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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Das fünfte Kapitel

Am Ende des Tales kamen wir vor eine zwanzig Fuß breite Mauer aus großen Steinblöcken, anderthalb Mann hoch, die sich zwischen beiden Hängen etwa zwei Meilen weit hinstreckte, mit einer Brustwehr von anderthalb Schuh Breite. In der Mitte war ein einziges Tor, zehn Schritte breit. Im Durchgang war ein Zwinger; auch lief der Weg nicht eben hin, sondern schräg. Als ich mich erkundigte, zu welchem Zweck die Mauer erbaut wäre, berichteten mir Leute daselbst, sie stelle die Grenze des Landes Tlaskala dar. Auch bestätigte man mir, daß die Tlaskalaner beständig im Krieg wären mit Herrn Montezuma, ihrem Nachbarn.

Man sagte mir, da ich gekommen wäre, um Herrn Montezuma einen Besuch zu machen, so möchte ich doch lieber nicht durch das Gebiet seiner Feinde ziehen, dieweil selbige mir vielleicht bös gesinnt wären und mir Ungemach zufügen könnten. Man wolle mich einen andern Weg geleiten, der immer nur durch das Gebiet des Herrn Montezuma führe, wo ich allerorts wohl empfangen und gut beherbergt werden würde. Die von Cempoalla aber warnten mich, ich solle diesem Rat nicht trauen, sondern meinen Marsch mitten durch das Land Tlaskala nehmen. Im Reiche des Herrn Montezuma sei ich keineswegs sicherer. Man wolle mich nur an einen Ort locken, von wo ich nicht wieder herauskäme.

Dieweil ich den Worten der Cempoallaner mehr glaubte als denen der fremden Leute, so hab ich mich entschlossen, nach Tlaskala weiter vorzurücken, unter der größten Vorsicht. Mit sieben Reitern ritt ich selber auf eine halbe Meile vor, um das Land zu erkunden und um bei Feindseligkeiten Zeit zu haben, mein Kriegsvolk in Ordnung zu setzen.

So marschierten wir vier Meilen weiter. Als wir gerade den Hang einer kleinen Anhöhe hinabzogen, meldeten mir die zwei Reiter, die ich als Aufklärer vorausgesandt hatte, daß eine Schar Indianer, mit Schwertern und Schilden gewappnet, herankäme, die Federn auf ihren Köpfen trügen, was hierzulande Kriegssitte ist. Beim Anblick der beiden Reiter hatten sie haltgemacht. Ich ritt mit meinen sieben Reitern eilends vor und ließ den Indianern zurufen, sie sollten keine Furcht haben und näherkommen. Es waren ihrer 15 Mann. Sie stellten sich wider uns auf, um mit uns zu streiten, und erhoben ein wild Geheul, wohl das Zeichen, daß ihnen andere zu Hilfe eilen sollten. Wir gerieten mit ihnen in den Kampf, wobei sie männiglich fochten, so daß sie zwei unserer Pferde erlegten und drei verwundeten, auch zwei meiner Reiter. Alsbald zeigten sich an die 1000 Indianer. Gleich darauf kamen auch die anderen acht meiner Reiter herzu. Wir setzten das Scharmützel fort und zogen es in die Länge, bis mein hispanisch Fußvolk herannahte, dem ich einen Reiter entgegenschickte, mit dem Befehle, sie sollten eilen. In diesem Gefecht brachten wir den Indianern ziemliche Verluste bei, indem wir ihrer an die 60 erlegten, ohne daß wir dabei weiteren Schaden oder Nachteil erlitten. Wiewohl sie kühn und tapfer fochten, waren wir doch sowohl im Angriff wie beim Rückzug im Vorteil, dieweil wir zu Roß waren.

