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Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes

Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes - Kapitel 73
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleDie Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes
publisherInsel-Verlag
editorherausgegeben von Arthur Schurig
year1918
firstpub1918
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060228
projectid81cacf28
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Aus den Denkwürdigkeiten des Feldhauptmanns Bemal Diaz del Castillo

Einer, dem ich mein Buch zu lesen gegeben, hat gemeint, daß ich bei der Erzählung der Kriegsvorfälle, die ich miterlebt, meine eigene Person allzusehr habe herausgestrichen und ich es besser anderen überlassen hätte, davon zu reden. Darauf erwidere ich folgendes.

In einem an Seine Majestät den Kaiser im Jahre des Herrn 1540 von Mexiko aus gerichteten Schreiben hat der Markgraf (Cortes) mich und meine Dienste in seinem Heere selbst erwähnt und daß ich bereits an den beiden Unternehmungen teilgenommen hatte, die seinem eigenen Zuge nach Neu- Hispanien vorausgegangen waren. Er spricht dabei als Augenzeuge von meinem Verhalten in den vielen Schlachten und Gefechten in Mexiko, von meiner Tapferkeit bei der Erstürmung so mancher Stadt und von den vielen Wunden, die ich in jenen heißen Tagen empfangen; und das ich später auch seinen Feldzug nach Honduras habe mitgemacht und von vielen Umständen, die ich hier in der Kürze nicht alle anführen mag. In gleicher Weise hat sich auch der Vizekönig von Neu-Hispanien, Don Antonio von Mendoza, im Bericht an Seine Majestät über die damals im Dienst stehenden Offiziere ausgesprochen, völlig in Übereinstimmung mit den Äußerungen des Markgrafen. Schließlich hab ich auch 1540 dem Königlichen Rat von Indien persönlich genügende Beweise zu besagten beiden Beurteilungen vorgelegt. Sollte man jedoch mit dem Allem nicht zufrieden sein, so vermag ich noch einen anderen Zeugen anzuführen, einen gewichtigeren als sonstwen in der ganzen Welt: Seine Majestät, unseren Herrn und Kaiser höchstselbst, der in einer mit seinem kaiserlichen Siegel versehenen Urkunde verfügt hat, daß ich ob meiner vielen und ausgezeichneten Dienste, so ich anerkanntermaßen geleistet, ganz besonders solle berücksichtigt und mit meinen Kindern in bessere Umstände versetzt werden. Hiervon kann ich die Urausfertigung vorweisen, die ich wohl aufbewahre. Will man aber noch weiter Zeugnis, so sehe man das Land Neu-Hispanien an, das dreimal größer ist als unser Alt-Hispanien; so zähle man die Menge unserer mexikanischen Städte und Siedelungen und berechne die Reichtümer, die täglich aus diesem Teile der Neuen Welt nach Hispanien gehen.

Ich habe vor allen Dingen deshalb die Feder ergriffen, weil gewisse Geschichtschreiber, vor allem Gomara, von unser aller Verdienst und Waffenerfolg nichts vermelden, sondern jedwede Ehre allein dem Markgrafen zusprechen. Wer will ehrlich Geschichte schreiben, der darf uns andere Eroberer nicht totschweigen. Von des Cortes Heldenruhm ist ein Teil mein, denn ich hab in allen seinen Schlachten bei den Vordersten gefochten und unter seinen Obristen in zahlreichen anderen Gefechten. Dies alles hab ich nach Zeit und Umständen erzählt. Fürwahr, auch auf mich paßt jene Inschrift, die Cortes auf das Feldgeschütz setzen ließ, das in Mexiko aus Silber, Gold und Kupfer gegossen ward und das wir mit dem Namen Vogel Phönix Seiner Majestät dem Kaiser verehrt haben, – jene Inschrift:

Ein Vogel wie dieser ward nie noch geboren – Ein Diener wie ich wird nimmer gefunden – Einen Kaiser wie Du hat nur einmal die Welt!

Und als der Markgraf bei seiner ersten Reise nach Hispanien (1528) Seiner Majestät von seinen mutigen und tapferen Offizieren und Waffengefährten erzählte und dem Kaiser erklärte, er glaube nicht, daß die Geschichte der alten Römer größere Helden aufzuweisen habe, da war auch ich mitgemeint. Ähnliches soll Cortes zu Seiner Majestät mehrfach während des unglücklichen Feldzuges gegen Algier geäußert haben. Von all diesem Lob gebührt mir mein Teil, denn ich bin ihm allezeit ein redlicher Genosse gewesen.

Dies war meine Antwort. Gewiß wären alle diese Dinge besser von anderen erzählt worden, aber wer nicht selbst mit im Kriege gewesen ist, wer nicht alles mit eigenen Augen und Ohren angesehen und angehört hat, der kann auch nicht recht erzählen. Sollen die Spatzen davon reden, die in jenen blutigen Kämpfen über unseren Häuptern flatterten? Oder die Wolken, die über die Schlachtfelder hinzogen? Wer anders könnte davon erzählen als wir Offiziere und Soldaten, denen jene Tage nicht die leichtesten im Leben gewesen sind.

Ich habe keinen meiner braven Kameraden an seiner Waffenehre benachteiligt, sondern jedem den ihm gebührenden Ruhm gelassen. Ich nehme nicht alle Ehre für mich in Anspruch. Ich will ja nichts anderes, als daß mein Name und das Gedächtnis an mich nicht untergehen soll. Wie kühn es auch sein mag für einen schlichten Kriegsmann, wie ich einer bin, so darf ich mir doch wohl einen Vergleich erlauben. Wenn die alten Geschichtschreiber von dem großen Feldherrn und Eroberer Julius Cäsar berichten, er habe in 53 Schlachten gefochten, so darf ich von mir sagen, daß ich 119 Schlachten und Gefechte mitgemacht habe. Jene Schriftsteller rühmen von ihm, wie herzhaft und kampfbereit er zu jeder Stunde gewesen sei und wie er die Nächte zu Hilfe genommen habe, um sein Heldentum selber aufzuzeichnen. Obgleich es ihm an Geschichtschreibern nicht gefehlt hat, so hat er ihnen seine Waffenehre doch nicht allein anvertraut. Also wundere man sich nicht allzu arg, wenn ich bei der Schilderung der Feldzüge, die ich mitgemacht habe, auch mir selber ein paar Worte gönne, auf daß die Nachwelt davon rede und sage: Das war Bernal Diaz del Castillo! – und auf daß meinen Kindern und Kindeskindern ein Nachklang meiner Taten verbleibe bis in die späteste Zukunft.

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