerte man auf einem hochgelegenen trockenen Felde.

In Chilapa angekommen, fand man den großen, in prächtiger Umgebung gelegenen Ort völlig niedergebrannt und zerstört. Nur zwei Männer hausten noch darin, die als Wegeführer nach Tamaztepek oder Tekpetlikan – wie andere es nennen – mitgenommen wurden. Auf dem Marsche dahin hatte man einen Fluß namens Chilapa zu überschreiten, wobei wiederum ein Träger mit seiner Last verunglückte. Zu den nächsten sechs Meilen (33,5 km) brauchte man zwei Tage, dieweil die Pferde fast immer bis an die Knie und oft bis an den Bauch durch Wasser und Schlamm treten mußten. Die Gefahren und Anstrengungen waren riesig. Auch drei Hispanier ertranken.

Tamaztepek war von seinen Bewohnern verlassen. Cortes rastete daselbst sechs Tage. Obst und Mais fand sich reichlich, letzterer sowohl grün auf den Feldern als auch getrocknet in den Mieten, so daß sich Menschen und Tiere nach dem harten Marsch ordentlich erholen konnten, den übrigens auch die Schweine erstaunlich gut überstanden hatten.

Bis Iztapa waren es zwei Tagesmärsche, immer durch Morast und Moor, worin die Pferde bis zum Gurt einsanken. Beim Anblick der Reiter fiohen die Einwohner entsetzt davon. Der Häuptling von Civatla hatte ihnen Angst eingejagt, die Hispanier brächten alles um, was ihnen in den Weg käme, und brennten alle Häuser nieder. Infolgedessen hatten sie ihre Habseligkeiten und ihre Frauen über den Fluß (Rio Usumacinta) gebracht, der an ihrem Ort vorüberfließt. Dies war so eilig geschehen, daß dabei eine Menge Menschen ertrunken waren. Etliche, die man einfing, berichteten dies alles. Daraufhin sandte Cortes die Leute, die aus Civatla, Chilapa und Tamaztepek bei ihm waren, zu den geflohenen Indianern, um ihnen bessere Begriffe von den Hispaniern und ihren Gebräuchen beizubringen. Auch ließ er die Aufgegriffenen wieder laufen. Sie erhielten noch allerlei Krimskrams geschenkt und Ausweise, daß kein Hispanier dem Vorzeiger etwas antun solle. Die Leute zogen vergnügt von hinnen. Nunmehr stellte sich der Häuptling des Ortes mit 46 Indianern ein, erklärte sich den Hispaniern untertan und bewirtete das Heer in den acht Tagen seines Aufenthalts auf das beste. Die Hispanier hatten zwanzig Weiber im Fluß gefangen, die er sich erbat und auch erhielt.

An diesem Orte trug es sich zu, daß man einen Mexikaner ertappte, wie er das Bein eines Eingeborenen verzehrte, den er umgebracht hatte. Cortes ließ den Missetäter den Feuertod sterben in Gegenwart des Häuptlings, dem er den Grund mitteilen ließ. Bei dieser Gelegenheit erläuterte er ihm durch den Dolmetsch die Grundsätze des Christenglaubens. Auch schilderte er ihm die Schrecken der Hölle und die Freuden des Paradieses, letztere so verlockend, daß der Häuptling Lust bekam, Christ zu werden.

Der Häuptling gab dem Cortes drei Zillen, in denen etliche Hispanier stromab nach der Mündung des Tabasko fuhren, um den Karavellen Befehle zu überbringen. Sie sollten weitersegeln und den Generalkapitän in der Himmelfahrts-Bai erwarten sowie ihm von dort aus durch geeignete Mittel über ein Haff hinweg Pökelfleisch und Schiffsbrot nach Akalan senden. Drei andere Zillen wiederum mit mehreren Hispaniern wurden stromauf abgeschickt, um Erkundungen zu machen. Die Gegend war nicht sehr friedlich.

Schon von hier aus drang das schädliche Gerücht nach Mexiko, Cortes kehre nicht wieder zurück, wodurch alle die schlechten Pläne von Salazar und Peralmindez Boden gewannen, wovon noch die Rede sein wird.

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