Als sie merkten, daß die Unsrigen nahten, sind sie abgezogen. Alsbald erschienen Gesandte, die, wie sie sagten, von den Herren des Landes Tlaskala geschickt waren. Bei ihnen befanden sich zwei von den Cempoallanern, die ich, wie schon vermeldet, von Kaltamni nach Tlaskala abgefertigt hatte. Jene gaben an, die Herren des Landes wären unschuldig an dem, was geschehen sei. Dies hätten Angehörige einer einzelnen Gemeinde ohne ihr Vorwissen getan. Da sie sehr bekümmert darüber wären, wollten sie mir die umgekommenen Pferde durch Gold ersetzen. Sie bäten auf das eifrigste um meine Freundschaft. Ich solle zu ihnen kommen, ohne etwas zu fürchten. Sie wären ernstlich gewillt, mich auf das beste aufzunehmen. Ich dankte den Boten und ließ den Herren von Tlaskala sagen, daß ich ihr Angebot annähme.

In der folgenden Nacht hab ich samt meinen Leuten im Feld biwakiert, etwa eine Meile weit weg vom Gefechtsorte, an einem Flusse, dieweil es zu spät am Tag war, um weiterzumarschieren, und dieweil mein Kriegsvolk müde war. Ich stellte Vorposten aus, sowohl Fußvolk wie Reiter. Als der Morgen graute, ordnete ich meine Streitmacht, also daß ich eine Vorhut und eine Nachhut hatte.

Als dann die Sonne aufging, gelangten wir vor ein Dorf. Daselbst sind mir die anderen beiden Cempoallaner, die ich nach Tlaskala vorausgesandt hatte, entgegengekommen. Weinend vermeldeten sie mir, daß sie ins Gefängnis geworfen worden waren und sicherlich den Tod erlitten hätten, wenn sie nicht nächtlicherweile heimlich entronnen wären.

Zwei Steinwurfweiten weiter ließ sich ein Haufen Indianer blicken, gar wohl gewappnet. Mit wildem Geschrei begannen sie mit Pfeilen und Wurfspießen auf uns zu schießen. Ich rief meinen Dolmetsch heran und ließ eine Unterhandlung beginnen, dieweil ich Frieden mit den Leuten von Tlaskala haben wollte. Aber je mehr man auf sie einredete, um so streitlustiger wurden sie. Als ich einsah, daß ich mit Worten nichts schaffen konnte, begannen wir kräftig die Gegenwehr. Im Laufe des Kampfes umringten uns viele tausend Indianer, und wir fochten bis zum Sonnenuntergang. Alsdann erst zogen die Feinde ab.

Mit unseren Geschützen, den 6 Hakenbüchsen, den 40 Armbrüsten, unseren 13 Reitern, die noch übrig waren, und dem vorhandenen Fußvolk haben wir ihnen beträchtliche Verluste und großen Schrecken beigebracht, während die Unsrigen ohn allen Schaden davonkamen, nicht gerechnet Hunger, Durst und die Mühen des Streites.

Dieselbige Nacht hab ich unser Lager in einem Tempel aufgeschlagen, der auf einer nahen Höhe stand. Als der Tag anbrach, ließ ich das Geschütz samt 200 Mann zu Fuß im Lager. Ich selbst ging mit 100 Hispaniern, dazu die 13 Reiter, und 400 Cempoallanern, die ich im Heere hatte, zum Angriff vor. Ehe mir der Feind entgegentrat, setzte ich sechs Dörfer in Brand, von denen ein jedes an die hundert Häuser hatte. Dabei machte ich 300 Gefangene, Weibs- und Mannspersonen. Alsdann zog ich ohne Verlust in das Lager zurück, obschon wir bis dahin verfolgt sind worden.

Am nächsten Tage aber, in der Morgenfrühe, wurden wir von vielen tausend Indianern, die das ganze Vorfeld bedeckten, angegriffen, und zwar so heftig, daß etliche von ihnen sogar in den Hof unseres Tempels eindrangen. Wir warfen uns ihnen entgegen, und mit des Allmächtigen Beistand vollbrachten wir es, daß nach vier Stunden das Lager vom Feinde gesäubert war. Der Ansturm draußen aber hörte erst auf, als die Nacht anbrach. Alsdann zog sich der Feind zurück.

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